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Veröffentlicht am 13.08.2025

Kein Ausweichen möglich

Die Ausweichschule
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Für mich ist klar: der emotionalen und literarischen Kraft dieses Buches kann man nicht „ausweichen“. Beim Lesen des autofiktionalen Werks von Kaleb Erdmann, in dem er dem Amoklauf von 2002 am ...

Für mich ist klar: der emotionalen und literarischen Kraft dieses Buches kann man nicht „ausweichen“. Beim Lesen des autofiktionalen Werks von Kaleb Erdmann, in dem er dem Amoklauf von 2002 am Gutenberg-Gymnasium aufarbeitet, kommt man nicht umhin, sich von der ehrlichen Erzählung ergreifen zu lassen. Dazu beweist der Autor auch literarisches Talent und schreibt seinen Text nicht wie einen bloßen Tatsachenbericht o.ä. herunter.
In verschiedenen Episoden reflektiert er abwechselnd darüber, wie der Amoklauf sich ereignet hat und welche Nachwirkungen er hatte, wie er das dramatische Ereignis selbst als Fünftklässler erlebt hat und wie er nun als Erwachsener sich diesem nun selbst literarisch zur Aufarbeitung nähren will. Ob das überhaupt möglich ist, inwiefern er anderer Leute Perspektive einnehmen darf oder ob sein Roman alte Traumata aufreißen würde, ist Thema der „Ausweichschule“.
Dass ein objektiv verstellter Blick auf die Tat nicht möglich sein kann, zeigt Kaleb Erdmann sehr ergreifend auf. Ich habe durch die Lektüre noch einmal viel neues über den Amoklauf und vor allem, wie die Opfer damit umgehen (müssen) gelernt. Man denkt ganz neu über solche schrecklichen Taten, Opfer und Täter nach und da man hier von jemanden liest, der selbst in das Geschehen involviert ist, ist der Text und die Erfahrungen absolut authentisch! Sehr beeindruckend!
Trotz der Schwere des Themas schreibt Kaleb Erdmann aber auch Lustiges und bietet dem Leser so Momente des Durchatmens und Schmunzels. Sein ironischer, nonchalanter, manchmal flapsiger Ton hat mir sehr gefallen und ich konnte mir dadurch den Charakter des Autors gut vorstellen und mich in ihn hineinversetzen.
Es wird beim Lesen klar, dass der Amoklauf Kaleb Erdmann immer noch verfolgt und er sich selbst manchmal gar nicht im Klaren ist, wie tief und subtil psychische Wunden sein können. „Die Ausweichschule“ steht für seinen Versuch, in einen normalen Alltag zurückzufinden, den Amoklauf hinter sich zu lassen und den posttraumatischen Belastungen „auszuweichen“. Doch das scheint eben so Unmöglich, wie der Stärke dieses Romans auszuweichen.

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Veröffentlicht am 03.08.2025

Ein Buch, in dem man sich verlieren kann!

Die Verlorene
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Hier muss ich gar nicht viele Worte verlieren, denn ich bin von Miriam Georgs neuem Roman absolut begeistert und habe nichts zu kritisieren. Dieser dicke Schmöker, in dem die Autorin Gegenwart ...

Hier muss ich gar nicht viele Worte verlieren, denn ich bin von Miriam Georgs neuem Roman absolut begeistert und habe nichts zu kritisieren. Dieser dicke Schmöker, in dem die Autorin Gegenwart und Vergangenheit packend miteinander verknüpft, ist wie die „Elbleuchte“-Reihe oder „Im Nordwind“/„Im Nordlicht“ wieder gründlich recherchiert, sodass man sich nicht nur wegen der Handlung und der Charaktere zwischen den Seiten verlieren kann, sondern dabei auch geschichtlich noch etwas dazulernt. Absolut klasse!
Die Handlung spielt auf zwei Ebenen: in der Gegenwart und in der Zeit des 2. Weltkriegs zwischen 1943-46. Ich fand es interessant, von der Autorin mal etwas zu lesen, das im Hier und Jetzt spielt und diese Abschnitte schreibt sie ebenso packend und authentisch wie ihre historischen Kapitel. In der Gegenwart begibt sich die Protagonistin Laura mit ihrer Mutter Ellen auf Spurensuche ihrer gerade verstorbenen Großmutter Änne, da sie nach deren Tod auf einige Geheimnisse und Ungereimtheiten in ihrer Vergangenheit gestoßen sind. Änne musste zur Zeit des 2. Weltkriegs aus Schlesien fliehen und davon handeln die historischen Kapitel in diesem Roman.
Die Autorin erzählt eine absolut packende und detailliert recherchierte Geschichte mit viel Gefühl und Dramatik, ohne dass es dabei kitschig wird. Im Gegenteil, Ännes Schicksal ist erschütternd und die Autorin schildert die historischen aber auch die gegenwärtigen Begebenheiten sehr authentisch und mitreißend. Man merkt, dass ihr der Stoff am Herzen lag, da er zum Teil auch auf ihrer eigenen Familiengeschichte basiert.
Der Roman ist äußerst vielschichtig, es gibt viele unerwartete Wendungen und überraschende Momente. Es ist fast schon erstaunlich, wie viel Handlung zwischen zwei Buchdeckel passt! Es bleibt bis zum allerletzten Moment spannend und gerade das Ende ist ganz anders als erwartet, sodass sich die Lektüre bis zum letzten Absatz lohnt und keine Sekunde Langeweile aufkommt. Und ein Vorteil gegenüber Miriam Georgs anderen Werken ist, dass dieses Buch in sich abgeschlossen ist und man keinen gemeinen Cliffhanger aushalten muss…
Ein grandioser Familienroman mit viel Emotion (ohne Kitsch), Spannung und historischem Hintergrund - ein Schmöker, in dem man sich aus lauter Lesefreude wirklich verlieren kann!

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Veröffentlicht am 23.07.2025

Elefantenstark

Das Geschenk
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Tierisch heiß ersehnt von mir und ein elefantenstarker Volltreffer! Ich bin absolut begeistert von Gaea Schoeters neuem Roman und weiß nichts außer großem Lob zu schreiben! Schon ihr Vorgänger ...

Tierisch heiß ersehnt von mir und ein elefantenstarker Volltreffer! Ich bin absolut begeistert von Gaea Schoeters neuem Roman und weiß nichts außer großem Lob zu schreiben! Schon ihr Vorgänger „Trophäe“ war eine atemberaubende Jagd über die Seiten, doch „Das Geschenk“ hat mir sogar noch mehr gefallen, sodass ich mich richtig zügeln musste, den Roman nicht an einem Stück durchzulesen, damit ich länger etwas davon habe.
Zwar ist es ein schmales Buch, aber jede Seite steckt so voller Handlung, dass man hinterher das Gefühl hat, ein sehr gehaltvolles, tiefschürfendes Buch gelesen zu haben, wo jeder Satz, jedes Wort genau an der richtigen Stelle steht. Gaea Schoeters Stil ist präzise, knapp und auf den Punkt, was den Lesefluss und die Spannung erhöht. Dazu beweist die Autorin wie in „Trophäe“ wieder mal ihren scharfen und auch kritischen Blick auf Personen und Handlung mit Wortwitz, Ironie und schwarzem Humor und macht den LeserInnen ihr neues Werk so auch zum literarischen Geschenk.
Das Szenario des Buches - tausende Elefanten als „Geschenk“ der botswanischen Regierung in Deutschland - mag im ersten Moment unrealistisch erscheinen, aber Gaea Schoeters stellt die damit einhergehenden politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Konsequenzen bzw. Katastrophen absolut logisch und authentisch dar, vergisst scheinbar kein Detail der Entwicklungen und lässt mich beim Lesen keine Sekunde zweifeln, dass dieses utopische Szenario sich in der Wirklichkeit genauso abspielen würde. Der Roman lädt zum Weiter- und Nachdenken über so wichtige Themen wie Kolonialismus, Ökologie, Politik, soziale Gerechtigkeit, Tierschutz und noch so viel mehr ein, dass es eine breite Grundlage für anregende, kontroverse Diskussionen bietet und man es sicher mehr als einmal lesen muss (oder besser: darf ), um die Tiefe und Bedeutung der Themen voll zu erfassen. Dieses scheinbar dünne Buch ist von schwerem Gehalt, elefantenstark und auch von literarischem Gewicht! Ein wahres Geschenk!

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Veröffentlicht am 16.07.2025

Hin- und hergerissen...

Wie Risse in der Erde
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…ist meine Meinung zu dem viel beworbenen Roman „Wie Risse in der Erde“. Einerseits finde ich die Handlung vor allem anfangs sehr kitschig und konstruiert und auch die Erzählperspektive entspricht nicht ...

…ist meine Meinung zu dem viel beworbenen Roman „Wie Risse in der Erde“. Einerseits finde ich die Handlung vor allem anfangs sehr kitschig und konstruiert und auch die Erzählperspektive entspricht nicht ganz meinem Geschmack. Andererseits wird es nach dem ersten Teil deutlich spannender und dramatischer, sodass es sich lohnen kann, am Buch dran zu bleiben. Einen Vergleich mit dem „Gesang der Flusskrebse“ finde ich überzogen, da der Roman eine deutlich höhere literarische Qualität für mich hat und weitaus mehr Spannung beinhaltet, dafür weniger Liebes- und Kitschroman ist.
Die Ich-Erzählerin ist Beth, die mit Mann, Kind und Schwager zufrieden auf einer Farm lebt. Eines Tages kehrt ihre Jugendliebe Gabriel mit seinem Sohn Leo in das Dorf zurück und Beth wird mit ihrer Vergangenheit konfrontiert. Damals hatte sie auch einen Sohn namens Bobby mit Gabriel, der unter für den Leser unerklärten Umständen gestorben ist.
Dieser spannende Aspekt der Handlung kommt aber erst in den hinteren Teilen zu tragen, sodass man bei der Lektüre durchhalten muss, bis einen das Buch so richtig packt. Der erste Teil, welcher von der Liebesgeschichte zwischen Beth und Gabriel dominiert wird, war mir eindeutig zu kitschig, nichtssagend und dröge. Der Plot wechselt zwischen verschiedenen Ebenen der Gegenwart und Vergangenheit und gerade die Episoden aus Beth Jugendtagen, in denen sie sich in Gabriel verliebt, wirken allzu konstruiert und schnulzig. Auch zahlreiche Szenen, die in der Gegenwart spielen, enthalten für mich zu viele idealisierende Beschreibungen, die den Roman dann unglaubwürdig erscheinen lassen. Außerdem spricht die Ich-Erzählerin im Präsens, was meinem persönlichem Geschmack ebenso wenig entspricht, da ich lieber im Präteritum lese. Das ist sicher nur eine private Vorliebe, nichtsdestotrotz hat es mir das zusätzlich schwer gemacht, mit dem Roman warm zu werden.
Doch wie gesagt, kann ich auch begeisterte Stimmen zu „Wie Risse in der Erde“ nachvollziehen, denn nach dem ersten Teil wird es spannender. Bereits am Anfang hat mich neugierig gemacht, was es mit der „Gerichtsverhandlung“ auf sich hat und wie Bobby ums Leben gekommen ist. Kurze Kapitel haben des Lesefluss dazu gefördert, doch so richtig emotional wird dieser Plot erst nach dem ersten Teil aufgerollt. Dann kann man sich von dem Buch „hinreißen“ lassen und vielleicht auch über die kitschigen, konstruierten Elemente hinwegsehen. Mir persönlich hätte das Buch also deutlich besser gefallen, wenn es rund 150 Seiten kürzer gewesen wäre, denn dann wäre die Handlung dichter und von schnulzigen Episoden befreit gewesen. Aber wer gerne Liebesroman mit Spannung kombiniert, der wird sicher von „Wie Risse in der Erde“ hingerissen sein und nicht wie ich hin- und hergerissen…

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Veröffentlicht am 26.03.2025

Enttäuschte Träume

Dream Count
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So wie die Protagonistinnen in Chimamanda Ngozi Adichies neuem Roman „Dream Count“ alle mit enttäuschten Träumen zu tun haben, so hat mich dieses lang erwartete Buch leider auch enttäuscht. Die Bestsellerautorin ...

So wie die Protagonistinnen in Chimamanda Ngozi Adichies neuem Roman „Dream Count“ alle mit enttäuschten Träumen zu tun haben, so hat mich dieses lang erwartete Buch leider auch enttäuscht. Die Bestsellerautorin verliert sich überraschend einförmig in schon oft gehörten sozialkritischen und feministischen Themen, sodass der Roman für mich wenig Schlagkraft und Einzigartigkeit hatte. Allerdings soll das nicht heißen, dass „Dream Count“ schlecht geschrieben ist – der Erzählstil ist flüssig und unterhaltsam – aber inhaltlich hätte der Roman auch ein Erstlingswerk sein können, da meiner Meinung nach wenig neuartige, originelle Gedanken zu den Themen Feminismus, soziale Dominanz und Unterdrückung gebracht werden.
In „Dream Count“ treffen die Leser auf die vier Frauen Chiamaka, Zikora, Omelogor und Kadiatou, die alle auf die ein oder andere Art Träume für ihr Leben haben, die jedoch nicht vollständig erfüllt werden. Die Vier sind Nigerianerinnen und verwandtschaftlich oder freundschaftlich miteinander verbunden, kommen jedoch aus unterschiedlichen sozialen Ebenen. Interessant ist dies, weil in jedem der vier Romanabschnitte aus der Sicht einer anderen Frau erzählt wird, sodass man die übrigen drei aus der Perspektive der Erzählerin noch einmal in einem neuen Licht sieht und die Charaktere und deren Beziehungsgeflecht so runder und differenzierter wird. Dabei erkennt man, dass alle vier die bestimmenden Themen Feminismus, Selbstverwirklichung, Mutterschaft, Stellung von Frauen in einer patriarchalischen Gesellschaft und die damit verbundenen Dominanz- und Unterdrückungsmechanismen anderes wahrnehmen.
Jedoch ist auch gerade die Konzentration auf diese vorherrschenden Themen ein Grund, warum mich „Dream Count“ am Ende enttäuscht hat, da sich Adichie immer wieder um dieselben Thesen dreht und dabei keine überraschenden Wendungen oder innovative erzählerische Ideen einbringt. Alles wirkt sehr beliebig, eintönig und unaufgeregt und ich hatte das Gefühl, so etwas schon mal gelesen zu haben. Der Erzählstil ist zwar gut und flüssig lesbar, aber ebenso einförmig wie die Handlung. Adichie spickt ihre Erzählung mit feministischen Aphorismen und Lebensweisheiten, die aber auch keine bahnbrechenden neuen Gedanken in den Diskurs bringen.
Wer sich sehr für die in „Dream Count“ behandelten Themen interessiert und von feministischen Romanen nicht genug bekommen kann, dürfte sich mit Adichies neuem Werk gut unterhalten fühlen. Aber für mich ist das Buch literarisch und inhaltlich ein enttäuschter Traum von einem schlagkräftigen Roman geblieben. „Dream Count“ wird nicht lange bei mir nachhallen und ist im Großen und Ganzen ein eher blasses Buch.

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