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Veröffentlicht am 17.03.2025

Familiengeheimnisse auf Sylt

Die Bücherfrauen von Listland. Der Gesang der Seeschwalben
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Auch bei diesem ersten Teil der neuesten Dilogie von Gabriella Engelmann kommt durch die Covergestaltung direkt maritime Stimmung auf und auch der Bezug zum Handlungsort Sylt ist direkt erkennbar.

Es ...

Auch bei diesem ersten Teil der neuesten Dilogie von Gabriella Engelmann kommt durch die Covergestaltung direkt maritime Stimmung auf und auch der Bezug zum Handlungsort Sylt ist direkt erkennbar.

Es gibt zwei Zeitebenen. In der der Gegenwart steht die 55-jährige Podcasterin Anna im Mittelpunkt, die auf den Lister Ellenbogen reist, weil sie ein Buchprojekt mit der 85-jährigen "Bücherfrau" Fenja Lorenzen plant, bei der sie auch untergebracht sein soll. Im Haus der alten Dame trifft sie dann aber auf deren Tochter Elisa, die ebenfalls nicht weiß, wohin genau ihre Mutter spontan verschwunden ist. Bei einem Unwetter finden Anna und Elisa dann eine kleine Kiste mit geheimnisvollem Inhalt unterm mehr als renovierungsbedürftigen Reetdach. Außerdem taucht auch noch Fenjas Sohn Eric zur Unterstützung bezüglich der Sturmschäden auf und bringt Anna ganz schön durcheinander.

Die zweite Zeitschiene beginnt im Jahr 1937, einige Jahre nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten. Dabei steht eine tragische Liebesgeschichte im Mittelpunkt, in die die Vorfahren von Fenja involviert zu sein scheinen.

Ich fand den Ausflug auf die Insel Sylt wieder sehr unterhaltsam. Es war interessant, mehr über die Auswirkungen des Nationalsozialismus auch auf das Leben dort zu erfahren und die Familiengeschichte hat mich ziemlich gefesselt. Anna als Protagonistin der Gegenwart war mir sympathisch. Fenja blieb für mich durch ihre Anwesenheit noch etwas unscharf, ich denke aber, im zweiten Band wird man noch mehr über sie und ihre Vergangenheit erfahren. Dadurch, dass es sich um eine Dilogie handelt, wurde natürlich auch der ein oder andere Erzählstrang nicht abgeschlossen. Dadurch ist man nun fast gezwungen, den nächsten Teil auch zu lesen. Der Schreibstil war, wie von der Autorin gewohnt, sehr anschaulich und gut nachvollziehbar. Was das Hörbuch angeht, empfand ich die Sprecherin als gut gewählt, mit angenehmer und zur Stimmung des Romans passender Stimme. Das Sprechtempo war so, dass man gut folgen konnte.

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Veröffentlicht am 16.03.2025

Erschreckend aktueller Polit-Thriller

Echokammer
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Im Zusammenhang mit Social Media ist mit einer "Echokammer" das Phänomen gemeint, dass wir uns dort bevorzugt mit Menschen austauschen, die unsere Ansichten teilen. Der norwegische Polit-Thriller, der ...

Im Zusammenhang mit Social Media ist mit einer "Echokammer" das Phänomen gemeint, dass wir uns dort bevorzugt mit Menschen austauschen, die unsere Ansichten teilen. Der norwegische Polit-Thriller, der nun diesen Titel trägt, weist eine Covergestaltung auf, die gut zu einem Thriller aus Skandinavien passt.

Die Handlung beginnt etwa einen Monat vor der Parlamentswahl in Norwegen. Die Parteien stecken mitten im Wahlkampf und selbst die Arbeiterpartei versucht mit einem strikteren Kurs bei der Migration und nicht ganz sauberen Methoden auf Social Media Wählerstimmen zurückzugewinnen. Zugleich sucht eine Anti-Terror-Einheit der Polizei nach rechtsnationalen Attentätern, die im Besitz einer großen Menge Rizin sein sollen, ohne, dass es eine Ahnung gibt, was genau diese damit vorhaben. Die Ermittler:innen Liselott Benjamin und Martin Tong tun dennoch alles, um einen Anschlag zu vereiteln. Und dann ist da noch Jens Meidell, der juristische Berater der Spitzenkandidatin der Arbeiterpartei. Ein Geheimnis aus dessen Vergangenheit droht aufgedeckt zu werden und er muss sich darüber klar werden, inwieweit er eigene Grundsätze über Bord werfen würde, um der Arbeiterpartei zurück an die Macht zu helfen und zu verhindern, dass rechte Kräfte noch stärker werden.

Ich fand diesen norwegischen Thriller teilweise erschreckend aktuell, da viele der Themen und Methoden der Wählermanipulation auch im aktuellen Wahlkampf in Deutschland eine große Rolle spielen, insbesondere auch die Forderung nach einer Rückführung vieler Migranten und einer Abschottung. Auch die Thematik mit dem biologischen Kampfstoff Rizin fand ich erschreckend, da alles doch recht einfach umsetzbar wirkt für Menschen, die möglichst vielen anderen schaden wollen. Das Ermittler:innen-Duo hat definitiv seine Ecken und Kanten, was gut zu dieser Art Stoff passt. Der Schreibstil war gut nachvollziehbar und die Perspektivwechsel trugen zu einer zusätzlichen Spannungssteigerung bei.

Der Sprecher des Hörbuchs war gut gewählt. Es gelang ihm, durch verschiedene Stimmlagen für die passende Atmosphäre zu sorgen und auch für ein abwechslungsreiches Hörerlebnis, dem man gut folgen konnte.

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Veröffentlicht am 12.03.2025

Erbstück

Wenn die Tage länger werden
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Bei diesem Roman ist mir das Cover etwas zu verspielt geraten, da ich aber bereits andere Bücher der Autorin kenne und mochte und mich die Kurzbeschreibung angesprochen hat, war mein Interesse dennoch ...

Bei diesem Roman ist mir das Cover etwas zu verspielt geraten, da ich aber bereits andere Bücher der Autorin kenne und mochte und mich die Kurzbeschreibung angesprochen hat, war mein Interesse dennoch geweckt.

Lisa ist Lehrerin an einem Gymnasium und alleinerziehende Mutter eines sechsjährigen Sohnes. Sie leben in Freiburg. Diesen Sommer fährt ihr Sohn zum ersten Mal ohne sie in den Urlaub, mit seinem Vater zu seinen polnischen Großeltern. Lisa freut sich einerseits auf die freie Zeit, andererseits graut es ihr auch davor, so lange von ihrem Sohn getrennt zu sein. Zu ihrer eigenen Mutter hat sie ein sehr distanziertes Verhältnis, da diese auch im Erwachsenenalter noch ständig etwas an Lisa zu kritisieren hat. Auch über ihre Großeltern mütterlicherseits weiß sie wenig, da dieses Thema totgeschwiegen wird. In diesem Sommer findet Lisa nun die Zeit, die alte Geige, die mal ihrem Großvater gehörte, zur Reparatur zu bringen. Dabei stößt sie auf ein düsteres Familiengeheimnis, lernt so aber auch die krebskranke Ute kennen, die sehr direkt ist, da sie nicht mehr viel zu verlieren hat.

Mir hat die Geschichte gut gefallen, da sie sehr vielschichtig ist und es einerseits um das angespannte Mutter-Tochter-Verhältnis und die vielen ungesagten Dinge in Lisas Familie geht, andererseits aber auch um die Rolle von Lisa, die als alleinerziehende, berufstätige Mutter stark gefordert ist, aber auch nicht auf ewig allein bleiben möchte und auch die deutsche Geschichte spielt im Zusammenhang mit Lisas Familiengeschichte und auch mit der von Ute und deren Vater eine gewisse Rolle. In einigen Punkten habe auch ich selbst mich wiedergefunden. Der Schreibstil der Autorin war dabei gewohnt gut verständlich und auch anschaulich, die historischen und musikalischen Aspekte wirkten zudem sorgfältig recherchiert. Ich habe die Hörbuchvariante des Buches gehört und empfand die Stimme der Sprecherin als angenehm und zur Thematik passend. Das Sprechtempo war angemessen, sodass man der Geschichte gut folgen konnte.

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Veröffentlicht am 08.03.2025

Aline Abbouds Libanon

Barfuß in Tetas Garten
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Aline Abboud war mir bereits als Nachrichtenmoderatorin ein Begriff. In diesem Buch teilt sie nun sehr persönliche Erinnerungen. Sie ist 1988 als Tochter einer Ost-Berlinerin und eines Libanesen, der zum ...

Aline Abboud war mir bereits als Nachrichtenmoderatorin ein Begriff. In diesem Buch teilt sie nun sehr persönliche Erinnerungen. Sie ist 1988 als Tochter einer Ost-Berlinerin und eines Libanesen, der zum Studium in Leipzig war, geboren und hat so nach der Wiedervereinigung viele Sommer in der Heimat ihres Vaters verbracht und auch Arabistik studiert.

So erfährt man in diesem Buch viel über das alltägliche Leben einer christlichen (Groß-)Familie im Libanon. Aline und ihre Familie besuchten dort nicht nur Alines Großmutter Teta, die im Titel erwähnt wird, sondern auch diverse Onkel, Tanten, Cousins und Cousinen, von denen viele mittlerweile über die ganze Welt verstreut leben, da die wirtschaftliche und politische Situation im Libanon schwierig ist. In Alines Anekdoten spielen dann krisenhafte Ereignisse ebenso eine Rolle, wie lange Strandtage und liebgewonnene Speisen oder besondere Sehenswürdigkeiten. So erfährt man aus ihrer Perspektive viel über dieses Land, von dem man meist nur in den Nachrichten im Zusammenhang mit dem Nah-Ost-Konflikt oder libanesischen Familienclans hört. Ergänzt wird all das mit privaten Fotos aus ihrem Familienalbum, durch die man sich das Beschriebene noch etwas besser vorstellen kann.

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Veröffentlicht am 02.03.2025

Leben und bauen unter erschwerten Bedingungen

Die Allee
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Die Bilder und die Farbgestaltung des Covers dieses Buches lassen bereits vermuten, dass dieses sich um die Zeit der DDR dreht. Geschrieben wurde es von der Enkelin des im Mittelpunkt stehenden Architekten ...

Die Bilder und die Farbgestaltung des Covers dieses Buches lassen bereits vermuten, dass dieses sich um die Zeit der DDR dreht. Geschrieben wurde es von der Enkelin des im Mittelpunkt stehenden Architekten Hermann Henselmann, der nach dem Zweiten Weltkrieg zum Chefarchitekten Ost-Berlins aufstieg und und bedeutende Bauprojekte der DDR, wie die Stalinallee, den Palast der Republik oder den Fernsehturm entscheidend prägte.

Es geht aber nicht nur um ihn, sondern auch seine Frau Isi und Isa, eine seiner Töchter, nehmen eine wichtige Rolle ein. Isi hat selbst eine große Begabung für Architektur, durch die vielen Schwangerschaften schaffte sie es aber nie, ein Studium durchzuziehen und assistierte so ihrem Mann oft nur, bis sie sich mit zunehmendem Alter doch noch mehr von ihm emanzipiert. Hermann eckt bei der DDR-Führung mit seinen Vorstellungen von Architektur oft an und muss am Ende oft Kompromisse eingehen, um seine Position zu behalten. Sein Umgang mit Isi und seinen Kindern ist öfter wenig vorbildlich, so kommt es immer wieder zu Affären und gegenüber der Kinder neigt er zu gewalttätigen Wutausbrüchen. Isa geht daher recht früh ihre eigenen Wege, gerät dabei aber auch immer wieder in brenzlige Situationen, teilweise auch, weil sie nun mal die Tochter des recht bekannten Architekten ist.

Ich fand die Geschichte sehr interessant, insbesondere, weil ich so mehr über die Entstehungsgeschichte prägnanter Bauwerke der DDR erfahren habe, und darüber, wie es dazu kam, dass dort genau so gebaut wurde. Auch die Familiengeschichte hat mein Interesse geweckt, weil ich so noch einmal viel über die Frauenrolle in der DDR und am Beispiel von Isa über das Aufwachsen unter diesen erschwerten Bedingungen erfahren habe. Die Autorin schreibt gut nachvollziehbar und anschaulich, beschönigt aber trotz ihrer Verwandtschaft mit Hermann Henselmann nichts. Alles wirkt auch sehr gut recherchiert.

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