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Veröffentlicht am 17.08.2025

Nichts ist unmöglich

Dr. No
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Walas zurückgezogenes Professorenleben wird ganz schön aufgerüttelt, als ihm Superschurke Sill ein äußerst großzügiges Honorar für seine Expertise anbietet. Wala ist nämlich die Koryphäe, wenn es um das ...

Walas zurückgezogenes Professorenleben wird ganz schön aufgerüttelt, als ihm Superschurke Sill ein äußerst großzügiges Honorar für seine Expertise anbietet. Wala ist nämlich die Koryphäe, wenn es um das Nichts geht, in all seinen Facetten, seit Jahren befasst er sich mit nichts. Und diesem Nichts wohnt große Macht inne, mit der Sill alles erreichen könnte. Wie die Weltherrschaft zum Beispiel.

„Ich muss dir sagen, dass ich dieses ganze Gerede von nichts verwirrend finde“
Ich muss zugeben, zwischendrin wollte ich da der Protagonistin Eigen aus tiefstem Herzen einfach nur zustimmen. Everett spielt mit dem Begriff, gibt ihm eine neue Definition (oder eine, die er schon immer hatte?), wirft mit alltäglichen Floskeln um sich und verkehrt deren Bedeutung. Man muss diesem Gedankengang konzentriert folgen können, sonst verheddert man sich endlos. Aber dann… dann wird man belohnt. Dr. No ist eine außergewöhnliche Geschichte, die zwar wirklich die klassischen Elemente eines Spionageromans hat, diesen aber ganz neu interpretiert. Neben der erwarteten Spannung wird es sehr absurd, philosophisch, gesellschaftskritisch und natürlich bleibt der ein oder andere Ausflug in die höhere Mathematik nicht aus. Witzig ist das Ganze noch obendrein. Das klingt nach einem wilden unverständlichen Sammelsurium, doch der Autor vereint all diese Elemente gefühlt mühelos. Mit Wala hat er zudem einen seltsamen, aber auch liebenswerten Protagonisten erschaffen, dem man sehr gerne über die Seiten folgt. Er ist einerseits hochspezialisiert, andererseits aber auch etwas naiv und weltfremd. Seine engste Beziehung pflegt er beispielsweise zu Hund Trigo. Ich mochte ihn trotzdem sofort.
Dr. No ist kein einfacher Roman zum Weglesen, aber wer sich auf ihn einlässt, der wird ein paar wunderbare Lesestunden mit ihm verbringen. Klare Empfehlung!

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Veröffentlicht am 31.07.2025

Ein etwas anderer Spionageroman

Deckname: Bird
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Heathers Leben bleibt im Geheimen, und das liegt vor allem an ihrem Job für den British Intelligence Service. Doch das Versteckspiel fällt ihr leicht, Familie und Freunde hat sie kaum, lebt eher unter ...

Heathers Leben bleibt im Geheimen, und das liegt vor allem an ihrem Job für den British Intelligence Service. Doch das Versteckspiel fällt ihr leicht, Familie und Freunde hat sie kaum, lebt eher unter dem Radar. Bis sie sich plötzlich im Visier wiederfindet und von der Jägerin zur Gejagten wird.
Deckname Bird ist kein klassischer Spionageroman mit viel Action, Charme und geschüttelten Martinis, das macht ihn jedoch nicht minder spannend. Bird wird von jetzt auf gleich mit einer Extremsituation konfrontiert, die Anspannung, die Angst bekommt man hautnah mit. Doughtys Stil hat mir wahnsinnig gut gefallen, sie nimmt den Leser mühelos mit ins Geschehen. Ihre Hauptfigur hat Ecken und Kanten, dank der Ich-Perspektive kann man ihre Gedanken und Gefühle immer gut nachvollziehen. Da die Handlung jedoch nicht chronologisch erzählt wird, bleibt man trotzdem lange über die genauen Hintergründe und Zusammenhänge im Dunkeln. Ich fand das sehr clever gelöst. Heathers Flucht ist holprig, mal instinktiv improvisiert, mal jahrelang akribisch vorbereitet; es geht im wahrsten Sinne um das nackte Überleben, die Handlung düster und rau, und damit meine ich nicht nur das Wetter. Auch das Innenleben der Mittfünfzigerin ist etwas sturmgebeutelt, warum erfährt man erst mit der Zeit. Das Ende fand ich sehr gelungen, es passt wirklich gut zu dieser etwas anderen Spionagestory. Ich habe das Buch wirklich gerne gelesen.

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Veröffentlicht am 06.07.2025

Aus der Zauber

Der Totengräber und die Pratermorde (Die Totengräber-Serie 4)
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Der Fall scheint klar: auf offener Bühne tötet der Zauberer seine hübsche Assistentin; fein säuberlich in der Mitte durchgesägt. Doch so einfach ist es mit diesem bühnenuntauglichen Todesfall nun doch ...

Der Fall scheint klar: auf offener Bühne tötet der Zauberer seine hübsche Assistentin; fein säuberlich in der Mitte durchgesägt. Doch so einfach ist es mit diesem bühnenuntauglichen Todesfall nun doch nicht, und so führt der Fall Leo immer tiefer in die Welt des Prater; ein kleines Stück Wien mit seinen ganz eigenen Gesetzen.

Die Pratermorde sind bereits der vierte Teil dieser Krimireihe, und auch dieses Mal wurde ich wieder sehr gut unterhalten. Man kann die Teile unabhängig lesen, empfehlen würde ich es aber nicht. Das Zusammenspiel zwischen Julia, Leo und Augustin holpert dieses Mal zu Beginn etwas, was natürlich auch an der Trennung des jungen Paares liegt. Gerade in der ersten Hälfte kommt für eine polizeiliche Ermittlung erstaunlich wenig Leo vor, finde ich. Auch vermisse ich die üblichen Auszüge aus Augustins Werken schmerzlich; immerhin schreibt er an einem neuen Buch, sodass es hier für den nächsten Band wieder Hoffnung gibt. Augustin wird in diesem Band noch vor ganz neue Herausforderungen gestellt, und die Art und Weise wie der etwas kauzige Ziehvater damit umgeht, macht ihn noch einmal liebenswerter. Die Figuren aus dieser Serie machen einfach Spaß, gerade auch weil sie Fehler machen dürfen. Auch der Schreibstil hat mir wieder sehr gut gefallen, das Wien kurz vor der Jahrhundertwende und v.a. die schreiend laute und bunte Welt des Prater kann man sich als Leser hervorragend vorstellen. Wie immer bleibt auch ein Blick auf die Schattenseiten nicht aus, Pötzsch findet hier ein gutes Mittelmaß. Der Fall ist wirklich sehr spannend gemacht, einige Überraschungen verstecken sich in den Seiten und gerade die Auflösung hatte ich so wirklich nicht erwartet. Insgesamt wieder ein runder Krimi, der nicht nur Fans historischer Romane auf eine spannende Wienreise mitnimmt.

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Veröffentlicht am 01.06.2025

Liebesdrama erschlägt spannende Sportlerstory

The Favourites
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Für Kat steht seit frühester Kindheit der Lebenstraum fest: Eistänzerin werden. Die Beste natürlich, und einmal olympisches Gold erringen. Mit ihrem Ziehbruder Heath hat sie nicht nur im Sport den bestmöglichen ...

Für Kat steht seit frühester Kindheit der Lebenstraum fest: Eistänzerin werden. Die Beste natürlich, und einmal olympisches Gold erringen. Mit ihrem Ziehbruder Heath hat sie nicht nur im Sport den bestmöglichen Partner an ihrer Seite, sondern auch die große Liebe gefunden. Als sie dann auch noch ihr Idol Sheila Lin unter ihre Fittiche nimmt, scheint dem großen Traum nichts mehr im Weg zu stehen als harte Knochenarbeit. Doch es kommt alles anders…

Fargos Roman hat mich gefesselt, obwohl er mir thematisch eigentlich überhaupt nicht liegt. Aber die Autorin führt den Leser mittenrein in die Welt des Eistanzes und weiß durchaus Begeisterung zu wecken. Für die Durchsetzungskraft, für den eisernen Willen der Sportler. Das ging mir zuletzt ähnlich bei Reids Carrie Soto is back; auch da konnte ich mit der Welt des Tennis nichts anfangen, war aber schnell für die Handlung zu begeistern. Der Aufbau ähnelt sich etwas, aber Fargo schafft auch etwas ganz Eigenes. Ich mochte ihre/Kats Erzählstimme sehr. Doch der Sport macht nur die halbe Miete in diesem Roman, und das war für mich auch der Knackpunkt. Die On/Off-Liebe-Leidenschaft der (zunehmend unsympathischen bis nicht-zu-verstehenden) Hauptfiguren nimmt viel zu viel Raum ein, vor lauter Drama kann man manchmal gar nicht mehr die Buchseiten sehen. Was zu Beginn noch durchaus ausgewogen mit den sportlichen Aspekten nebenher lief, hat am Ende für mich die Handlung so erschlagen, dass mir eventuelle sportliche Entwicklungen nur noch egal waren. Hätte die Autorin sich hier etwas zurückgenommen, hätte das Buch ein Knaller sein können. So war ich am Ende fast froh die Lektüre beenden zu können. Schade.

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Veröffentlicht am 16.04.2025

Engine 99

Devil's Kitchen
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Andy heißt nicht wirklich Andy, und eine „echte“ Feuerwehrfrau ist sie auch nicht. Stattdessen arbeitet sie undercover, um eine Bande Feuerwehrleute zu überführen. Die legen Brände statt sie zu löschen, ...

Andy heißt nicht wirklich Andy, und eine „echte“ Feuerwehrfrau ist sie auch nicht. Stattdessen arbeitet sie undercover, um eine Bande Feuerwehrleute zu überführen. Die legen Brände statt sie zu löschen, und das sind noch ihre harmloseren Vergehen. Für Feuerwehrmann Ben wird die Lage schnell brandgefährlich, schließlich hat er Andy erst auf die Spur seiner Kollegen gebracht und droht jetzt jederzeit mit ihr aufzufliegen.
Helfer in der Not, die diese Not gnadenlos ausnutzen, ja sogar aktiv herbeiführen? Perfide. Und als Konzept für diesen Thriller wirklich toll ausgedacht. Fox nimmt uns mit in eine Welt, in der der Umgangston hart, die Einsätze lebensgefährlich und die Gier grenzenlos ist. Andy ist eine taffe Frau, die sich dieser Umgebung anpassen kann. Sie nimmt viel auf sich und hält einiges aus und das muss sie auch. Ben wirkt im Gegensatz dazu fast weich, auch wenn er es ebenfalls faustdick hinter den Ohren hat. Der Rest der Truppe wirkt wie ein Haufen zusammengewürfelter Psychopathen; fast ist man froh über das Nachwort, in dem die Autorin ausdrücklich darauf hinweist, dass ihr bei der Recherche niemand auch nur ansatzweise so Durchgeknalltes in einer Feuerwache begegnet ist. Aber man merkt als Leser schnell, dass in dieser Welt doch noch ein etwas altbackener und sehr männlicher Wind weht, ein teilweise toxisches Umfeld. Das Szenario ist sicherlich nicht superrealistisch, geht aber als Thriller gut auf. Fox erzählt in lockerem Stil, die Handlung ist durchweg spannend; jederzeit rechnet man damit, dass Andy und Ben auffliegen. Die Sprache ist derb und heftig, das passt hervorragend zur Handlung. Ab und an fand ich den Thriller dann etwas zu übertrieben, insgesamt hat mich Fox aber wieder überzeugt. Ein heftiger Thriller, der sich schnell wegliest und dabei wirklich gut unterhält.

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