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Veröffentlicht am 10.11.2021

Die Anfänge des Kinos in Deutschland und eine besondere Liebesgeschichte

Der Traumpalast
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„Das ist die Kunst des Regisseurs“, erwiderte Tino. „Er schafft in unseren Köpfen eine Wirklichkeit, die es gar nicht gibt. So ähnlich wie der liebe Gott. Der gaukelt uns ja manchmal auch Dinge vor, die ...

„Das ist die Kunst des Regisseurs“, erwiderte Tino. „Er schafft in unseren Köpfen eine Wirklichkeit, die es gar nicht gibt. So ähnlich wie der liebe Gott. Der gaukelt uns ja manchmal auch Dinge vor, die nicht existieren. Zum Beispiel im Traum. Oder in der Liebe“.

Konstantin Reichenbach, der aus einer erfolgreichen Bankiersfamilie stammt, kehrt 1917 aus dem Krieg zurück. Mit einer Vision. Er möchte in Deutschland eine Filmgesellschaft gründen, eine Traumfabrik, die Hollywood Paroli bieten kann. Doch die politische und wirtschaftliche Lage in Deutschland ist nicht stabil, Tino braucht einflussreiche Verbündete.
Rahel Rosenberg will unbedingt Journalistin werden, doch ihre Texte werden bisher immer von dem verantwortlichen Redakteur abgelehnt. Rahel arbeitet daher als Krankenpflegerin in einem Lazarett, wo sie Konstantin Reichenbach kennenlernt. Beide mögen sich auf Anhieb, aber ihre Beziehung verläuft nicht ohne Komplikationen.

Peter Prange schreibt abwechselnd aus der Sicht seiner Protagonisten Konstantin „Tino“ Reichenberg und Rahel, aber auch aus der Perspektive von Tinos Mutter Constanze Reichenberg oder Tinos Freund und Geschäftspartner Erich Pommer. Pranges Schreibstil ist klar strukturiert, gut verständlich und lässt sich flüssig lesen. Der Text ist in viele kurze Kapitel unterteilt, die oft genau dann enden, wenn es besonders spannend wird. Danach findet meist ein Schauplatz-, Perspektiv- oder Situationswechsel statt. Die äußere Aufmachung des sehr dicken „Wälzers“ finde ich gelungen. Das Cover zeigt ein „Filmtheater“, wie es typischerweise in den Zwanziger Jahren aussah, auf dem Vorsatzpapier ist der Traumpalast, der UFA-Palast am Zoo in Berlin abgebildet.

Peter Pranges Hauptfiguren sind interessant und alles andere als durchschnittlich, sie haben das Zeug für eine echte Hollywoodliebe. Dass sich beide auch als Verlobte noch siezen, spricht Bände. Rahel ist intelligent, gebildet, leidenschaftlich, ehrgeizig, stolz und schön. Auch Tino weiß genau, was er will. Er hat ein besonderes berufliches Ziel, für das er fast alles tun würde, privat droht er allerdings, „verloren“ zu gehen. Während Rahels Eltern ihre Tochter vergöttern, entspricht Tino nicht den Erwartungen seiner Eltern. Er muss es ohne ihre Unterstützung schaffen.
Rahel und Tino sind typische Prange-Charaktere, sie sind nachvollziehbar und authentisch gezeichnet, aber bleiben immer auch ein kleines bisschen unnahbar, werden eher auf nüchterne, sachliche als auf emotionale Art beschrieben, sind daher nicht durchweg sympathisch. Sie lassen der Phantasie noch etwas Raum.
Neben fiktiven Figuren wie die beiden Hauptfiguren oder Tinos „schwierige“ Mutter Constanze, wirken viele historische Figuren mit: Erich Pommer, Emil Georg von Stauß, Alfred Hugenberg, Major Alexander Grau und viele weitere. Dass fiktive Figuren auf real historische treffen, finde ich sehr spannend.

Peter Prange erzählt sehr ausführlich, wie es zur Entwicklung der UFA kam, dabei spielen aber eher das Geschäftliche, die Firma selbst, die politischen Entwicklungen Hauptrollen, die Leidenschaft für den Film und die Kunst ist nur ansatzweise zu spüren. Filme sind Träume, aber gleichzeitig eben auch knallhartes Geschäft. Den Konflikt zwischen Kunst und Wirtschaftlichkeit stellt ein Dialog zwischen Tino und Erich Pommer treffend dar:
„Geld regiert die Welt.“, erklärte er. „Film ist ein Geschäft wie alles andere auch.“
Pommer hatte dafür nur ein verächtliches Schnauben „Film ist kein Geschäft! Film ist Kunst!“
„Aber Kunst geht nach Brot. Sonst ist es zur Brotlosigkeit nur ein Schritt.“
Ich hätte mir an manchen Stellen gewünscht, dass die Filme inhaltlich noch etwas mehr in den Fokus gerückt werden, dass die Emotionen beim Filmemachen und Anschauen noch deutlicher durchkommen.

Im Nachwort erklärt der Autor, welche Frage ihn beim Schreiben umtrieb: „Wie war es möglich, dass die Generation meiner Großeltern, aufgewachsen in einer Kulturnation wie Deutschland und mit Goethe und Kant im geistigen Gepäck, in den zwanziger Jahren Hitler den Weg zur Macht ebnen und ihm in die Barbarei des Nationalsozialismus folgen konnte?“.
Diese Frage spielt in „Der Traumpalast- Im Bann der Bilder“ eine ganz entscheidende Rolle. Die komplexen politischen Zusammenhänge, die Anfänge der Entwicklungen, die Hitlers späteren Aufstieg ermöglicht haben, werden sehr genau geschildert, für mich manchmal zu detailliert und umfangreich. Mich erreicht Peter Prange vor allem dann, wenn er von Menschen erzählt, die durch die Geschichte beeinflusst werden, die konkret die Geschichte leben und erleben.
Auch wenn die Handlung mitunter etwas gestraffter hätte erzählt werden können - gerade wenn es ums nüchterne Geschäft, die komplexe Wirtschaftssituation und um Politik geht - hat mich der Roman durchaus gepackt und gut unterhalten. Nicht der beste Roman des Autors, „Eine Familie in Deutschland“ hat mich noch mehr überzeugt und emotional mitgenommen, aber eine durchaus interessante und lesenswerte Lektüre. Ich bin sehr gespannt, wie es mit Rahel und Tino weitergeht.

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Veröffentlicht am 10.11.2021

Vom Zerbrechen einer Familie - ein aktuelles Problem aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet

Wenn ich wiederkomme
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„Manchmal erscheint mir Liebe wie ein Luxus.“

Daniela ist Mutter und lebt in einfachen Verhältnissen in Rumänien. Um ihren Kindern Angelica und Manuel eine gute Ausbildung ermöglichen zu können, zieht ...

„Manchmal erscheint mir Liebe wie ein Luxus.“

Daniela ist Mutter und lebt in einfachen Verhältnissen in Rumänien. Um ihren Kindern Angelica und Manuel eine gute Ausbildung ermöglichen zu können, zieht sie nach Mailand, wo sie einen alten Mann rund um die Uhr pflegt. Ihren Verdienst schickt sie nach Hause. Doch in der alten Heimat gibt es große Probleme. Ihr Sohn Manuel, der in der Pubertät steckt, tut sich in der Schule sehr schwer. Als auch noch sein geliebter Großvater stirbt, verzweifelt er an der Situation und es kommt zu einem tragischen Unglück.

Autor Marco Balzano schreibt klar und gut verständlich in der ersten Person. Er wechselt die Erzählperspektive, schildert das Geschehen zunächst aus der Sicht Manuels, dann aus Danielas und schließlich aus Angelicas. Es wird chronologisch erzählt, was aktuell passiert, aber immer wieder fließen auch Erinnerungen der Figuren in die Geschichte mit ein. Durch die unterschiedlichen Sichtweisen der Charaktere wird die Handlung im Verlauf um mehrere Aspekte erweitert. Eine Geschichte hat nie nur eine Seite, sondern stets mehrere und jeder Beteiligte wird sie anders erleben und erzählen. Das zeigt Marco Balzano mit seinem Roman sehr deutlich.

Die drei Hauptfiguren werden vom Autor vor allem in Hinblick darauf, was Danielas Weggang für sie konkret heißt, dargestellt. Auch wenn der Autor in der Ich-Perspektive schreibt, werden seine Figuren recht sachlich beschrieben, sie „erreichten“ mich als Leserin nicht immer emotional. Daniela ist Mutter, sie ist für ihre Kinder verantwortlich. Verantwortung bedeutet für sie vor allem, seinen Kindern ein Leben ohne materielle Entbehrungen zu ermöglichen. Die Kinder sollen eine gute Ausbildung bekommen, sich nicht „arm“ fühlen müssen. Dafür arbeitet sie sehr hart, gönnt sich kaum eine Pause, ist für ihre Arbeitgeber immer verfügbar, „entwurzelt“ sich und riskiert, sich von ihren Kindern zum entfremden.
Sohn Manuel „kämpft“ mit der Pubertät, zeigt sich emotional und impulsiv. Der Junge kommt ohne seine Mutter nur schlecht zurecht. Er verliert immer mehr Konstanten in seinem Leben, soll auf eine teure Schule gehen, obwohl er lieber die Landwirtschaftsschule besuchen würde. Er fühlt sich oft vollkommen alleine auf der Welt.
Seine ältere Schwester Angelica „kapiert“ nach Manuels Ansicht „die Welt“, sie muss früh Verantwortung übernehmen, kommt zuverlässig ihren Pflichten nach, kümmert sich. Wie ein „Lastesel“ tut sie, was getan werden muss, ohne sich zu beschweren. Doch irgendwann muss auch der stärkste Mensch einmal schwach sein dürfen.
Auf Danielas Mann Filip ist wenig Verlass. Aber Opa Mihal wird zum Fels in der Brandung, er sorgt sich um die Kinder und hat viele Lebensweisheiten in petto wie „Im Gehen löst man Probleme.“ Angelica erinnert sich an einen Satz von ihm: „Opa hat mal gesagt, wer sich wäscht und saubere Kleider trägt, der ist nie arm. Arm ist, wer den Dingen hinterherrennt, die alle wollen.“


Dass osteuropäische Frauen ihre Familien verlassen, um in Italien oder anderen Ländern ältere Leute zu Hause zu pflegen oder andere körperlich anstrengende Tätigkeiten zu verrichten, ist sehr traurig, aber leider gang und gäbe. Ich habe mir bisher nie Gedanken gemacht, was das für die betroffenen Frauen und ihre Kinder wirklich bedeutet.
Marco Balzano macht mit „Wenn ich wiederkomme“ auf dieses Problem aufmerksam. Er erzählt umfassend, mit welchen Schwierigkeiten die Familien der Pflegerinnen konfrontiert sind und stellt dabei immer wieder die Frage, was Liebe und Glück ausmachen. Was ist ein „besseres“ Leben? Braucht es materielle Sicherheit, um lieben zu können oder ist Liebe und füreinander Dasein nicht die Voraussetzung für echtes Glück? Kann man aus der Ferne lieben? Balzanos Figuren würden diese Fragen aufgrund ihrer persönlichen Erfahrungen sehr unterschiedlich beantworten und auch die Leserinnen und Leser werden sehr gründlich darüber nachdenken, wenn sie die komplette Geschichte gelesen haben. Fest steht aber, Danielas Entscheidung hat dramatische Folgen, kostet einen hohen Preis und verändert Identitäten. „Niemand gibt uns die Zeit zurück, die wir woanders verbracht haben.“ Besonders deutlich wurde mir während des Lesens wieder einmal eines. Von außen betrachtet scheint es manchmal so einfach, über andere zu urteilen. Wer nicht selbst betroffen ist, kann viel leichter werten. Wichtig ist es aber, alle Seiten zu beleuchten, Verständnis für alle Beteiligten aufzubringen und hierfür leistet Balzano mit seinem bemerkenswerten Roman auf alle Fälle einen Beitrag. Diese Familiengeschichte musste genau so erzählt werden. Für mich ein lesenswertes und wichtiges Buch, das mich noch länger beschäftigen wird.

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Veröffentlicht am 09.11.2021

Motivierender München-Reiseführer und packender Kinderkrimi in einem

Kommissar Kugelblitz - Kugelblitz in München
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Kommissar Kugelblitz freut sich auf ein paar unbeschwerte Tage in München, seine Nichte Bonny hat ihn zu Feier ihres 13. Geburtstag eingeladen. Doch schon bald rückt der Geburtstag und Kugelblitzs geplante ...

Kommissar Kugelblitz freut sich auf ein paar unbeschwerte Tage in München, seine Nichte Bonny hat ihn zu Feier ihres 13. Geburtstag eingeladen. Doch schon bald rückt der Geburtstag und Kugelblitzs geplante Auszeit in den Hintergrund. Ronny, Bonnys Vater der ebenfalls bei der Polizei arbeitet, ist einem Ring von Drogenhändlern auf der Spur. Und Kugelblitz trifft zufällig auf einen Verdächtigen, den er schon aus Hamburg kennt. Klar, dass K K da nicht einfach untätig zusehen kann. Und schon steckt er mitten in neuen Ermittlungen…

Ursel Scheffler schreibt in sehr einfachen, kurzen und klar verständlichen Sätzen im Präsens. Das Buch hat ein kleines, handliches Format. Auf der Umschlaginnenseite ist eine Karte mit Münchens wichtigen Sehenswürdigkeiten abgedruckt. Max Walther hat zur Geschichte passende Schwarz-Weiß-Bilder gezeichnet, sie zeigen wichtige Szenen, Personen und Schauplätze.
Kommissar Kugelblitz mit bayrischer Flagge und Gamsbarthut ist auf jeder Seite zu sehen. Die Kapitel enden jeweils mit drei Krimifragen. Die Antwort muss mit der am Lesebändchen befestigten Lupe im Lösungsfeld entschlüsselt werden. Allerdings ist die Lösung nur bei wirklich gutem Licht genau zu erkennen.
Die Schrift ist größer gedruckt, der Zeilenabstand ist etwas weiter. Optisch erinnert der Text an Erstlesebücher, allerdings sind die Kapitel länger als bei Büchern für Leseanfänger. Kinder ab acht Jahren werden die Geschichte sicher schon eigenständig lesen können. Die wenig anspruchsvolle Sprache erleichtert dabei das Verständnis, thematisch ist die Geschichte aber eher für Kinder ab zehn Jahren geeignet. Sehr gut kann ich mir die Reihe auch als Klassenlektüre vorstellen: sie richtet sich auch an schwächere Leser, der Text regt zum gemeinsamen Lesen, Rätseln und Diskutieren an.

Alle wichtigen Figuren werden vorne im Buch vorgestellt. Kommissar Kugelblitz sieht recht gemütlich aus, was an seiner Vorliebe für Süßes liegen mag. Aber gemütlich ist KK definitiv nicht. Wenn es um seinen Beruf geht, den er mit großer Leidenschaft ausübt, ist Kugelblitz sehr engagiert und wird sogar in seinem Urlaub aktiv. Kugelblitz schaltet schnell, kombiniert wie kein zweiter, ist findig, kennt die besten Tricks. Er ist ein Kommissar wie aus dem Bilderbuch. Mit seiner wissbegierigen, aufgeweckten Nichte Bonny können sich die jungen Leserinnen und Leser sicher identifizieren. Dass auch Kriminelle und ihr Leben näher beleuchtet werden, finden meine Mitleser und ich reizvoll. Wie die Drahtzieher des Drogenschmuggels agieren, wird interessant dargestellt.

Der große Coup, um den es in „Kugelblitz in München“ geht ist ganz schön komplex. Ein spannender Fall, bei dem Kugelblitz zeigt, was er so alles drauf hat. Zweifellos sind die Ermittlungen sehr packend, allerdings ist das Thema „Drogenkriminalität“ für Kinder doch noch sehr abstrakt. Bonnys Lehrer erklärt zwar genau, gut nachvollziehbar und sehr plausibel die Gefahren von Drogen, aber Drogen sind glücklicherweise kein Thema aus dem Leben der Zielgruppe. Der Fall ist gegen Ende nicht vollständig abgeschlossen, was für meinen Sohn nicht ganz befriedigend war. Der Inhalt bezieht sich teilweise auch auf den Vorgängerband.
Trotzdem uns die Handlung mitgerissen hat, hätte ich mir ein Thema gewünscht, zu dem die Kinder einen konkreteren Bezug hätten aufbauen können.
Sehr gut hat mir hingegen die Verbindung von regionalen Besonderheiten und Kriminalfall gefallen. Kugelblitz macht mit Bonny eine Münchentour und stellt seiner Nichte die bayrische Landeshauptstadt auf eine persönliche Weise vor. Man erfährt dabei viel Unterhaltsames und Wissenswertes über die Sehenswürdigkeiten, zum Beispiel über den Teufelstritt in der Frauenkirche. Kugelblitz Stadtführung ist alles andere als langweilig. Im Anhang des Buchs werden einige bekannte Münchner Sehenswürdigkeiten genauer beschrieben, außerdem gibt es noch eine Sammlung von 100 bayrischen Ausdrücken. Eine sehr amüsante Zusammenstellung!
Wer nach München fährt, ist gut beraten dieses Buch mitzunehmen und vor Ort den Schauplatz der Geschichte zu erkunden. Das wird definitiv eine lebendige, besondere Stadterkundung, wenn man dabei nachliest, was KK über manche Orte zu erzählen hat. Auch wenn mich das Thema des Falls nicht hundertprozentig überzeugt, finde ich das Buch insgesamt durchaus überzeugend: spannend, informativ und lehrreich, actionreich, motivierend, zum Miträtseln und Nachdenken und vor allem kurzweilig. Für uns sicher nicht das letzte Buch aus der Reihe.

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Veröffentlicht am 04.11.2021

Komische Krähe und kluger Kauz- hübsch gestaltetes Bilderbuch mit wichtiger Botschaft

Kasi Kauz und die komische Krähe (Kasi Kauz 1)
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Wer ist denn das? Im Wald taucht ein komischer Vogel mit leuchtend buntem Gefieder auf, der seltsame schrille Laute von sich gibt. Alle Bewohner des Waldes sind sehr neugierig, aber auch ziemlich misstrauisch ...

Wer ist denn das? Im Wald taucht ein komischer Vogel mit leuchtend buntem Gefieder auf, der seltsame schrille Laute von sich gibt. Alle Bewohner des Waldes sind sehr neugierig, aber auch ziemlich misstrauisch und skeptisch. Kasi Kauz will herausfinden, was die Tiere genau gegen die „komische Krähe“ haben. Ob er es schafft, die Wogen zu glätten und die Vorurteile abzubauen?

Autor Oliver Wnuk formuliert kindgemäß und lebendig im Präsens. Die einfachen, kurze Sätze sind gut zu verstehen. Matthias Derenbachs farbenfrohe, detaillierten und liebevollen Illustrationen laden zum genaueren Betrachten ein. Seine niedlichen, individuellen Figuren werden bei den Kindern sicher gut ankommen. Mir persönlich ist die Darstellung von Kasi Kauz mit den überdimensionierten Augen allerdings ein bisschen zu kitschig geraten, aber das ist natürlich Geschmacksache.
Zum Vorlesen eignet sich die Geschichte für Kinder ab fünf Jahren, jüngere Kinder werden die Handlung zwar nachvollziehen, aber die Aussage der Geschichte nicht vollständig erfassen können.

Eine bunt gemischte Figurentruppe hat Oliver Wnuk da zusammengestellt. Während der fremde „Blödmann“ schreiende Vogel von den Waldbewohnern argwöhnisch beäugt wird, werden die Leser sofort wissen, was das für ein exotisches Tier ist. So verschieden die Waldtiere sind, alle haben sie Sorge, dass die Ankunft des Fremden ihr Leben verändern könnte. Darin sind sich Ente, Eichhörnchen und Wildschwein einig. In dieser Hinsucht erinnern sie doch sehr an uns Menschen, die in bestimmten Situationen ebenso Vorurteile gegenüber Unbekannten haben. Kasi Kauz aber greift ein. Kasi ist eine wunderbare Figur. Der kleine Kauz beobachtet genau, zeigt sich neugierig und lässt sich auf Neues ein. Und dazu ist er noch ziemlich klug, hört anderen sehr aufmerksam zu und geht auf sie und ihre Bedenken ein. Kasi Kauz mit seiner bedächtigen, ruhigen Art ist ein Vorbild, kein komischer, sondern ein kluger Kauz.

Die einfache Geschichte ist recht schnell erzählt. Aber trotzdem macht es Spaß, Kasi Kauz bei seiner Vermittlungsmission zu begleiten. Von seiner unaufgeregten, gelassenen, durchdachten Gesprächsführung kann so mancher Erwachsene noch etwas lernen. Kasi verdeutlicht, wie wichtig Zuhören für gegenseitiges Verständnis ist. Sorgen werden vom ihm ernst genommen und mit entsprechenden Argumenten entkräftet. So beweist Kasi letztendlich, dass man nur bereit sein muss, sich auf Fremde einzulassen, dann sind sie nicht mehr fremd. Nebenher macht Kasi noch klar, dass viel Besitz nicht glücklicher macht, dass Schönheit nicht nur äußerlich ist, sondern auch von guten Taten kommt und dass wir doch alle letztendlich eines gemeinsam haben, wir alle wollen glücklich sein.
„Kasi Kauz und die komische Krähe“ ist eine kleine, nette, ansprechend bebilderte und weise Geschichte, eine Art Parabel über die Angst vor Unbekanntem und Fremdem. Die Handlung ist nicht spektakulär oder aufregend, hat aber im übertragenen Sinn durchaus aktuellen, gesellschaftlichen Bezug. Für mich ein lesenswertes Vorlesebuch mit kluger Hauptfigur und wichtiger Botschaft.

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Veröffentlicht am 01.11.2021

Ein etwas anderes Ritterabenteuer mit drollig-liebenswerter Hauptfigur

Darius Dreizack - Ritterspiele auf Burg Waghalsig
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Der kleine Lindwurm Darius Dreizack erhält eine besondere Einladung, er darf die Ritterschule auf Burg Waghalsig besuchen. Jetzt hat er ganz schön Muffensausen, denn er ist überhaupt nicht geschickt und ...

Der kleine Lindwurm Darius Dreizack erhält eine besondere Einladung, er darf die Ritterschule auf Burg Waghalsig besuchen. Jetzt hat er ganz schön Muffensausen, denn er ist überhaupt nicht geschickt und auch nicht mutig so wie seine Geschwister. Eigentlich will Darius überhaupt kein Ritter werden. Der kleine Lindwurm verabscheut Kämpfe, viel lieber mag er Natur und Ruhe. Mit einem mulmigen Gefühl macht er sich auf den Weg zur Burg. Sofort trifft er auf den geschrumpften, aber selbstbewussten Ziegenbock Rüdiger von Hirtenkäse und Hüttenquark und kurz darauf auf Lonnhilde, genannt Lonni. Gemeinsam versuchen die drei auf Burg Waghalsig zu bestehen. Ob sie in 33 Tagen bereit für die ersten Ritterspiele sind?

Antje Szillat schreibt kindgemäß, gut verständlich und mit viel Wortwitz. Vor allem ihrer Figur Rüdiger legt sie immer wir sehr komische Ausdrücke wie „Schangedön“ oder den coolen Gruß „Bonschlonzo“ in den Mund. Beim Vorlesen machen diese Formulierungen besonders Spaß.
Susanne Göhlichs zahlreiche bunte, niedliche und motivierende Bilder ergänzen die Geschichte perfekt. Ihre Figuren muss man einfach mögen, sie sehen sehr drollig aus. Auf dem Vorsatzpapier ist eine Umgebungskarte von Burg Waghalsig abgedruckt. So können sich die Leser den Schauplatz der Handlung gleich besser vorstellen.
Die Kapitel haben eine „lesefreundliche“ Länge, für uns nicht zu lang und nicht zu kurz.
Zum Vorlesen eignet sich das Buch für Zuhörer ab fünf Jahren.

Mit Darius werden sich zurückhaltende, ängstliche Kinder sicher prima identifizieren können. Der kleine Lindwurm ist nett, höflich, freundlich, rücksichtsvoll und überhaupt nicht abenteuerlustig und draufgängerisch.
Schrumpfziegenbock Rüdiger ist wesentlich kleiner als Darius, sein Selbstbewusstsein ist aber so groß, dass es dicke für zwei reicht. Mit seiner lustigen Sprache sorgt er immer wieder für Schmunzler. Die dritte im Bunde ist Lonni, eine Mischung aus Rüdiger und Darius, sie zeigt sich aufgeweckt und offen für Herausforderung, aber gleichzeitig auch empathisch und verständnisvoll. Auf Burg Waghalsig treffen ziemlich viele originelle Figuren aufeinander: Trolle, ein- bis siebenköpfige Drachen, Kobolde oder Zentauren. Eine phantastische Gruppe!

Wird es Darius allen beweisen und schafft er die Zulassung zu den Ritterspielen?
Bis zu den Spielen vergeht eine aufregende, turbulente Zeit mit viel Training. Am Ende wartet eine besondere Überraschung auf Darius und die kleinen Leser.
„Darius Dreizack - Ritterspiele auf Burg Waghalsig“ ist nicht nur eine lustige, vor allem zum Ende hin spannende Geschichte, das Buch wartet auch mit einer schönen Botschaft auf: Rittersein bedeutet nicht nur Mut, Tapferkeit und Abenteuer. Echte Ritterlichkeit zeigt sich auch durch „Tugenden“ wie Freundlichkeit, Bescheidenheit, Rücksichtnahme und Empathie. Darius Dreizack ist eine phantasievolle, mitreißende Freundschaftsgeschichte mit liebenswerten, originellen Figuren, viel Wortwitz und gelungenen Illustrationen. Ein Buch für alle kleinen und großen Drachen- und Ritterfans, die manchmal mutig sind und manchmal auch Angst haben.

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