Ein leiser Roman mit unerwarteter Tiefe
Dieses Buch war für mich ein echtes Lesehighlight – ruhig, klug und voller leiser Hoffnung. Schon der Titel hat mich neugierig gemacht, und tatsächlich entfaltet sich hier eine Geschichte, die so unaufgeregt ...
Dieses Buch war für mich ein echtes Lesehighlight – ruhig, klug und voller leiser Hoffnung. Schon der Titel hat mich neugierig gemacht, und tatsächlich entfaltet sich hier eine Geschichte, die so unaufgeregt beginnt, dass man erst nach und nach merkt, wie viel Tiefe in ihr steckt.
Die Ich-Erzählerin, die nach einem Burn-out eine neue, einfache Arbeit sucht, nimmt im Laufe des Buches ganz unterschiedliche Jobs an – von Buswerbung bis hin zu skurrilen Beobachtungstätigkeiten. Dabei entstehen immer wieder kleine, fast magische Momente, in denen sich das Alltägliche plötzlich verändert. Besonders schön fand ich, dass jede dieser Aufgaben ihre eigene Atmosphäre hat und das Buch dadurch niemals eintönig wird.
Kikuko Tsumuras Schreibweise ist dabei etwas ganz Besonderes: ruhig, fast meditativ, und trotzdem unglaublich eindringlich. Sie beschreibt scheinbar einfache Dinge so feinfühlig und detailreich, dass man sich völlig in die Gedankenwelt der Erzählerin hineinversetzen kann. Zwischen den Zeilen liegt eine große Sensibilität und Wärme – man spürt, dass es in dieser Geschichte nicht nur um Arbeit oder Sinnsuche geht, sondern um Menschlichkeit, Hoffnung und leise Verbindungen zwischen Menschen.
Für mich war das Buch weniger gesellschaftskritisch als vielmehr tröstlich und ermutigend. Besonders die Figur von Frau Eriguchi hat mich tief berührt – sie wirkt wie ein stiller Engel, der der Erzählerin hilft, ihren Weg zurück ins Leben zu finden. Und gleichzeitig zeigt die Geschichte, dass man selbst manchmal zu einem Engel für jemand anderen werden kann.
Ein außergewöhnliches, feinfühliges Buch, das lange nachhallt – leise, aber mit großer Wirkung.