Ein tragischer Unfall. So nennt es die Presse, als ein Cabrio mitsamt der Insassen an den steilen Klippen der Küste in die Tiefe stürzt. ›Natürlich war das nicht die Wahrheit‹, schreibt die namenlose Erzählerin, die als Einzige weiß, was wirklich geschehen ist, und fügt in ihrem Notizbuch das zusammen, ›was vielleicht schon immer zusammengehörte, ohne dass wir es wussten‹.
Sie ist stilsicher und smart, Musikmanagerin, eine erfolgreiche Selfmadefrau, deren Gesicht das Cover der VOGUE-Business ziert. Die Realität hinter den Kulissen ihres beneidenswerten Daseins jedoch ist trist: Ihr Vater ist tot, außer ihrer Mutter, die sich langsam wieder ins Leben kämpft, hat sie keine Familie, und sie selbst glaubt seit geraumer Zeit, nichts mehr fühlen zu können.
Ein Anruf lässt ihr – wenn schon nicht glückliches, so wenigstens stabil geglaubtes – Leben in sich zusammenfallen. Über Nacht setzt sie sich ins Auto und fährt los. Zurück in die trügerisch schöne Stadt am Meer, die sie vor zwanzig Jahren hinter sich gelassen hat. Dorthin, wo eine längst vergessen geglaubte Erinnerung begraben liegt.
Dorthin, wo sie einst Alec, eine der Furien, war. Damals war sie siebzehn Jahre alt ...
Zerrissen und getrieben von dem, was längst vergangen ist, und dem, was nie mehr sein kann, taumelt sie im wachtrunkenen Delirium zwischen Vergebung und Vergeltung durch das, was von ihrem Leben übrig ist – dem Unumkehrbaren entgegen.
Alec ist erfolgreiche Musikmanagerin, stilsicher und smart, eine Selfmadefrau, die sogar das Cover der VOGUE Business geziert hat. Doch sie sehnt sich nach einer anderen Realität, danach, eine eigene Familie ...
Alec ist erfolgreiche Musikmanagerin, stilsicher und smart, eine Selfmadefrau, die sogar das Cover der VOGUE Business geziert hat. Doch sie sehnt sich nach einer anderen Realität, danach, eine eigene Familie zu haben. Sie selbst glaubt nichts mehr fühlen zu können. Ihr Vater ist vor kurzem gestorben, als Familie bleibt nur noch ihre Mutter. Das Leben verschlägt sie in ihre eigene Vergangenheit, als sie und ihre beiden Freundinnen sich als Furyen bezeichnet haben, geboren aus Schmerz und Blut.
Alec hat sich einen Alias-Namen gegeben, ihren wahren Namen möchte sie nicht preisgeben. Wie sie auch den Namen ihrer beiden Freundinnen nicht nennt, alle drei bezeichnet sie mit den Namen, die sie sich mit ihren damals siebzehn Jahren als Furyen gegeben haben. Sie in diese Vergangenheit zu begleiten, ist schmerzvoll, das deutet schon das Kapitel 0 an, mit dem das Buch startet. Man ahnt, dass die gesamte Geschichte tragisch sein wird, sind die Furien doch die Rachegöttinnen der griechischen Mythologie. Und so entführt die Lektüre in einen Sommer, der so viel versprach und so viel veränderte. Untergründig ahnt man bei der Lektüre, dass hier viel Schmerz in der Geschichte steckt, der sich aber nur nach und nach aufdeckt, in Alecs Eintauchen in ihre eigene Vergangenheit.
Dieser Roman ist nicht leicht zu lesen. Dennoch hat er mich schnell in seinen düsteren Bann gezogen. Sehr gerne empfehle ich das Buch weiter und vergebe 4 von 5 Sternen.
Ein Unfall, der keiner ist, auf einer Küstenstraße. Eine Familie, die in den Tod stürzt. Eine Protagonistin, die sich in ihrer Jugend nach einer der Furien benannt hat: Alec. Die namenlose Erzählerin ist ...
Ein Unfall, der keiner ist, auf einer Küstenstraße. Eine Familie, die in den Tod stürzt. Eine Protagonistin, die sich in ihrer Jugend nach einer der Furien benannt hat: Alec. Die namenlose Erzählerin ist eine erfolgreiche Businessfrau, hat unlängst das Vogue-Cover geziert und lebt ein Leben, das sich viele wünschen. Doch ihr Privatleben ist eher trist. Der Vater ist vor Kurzem gestorben, die Mutter gewöhnt sich erst langsam an die neuen Lebensumstände und wird von der Erzählerin auf Singlereisen geschickt. Sie selbst wünscht sich einen neuen Lebensinhalt, doch ein Anruf macht diese Hoffnung zunichte. So fährt sie, mit ihrem Tagebuch von damals im Gepäck, zurück in die Stadt am Meer, die sie zwanzig Jahre zuvor hinter sich gelassen hat und zurück zu den Erinnerung an ihre Zeit mit Meg und Tess. Sie drei, die sich nach den Furien der griechischen Mythologie benannt haben, und in diesem Sommer doch die tragischen Figuren waren. Als Tochter von Auswanderern hat Alec seit Jahren ein Stipendium an einer Elite-Schule und bewegt sich als Außenseiterin in dieser Welt voller Privilegien und Macht. Doch an ihren Freundinnen sieht sie, dass Geld längst nicht glücklich macht. Meg wird von einer alkoholkranken Mutter vernachlässigt, Tess von einem gewalttätigen Vater tyrannisiert. Währenddessen liegt der Sommer vor den Mädchen, eine Zeit voller Lebensfreude, Partys und der ersten großen Liebe. Es ist der Versuch der erwachsenen Protagonistin, ganz im Sinne des Sprichworts "Laugh in places you cried" die Geschichte umzuschreiben.
"Furye" ist ein sehr eindringlicher Roman. Passend zum Cover liegt der Sommer irgendwie über allem, und gleichzeitig liegen Tiefe und Dunkelheit darunter. Man sollte keine leichte Sommerunterhaltung erwarten, es geht um unerfüllte Wünsche und tiefe menschliche Abgründe, die alle mit diesem einen Sommer in Verbindung stehen. Die Geschichte handelt von Macht und Machtmissbrauch, Vertrauen, Verrat und Verlust. In einem Zeitstrang erleben wir die Protagonistin, die noch erwartungsvoll und zuversichtlich in die Zukunft schaut, im zweiten Handlungsstrang erleben wir sie zwischen unerfüllten Wünschen und dem Verlangen nach Vergebung und Vergeltung. Die Atmosphäre ist eher düster als sommerlich. Auch wenn die Handlung zwischenzeitlich etwas zäh und langsam wirkte, hat sie mich weitgehend gepackt. Das Buch deutet Dinge geschickt an, die teilweise nie explizit erläutert werden und Raum für die eigene Deutung lassen. Die Unumkehrbarkeit der Ereignisse fühlt sich manchmal regelrecht erdrückend an und hebt dadurch die Bedeutung von Entscheidungen hervor, die schon in jungen Jahren von einem selbst oder von anderen getroffen werden. Dieser Roman verbindet viele große Themen geschickt, ohne sie alle auszudiskutieren. Auch wenn die Geschichte letzten Endes gut im Kontext der Mythologie interpretierbar ist, hätte ich mir dennoch ein wenig mehr Erläuterung gewünscht, wie die Mädchen darauf kamen, sich nach den Furien zu benennen, denn wirklich wütend oder "rasend" ist zunächst nur Meg.
Insgesamt ist "Furye" ein gelungener Roman, der gut zum Sommer passt, auch wenn er kein sommerlicher Unterhaltungsroman ist. Der Roman ist tiefgründig, düster und regt zum Nachdenken an, wobei man etliches selbst deuten und einige Längen in Kauf nehmen muss. Die Vielschichtigkeit und die Mühelosigkeit, mit der zahlreiche gesellschaftliche Themen angesprochen werden, haben mir jedoch gut gefallen, genauso wie der eingängige Schreibstil mit seinen zahlreichen Metaphern.
„Furye“ von Kat Eryn Rubik hat mir insgesamt sehr gut gefallen. Besonders das atmosphärische Retro-Design und die raffinierte Erzählweise auf zwei Zeitebenen konnten überzeugen.
Im Zentrum stehen drei ...
„Furye“ von Kat Eryn Rubik hat mir insgesamt sehr gut gefallen. Besonders das atmosphärische Retro-Design und die raffinierte Erzählweise auf zwei Zeitebenen konnten überzeugen.
Im Zentrum stehen drei 17-jährige Freundinnen, die einen Sommer voller erster Liebe erlebe. Doch schnell zeigt sich, dass es um weit mehr geht: soziale Unterschiede, Armut und Privilegien. Gerade dieser Spannungsbogen zwischen jugendlicher Leichtigkeit und drängenden gesellschaftlichen Themen macht den Roman so faszinierend.
Die Sprache ist temporeich und besitzt eine Sogwirkung, die es schwer macht, das Buch aus der Hand zu legen. Furye verstört und berührt gleichermaßen: ein Roman, der zugleich von Hitze, Schmerz und der bittersüßen Schwere unauslöschlicher Erinnerungen getragen wird.
Einziger Wermutstropfen: Die Figuren sind stellenweise doch sehr klischeehaft; hier hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht.
Dennoch ist „Furye“ ein eindringlicher Coming-of-Age-Roman, der weit über eine bloße Sommergeschichte hinausgeht.
Vordergründig führt sie ein erfolgreiches, geradezu beneidenswertes Leben. Doch hinter der Fassade der hübschen, kinderlosen Musikmanagerin, Ende 30, sieht es anders aus: Sie ist Single und nicht glücklich. ...
Vordergründig führt sie ein erfolgreiches, geradezu beneidenswertes Leben. Doch hinter der Fassade der hübschen, kinderlosen Musikmanagerin, Ende 30, sieht es anders aus: Sie ist Single und nicht glücklich. Und von ihrer Familie ist ihr nur ihre Mutter geblieben. Ein plötzlicher Anruf bringt ihren Alltag durcheinander und treibt sie zurück in eine Stadt am Meer, wo sie zuletzt in einem Sommer vor 20 Jahren eine der Furien war…
„Furye“ ist ein Roman von Kat Eryn Rubik.
Der Roman wird eingeleitet mit einem kurzen Prolog und endet mit einem Epilog. Dazwischen liegen neun Kapitel, die in der Ich-Perspektive einer jungen Frau erzählt werden, die anonym bleiben will. Zudem gibt es eine weitere Ebene: die Einträge aus einem Notizbuch, aufgeschrieben von der Protagonistin, als sie 17 Jahre alt war und sich Alec nannte.
Der Schreibstil ist einzigartig und besitzt einen Wiedererkennungswert. Die Sprache ist manchmal etwas derb bis vulgär, atmosphärisch stark und bisweilen von einer poetischen Note durchzogen.
Für mich ist die Protagonistin keine typische Sympathieträgerin. An ein paar Stellen habe ich mich an ihrem Verhalten gestört. Dennoch wirken sie und die übrigen Figuren größtenteils authentisch.
Die Geschichte dreht sich um die Jugend und das Erwachsen werden. Inhaltlich ist der Roman dabei jedoch durchaus keine leichte Kost. Es geht es um Erinnerungen, Schmerz, Trauer und Verlust, aber auch um Gewalt und andere unschöne Erfahrungen.
Auf den fast 350 Seiten ist die Geschichte von einer subtilen Spannung geprägt. Schon nach den ersten Seiten entwickelt die Geschichte einen Sog, dem ich mich nicht entziehen konnte.
Das Covermotiv sticht hervor und macht neugierig. Der außergewöhnliche Titel mit der besonderen Schreibweise erregt Aufmerksamkeit und passt sehr gut.
Mein Fazit:
„Furye“ von Kat Eryn Rubik ist ein in mehrfacher Hinsicht ungewöhnlicher Roman.
Die 37-jährige, namenlose weibliche Hauptfigur ist erfolgreiche Musikmanagerin, deren Gesicht zuletzt auf dem Cover der VOGUE-Business zu sehen war. Hinter der schönen Fassade ahnt niemand, dass sie mit ...
Die 37-jährige, namenlose weibliche Hauptfigur ist erfolgreiche Musikmanagerin, deren Gesicht zuletzt auf dem Cover der VOGUE-Business zu sehen war. Hinter der schönen Fassade ahnt niemand, dass sie mit psychischen Problemen zu kämpfen hat. Zudem ist ihr Vater kürzlich an Krebs gestorben, was ihre Mutter nur schwer verwunden hat. Als sie dann auch noch eine niederschmetternde Nachricht erhält, die sie ihre Zukunft noch düsterer sehen lässt, nimmt sie sich eine Auszeit und fährt an den Ort, wo sie aufgewachsen ist.
Dort war sie eine der drei Furien, eine Clique von drei 17-jährigen Mädchen, die an der elitären Schule Außenseiterinnen waren. Die impulsive Meg litt unter der alkoholkranken, desinteressierten Mutter, die schüchterne Tess unter einem prügelnden Vater und einer wehrlosen Mutter und sie selbst, mit dem Spitznamen Alec, an den ärmlichen Verhältnissen als Tochter von Einwanderern. Dort verliebte sie sich auch in den schönen Romain und den trifft sie nun 20 Jahre später wieder.
Der Roman handelt auf zwei Zeitebenen aus der Sicht von Alec, wobei die Vergangenheit auf der Grundlage ihres Notizbuchs aus der Zeit als Teenager wiedergegeben wird. Von den drei Furien war Meg die dominante, die so voller Wut war. Ihre Schimpftiraden richteten sich gegen patriarchale Strukturen und ihre Rachegelüste gegen Lehrer, Väter und Männer, die Grenzen überschritten. Gleichzeitig liebte sie es zu provozieren und Männer herauszufordern. Alec hingegen war frisch verliebt, auch wenn ihr der Klassenunterschied zu dem reichen Romain Probleme bereitete.
20 Jahre später fühlt sich Alec innerlich leer und kehrt dorthin zurück, wo sie etwas zurückgelassen hat, was sie in der Gegenwart nicht mehr erreichen kann. Neben quälenden Erinnerungen hat sie Megs Stimme im Ohr, die weiterhin auf Rache aus ist.
Durch Andeutungen ist frühzeitig zu erahnen, was sich in der Vergangenheit ereignet hat und die bittere Parallele zur Gegenwart zu erkennen. Spannend bleibt dabei, was sich Alec von ihrer Reise in die Vergangenheit erhofft und welche Rolle Romain darin spielt.
Die Geschichte ist furios, bitter, traumatisch und brutal. Sowohl in der Gegenwart als auch in der Vergangenheit werden leidenschaftlich Grenzen überschritten, überwiegend aus Wut statt aus Liebe. Sie handelt von Depressionen, Alkoholismus, Gewalt, Vernachlässigung, Suizid, Demenz, Einsamkeit und unerfülltem Kinderwunsch. Die Themen gehen dabei fließend ineinander über, so dass sie selbst bei der übersichtlichen Anzahl an handelnden Personen nicht zu viel sind. Aus der Ich-Perspektive erscheint sie zudem eindringlich und authentisch und lässt die Frage offen, ob aufgrund der Anonymität autobiografische Züge enthalten sind.
Enttäuschend ist jedoch das idealisierte, träumerische Ende, das im Vergleich zu dem sonst so mutigen Buch nicht stimmig wirkt.