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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.04.2026

Graue Welt

Flora Brimble und der verlorene Frühling
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In Rye will der Frühling nicht kommen und die Stimmung der Dorfbewohner leidet, vor allem die von Flora Brimble, die nicht nur den Frühling herbeisehnt, sondern auch hofft, dass der Frühling ihrem Vater ...

In Rye will der Frühling nicht kommen und die Stimmung der Dorfbewohner leidet, vor allem die von Flora Brimble, die nicht nur den Frühling herbeisehnt, sondern auch hofft, dass der Frühling ihrem Vater Gesundheit mitbringt. An ihrem Geburtstag kauft Flora sich magische Tinte, um die Geschichte ihrer Heldin Harriet weiterschreiben zu können. Nichts ahnend, dass damit ihr größtes Abenteuer beginnt und sie sich auf die Suche nach der Maikönigin macht. Kann Flora den Frühling zurückbringen?

Flora Brimble und der verlorene Frühling von Marcus Raffel richtet sich an Kinder ab zehn Jahren. An dem Punkt beginnt meine erste Kritik, denn meine Mitleserin (11 Jahre) hat sich sehr schnell vom Buch abgewendet, der Schreibstil war ihr zu langweilig und die Geschichte dadurch zäh. Dieses Lesegefühl kann ich sehr gut verstehen, obwohl mir der Schreibstil ausgesprochen gut gefallen hat und ich mich vor allem zu Beginn sehr an den Erzähler aus dem Film ‚Lemony Snicket - rätselhafte Ereignisse‘ zurückerinnert fühlte, dennoch hat er sich nicht passend für das Alter der Rezipienten angefühlt. Mir gefiel jedoch der spitze Humor, die Phasen bei denen sich die Geschichte direkt an mich als Leserin wendet und auch die fantastischen Begleiter Floras.

Die Geschichte selbst ist durchaus spannend, wenn man den Schreibstil mag und in die Welt von Flora eintauchen kann. Zwischenzeitlich wird es auch sehr düster und der Perspektivwechsel kann für Irritationen sorgen. Nicht besonders gut gefallen hat mir, dass Harriet sehr häufig nur als ‚das rothaarige Mädchen‘ bezeichnet wurde, äußerliche Merkmale - in dieser Häufigkeit - als Synonym für Harriet zu verwenden, finde ich vor allem in Kinder- und Jugendbüchern schwierig. Auch empfand ich die Geschichte an manchen Stellen als etwas unrund bzw. zu hektisch, aufgrund ständiger Settingwechsel und dem Gefühl durch diese durchzurasen.

Am Ende hätte ich Flora Brimble und der verlorene Frühling vermutlich dennoch 4 Sterne gegeben, weil ich als Erwachsene meinen Spaß an der Geschichte habe. Im Anbetracht des Alters der Zielgruppe sind es jedoch nur 3 und vielleicht sollten Kinder erstmal die Leseprobe lesen, um ein Gefühl für den Schreibstil zu bekommen.

Veröffentlicht am 14.04.2026

Skurriles Leben

Verlorene Schäfchen
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Die Flynns sind eine schrecklich komische Familie, die aus William ‚Bud‘, Catherine und ihren drei Töchtern Abigail, Louise und Harper besteht. Bud und Catherine haben sich in ihrem Ehealltag auseinander ...

Die Flynns sind eine schrecklich komische Familie, die aus William ‚Bud‘, Catherine und ihren drei Töchtern Abigail, Louise und Harper besteht. Bud und Catherine haben sich in ihrem Ehealltag auseinander gelebt, weswegen Catherine ein Abkommen vorschlägt, das Bud schließlich zu den Verlorenen Schäfchen treibt. Und auch die drei Töchter haben ihre ganz eigenen Probleme. Abigail ist schwerverliebt, Louise sucht verzweifelt nach der Liebe und Harper glaubt einer großen Verschwörung auf der Spur zu sein.

Verlorene Schäfchen von Madeline Cash ist eine tragisch-komische Geschichte, die durch ständige Perspektivwechsel durchgehend dynamisch bleibt. Dennoch kam mir im Laufe der Geschichte die Frage auf, was ich hier lesen. Familie Flynn ist speziell, aber teilweise derart überspitzt dargestellt, dass der Humor hinter den Figuren verloren geht. Das ein Familienmitglied seltsame Wege nimmt, durchaus realistisch, dass alle fünf Familienmitglieder auf wirklich kuriose (Ab-)Wege kommen, unwahrscheinlich. Ich hab zwar keinen Realismus erwartet, aber zumindest auf etwas mehr Wahrscheinliches gehofft.

Trotzdem gibt es einige Ansätze die mir gefielen und ab und an auch Szenen über die ich gut lachen konnte, sodass ich mich trotzdem gut unterhalten fühlte und durch das Ende auch einen positiven Abschluss mit dem Buch haben konnte. Verlorene Schäfchen ist definitiv ein etwas anderes Buch, das einen ganz speziellen Humor und Familie mit sich bringt.

Veröffentlicht am 11.04.2026

Spannungsarm

Bachelorette Party
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Tessa macht ihrer Freundin Anneliese eine Freude und trifft sich mit ihr auf einer abgelegenen Schäreninsel. Dort möchte Anneliese ihren Junggesellinnenabschied feiern, fernab der Zivilisation und ohne ...

Tessa macht ihrer Freundin Anneliese eine Freude und trifft sich mit ihr auf einer abgelegenen Schäreninsel. Dort möchte Anneliese ihren Junggesellinnenabschied feiern, fernab der Zivilisation und ohne Handys. Doch Tessa hat ein ungutes Gefühl, denn ein Cold Case geht ihr nicht aus dem Kopf, vier Frauen sind vor zehn auf einer Schäreninsel spurlos verschwunden. Können Tessas Bedenken so viele Jahre später noch berechtigt sein?

Bachelorette Party von Camilla Sten konnte mich leider in sehr vielen Punkten nicht überzeugen. Der erste Kritikpunkt hat dabei noch nicht einmal etwas mit der Autorin zutun, sondern mit dem Klappentext. Es nimmt dem Inhalt jegliche Spannung, wenn dieser fast 2/3 des Buchs beschreibt und damit viel zu viel vorwegnimmt. Lange Zeit würde ich auch eher von einem Spannungsroman a la Lucy Clarke sprechen, nur dass die Spannung eben komplett flöten gegangen ist. Ja und dann die Auflösung, auch die war leider komplett vorhersehbar und damit wurde auch ganz offen gespielt, denn Finten sucht man hier vergeblich. Und dann kommt das Ende, das dann den Namen Thriller alle Ehre macht, aber so gar nicht in das Tempo des Buches passt und daher lediglich übertrieben und unstimmig wirkt. Schade, denn Potenzial war durchaus vorhanden. Der Schreibstil der Autorin ist leicht und trägt einen durch die Geschichte, auch die Protagonistin ist tiefgründiger beschrieben, wenn mir auch nicht wirklich sympathisch. Die Nebencharaktere bleiben jedoch eher blass.

Alles in allem hat Bachelorette Party mich leider enttäuscht und die zwei Sterne gibt es nur, weil ich durch den guten Schreibstil schnell durchs Buch gekommen bin und das obwohl der Inhalt zäh war.

Veröffentlicht am 09.04.2026

Falsche Botschaft!

Meine dunkle Vanessa
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Vanessa schläft mit fünfzehn das erste Mal mit ihrem Englisch-Lehrer, Jacob Strane. Strane ist der einzige Mensch, der sie wirklich versteht und für sie steht fest: es ist Liebe und alles was zwischen ...

Vanessa schläft mit fünfzehn das erste Mal mit ihrem Englisch-Lehrer, Jacob Strane. Strane ist der einzige Mensch, der sie wirklich versteht und für sie steht fest: es ist Liebe und alles was zwischen den beiden passiert, passiert mit ihrem Einverständnis. Jahre später wird Strane von einer ehemaligen Schülerin wegen sexuellen Missbrauchs angezeigt, ändert das Vanessas Blick auf ihre eigene Vergangenheit?

Meine dunkle Vanessa von Kate Elizabeth Russell erleben wir aus der Perspektive Vanessas zu drei verschiedenen Zeitpunkten. Russell gelingt es unglaublich gut diese Perspektiven und Gedanken zu beleuchten und einzufangen, dabei geht sie ins Detail und man kann die Dunkelheit der Geschichte förmlich spüren.

Und obwohl Russell wirklich gut den Inhalt übermittelt und man die Details der Geschichte erkennt, die Arbeit darin förmlich spürt, gibt es zu viel Aspekte, die mir absolut nicht gefallen.

Weswegen es mir selten schwerer fiel eine (schlechte) Rezension zu schreiben, auch weil ich das Thema und das Gespür für solche Übergriffe super wichtig finde, dennoch bleibt am Ende ein fader Beigeschmack an der Geschichte haften.

Aber von vorn: Vanessas Perspektive aus der Vergangenheit gefällt mir am besten. Ihre ambivalenten Gefühle für die Situation, das Erlauben von Dingen und doch der große Zwiespalt, die Zweifel und immer wieder der Schimmer von Erkenntnissen, dass er vielleicht doch mehr dafür macht, dass sie etwas zustimmt, was sie eigentlich nicht möchte. Diese Details wurden unglaublich gut gestreut und dennoch fühlt man als Leser:in, dass Vanessa Opfer wurde.

Umso schlimmer ist dann die Perspektive Vanessas in der Gegenwart. Opfer sexuellen Missbrauchs werden kleingeredet, weil sie weniger schlimme Dinge erfahren haben als sie selbst und das obwohl ihr selbst weiterhin die Erkenntnis fehlt, dass ihr wirklich etwas angetan wurde. Ja, diese Gedankenwelt gibt es und doch fehlt mir der Aufbruch, der extrem wichtig ist. Opfer haben es heutzutage schwer genug, da braucht es keine Protagonistin, die klaren Missbrauch nicht erkennt. In diesem Buch wird sämtliche Hoffnung zerstört, dass Opfern geglaubt wird und ich hatte am Ende das Gefühl, dass der Geschichte der rote Faden fehlt. Ich weiß nicht, was die Autorin mir mit dieser Geschichte vermitteln wollte.

Auch die ambivalenten Gefühle in der Gegenwart hätten (!) funktionieren können, wenn der Aufbruch gekommen wäre, wenn Vanessa den Punkt erreicht hätte zu Erkennen, dass sie zum Opfer wurde. Aber der kam nicht und so bleibt Vanessa als unsympathische Protagonistin zurück und das obwohl ihr Leid aus der Vergangenheit enorm groß ist.

Veröffentlicht am 02.04.2026

Wohlfühlen in Lower Whilby

The Iced Caramel Coffee Agreement
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Eleanore liebt ihre Heimatstadt Lower Whilby und ist in dieser als hilfsbereite und zuverlässige Frau bekannt. Doch sie hat auch das Gefühl, dass sie in ihrer Heimat immer das Mauerblümchen sein und von ...

Eleanore liebt ihre Heimatstadt Lower Whilby und ist in dieser als hilfsbereite und zuverlässige Frau bekannt. Doch sie hat auch das Gefühl, dass sie in ihrer Heimat immer das Mauerblümchen sein und von keinem Mann jemals richtig wahrgenommen wird. Plötzlich kommt ihr Jugendschwarm Dex wieder zurück nach Lower Whilby, ausgebrannt und verbittert von seinem Leben, möchte er sich selbst finden. Gemeinsam schmieden sie einen Plan und wollen sich gegenseitig zur Hilfe stehen.

The Iced Caramel Coffee Agreement von Kyra Groh ist der zweite Teil der Reihe, der uns in das gemütliche Kleinstädtchen Lower Whilby entführt. Nachdem mich der erste Band nicht richtig abholen konnte, weil es sich einerseits wie eine Einführung in das Städtchen gefühlt hat und ich andererseits mit den beiden Protagonist:innen nie richtig warm wurde, war ich ganz gespannt, wie mir der zweite Band gefallen würde und was soll ich sagen? Eleanore, Dex und Kyra haben mich nicht enttäuscht!

Kyras Schreibstil ist wie immer erste Klasse, der Humor, die zahlreichen Metaphern und die Atmosphäre sorgen nicht nur für eine Menge Lesespaß, sondern auch für ein kurzweiliges Lesevergnügen und dann sind da die beiden Protagonist:innen. Eleanore ‚Nore’ mit ihren vielen Zweifeln, den endlosen Gedanken nicht genug zu sein wirkt aus dem Leben gegriffen. Ich konnte mich in ihr selbst sehen, aber ich konnte auch ganz viele Freunde in ihr wieder erkennen und das hat sie von der ersten Seite an nahbar und authentisch gemacht. Und obwohl Dex scheinbar genau das Gegenteil von Nore ist, hat auch er Seiten an sich, die nicht nur verständlich sind, sondern auch die Realität vieler widerspiegelt. Das macht beide Protagonist:innen zu Empathieträgern mit denen man unfassbar gerne mitfiebert und die man ins Herz schließt.

Das Städtchen Lower Whilby und ihre Bewohner:innen war dieses Mal im genau richtigen Maße präsent und hat den beiden Protagonist:innen nicht die Show gestohlen. Und obwohl Jude und James mir als Nebencharaktere manchmal wieder etwas zu viel waren, gehört The Iced Caramel Coffee Agreement definitiv zu einem meiner absoluten Lieblingsbüchern von Kyra Groh.