Ein tragischer Unfall. So nennt es die Presse, als ein Cabrio mitsamt der Insassen an den steilen Klippen der Küste in die Tiefe stürzt. ›Natürlich war das nicht die Wahrheit‹, schreibt die namenlose Erzählerin, die als Einzige weiß, was wirklich geschehen ist, und fügt in ihrem Notizbuch das zusammen, ›was vielleicht schon immer zusammengehörte, ohne dass wir es wussten‹.
Sie ist stilsicher und smart, Musikmanagerin, eine erfolgreiche Selfmadefrau, deren Gesicht das Cover der VOGUE-Business ziert. Die Realität hinter den Kulissen ihres beneidenswerten Daseins jedoch ist trist: Ihr Vater ist tot, außer ihrer Mutter, die sich langsam wieder ins Leben kämpft, hat sie keine Familie, und sie selbst glaubt seit geraumer Zeit, nichts mehr fühlen zu können.
Ein Anruf lässt ihr – wenn schon nicht glückliches, so wenigstens stabil geglaubtes – Leben in sich zusammenfallen. Über Nacht setzt sie sich ins Auto und fährt los. Zurück in die trügerisch schöne Stadt am Meer, die sie vor zwanzig Jahren hinter sich gelassen hat. Dorthin, wo eine längst vergessen geglaubte Erinnerung begraben liegt.
Dorthin, wo sie einst Alec, eine der Furien, war. Damals war sie siebzehn Jahre alt ...
Zerrissen und getrieben von dem, was längst vergangen ist, und dem, was nie mehr sein kann, taumelt sie im wachtrunkenen Delirium zwischen Vergebung und Vergeltung durch das, was von ihrem Leben übrig ist – dem Unumkehrbaren entgegen.
Als Erstes hatte mich das Cover aufmerksam werden lassen und vielleicht habe ich mir deshalb so viel von dem Buch erhofft. Leider empfand ich die Geschichte und vor allem dem Weg zum Ende, der Katastrophe, ...
Als Erstes hatte mich das Cover aufmerksam werden lassen und vielleicht habe ich mir deshalb so viel von dem Buch erhofft. Leider empfand ich die Geschichte und vor allem dem Weg zum Ende, der Katastrophe, als eher langwierig und das Buch konnte mich über weite Strecken hin (vor allem im Mittelteil) nicht fesseln, weshalb ich vergleichsweise auch echt lange für die Lektüre gebraucht habe. Eine Teilschuld daran hat vielleicht auch die Übersetzung, die das Geschriebene oftmals etwas holprig und nicht so natürlich auf mich wirken ließ, was mich dann, wie erwähnt nicht so schnell ans Buch fesselt und das Leseerlebnis dadurch zäher wird. Besonders schwer fiel es mir bei den Flashback Kapiteln, die mich immer wieder rauswarfen aus der Geschichte und regelrecht nervten, weil sie mich vom spannenden oder interessanten Part des Buches wieder wegzerrten. Diese Kapitel wirkten auf mich auch anders, was den Schreibstil angeht und entsprachen nicht ganz so meinem Geschmack.
Leider konnten mich die Charaktere auch nicht überzeugen und ich brauche meist Sympathien für die Hauptfiguren, um wirklich mit Herz und Seele in die Geschichte einzutauchen und das war hier nicht der Fall.
Das Ende gefiel mir wiederum wirklich ganz gut, was das Buch wieder auf die 3 von 5 Sternen verhalf, aber hier möchte ich nicht zu viel verraten.
Reichlich überspannt das Ganze. Wäre da nicht der rüde Sprachgestus und das Übermaß an explizit dargestelltem Sex in mancherlei Spielarten, man könnte meinen, es mit einem viktorianischen Schauerroman ...
Reichlich überspannt das Ganze. Wäre da nicht der rüde Sprachgestus und das Übermaß an explizit dargestelltem Sex in mancherlei Spielarten, man könnte meinen, es mit einem viktorianischen Schauerroman zu tun haben. Einigen wir uns vielleicht auf Bonjour tristesse 2.0.
Was man der Autorin zugute halten mag, ist der ungemein ausgefeilte Plot, der in immer neuen Pirouetten die beiden dicht verwobenen Zeitebenen mit immer neuen Twists ausstattet. So haben wir es also mit dem Dreigestirn der Freundinnen Alec, Meg und Tess zu tun, deren modernistische Namen bereits an die Furien der griechischen Mythologie angelehnt sind. In abgezirkelter Weise sind diese in ihr jeweiliges Setting eingebettet: familiärer Hintergrund, soziologisch definiertes Milieu, unterschiedliche Profile hinsichtlich Aussehen, Verhalten, Temperament.
So entfaltet sich auf beiden Zeitebenen eine übermäßig düstere Leidenschaft zwischen der Erzählerin Alec und Romain, so einer Art Halbgott, ein Adonis, aber leider hochdepressiv und entsprechen destruktiv. Im Gefolge dieser dramatischen Beziehung wird der Leser mit diversen Formen von Kollateralschaden konfrontiert. Die Apotheose der Heldin erfolgt höchst überraschend, und nach 349 Seiten gemischt aus zeitweise praller Action und mittigen Längen, kommt dieser Höllenritt aus pubertärem Ennui und Lebenshunger an ein in philosophischer Gelassenheit getränktes Ende.
Die Selfmadefrau Alec, Gesicht der Vogue Business, lächelt sich händeschüttelnd durch die Vernissage. Die Toxou stellt ästhetisch fragwürdige Fotografien aus und Alecs neuer Stern am Klassikhorizont hat ...
Die Selfmadefrau Alec, Gesicht der Vogue Business, lächelt sich händeschüttelnd durch die Vernissage. Die Toxou stellt ästhetisch fragwürdige Fotografien aus und Alecs neuer Stern am Klassikhorizont hat seinen Gastauftritt. Die Toxou und sie haben nichts gemein, außer dass sie kinderlose Singlefrauen sind und sich gefährlich nah an einen Burnout heranarbeiten. Alec war ungewollt das leuchtende Beispiel des Kindes einer Einwandererfamilie, die Alma Mater mit dem rasanten Aufstieg zur einflussreichsten Managerin der Neoklassikbranche. Die Leute um sie herum stürmen das Austernbüffet. Ein Koch schiebt sein Messer unter die obere Schale, durchtrennt den Schließmuskel und tötet das lebendige weiche Fleisch. Die Gäste träufeln Zitronensaft oder Zwiebelvinaigrette darüber und schlürfen den Inhalt in ihren Mund. Es folgen große Schlucke eines roséfarbenen Champagners und Gespräche über Armbanduhren und Anlageoptionen. Die Toxou flüstert ihr ins Ohr, welche Party sie im Anschluss besuchen wird und Alec solle sie doch begleiten, aber Alec will nach Hause. Will sich in der Stille ihrer Wohnung, mit der Tablette aus der weiß-blauen Packung und einer Flasche Weißwein lebendig begraben.
Damals, als sie Siebzehn war, gehörte ihnen die kleine Stadt und das Meer. Damals, als sie nur Lust und Schmerz und doch so lebendig waren, die drei Furyen. Alec wohnte in dem Viertel, das niemand gerne betrat, der nicht dort zu Hause war. Ihre Eltern hatten ihre Heimat verlassen und ganz von vorne anfangen müssen. Ihr Vater arbeitete als Taxifahrer, die Mutter als Reinigungskraft. Die beiden teilten sich die Schlafcouch im Wohnzimmer, damit Alec ihr eigenes Zimmer hatte und in Ruhe lernen konnte. Trotzdem waren sie glücklich. Alec arbeitete in Nics Bar und bekam ein Stipendium, doch dann warf sie ein Auge auf den schönen stillen Romain, der einen Jahrgang über ihr war.
Fazit: Kat Eryn Rubin hat eine Geschichte geschaffen, die das Frausein in allen Facetten beleuchtet. Ihre Protagonistin kommt aus einem liebevollen Elternhaus, ganz im Gegensatz zu ihren beiden Freundinnen. Ein großer Teil der Story dreht sich um das Unglück schöner junger Frauen, die sich im Dunstkreis älterer wohlhabender Männer bewegen, um die Oberflächlichkeit von Beziehungen und die Last der Abhängigkeiten. Die Wut darüber verlassen worden zu sein, oder die Ohnmacht darüber ständiger häuslicher Gewalt ausgesetzt zu sein. Die Protagonistin, die sowohl als Freundin, aber auch als Kellnerin hautnah mitbekommt, wie Männer sein können und sich bewusst für ein unabhängiges Leben entscheidet, damit dann unglücklich ist, weil sie das Fehlende nicht ersetzen kann. Ich fand den Schreibstil eingängig und unterhaltsam. Gerade zu Anfang hat mich die Geschichte gefesselt, später fand ich sie zu langatmig. Die Stimmung ist so melancholisch und es scheint so aussichtslos, dass sich etwas zum Positiven bewegen wird, dass es mich zum Ende richtiggehend runtergezogen hat. Der Schluss ist ebenso überraschend wie unglaubwürdig. Für mich war das Bild des egoistischen, reichen, weißen, heteronormativen Mannes, das die Autorin gezeichnet hat, zu einseitig. Irgendwie auch persönlich, als sei an dieser Stelle noch eine Rechnung offen.
Jahre ist es her, dass die namenlose Protagonistin ihrer Heimat den Rücken gekehrt und in die Großstadt gezogen ist. Hier ist stets etwas los, und längst ist sie, die sogar schon das Gesicht auf dem Vogue-Cover ...
Jahre ist es her, dass die namenlose Protagonistin ihrer Heimat den Rücken gekehrt und in die Großstadt gezogen ist. Hier ist stets etwas los, und längst ist sie, die sogar schon das Gesicht auf dem Vogue-Cover war, jemand geworden. Dann jedoch kommt es zu einem Zwischenfall auf der Arbeit und zeitgleich erhält sie einen Anruf, der es erfordert, für eine Weile in ihr kleines Heimatstädtchen zurückzukehren. Hier, wo sie - obwohl nicht aus den entsprechenden Kreisen - früher auf eine Eliteschule gegangen ist, wo ihre damaligen besten Freundinnen Meg und Tess lebten, wandelt sie nun durch die Straßen ihrer Vergangenheit.
Ich sage es, wie es ist: Der Roman hat mich so gar nicht abgeholt. Die Protagonistin war mir von Anfang bis Ende unsympathisch; viel schwerer nich wiegt aber die Tatsache, dass ich die Handlung als unglaublich langweilig empfand. Es passiert - nichts. Auch, wenn das Ende des Romans okay war und vermutlich sogar der bets Teil der Geshcichte, habe ich vergeblich darauf gewartet, dass hier irgendwann doch noch die entscheidende Wendung kommt, irgendein Detail, das mich catchen kann. Kam aber nicht, und die meiste Zeit habe ich mich mehr durchgeschleppt als den Roman zu genießen. Schade, aber für mich war das nichts.