So unglaublich gut.
Baby, I'm lost in youIch stand ziemlich schnell vor der Frage, wie ein Buch zu rezensieren ist, bei dem nur eine falsche Erwähnung spoilern könnte. Denn ehrlich?
Ich habe die Twists nicht kommen sehen. Zu keiner Zeit.
Ebenso ...
Ich stand ziemlich schnell vor der Frage, wie ein Buch zu rezensieren ist, bei dem nur eine falsche Erwähnung spoilern könnte. Denn ehrlich?
Ich habe die Twists nicht kommen sehen. Zu keiner Zeit.
Ebenso wenig wie die Intensität und Dunkelheit – zwischen den lyrischen Zeilen versteckt.
An Julie ist definitiv eine Poetin verloren gegangen, was die Texte des Poetry-Slammers Luca Severin genauso deutlich zeigen wie die puren Emotionen und die wunderschönen Worte.
Wie bereits in Aydens voriger New-Adult-Serie spielt sich auch 𝐏𝐨𝐞𝐭𝐫𝐲-𝐌𝐞 hauptsächlich in Berlin und Potsdam ab, wobei Letzteres für die Protagonisten der Schauplatz vergangenen Grauens ist, der Ort, an dem Traumas geboren wurden. An den beide nie wieder wollten. Aus Angst vor Erinnerungen, davor, gefunden zu werden. Doch sowohl Hannas neue Lebensumstände als auch Lucas Traum führen sie zurück. Und zueinander.
Was als Ablenkung begann, wurde zu mehr. Zu mehr als nur einem Kick, als Trost, als die Such(e)t nach Nähe. Denn Luca versteht „Emy“, gibt ihr das Gefühl, gut und genug zu sein. Ist respektvoll, einfühlsam und verflucht sexy. Bookboyfriend 100 %. Und Johanna Berger berührt etwas in dem sensiblen Frauenschwarm, dass er nicht einzuordnen vermag. Erdet ihn, lässt ihn vergessen, was auf ihm lastet, was er seit über zehn Jahren sucht.
𝐁𝐚𝐛𝐲, 𝐈'𝐦 𝐥𝐨𝐬𝐭 𝐢𝐧 𝐲𝐨𝐮 ist eine tief bewegende Geschichte, die von der ersten Seite an Neugier weckt, mitreißt, nicht stillsteht.
Dass die Gegenwart durch Flashbacks und zarte Andeutungen, die Schrecken vermuten lassen, Einblicke in ein „aufwachsen“ und „früher“ durchbrochen wird, trägt zum Verstehen und Fühlen bei. Zusätzlich lässt sich in Monologen, Verhaltensweisen und in der Panik, in den Selbstzweifeln und gewählten Wegen einiges entdecken – was Fragen aufwirft und nach Antworten verlangt, was Gänsehaut verursacht und Spannung erzeugt. Was von Selbstschutz, verinnerlichter Minderwertigkeit und dem Wunsch nach Liebe, Beständigkeit erzählt.
Durch Klara und den Poeten werden Krankheitsbilder anschaulich und authentisch, gar erklärend integriert, aber auch Hanna ringt mit psychischen Problemen, tief verankerten, negativen Glaubenssätzen. Wie so viele Menschen wurden auch die Protagonisten von vergangenen Ereignissen und ihrer Erziehung geprägt – egal wie weit sie flüchten, dem Alptraum entkommen sie nicht.
Auf malerische Art führt uns die Autorin in diese beiden Leben, in Geheimnisse, lässt uns teilhaben. Es scheint, als wären Stephans Betrug und das „sich Finden“ auf Heartbeat eine glückliche Fügung, die beiden Ruhe bringt, ein paar erinnerungswürdige, losgelöste Stunden – doch wie schnell kann sich ein Herz binden, wie schnell geht Liebe? Und was, wenn nicht nur das Leben einem „gemeinsam versuchen“ im Wege steht, sondern auch die Wahrheit? Wenn sich statt Glück das Schicksal einen Spaß erlaubt?
Abgesehen von Severin und Johanna, die sehr nahbar ausgearbeitet waren, faszinierend und unglaublich liebenswürdig, dabei nicht fehlerfrei, treffen wir auf weitere Figuren, wichtig, hilfreich oder wenig sympathisch: Klara, unberechenbar und immer an der Seite ihres Bruders, immer in seinem Kopf. Rio, der die Geschwister vor weniger als einem Jahr in seiner Slammer-Group aufgenommen hat. Nero, der lediglich Misstrauen entfacht. Hannas Noch-Mann, der ein gutes Beispiel für einen Partner ist, den man schnell loswerden sollte, und Sina – die wohl coolste beste Freundin ever.
Im Verlauf, der trotz Melancholie leuchtende Höhepunkte und Humor aufweist, werden zeitgemäße Themen angesprochen, mit denen sich viele (junge) Erwachsene konfrontiert sehen. Es finden sich Zukunftsüberlegungen, unterschiedliche Arten von toxischen Beziehungen und Mental-Health-Thematiken, die mit Einfühlungsvermögen und klaren, echten Worten behandelt wurden. Die Autorin weckt mit Found-Family-Vibes Heimeligkeit, heizt mit damn guten Spicy-Szenen ein und lässt durch den Verzicht auf einen Bad-Boy aufseufzen.
Neben Lebensschmerz, Trauer und ergreifenden Aussagen, Tränen und Heartbreakern wartet so viel Wärme und Zärtlichkeit.
Im Vergleich zu 𝑃𝑜𝑡𝑠𝑑𝑎𝑚-𝐿𝑜𝑣𝑒 konnte ich eine deutliche Entwicklung im Stil vernehmen – 𝐁𝐚𝐛𝐲, 𝐈'𝐦 𝐥𝐨𝐬𝐭 𝐢𝐧 𝐲𝐨𝐮 liest sich durchweg rund und stimmig, die Ausdrucksweise war passend und „anschmiegsam“, der Aufbau markant. Auch abseits der Slam-Texte entfaltet sich mehrfach der poetische Charakter, der dem Roman eine besondere Note verleiht.
Band 1 der 𝐏𝐨𝐞𝐭𝐫𝐲-𝐌𝐞-𝐒𝐞𝐫𝐢𝐞 ist eindringlich und emotional, zugleich sanft und hart, lyrisch wie modern. Geht nah.
𝓘𝓬𝓱 𝓱𝓪𝓫𝓮 𝓳𝓮𝓭𝓮 𝓩𝓮𝓲𝓵𝓮 – 𝓼𝓮𝓵𝓫𝓼𝓽 𝓭𝓲𝓮 𝓽𝓻𝓪𝓰𝓲𝓼𝓬𝓱𝓮𝓷, 𝓭𝓲𝓮 𝓼𝓬𝓱𝓸𝓬𝓴𝓲𝓮𝓻𝓮𝓷𝓭𝓮𝓷 – 𝓰𝓮𝓵𝓲𝓮𝓫𝓽.