Cover-Bild Lasst mich einfach hier sitzen und Yakisoba essen
18,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Eichborn
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 304
  • Ersterscheinung: 31.10.2025
  • ISBN: 9783847902249
Kikuko Tsumura

Lasst mich einfach hier sitzen und Yakisoba essen

Roman. »Mit Genuss pulverisiert Tsumura das neoliberale Arbeitsideal. Surreal und sehr böse« DAZED
Katja Busson (Übersetzer)

Die Erzählerin in diesem Roman ist müde - von der Arbeitswelt, ihren absurden Ritualen und entfremdenden Herausforderungen. Gebeutelt von den nie enden wollenden Anforderungen des, na ja: Kapitalismus, wünscht sie sich einen Job, bei dem sie möglichst wenig investieren muss, also am liebsten sehr wenig denken. Allerdings entwickeln auch die abseitigsten Anstellungen ihre Tücken - von Läden, die wie von Zauberhand vom Erdboden verschwinden, über mysteriösen Sekten, zu einem Landschaftspark, der von einem Geist heimgesucht scheint. Fast könnte man meinen, das System ist das Problem ...
Ein abgründiger Roman über die Tücken des modernen Alltags - lustig, surreal, hellsichtig und manchmal ganz schön beunruhigend.

Weitere Formate

Dieses Produkt bei deinem lokalen Buchhändler bestellen

Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 31.10.2025

Ein unterhaltsames Stück japanischer Literatur mit ernsten Elementen

1

Mein Urteil zu japanischer Literatur war bislang recht ausgewogen: Mal fand ich sie toll, mal traf sie nicht meinen Geschmack. Entsprechend gehe ich neugierig und offen an neue Werke heran und konnte mich ...

Mein Urteil zu japanischer Literatur war bislang recht ausgewogen: Mal fand ich sie toll, mal traf sie nicht meinen Geschmack. Entsprechend gehe ich neugierig und offen an neue Werke heran und konnte mich von „Lasst mich einfach hier sitzen und Yakisoba essen“ positiv überraschen lassen.

Anfänglich hatte ich noch Bedenken, dass mir die distanzierte, emotional eher oberflächliche Erzählweise zu kalt sein könnte. Denn grundsätzlich mag ich Geschichten mit hoher Emotionalität und/oder unperfekten Protas. Und ja, auch hier bleiben wir schon wirklich sehr an der Oberfläche, aber das halte ich für ziemlich authentisch und da der Roman wirklich unterhaltsam ist, konnte ich sehr gut damit leben.

Die namenlose Protagonistin sucht nach ihrem Burnout einen neuen Job und bekommt von ihrer Arbeitsvermittlerin (übrigens ein absoluter Engel der Geschichte - wäre es doch nur in der Realität auch öfter so) insgesamt fünf verschiedene Stellen vorgeschlagen. Alle Jobs sind wirklich sehr skurril und/oder zehrend langweilig, etwa das Verfassen kurzer Snacktütentexte oder die digitale Observierung einer Person. Ich sehe hier gewisse Parallelen zu sogenannten Bullshit-Jobs, da all diese Tätigkeiten ziemlich banal oder sogar überflüssig wirken. Wenn diese Analogie von der Autorin beabsichtigt war, schreibt sie sie auf jeden Fall äußerst kreativ!

Alle Jobs eint aber etwas, das durchaus als Kritik am neoliberalen Kapitalismus verstanden werden kann: Der Job wirkt sich zunehmend auf das Privatleben aus und nimmt die Hauptfigur teilweise sogar komplett ein. So freundlich und hilfsbereit die Vorgesetzten und das Kollegium auch immer sind (auch das sehr japanisch geschrieben), die Lohnarbeit nimmt im Leben spürbar zu viel Raum ein.

Ich fand nicht nur die Auswahl der Arbeitsstellen kreativ und unterhaltsam, sondern auch die Ausübung des jeweiligen Jobs. Denn immer passieren komische Dinge, welche die Hauptfigur zu verstehen und lösen versucht. Diese kleinen Spannungsmomente haben meinen Lesefluss enorm gesteigert und waren gleichzeitig nicht ZU spannend!

Positiv erwähnen möchte ich auch, dass hier wiederholt über psychische Erkrankungen, konkret auch durch die Lohnarbeit bedingte, gesprochen wird. Es bleibt stets bei der Nennung, da wir die Figuren auch einfach nicht so tiefgreifend kennenlernen, aber ich halte das bereits für bahnbrechend im japanischen Literaturbereich. Da der persönliche Karriereweg noch einmal von so viel mehr Erwartungen begleitet ist und psychische Erkrankungen entsprechend deutlich mehr stigmatisiert sind als in Deutschland, finde ich diese wiederholten Anmerkungen ganz stark! Da müssen die eigenen Erwartungen meiner Meinung nach auch an die gesellschaftlichen Umstände des Ursprungslandes angepasst werden und so verlange ich nicht, dass bspw. eine Depression auf Figurenebene noch einmal detailliert ausgebreitet wird.

Mit dem Schluss bin ich vor diesem Hintergrund allerdings nicht ganz zufrieden und an manchen Stellen hatte der Text auch seine Längen. So scharfzüngig, wie der Klappentext vermuten lässt, fand ich den Roman zwar bei Weitem nicht, doch insgesamt war es wirklich eine überraschend unterhaltsame und gut lesbare Lektüre, die ich Menschen mit Interesse an japanischer Literatur mit einem gewissen kritischen Element sehr ans Herz lege.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Thema
Veröffentlicht am 29.10.2025

Ruhig erzählter Roman über die Absurdität der Arbeitswelt

0

Der Roman ist eine ruhig erzählte Geschichte, in dem sich die namenlose Erzählerin aus ihrem Job wegen eines Burn-outs zurückzieht und einfach müde von der Arbeitswelt ist. Sie wünscht sich einen anspruchslosen ...

Der Roman ist eine ruhig erzählte Geschichte, in dem sich die namenlose Erzählerin aus ihrem Job wegen eines Burn-outs zurückzieht und einfach müde von der Arbeitswelt ist. Sie wünscht sich einen anspruchslosen Job, in dem sie möglichst wenig denken muss. Daraufhin begleitet man sie durch verschiedene, zum Teil schon fast absurde Jobs, die zwar langweilig klingen, aber zum Teil geschehen mysteriöse Dinge und mit jeder Tätigkeit bekommt sie wieder mehr Bezug zu ihrer Tätigkeit.

Es wird einem vor Augen geführt, welchen Raum die Arbeit im Leben einnehmen kann, gerade auch in Japan, wo die Arbeitsbedingungen noch einmal etwas anders sind als bei uns. Ein Buch, das zum Nachdenken anregt, auch wenn ich die zweite Hälfte etwas weniger spannend fand, als die erste Hälfte.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Thema
Veröffentlicht am 28.10.2025

Nachhallend

1

Es ist ein kurzer Roman aus Japan, über verschiedene Jobs und die Suche nach dem geeigneten Beruf. Bezieht sich auf die Frage ob die Protagonistin noch in ihrem alten Beruf arbeiten möchte.
Es ist alles ...

Es ist ein kurzer Roman aus Japan, über verschiedene Jobs und die Suche nach dem geeigneten Beruf. Bezieht sich auf die Frage ob die Protagonistin noch in ihrem alten Beruf arbeiten möchte.
Es ist alles dabei, von der Langeweile im Job bis hin zu einem kleinen Cozy Krimi, der einlädt sich im Herbst auf die Couch zu legen und zu schmökern.

Mir persönlich hat das Buch gefallen, hatte auch die perfekte Länge mit Haushalt, Familie und Beruf.
Konnte mich auch sehr gut in die Protagonistin hinein versetzen, manchmal ist es eben so, dass der Akku leer ist und auch oft bleibt.
Zwar hätte ich mir am Ende etwas anderes vorgestellt, aber wenn man darüber nachdenkt macht es natürlich Sinn.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Thema
Veröffentlicht am 28.10.2025

Eine Reise durch die Arbeitswelt wird zur Suche nach sich selbst

1

Mit ihrem ruhigen, nachdenklichen Erzählstil schafft die Autorin es, die Auswirkungen, die feine Nuancen des heutigen Arbeitslebens auf uns haben, mit erstaunlicher Detailschärfe herauszuarbeiten. Bemerkenswert ...

Mit ihrem ruhigen, nachdenklichen Erzählstil schafft die Autorin es, die Auswirkungen, die feine Nuancen des heutigen Arbeitslebens auf uns haben, mit erstaunlicher Detailschärfe herauszuarbeiten. Bemerkenswert ist dabei, wie sie auch den Eindruck, den vermeintlich einfache Tätigkeiten ohne Tiefgang auf unseren Alltag und unser Innenleben haben, einfängt.
Die Handlung entfaltet sich eher langsam vor dem inneren Auge der Lesenden, wird dabei aber nicht langatmig, da wir stets an der detaillierten Gedanken- und Gefühlswelt der Protagonistin teilhaben. Diese Tiefe ist es auch, die die Hauptfigur sehr nachvollziehbar und sympathisch werden lässt. Nebencharaktere werden eher skizziert als detailliert herausgestellt, was der Geschichte aber alles in Allem zuträglich ist, da sie sich hauptsächlich im Inneren der Protagonistin entfaltet.
Das Ende des Buchs hält eine überraschende, aber nachvollziehbare Wendung bereit, die auch etwas zum Nachdenken anregt.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Thema
Veröffentlicht am 27.10.2025

Die Kunst, sich selbst nicht zu verlieren

1

In „Lasst mich einfach hier sitzen und Yakisoba essen“ erzählt Kikuko Tsumura von einer Frau, die nach einem Burnout ihren Job kündigt und sich auf die Suche nach einem ruhigeren Leben macht. Sie möchte ...

In „Lasst mich einfach hier sitzen und Yakisoba essen“ erzählt Kikuko Tsumura von einer Frau, die nach einem Burnout ihren Job kündigt und sich auf die Suche nach einem ruhigeren Leben macht. Sie möchte arbeiten – aber bitte ohne Stress, ohne Druck und ohne das Gefühl, sich selbst dabei zu verlieren. Was folgt, ist eine Reise durch verschiedene ungewöhnliche Jobs, schräge Begegnungen und Situationen, die manchmal fast wie ein Traum wirken.

Die Erzählerin bleibt namenlos, aber ihre Gedanken sind sehr nahbar. Sie beobachtet viel, denkt nach, zieht sich zurück – und genau das macht sie so interessant. Die Sprache ist ruhig und klar, manchmal traurig, manchmal überraschend witzig. Besonders schön ist, wie die Autorin es schafft, die kleinen Dinge des Alltags groß wirken zu lassen.

Die surrealen Elemente wirken nicht übertrieben, sondern wie ein Spiegel für das, was die Erzählerin innerlich bewegt. Es geht um Orientierungslosigkeit, um das Gefühl, nicht mehr in die Welt zu passen, und um die Frage, wie man trotzdem weitermacht.

Was mir besonders gefallen hat: Die Jobs, die die Protagonistin ausprobiert, sind so ungewöhnlich wie charmant. Die Atmosphäre in den Büros ist oft angenehm, die Ideen kreativ – und jedes Mal war ich ein bisschen traurig, wenn sie wieder weiterzieht. Man möchte sie festhalten, ihr sagen: Bleib doch einfach hier sitzen und iss deine Yakisoba.

Ein Buch über Erschöpfung, Selbstschutz und die Sehnsucht nach einem anderen Leben. Für alle, die sich schon mal gefragt haben, ob es nicht auch mit weniger Stress und mehr Ruhe gehen könnte.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Thema