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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.03.2025

Echt, hart, realistisch.

The Glass Girl
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Ich habe jedes übersetzte Buch von Kathleen Glasgow gelesen – weil mich jedes einzelne Thema selbst betrifft oder betroffen hat. Weil ich, in meiner Jugend, solche Romane gebraucht hätte und es mir auch ...

Ich habe jedes übersetzte Buch von Kathleen Glasgow gelesen – weil mich jedes einzelne Thema selbst betrifft oder betroffen hat. Weil ich, in meiner Jugend, solche Romane gebraucht hätte und es mir auch heute noch hilft, das Gefühl zu bekommen, verstanden zu werden, nicht allein zu sein.



„𝐓𝐡𝐞 𝐆𝐥𝐚𝐬𝐬 𝐆𝐢𝐫𝐥 “ schildert das Leben der Teenagerin Bella, die seit der Trennung ihrer Eltern und dem Tod ihrer Großmutter mit dem Alltag kämpft, sich des Gedankens nicht verwehren kann, „stets etwas zu müssen“ und dabei unsichtbar zu sein, Risse zu kitten. Als ihre erste Liebe sie verlässt, scheint es als könnte Bella nie wieder glücklich sein. Zwischen Schule und Arbeit, dem wöchentlichen Wechsel ihres zu Hauses, der Schuld, die sie empfindet, egal was sie tut oder nicht, und der Betreuung ihrer kleinen Schwester bleibt wenig Zeit zum Durchatmen. Doch die Abende, umgeben von ihrer Clique, nutzt Bella um zu vergessen, zu betäuben, sich leicht zu fühlen. Und irgendwann braucht sie den Alkohol auch am Tag, immer griffbereit. Aber das Mädchen ist nicht krank. Nicht süchtig. Sie kann den Wodka stehen lassen, wenn sie will … Oder?



Glasgow schafft es, dass sich LeserInnen mit Bella identifizieren, mitfühlen können. Der Weg in die Sucht – gerade heute, wo Alkohol dazu gehört, „normal“ ist, ein Bier hier, ein Glas Sekt dort, und es keine Kunst ist, auch als Minderjährige/r an ausreichend Promille zu kommen – ist schleichend, wurde deutlich gezeichnet, genau wie das Wanken zwischen klaren und verschwommenen Augenblicken, zwischen Standhaftigkeit und Schwäche.

Besonders innig und intensiv fand ich die Beziehung zwischen Bella und ihrer Schwester, etwas, das uns verbindet. Auch die eine oder andere Freundin bleibt an ihrer Seite, findet sich dort neu ein, wo andere Freundschaften zerbrechen, vielleicht nie existierten.

Kathleens Ton ist – wie jedes Mal – sehr einnehmend, klar, gewissermaßen distanziert und passend der Themen melancholisch, erdrückend und schwer. Dass Therapie und Entwöhnung nicht frei von Rückschlägen, die Stimmung wankelmütig ist, Lügen alltäglich sind, der Wille bröckelt, gibt dem Roman noch mehr Authentizität. Genau wie Bellas Schmerz – der überall und nirgendwo sitzt.

Die Wochen in der Entzugsklinik sind realitätsnah dargestellt – von Abläufen, Gruppendynamiken, echten Messages bis hin zu den Lücken im System und den gewonnenen Erkenntnissen. Nichts in diesem Buch wurde vereinfacht dargestellt – und ist das nicht das bewegende an Glasgows Büchern?!

Bellas Geschichte endet nicht nach der Therapie, nach klärenden Gesprächen, endet nicht selbstbewusst trocken, sondern zeigt auch die Schwierigkeiten „im draußen“ auf, wie leicht es ist, zurück in Gewohnheiten zu driften, wie ungemein wichtig, Grenzen zu ziehen, zu Fehlern zu stehen, um Hilfe zu bitten.



Der Weg zum Erwachsen werden, jener, der uns zu uns selbst führt, die Frage stellt, wer wir sind und sein wollen, ist kein leichter, doch Bellas ist um ein Vielfaches härter. Mentale Probleme, familiäre Konflikte, Selbstzweifel- und hass, Liebeskummer, (Lebens)Müdigkeit und das Drängen der Sucht, die stets griffbereite Fluchtmöglichkeit des lockenden Alkohols (…) all das verbindet sich in „The Glass Girl“ zu einer rührenden, schonungslosen und echten Geschichte, die weder beschönigt noch romantisiert.



Sucht fragt nicht nach dem Alter, beginnt schleichend und lässt dich nie mehr los.

Sei vorsichtig mit deinen Worten. Sie könnten tiefer treffen als gewollt.

Geh aufmerksam mit deinen Mitmenschen um. Manche wollen Hilfe, aber können nicht darum bitten.

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Veröffentlicht am 20.03.2025

Gesellschaftskritisch, feministisch, kreativ.

How To Kill a Guy in Ten Ways
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„𝐇𝐨𝐰 𝐓𝐨 𝐊𝐢𝐥𝐥 𝐚 𝐆𝐮𝐲 𝐢𝐧 𝐓𝐞𝐧 𝐖𝐚𝐲𝐬“:
Female Revenge – scharfzüngig, zynisch und triefend vor bitterböser Realität.

Nachdem ihrer Schwester etwas Unfassbares angetan wurde und Katie nur noch ein Schatten ...

„𝐇𝐨𝐰 𝐓𝐨 𝐊𝐢𝐥𝐥 𝐚 𝐆𝐮𝐲 𝐢𝐧 𝐓𝐞𝐧 𝐖𝐚𝐲𝐬“:
Female Revenge – scharfzüngig, zynisch und triefend vor bitterböser Realität.

Nachdem ihrer Schwester etwas Unfassbares angetan wurde und Katie nur noch ein Schatten ihrer selbst ist, gründet Millie „Message M“ – einen 1-Frau-Service, bei dem sie so oft wie möglich dem weiblichen Geschlecht aus brenzligen Situationen verhilft. Denn Millie kann die Überzeugung, gerade bei dem wichtigsten Menschen in ihrem Leben versagt zu haben, nicht abschütteln.
Eines Nachts gerät ein „Einsatz“ außer Kontrolle – von da an verändert sich etwas in ihr, in ihrem Denken unwiderruflich …

Wie ein Buch bewerten, das von Selbstjustiz und moralischer Verwerflichkeit in den schwärzesten, humoristischsten Zügen erzählt?
Nun, ganz einfach: Ich fand diese Story – inkl. der aufgegriffenen Themen und deren origineller Umsetzung – wirklich sehr gut.
Eve Kellman bedient sich skurrilen, ernsten und bekannten Situationen – von Belästigung, Stalking, s*xuellen Übergriffen und Missbrauch bis hin zu anzüglichem, respektlosem – eben „männlichem“ – Verhalten und greift als Reaktion nicht einzig Gedanken und Fantasien auf, solche, die wahrscheinlich häufiger in den Köpfen von Frauen umherschwirren, sondern geht um einiges weiter.
Auch die fehlenden Kapazitäten der Justiz, um derartige Fälle zu ahnden, und der Mangel an echter Hilfe für (potenzielle) Opfer wurden eingeflochten – zielgenau.

Mit viel Sarkasmus und Charme lernen wir die Protagonistin, ihren Alltag und ihre weit zurückreichenden Motivationen, ihr eigenes Trauma kennen, begleiten sie in ebenso verfänglichen, adrenalingeladenen wie alltäglichen Szenarien. Die Autorin spricht die LeserInnen quasi direkt an, bindet uns ein, nimmt uns mit. Dies schafft mitsamt des direkten, natürlichen Tons und der offensichtlichen Ironie eine persönliche Ebene.
Millies Liebe – zu ihrer Schwester und zu ihrer Freundin Nina – wurde überraschend intensiv inszeniert. Denn Millie ist kein schlechter Mensch. Sie hat einfach nur die Nase voll von Gottkomplexen und Übergriffen, von dem Gefühl, machtlos zu sein. Ihr Wunsch, Frauen und Mädchen zu helfen, sie zu schützen, lag trotz des bitteren Beigeschmacks von Verfehlung, von „zu einfach“, über allem. Aber obgleich der unterhaltsamen Umsetzung schwangen Hilflosigkeit und Verzweiflung, die eigene Verletzlichkeit so eindringlich mit, dass ich’s spüren konnte. Und verstand.

Abgesehen von der griffigen, nahbaren Hauptakteurin, die in die Rolle der „aus Versehen Serienkıllerin“ gerät, bestückt Kellman ihre Story mit detailreich ausgearbeiteten, manchmal blutigen Ereignissen, deutlicher Kritik an der Gesellschaft und unserem System sowie mit Nebenfiguren, die für Amüsement, Konflikte oder herzerwärmende, innige Augenblicke sorgen, Hass schüren. Gerade Nina nimmt einen wichtigen Part ein und offenbart unerwartete Facetten. Hingegen rutscht die Mutter der Schwestern in eine Schublade, der ich kaum mehr als eine Prise Abscheu entgegen brachte.
Meiner Meinung nach war Millies Entwicklung sehr authentisch, zeigt diese in aller Deutlichkeit, dass Skrupel abnehmen, dann, wenn wir unsere moralischen Grenzen erst einmal übertreten oder ausgeweitet haben. Wozu wärst du selbst fähig, wenn der Antrieb stimmt?
Der Verlauf ist turbulent, aber nachvollziehbar aufgebaut, voller perfider Pläne und Twists. Millies Wagemut, ihre Wut und ihre Impulsivität tragen signifikant zur Spannung bei. Genau wie ihre Suche, die sie letztlich zu ungeahnten, unangenehmen Wahrheiten führt… Die Frage, wann die ambitionierte Frau einen Fehler begeht, sich endgültig in der Rache verliert, fesselt ungemein an die Handlung. Und als James immer häufiger mitmischt, steigen Tempo und Gefahr ...
Mein einziger Kritikpunkt besteht darin, dass sich in den eingebundenen „Erinnerungen/Rückblenden“ Wiederholungen tummeln.

„How To Kill a Guy in Ten Ways“ ist auf mehreren Ebenen real, regt gekonnt zum Nachdenken an und bewegt auf eine ganz eigene Art.

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Veröffentlicht am 19.03.2025

Solide, aber hauptsächlich für jüngere LeserInnen empfehlenswert.

Die Spiele der Unsterblichen
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Fünf Jahre ist es her, seit Ara ihre Schwester verloren hat. Fünf Jahre, in denen ihre Tage einzig aus Essen, Training und Schlaf bestanden.

Ihre Hoffnung, bei einem der gefürchteten Spiele der Unsterblichen ...

Fünf Jahre ist es her, seit Ara ihre Schwester verloren hat. Fünf Jahre, in denen ihre Tage einzig aus Essen, Training und Schlaf bestanden.

Ihre Hoffnung, bei einem der gefürchteten Spiele der Unsterblichen von Zeus ausgewählt zu werden, ist ebenso ungebrochen wie ihre Begierde danach, Estella zu rächen. Denn deren Tod brach die Familie entzwei, brach ihre Eltern. Nun ist es so weit, ein neuer Blutmond bricht an – und Ara kann zeigen, was sie gelernt hat …


In diesem Jugendroman begleiten wir Ara und können zu Beginn deutlich erahnen, wie der Verlust von Estella das Leben der 16-Jährigen, ihre Ambitionen und ihr Wesen verändert hat. Mitsamt den zu Beginn elf anderen TeilnehmerInnen streift sie durch das ganze Land, um die von Hermes gestellte Aufgabe als Erste zu erfüllen und sich nicht nur einen Platz am Sternenhimmel zu sichern, sondern auch einen Wunsch. Wirkt die junge Wettkämpferin verbissen, zeigt Ara im Angesicht von gefährlichen Prüfungen, perfiden Intrigen und schmerzhaftem Verrat eine loyale, rücksichtsvolle und selbstlose Seite. Eine, die sie letztlich den Sieg kosten könnte …

Aufgewertet wird die Handlung durch Hades’ Perspektive und seine Charakterzeichnung, kann die dunkle Gottheit doch weder dem Olymp noch seinen intriganten GenossInnen etwas abgewinnen. Kein einziges Mal wohnte er den kommenden Spielen mit Enthusiasmus bei, doch mit der diesjährigen Heimtücke von Poseidon und Zeus hat der Gott des Verborgenen nicht gerechnet. Denn durch Neid, Missgunst und unverhohlenen Groll geht es plötzlich um weitaus mehr. Ein mehr, dass Hades erst durch die Moiren begreiflich wird …


Die Umsetzung der Idee von „𝐃𝐢𝐞 𝐒𝐩𝐢𝐞𝐥𝐞 𝐝𝐞𝐫 𝐔𝐧𝐬𝐭𝐞𝐫𝐛𝐥𝐢𝐜𝐡𝐞𝐧“ betrachte ich zwiegespalten – zwar bestückte Avery ihre Handlung teilweise mit temporeichen, detailliert ausgearbeiteten Prüfungen, mit bildreichen, atmosphärischen Beschreibungen sowie mythischen Wesen, mit Gefahren und Tod, aber dennoch war die Story häufiger fad, aufgrund mangelnder Höhen im Gesamten eher schleppend und der Text nicht komplett rund. Der Stil war sehr einfach gehalten; wird dieses Buch zwar ab 13 Jahren empfohlen, hätte ein klein wenig mehr Raffinesse in Ausdruck und Formulierungen, ein bisschen mehr Spannung nicht geschadet.

Der Fokus richtet sich hauptsächlich auf Ara und ihre innere Veränderung, hingegen blieben die Nebenfiguren und deren individuelle Motivationen blass, sodass Verluste lediglich nüchtern zur Kenntnis genommen werden können.

Hades, mit seinem respektvollen, bedachten Auftreten und seinen deutlich gesetzten moralischen Grenzen, war für mich am nahbarsten. Selbst Ara, die sich zu Beginn unsicher ist, was sie von ihrem Los, für diese Gottheit anzutreten, halten soll, kann sich weder dem Charme noch der aufrichtigen Güte des Herrschers der Unterwelt entziehen …


Annaliese Avery nahm Bezug zur griechischen Mythologie, zu den Legenden, Manipulationen und den implizierten Werten der Gottheiten, die den Menschen auch hier wortwörtlich als Spielfigur, als Unterhaltungsgut betrachten. Weder neu noch innovativ, aber definitiv präsent und unterhaltsam eingebunden. Während die konkurrierende, manipulative Dynamik der drei Brüder den Olymp zu Wachsamkeit mahnt, bildet die Gruppe der jugendlichen Sterblichen eine äußerst stabile Gemeinschaft. Die letzten Kapitel mimen einen turbulenten, teilweise überraschenden, letztlich stimmigen Abschluss.

Am wenigsten überzeugen konnten mich jedoch die „romantischen Gefühle“. Keine Ahnung, wann die sich, wie und woraus, entwickelt haben. Die Frage, ob dieser Plot eine oberflächliche, spröde Liebelei brauchte und vorantrieb, würde ich klar mit „Nein!" beantworten. Eine freundschaftliche Koalition hätte dieser Verbindung nicht nur Genüge getan, sondern auch Authentizität geschenkt.

Äußerst positiv empfand ich, wie Wertschätzung, Rache und Verlust sowie Aras Veränderung, ihr inneres Wachsen, eingebettet wurden. Im Verlauf wird der Spielerin des Hades bewusst, was sie alles verpasste, während sie danach strebte, Vergeltung an den Göttern zu üben… Ob sie sich von diesem Vorhaben befreien kann – falls sie die Spiele überlebt?


Fazit: „Die Spiele der Unsterblichen“ ist ein solider Jugend-Fantasyroman mit Bezug zur griechischen Mythologie. Obgleich die Idee interessant ist und es durchaus spannende Sequenzen gab, konnte mich die Umsetzung am Ende nicht für sich gewinnen.

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Veröffentlicht am 17.03.2025

STARKE Dilogie!

Goddess of Fury 2: Deine Seele so golden
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„Deine Seele so golden“ markiert den Abschluss der Fantasy-Dilogie „Goddess of Fury“ und setzt nahtlos an das Ende des ersten Bands an.

Euryale, wütend, trauernd und verzweifelt, hat nicht vor, sich dem ...

„Deine Seele so golden“ markiert den Abschluss der Fantasy-Dilogie „Goddess of Fury“ und setzt nahtlos an das Ende des ersten Bands an.

Euryale, wütend, trauernd und verzweifelt, hat nicht vor, sich dem Schicksal zu ergeben und den Verlust ihres Liebsten hinzunehmen.
Gemeinsam mit Callisto und Cecilia macht sich die Furie auf den beschwerlichen Weg, Deacon zurückzuholen. Selbst wenn sie dafür ihren Tanten, ihrer Schöpferin und sämtlichen Gottheiten der Welten gegenübertreten muss – ganz gleich, was es Euryale kostet …

Ohne zu viel zu spoilern möchte ich sagen, dass wir in diesem Teil einiges erleben und sehen, etliche Kämpfe bestreiten und weiteren mythischen Wesen begegnen. Euryale hat nichts von ihrer Charakterstärke eingebüßt, eher scheint es, als würde sie der Zorn noch impulsiver und waghalsiger, gnadenloser machen. Das Ziel, in die Unterwelt zu gelangen, ohne zu sterben, und Deacon zu retten, verliert die taffe Fast-Furie zu keiner Zeit aus den Augen – dass sie dieses Wagnis nicht ohne Hilfe überstehen kann, wirkt auf Euryale zwar befremdlich, und doch zeigt sie, auf ihre eigene Art, so viel Gefühl, Dankbarkeit.
Abgesehen von Callisto und Cecilia, deren Verbindung für skurrile Momente, Wärme und Seufzer sorgt, bindet Sporrer neue Charaktere ein. Die Wenigsten dieser sind durchschaubar – dies sorgt dafür, dass die LeserInnen die neu entstehenden Dynamiken mit Vorsicht und dem gleichen Misstrauen genießen wie Euryale. Ihre eigene Entwicklung ist nachvollziehbar, ist beeindruckend, ebenso wie das konstant hohe Tempo der dichten Storyline, die ereignis- und erkenntnisreich dahinfließt, mit unerwarteten Veränderungen und Wendungen, bewegenden Szenen und einer guten Portion Düsternis daherkommt.

Wie bereits in „Dein Herz so steinern“ empfand ich die griechische Mythologie mitsamt der frischen Elemente und dem Mix aus historischen Vibes und modernen Ansätzen hervorragend. Der Ton – gespickt mit trockenem Humor, spritzig, direkt, anrüchig – lässt uns das passende Finale leider viel zu schnell erreichen.

Fazit: „Goddess of Fury“ ist eine rundum gelungene Dilogie, die weder an Spannung noch an Romantik oder Amüsement geizt.

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Veröffentlicht am 17.03.2025

So unglaublich gut.

Baby, I'm lost in you
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Ich stand ziemlich schnell vor der Frage, wie ein Buch zu rezensieren ist, bei dem nur eine falsche Erwähnung spoilern könnte. Denn ehrlich?
Ich habe die Twists nicht kommen sehen. Zu keiner Zeit.
Ebenso ...

Ich stand ziemlich schnell vor der Frage, wie ein Buch zu rezensieren ist, bei dem nur eine falsche Erwähnung spoilern könnte. Denn ehrlich?
Ich habe die Twists nicht kommen sehen. Zu keiner Zeit.
Ebenso wenig wie die Intensität und Dunkelheit – zwischen den lyrischen Zeilen versteckt.
An Julie ist definitiv eine Poetin verloren gegangen, was die Texte des Poetry-Slammers Luca Severin genauso deutlich zeigen wie die puren Emotionen und die wunderschönen Worte.

Wie bereits in Aydens voriger New-Adult-Serie spielt sich auch 𝐏𝐨𝐞𝐭𝐫𝐲-𝐌𝐞 hauptsächlich in Berlin und Potsdam ab, wobei Letzteres für die Protagonisten der Schauplatz vergangenen Grauens ist, der Ort, an dem Traumas geboren wurden. An den beide nie wieder wollten. Aus Angst vor Erinnerungen, davor, gefunden zu werden. Doch sowohl Hannas neue Lebensumstände als auch Lucas Traum führen sie zurück. Und zueinander.
Was als Ablenkung begann, wurde zu mehr. Zu mehr als nur einem Kick, als Trost, als die Such(e)t nach Nähe. Denn Luca versteht „Emy“, gibt ihr das Gefühl, gut und genug zu sein. Ist respektvoll, einfühlsam und verflucht sexy. Bookboyfriend 100 %. Und Johanna Berger berührt etwas in dem sensiblen Frauenschwarm, dass er nicht einzuordnen vermag. Erdet ihn, lässt ihn vergessen, was auf ihm lastet, was er seit über zehn Jahren sucht.

𝐁𝐚𝐛𝐲, 𝐈'𝐦 𝐥𝐨𝐬𝐭 𝐢𝐧 𝐲𝐨𝐮 ist eine tief bewegende Geschichte, die von der ersten Seite an Neugier weckt, mitreißt, nicht stillsteht.
Dass die Gegenwart durch Flashbacks und zarte Andeutungen, die Schrecken vermuten lassen, Einblicke in ein „aufwachsen“ und „früher“ durchbrochen wird, trägt zum Verstehen und Fühlen bei. Zusätzlich lässt sich in Monologen, Verhaltensweisen und in der Panik, in den Selbstzweifeln und gewählten Wegen einiges entdecken – was Fragen aufwirft und nach Antworten verlangt, was Gänsehaut verursacht und Spannung erzeugt. Was von Selbstschutz, verinnerlichter Minderwertigkeit und dem Wunsch nach Liebe, Beständigkeit erzählt.
Durch Klara und den Poeten werden Krankheitsbilder anschaulich und authentisch, gar erklärend integriert, aber auch Hanna ringt mit psychischen Problemen, tief verankerten, negativen Glaubenssätzen. Wie so viele Menschen wurden auch die Protagonisten von vergangenen Ereignissen und ihrer Erziehung geprägt – egal wie weit sie flüchten, dem Alptraum entkommen sie nicht.
Auf malerische Art führt uns die Autorin in diese beiden Leben, in Geheimnisse, lässt uns teilhaben. Es scheint, als wären Stephans Betrug und das „sich Finden“ auf Heartbeat eine glückliche Fügung, die beiden Ruhe bringt, ein paar erinnerungswürdige, losgelöste Stunden – doch wie schnell kann sich ein Herz binden, wie schnell geht Liebe? Und was, wenn nicht nur das Leben einem „gemeinsam versuchen“ im Wege steht, sondern auch die Wahrheit? Wenn sich statt Glück das Schicksal einen Spaß erlaubt?

Abgesehen von Severin und Johanna, die sehr nahbar ausgearbeitet waren, faszinierend und unglaublich liebenswürdig, dabei nicht fehlerfrei, treffen wir auf weitere Figuren, wichtig, hilfreich oder wenig sympathisch: Klara, unberechenbar und immer an der Seite ihres Bruders, immer in seinem Kopf. Rio, der die Geschwister vor weniger als einem Jahr in seiner Slammer-Group aufgenommen hat. Nero, der lediglich Misstrauen entfacht. Hannas Noch-Mann, der ein gutes Beispiel für einen Partner ist, den man schnell loswerden sollte, und Sina – die wohl coolste beste Freundin ever.
Im Verlauf, der trotz Melancholie leuchtende Höhepunkte und Humor aufweist, werden zeitgemäße Themen angesprochen, mit denen sich viele (junge) Erwachsene konfrontiert sehen. Es finden sich Zukunftsüberlegungen, unterschiedliche Arten von toxischen Beziehungen und Mental-Health-Thematiken, die mit Einfühlungsvermögen und klaren, echten Worten behandelt wurden. Die Autorin weckt mit Found-Family-Vibes Heimeligkeit, heizt mit damn guten Spicy-Szenen ein und lässt durch den Verzicht auf einen Bad-Boy aufseufzen.
Neben Lebensschmerz, Trauer und ergreifenden Aussagen, Tränen und Heartbreakern wartet so viel Wärme und Zärtlichkeit.

Im Vergleich zu 𝑃𝑜𝑡𝑠𝑑𝑎𝑚-𝐿𝑜𝑣𝑒 konnte ich eine deutliche Entwicklung im Stil vernehmen – 𝐁𝐚𝐛𝐲, 𝐈'𝐦 𝐥𝐨𝐬𝐭 𝐢𝐧 𝐲𝐨𝐮 liest sich durchweg rund und stimmig, die Ausdrucksweise war passend und „anschmiegsam“, der Aufbau markant. Auch abseits der Slam-Texte entfaltet sich mehrfach der poetische Charakter, der dem Roman eine besondere Note verleiht.
Band 1 der 𝐏𝐨𝐞𝐭𝐫𝐲-𝐌𝐞-𝐒𝐞𝐫𝐢𝐞 ist eindringlich und emotional, zugleich sanft und hart, lyrisch wie modern. Geht nah.

𝓘𝓬𝓱 𝓱𝓪𝓫𝓮 𝓳𝓮𝓭𝓮 𝓩𝓮𝓲𝓵𝓮 – 𝓼𝓮𝓵𝓫𝓼𝓽 𝓭𝓲𝓮 𝓽𝓻𝓪𝓰𝓲𝓼𝓬𝓱𝓮𝓷, 𝓭𝓲𝓮 𝓼𝓬𝓱𝓸𝓬𝓴𝓲𝓮𝓻𝓮𝓷𝓭𝓮𝓷 – 𝓰𝓮𝓵𝓲𝓮𝓫𝓽.

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