Schön detaillierte Historical Fiction mit unkonventionellem Thema (zumindest für die damalige Zeit)
My Dearest Lovers. The Heygate Girls"My Dearest Lovers. The Heygate Girls" ist ein gelungener historischer Roman, der Liebhaber*innen dieses Genres viele spannende und gut recherchierte Einblicke bietet.
Die Schwächen in der Liebesgeschichte ...
"My Dearest Lovers. The Heygate Girls" ist ein gelungener historischer Roman, der Liebhaber*innen dieses Genres viele spannende und gut recherchierte Einblicke bietet.
Die Schwächen in der Liebesgeschichte und der Charakterentwicklung von Amabel sind zwar auffällig, aber für diejenigen, die ein authentisches Setting und eine gute historische Atmosphäre suchen, durchaus verschmerzbar.
Ich würde das Buch allen empfehlen, die eine Vorliebe für historische Romane haben und die viktorianische Zeit einmal aus einer sehr persönlichen Perspektive erleben möchten. Das Buch schafft es, historische Details authentisch darzustellen und die gesellschaftlichen Erwartungen und Etikette jener Zeit wunderbar einzufangen.
Man spürt, dass Anna Husen großen Wert auf die realitätsnahe Darstellung des 19. Jahrhunderts gelegt hat, sei es bei der Beschreibung der Mode, des gesellschaftlichen Lebens oder der zwischenmenschlichen Umgangsformen. All das gibt der Handlung eine greifbare Authentizität, die für Fans historischer Romane einen echten Genuss darstellt.
Für die Personen in der Geschichte ist das Einhalten der Normen dieser Zeit existenziell, und man kann die ständige Spannung zwischen Pflicht und persönlichem Wunsch fast selbst fühlen. Auch die Nebenfiguren und kleinen Alltagsdetails fügen sich harmonisch in das Gesamtbild ein und schaffen ein eindrucksvolles Setting, das uns direkt in die viktorianische Ära entführt.
Trotz der vielen positiven Aspekte gibt es jedoch ein paar Kritikpunkte, die mir persönlich aufgefallen sind. Die Liebesgeschichte zwischen Lucy und Arthur, einem der zentralen Elemente der Handlung, entwickelt sich etwas zu schnell und wirkt dadurch ein wenig konstruiert. Die beiden scheinen sich schnell in eine große Liebesgeschichte zu stürzen, ohne dass es wirklich genug Zeit gibt, die Beziehung nachvollziehbar und organisch aufzubauen. Für ein Buch, das so sorgfältig historische Nuancen und Details einbaut, hätte ich mir in diesem Punkt mehr Geduld und Tiefe gewünscht. Liebe auf den ersten Blick ist schön und gut, trotzdem hätte ihre Beziehung meiner Meinung nach mehr Zeit benötigt.
Ein weiterer Punkt, der mich gegen Ende hin störte, ist Amabels Verhalten. Anfangs wirkt sie wie eine interessante, starke Figur, die durch ihre Unabhängigkeit und ihren Humor sympathisch ist. Doch im späteren Verlauf wird sie zunehmend anstrengend und ihre Entscheidungen wirken oft impulsiv, wenn nicht sogar etwas kindisch. Das hat mir die Sympathie für ihren Charakter etwas verdorben.