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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.11.2025

Gelungen!

Die Knef
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Moritz Stetter überlässt in seiner Comic-Biographie "Die Knef" meist der Protagonistin selbst das Wort, zitiert sie dabei aus Liedern, Büchern und Interviews. Das macht einen ganz eigenen Reiz aus, der ...

Moritz Stetter überlässt in seiner Comic-Biographie "Die Knef" meist der Protagonistin selbst das Wort, zitiert sie dabei aus Liedern, Büchern und Interviews. Das macht einen ganz eigenen Reiz aus, der mir sehr gut gefallen hat, auch wenn man so vermutlich eher ein von der Protagonistin selbst gezeichnetes also evtl. selektives Bild, als eine ganz unabhängige Biographie bekommt. Aber es ist ja nun mal auch kein Sachbuch, sondern eine Grapic Novel und dementsprechend ist es oft auch ein Schnelldurchlauf mit pointierten Szenen statt langer Schilderungen.
Die Bildsprache hat mir auch sehr gut gefallen. In Erinnerung werden mir vor allem die sehr passenden düsteren Bilder bleiben, aber sie machen mengenmäßig eher einen kleinen Teil aus, denn das Leben der Hildegard Knef hatte viele Tiefen, aber auch mindestens genausoviele Höhen.
Insgesamt wird das Leben dieser selbstbewußten, vielseitigen Künstlerin hier sehr gut gewürdigt.

Veröffentlicht am 18.11.2025

Schmerz und Schuld

Erde
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Ein Buch, das mehrere heiße Eisen anfasst und dabei erstaunlich ruhig bleibt. Protagonist Evan erzählt seine Geschichte mit Distanz, was am Ende wohl auch Sinn ergibt. Dabei ist sein junges Leben durchaus ...

Ein Buch, das mehrere heiße Eisen anfasst und dabei erstaunlich ruhig bleibt. Protagonist Evan erzählt seine Geschichte mit Distanz, was am Ende wohl auch Sinn ergibt. Dabei ist sein junges Leben durchaus ereignisreich bis tragisch, mit Höhen und Tiefen, Erfolg und Misserfolg, Schmerz und Schuld.
Dabei geht "Erde" so weit in die Tiefe, wie es bei der Vielzahl der Themen und der gleichzeitigen Kürze des Umfangs sein kann. Das ist halt nicht allzu tief, somit aber auch nicht plakativ. Es werden Punkte, manchmal eher Andeutungen gesetzt. Und am Ende bleibt manches vielleicht offen. Manchen könnte das also nicht reichen, ich fand es aber gut so.
Ich habe nur dieses Buch der Elemente-Quadrologie von John Boyne gelesen. Dass die titelgebende Erde, die dem Protagonisten unter den Nägeln klebt und als Geruch in der Nase hängt, als Synonym für die Herkunft steht, liegt wohl auf der Hand. Das erfindet das Rad nicht neu, ist aber doch mit guten Bildern umgesetzt.

Veröffentlicht am 03.11.2025

Vielfältig

Ich bin der beste Freund des Menschen
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Christian Schnalke hat 100 Cartoons über Bücher gestaltet. Die jeweils einbildrigen Cartoons bilden eine große Bandbreite: Bücher als Protagonist oder als Objekt, ohne oder mit Text, sofort eingängig oder ...

Christian Schnalke hat 100 Cartoons über Bücher gestaltet. Die jeweils einbildrigen Cartoons bilden eine große Bandbreite: Bücher als Protagonist oder als Objekt, ohne oder mit Text, sofort eingängig oder zum Nachdenken anregend, eigentlich immer witzig, aber selten flach, sondern oft hintergründig. Es ist dadurch trotz Monothematik vielfältig und wird nie langweilig. Mir hat das sehr gut gefallen. Ein schönes, abwechlsungsreiches Geschenk für Buchliebhaber*innen.

Veröffentlicht am 20.10.2025

Buch im Buch im Buch usw.

Wackelkontakt
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"Wackelkontakt" ist kein gewöhnlicher Roman, sondern ein erzählerisches Experiment. Ansich wäre die Story über einen puzzlenden Trauerredner mit defekter Steckdose und einen zum Elektriker umgeschulten ...

"Wackelkontakt" ist kein gewöhnlicher Roman, sondern ein erzählerisches Experiment. Ansich wäre die Story über einen puzzlenden Trauerredner mit defekter Steckdose und einen zum Elektriker umgeschulten Ex-Mafioso eher mau, aber die Erzählweise macht den Unterschied: das Springen zwischen zwei sich gegenseitig bedingenden Erzählebenen, in den beide Protagonisten jeweils ein Buch über den anderen lesen. Dadurch ergibt sich ein Buch im Buch im Buch usw., das ich so noch nie gelesen habe und das ich erzählerisch spannend und unterhaltsam fand. Respekt vor Wolf Haas, dass das so klappt und sich insgesamt gut liest!
Die Geschichte für sich genommen und das Ende haben mich nicht restlos überzeugt, aber das stelle ich mir bei diesem Buch auch schwierig vor. Insgesamt passt es aber trotzdem und bekommt von mir eine Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 10.10.2025

"Mein Bruder war an seinen Träumen erkrankt"

Der Absturz
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Auch das neuste Buch, mit dem Édouard Louis seine autofiktionale Reihe abschließen möchte, hat mich wieder sehr berührt. In "Der Absturz" steht sein verstorbener älterer Bruder im Mittelpunkt. Obwohl Édouard ...

Auch das neuste Buch, mit dem Édouard Louis seine autofiktionale Reihe abschließen möchte, hat mich wieder sehr berührt. In "Der Absturz" steht sein verstorbener älterer Bruder im Mittelpunkt. Obwohl Édouard Louis selbst sagt, dass er diesen namenslos bleibenden Bruder nicht geliebt hat, findet er doch auch immer wieder warme Worte und ein gewisses Verständnis für diese sehr ambivalente Figur. Der Bruder wird sehr reflektiert mit all seinen negativen Charakterzügen, aber auch mit kleinen Lichtblicken, seinen Träumen, dann aber auch mit dem alles bestimmenden Alkoholismus beschrieben. Immer wenn man denkt, man hätte jetzt ein Bild dieses Mannes, kommt ein weiterer überraschender Aspekt, der den Blick wieder wendet, dazu. Édouard Louis trifft hier sehr reflektiert den richtigen Ton: ist nie anklagend, nie mitleidig, aber doch mitfühlend. Die schwere Kindheit wird beschrieben, ohne dass sie als Entschuldigung für sein späteres Leben dient.
Von mir gibt es dafür Respekt für diese reflektierte Darstellung und eine Lesempfehlung!