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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.01.2026

Ich finde leider die Story nicht

Mathilde und Marie
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Am besten haben mir an dem Buch das Vor- und das Nachwort des Autors gefallen. Dazwischen war leider nicht viel obwohl ich das Buch wirklich gern haben wollte. Das Cover ist wunderschön und die Idee eines ...

Am besten haben mir an dem Buch das Vor- und das Nachwort des Autors gefallen. Dazwischen war leider nicht viel obwohl ich das Buch wirklich gern haben wollte. Das Cover ist wunderschön und die Idee eines Bücherdorfes, in dem die Bewohner Handys und Internet nicht brauchen und sich ihren Mitmenschen noch wirklich zuwenden, wo die Welt also noch in Ordnung ist, das klang schön. Leider war das auch schon die ganze Story, denn es passiert nichts. Die Menschen im beschaulichen Örtchen Redu bewegen sich äußerst langsam, denken sehr viel nach, nehmen Rücksicht auf alles und jeden und sind gefühlt alle hypersensibel. Dazu wird der Leser übers Marmeladekochen belehrt oder über Papierschröpfen, alles handgemacht, natürlich. Die Sprache passt dazu, denn auch sie ist sehr rücksichtsvoll, fast altmodisch... langweilig.

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Veröffentlicht am 19.01.2026

toxische Männlichkeit und Schuld

Erde
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Dieser Kurzroman ist unabhängig vom Vorgänger "Wasser" zu lesen wenn auch das Thema (Mit)Schuld wieder ein zentrales Thema ist. Während im Vorgängerroman die Protagonistin durchaus als unschuldig eingestuft ...

Dieser Kurzroman ist unabhängig vom Vorgänger "Wasser" zu lesen wenn auch das Thema (Mit)Schuld wieder ein zentrales Thema ist. Während im Vorgängerroman die Protagonistin durchaus als unschuldig eingestuft werden kann, ist es in dieser Geschichte schon schwieriger und mir wird ein bisschen bange vor dem nächsten Buch "Feuer".

Die Geschichte ist im Profifußball angesetzt, 2 Topspieler stehen in einem Vergewaltigungsprozess vor Gericht, beteuern aber hartnäckig ihre Unschuld. Die aktuelle Zeitebene begleitet durch den Prozess, zeigt, wie die Anwältin der Verteidigung das Vergewaltigungsopfer auseinandernimmt und schildert am Ende auch den Tathergang, während eine Zeitebene in der Vergangenheit vor allem Evan beleuchtet, seinen Werdegang, der in zu dem Mann gemacht hat, der er nun ist.

Thematisch dreht sich die Geschichte neben Schuld um toxische Männlichkeit, um die Fassade von Moral, um Macht durch Unterdrückung.

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Veröffentlicht am 19.01.2026

eine aufwühlende Geschichte

Wasser
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Ich habe das Buch begonnen und konnte es nicht mehr aus der Hand legen. Die bestürzende Geschichte ist ein feinfühliges Auseinandersetzen mit (Mit)Schuld, Verdrängung, elterlicher Verantwortung und Vergebung, ...

Ich habe das Buch begonnen und konnte es nicht mehr aus der Hand legen. Die bestürzende Geschichte ist ein feinfühliges Auseinandersetzen mit (Mit)Schuld, Verdrängung, elterlicher Verantwortung und Vergebung, die mir richtig unter die Haut gegangen ist. Hier ist kein Satz zu viel, die Geschichte ist dicht, jedes Wort sitzt und gerade deshalb hat mich Vanessa Willow Carvins Geschichte so mitgenommen. Die Frau zieht sich nach einem Schicksalsschlag auf eine kleine karge Insel zurück, bereits im 1. Satz berichtet sie davon, dass sie sich ihre Haare abschneidet und ihren Namen ändert. Nach und nach erfährt man mehr von ihrem Leben, von ihrer Ehe mit einem einflussreichen Mann, der nun wegen Missbrauch von Minderjährigen im Gefängnis sitzt.

John Boyne bietet mit diesem relativ schmalen Buch wirklich gute Unterhaltung.

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Veröffentlicht am 19.01.2026

Femizid

Lilianas unvergänglicher Sommer
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Liliana, die Schwester der Autorin Cristina Rivera Garza (was für ein toller Name!) wurde während ihres Architekturstudiums in Mexiko Stadt ermordet. Der Mörder - Lilianas damaliger Ex-Freund wurde identifiziert, ...

Liliana, die Schwester der Autorin Cristina Rivera Garza (was für ein toller Name!) wurde während ihres Architekturstudiums in Mexiko Stadt ermordet. Der Mörder - Lilianas damaliger Ex-Freund wurde identifiziert, aber nie zur Rechenschaft gezogen. Knapp 30 Jahre nach dem Mord begibt sich nun die Autorin auf Spurensuche. Sie rekonstruiert anhand von Notizbüchern, Briefen, Interviews und sonstigen Aufzeichnungen die Lebenssituation ihrer Schwester, versucht zu verstehen und Gerechtigkeit für Liliana zu finden.

Mein Hauptkritikpunkt liegt gleich zu Anfang der Geschichte - warum beginnt die Suche erst 29 Jahre nach dem Mord? Dazu wird kein Grund angegeben. Ich habe meinen Bruder vor 7 Jahren verloren und fände es jetzt schon schwierig, mich an Einzelheiten zu erinnern, jedem muss doch klar sein, dass das nach einer 4x so langen Zeit fast unmöglich ist. Die damaligen Weggefährten von Liliana haben doch längst andere Wege eingeschlagen und die Ermittlungsakten wurden wer weiß wo archiviert. Unter diesem Gesichtspunkt - dem Zu-Spät-seins - wirkt die Geschichte auf mich unglaubwürdig.

Nichts desto trotz ist das Thema - Femizid, Gewalt gegen Frauen und Patriarchat - egal auf welchem Kontinent - ein relevantes Thema, welches auch heute noch kleingeredet wird. Es kann gar nicht oft genug beschrieben werden!

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Veröffentlicht am 03.11.2025

einfühlsamer Roman zu wichtigem Thema

Da, wo ich dich sehen kann
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Sobald ich ein Buch in die Hand nehme oder das Cover auf einer Internetseite sehe, entsteht ein Gefühl in mir: Neugier, Spannung, Interesse, Vorfreude… und wenn ich dann mit dem Lesen beginne, müssen sich ...

Sobald ich ein Buch in die Hand nehme oder das Cover auf einer Internetseite sehe, entsteht ein Gefühl in mir: Neugier, Spannung, Interesse, Vorfreude… und wenn ich dann mit dem Lesen beginne, müssen sich diese Gefühle beweisen. Vertraue ich dem Autor/der Autorin? Kann ich mich in den Roman vertiefen? Glaube ich den Figuren? Fühle ich mich gut unterhalten?
Im Roman „Da wo ich dich sehen kann“ hat meine Erwartungen erfüllt, sehr sogar.


Der Roman handelt von einem Femizid und davon, wie die Menschen, die zurückbleiben, damit weiterleben. Es ist eine intensive Geschichte über die neunjährige Maja, deren Vater ihre Mutter umgebracht hat, nachdem er sie schon jahrelang unterdrückt und kleingemacht hat. Maja vergöttert ihren Vater und muss nun nicht nur mit dem Verlust der Mutter sondern auch noch mit diversen Schuldgefühlen zurechtkommen, zusätzlich zur neuen Lebensumgebung bei ihren Großeltern mütterlicherseits, einer neuen Klasse und großen Verlustängsten. Aber nicht nur in ihre Welt hat der gewaltsame Tod der Mutter ein tiefes Loch gerissen, auch ihre Eltern und ihre beste Freundin Liv sind traumatisiert. Der Roman wird anschaulich aus verschiedenen Perspektiven erzählt, was mir sehr gut gefallen hat, da er aufzeigt, wie unterschiedlich Betroffene mit dem Schmerz umgehen.
Auch die inhaltliche Gestaltung ist bemerkenswert: Neben den inhaltlichen Kapiteln wird das Buch durch den Obduktionsbericht, Gerichtsprotokollen, diverse Zeitungsartikel aber auch „Was-wäre-wenn“ Kapiteln, die das Leseerlebnis noch realistischer und grausamer machen.
Ich bin begeistert von dem Buch und habe es geradezu verschlungen. Ich habe den Schmerz und die Ängste der Betroffenen geradezu gefühlt. Ich war noch nie in einer derartigen Situation und konnte mich dennoch sofort hineinversetzen und doch eine gewisse Distanz zu den Figuren bewahren, die das Ganze ertragbar macht. Ausgenommen davon ist das Kapitel um Cloés Tod, diese Situation habe ich tatsächlich auch selbst schon erlebt und deshalb intensiv mitgefühlt und ein bisschen geweint.
Auch wenn es sich hier um eine fiktionale Geschichte handelt, sollten wir uns bewusst sein, dass diese Gewalt real existiert! Ohne dass wir es merken, werden jeden Tag Frauen nur aufgrund ihres Frau-seins von Männern misshandelt oder sogar getötet. Und das nicht irgendwo am Ende der Welt (was schlimm genug ist) sondern direkt in unserer Nachbarschaft. Dieses Wissen ist erschreckend und wird lange in mir nachhallen.

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