Profilbild von Naraya

Naraya

Lesejury Star
offline

Naraya ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Naraya über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.11.2025

Schöne, kurzweilige Lektüre

Matcha-Tee am Montag
0

Am ersten Montag im Monat veranstaltet das Café Marble eine besondere Tee-Verkostung mit zwei Sorten Matcha und klassischem japanischem Gebäck. Hinein platzt unverhofft Miho, die sich seit dem Neujahrsfest ...

Am ersten Montag im Monat veranstaltet das Café Marble eine besondere Tee-Verkostung mit zwei Sorten Matcha und klassischem japanischem Gebäck. Hinein platzt unverhofft Miho, die sich seit dem Neujahrsfest vom Pech verfolgt fühlt. Im Café findet sie nicht nur einen neuen Blickwinkel, sondern verliebt sich auch ein wenig in Kellner Kippei. Doch der hilft heute eigentlich nur aus und arbeitet sonst im Familienunternehmen in Kyoto. Werden die beiden sich wiedersehen?

Das ist nur eine von insgesamt 12 kleinen Geschichten, die Michiko Aoyama in „Matcha-Tee am Montag“ erzählt; die deutsche Übersetzung verfasste, wie auch in den zwei bisher veröffentlichten Werken, Sabine Mangold. Die Autorin entführt uns erneut in das kleine Café Marble in Tokio, in dem der mysteriöse Besitzer, den alle nur Master nennen, und sein Personal sich um ihre Gäste kümmern. Jedes Kapitel spielt dabei in einem anderen Monat des Jahres, die alle mit alten Namen wie „Eismond“ oder „Taumond“ bezeichnet werden. So erleben wir einen ganzen Jahreszyklus rund um das kleine Café.

Neben Miho ist da zum Beispiel noch Mitsu, die in der Kunst des kamishibai, also des japanischen Schaukastentheaters, ihre Berufung gefunden hat, sich von ihrer Großmutter aber nicht ernst genommen fühlt. Oder Takaharu, der glaubt, seine wahre Natur vor anderen verbergen zu müssen, weil man ihn ansonsten verspottet. Dann ist da noch Antiquar Yoshihara, der fürchtet, mit seiner Berufswahl seine Frau enttäuscht zu haben. Ein Kapitel wird sogar aus dem Blickwinkel einer Katze erzählt und wir treffen auch alte Bekannte aus „Donnerstags im Café unter den Kirschbäumen“ wieder.

„Matcha-Tee am Montag“ ist ein kleiner Reigen aus Alltagsgeschichten. In jedem Kapitel steht eine Figur im Fokus und eine Nebenfigur wird dann in der nächsten Geschichte zum Mittelpunkt. Dabei behandelt die Autorin die unterschiedlichsten Probleme zwischenmenschlicher Beziehungen, lässt dabei aber ganz schwere Themen aus. Darüber hinaus kann man noch so einiges über Matcha und seine Zubereitung, japanische Süßigkeiten oder bestimmte Feste lernen. Eine schöne, kurzweilige Lektüre.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.11.2025

Emotionaler Roman, der traurig und zugleich wütend macht

Da, wo ich dich sehen kann
0

Die 9-jährige Maja wächst in schwierigen Verhältnissen auf. Da ist auf der einen Seite ein Vater, der seine Frau tyrannisiert, seine Tochter aber liebevoll behandelt. Auf der anderen Seite steht eine Mutter, ...

Die 9-jährige Maja wächst in schwierigen Verhältnissen auf. Da ist auf der einen Seite ein Vater, der seine Frau tyrannisiert, seine Tochter aber liebevoll behandelt. Auf der anderen Seite steht eine Mutter, die sich ihr Leben ganz anders vorgestellt hat und sich zunehmend von ihrer Tochter zurückgewiesen fühlt, die scheinbar den Vater viel mehr liebt. Als alles schließlich eskaliert und der Vater die Mutter tötet, bleiben verzweifelte Menschen zurück: zuerst natürlich Maja, die Großeltern mütterlicherseits Brigitte und Per sowie Liv, die beste Freundin der Mutter, die auch Majas Patentante ist.

„Da, wo ich dich sehen kann“ ist der neuste Roman aus der Feder von Jasmin Schreiber und wird aus der Perspektive der unterschiedlichsten Figuren erzählt. So wird noch einmal greifbarer, wie viele Menschen der Tod von Majas Mutter Emma beeinflusst und weit die Kreise sind, die Trauer und Verzweiflung ziehen. Hin und wieder sind auch besondere Kapitel eingeschoben, die auf schwarzem Hintergrund gedruckt sind. Hier erlaubt sich die Autorin den Blick, was passiert wäre, wenn so manches Gespräch zwischen Emma und ihren Liebsten anders abgelaufen wäre.

Im Zentrum der Handlung steht sicherlich das Thema der Femizide. Männer hassen Frauen, darüber sind sich die erwachsenen Frauen im Roman einig, besonders seit dem Tod von Emma. Nur Maja fällt es schwer, die Dinge so klar einzuordnen. Ja, ihr Vater ist ein Mörder, aber irgendwie liebt sie ihn eben auch. Was diese widersprüchlichen Gefühle in einer Kinderseele anrichten, das stellt Jasmin Schreiber wirklich eindrücklich dar. Überhaupt geht es nicht darum, Sachinformationen über das Thema im Text einzubauen, sondern die realen Auswirkungen darzustellen. Im Buch wird das, sinngemäß, so formuliert: der Täter erhält eine lebenslange Haftstrafe, was für ihn etwa 15 Jahre bedeutet. Für alle, die Emma geliebt haben, bedeutet „lebenslang“ aber genau das.

„Da, wo ich dich sehen kann“ ist ein emotionaler Roman, der traurig und zugleich wütend macht. Es ist aber auch ein Roman, der deutlich macht, dass ein „Verlass’ ihn doch einfach“ nicht so simpel ist, wie wir glauben.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.10.2025

Leider nicht überzeugend

HEN NA IE - Das seltsame Haus
5

Ein junger, auf Okkultismus spezialisierter Autor wird von einem Freund gebeten, sich vor einem Kauf den Grundriss eines Hauses anzusehen. Der wiederum zieht den Architekten Kurihara hinzu. Gemeinsam analysieren ...

Ein junger, auf Okkultismus spezialisierter Autor wird von einem Freund gebeten, sich vor einem Kauf den Grundriss eines Hauses anzusehen. Der wiederum zieht den Architekten Kurihara hinzu. Gemeinsam analysieren die beiden die Anordnung der Zimmer und schon bald fallen ihnen Ungereimtheiten auf. Warum hat das Haus einen versteckten Geheimraum? Warum ist das Kinderzimmer so seltsam geschnitten? Als schließlich eine Frau auftaucht und behauptet, ihr Ehemann sei vermutlich aus genau diesem Haus verschwunden, müssen die beiden unbedingt die Wahrheit herausfinden.

„HEN NA IE. Das seltsame Haus“ ist bereits der zweite Band aus der Feder des japanischen Autors Uketsu (deutsche Übersetzung: Heike Patzschke), der jedoch in Japan zuerst veröffentlicht wurde. Das erklärt auch, warum sein Stil noch sehr ungeschliffen klingt und warum die Technik, rund um bestimmte Objekte zu erzählen, hier noch nicht sehr ausgereift ist. Der Autor selbst hat den Roman mit seiner heutigen Erfahrung noch einmal neu überarbeitet, eine japanische Version kann man auf einer Website kostenfrei nachlesen.

Eines vorweg: „Seltsame Bilder“ mochte ich wirklich sehr gern. Mir gefiel die Idee, anhand von Zeichnungen Kriminalfälle aufzulösen und am Ende waren allen Handlungsstränge geschickt verbunden. An „Das seltsame Haus“ habe ich leider einiges zu bemängeln. Die Geschichte wird an insgesamt drei Grundrissen erzählt, die immer wieder wiederholt werden. In diese Grundrisse interpretieren der Erzähler und Kurihara die wildesten Mordgeschichten hinein, die sich am Ende auf magische Weise als Wahrheit herausstellen.

Es ist dabei nicht nur die Tatsache, dass es unmöglich erscheint, all das aus einem Grundriss herauszulesen, sondern auch die Motivation, die hinter den begangenen Verbrechen stehen soll, ist absolut unglaubwürdig. Zudem bleiben leider kleine Logiklücken, die nicht aufgelöst werden. Schade, aber dieser Band war leider nichts für mich – ich hoffe, dass sich das in zukünftigen wieder ändern wird, denn das Konzept finde ich wirklich spannend!

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 26.10.2025

Mörderische Rätsel zu Weihnachten

Das tödliche Christmas Game
0

Eigentlich wollte Lily die Einladung ihrer Tante Liliana nicht annehmen. Diese veranstaltet zu Weihnachten ein Rätselspiel und der Gewinner soll ihr Anwesen erben. An dem hat Lily jedoch kein Interesse, ...

Eigentlich wollte Lily die Einladung ihrer Tante Liliana nicht annehmen. Diese veranstaltet zu Weihnachten ein Rätselspiel und der Gewinner soll ihr Anwesen erben. An dem hat Lily jedoch kein Interesse, da sich dort vor vielen Jahren ihre Mutter das Leben nahm. Als jedoch Liliana plötzlich stirbt, erhält Lily einen Brief von der alten Dame, die ihren Tod vorausgeahnt hat. Im „Christmas Game“ kann ihre Nichte nicht nur das Haus erben, sondern sie wird auch erfahren, was wirklich mit ihrer Mutter geschehen ist. Lily muss unbedingt die Wahrheit herausfinden und nimmt daher an dem Spiel teil, das sich bald als tödlich herausstellt.

„Das tödliche Christmas Game“ ist bereits der dritte, auf Deutsch veröffentlichte Weihnachtskrimi der britischen Schriftstellerin Alexandra Benedict; die Übersetzung stammt von Elisabeth Schmalen. Die Handlung erstreckt sich auf die „Twelve Days of Christmas“, also vom 25.12. bis zum 5.11., wobei am 24.12. schon alle Gäste in Endgame House eintreffen. Erzählt wird aus der Perspektive von Lily, so dass wir als Leser selbst immer nur so viel wissen, wie sie selbst. Außerdem gibt es auch für uns etwas zum Miträtseln, denn im Text sind verschiedene Worte / Titel versteckt.

Die Teilnehmer am „Christmas Game“ repräsentieren die Dysfunktionalität der gesamten Familie. Neben Lily sind da noch ihre Cousins und Cousinen: die Geschwister Sara und Gray (die Kinder von Tante Liliana) sowie auf der Seite von Lilianas Bruder Edward Thomas, Ronnie und Rachel. Vor allem zu Sara hat Lily ein schwieriges Verhältnis, da sie nach dem Tod ihrer Mutter von Liliana adoptiert und als Liebling angesehen wurde. Aber auch die anderen Familienmitglieder haben ein kompliziertes Verhältnis zu ihren Eltern, ihren Partnern oder auch sich selbst. All diese Konflikte und die Konkurrenz entwickeln während des Rätselspiels eine explosive Dynamik.

„Das tödliche Christmas Game“ hat alles, was ich in einem Krimi gerne lese: Rätsel, ein verwinkeltes Herrenhaus, eine komplexe Familienstruktur und schließlich werden alle vom Schneefall eingeschlossen. Meine Vorahnung bezüglich des Täters hat sich zwar erfüllt, das nahm für mich aber keinesfalls den Lesespaß.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.10.2025

Found Family und ein wenig Action

Miss Swans zauberhafte Pension für magische Gäste
0

Sera Swan gehörte zu den mächtigsten Hexen Englands, doch als sie vor 15 Jahren ihre Kräfte nutzte, um ihre Großtante Jasmine (und aus Versehen Hahn Roo-Roo) von den Toten auferstehen zu lassen, verlor ...

Sera Swan gehörte zu den mächtigsten Hexen Englands, doch als sie vor 15 Jahren ihre Kräfte nutzte, um ihre Großtante Jasmine (und aus Versehen Hahn Roo-Roo) von den Toten auferstehen zu lassen, verlor sie dabei fast all ihre Magie. Ihre Zeit in der Hexengilde ist damit vorüber und so führt Sera nun eine kleine Pension, die zur Zuflucht für eine Hand voll Menschen geworden ist. Als eine Tages der Historiker Luke mit seiner autistischen Schwester Posy im „Batty Hole Inn“ auftaucht, sieht Sera eine Chance, ihre Kräfte zurückzubekommen – doch welchen Preis wird sie dafür bezahlen?

„Miss Swans zauberhafte Pension für magische Gäste“ ist der zweite Roman der Autorin Sangu Mandanna und wurde, wie auch ihr erstes Buch, von Wolfgang Thon ins Deutsche übersetzt. Der Titel ist – meiner Meinung nach – nicht gut gelungen, denn tatsächlich hat Sera in ihrer Pension mehr nicht-magische, als magische Gäste; zumindest bis zum Auftauchen von Luke. Und auch in anderen Aspekten wirkt die Übersetzung unpräzise. Redewendungen werden wörtlich wiedergegeben, obwohl die deutsche Entsprechung anders lauten würde und was „ganzheitliche Videospiele“ sein sollen, das wüsste ich als Gamerin gerne. (Vermutlich steht im Original „wholesome“, aber das bedeutet hier eben nicht „ganzheitlich“.)

Der zentrale Punkt der Handlung ist die Gemeinschaft aus Außenseitern, die sich in der Pension zusammengefunden hat. Hier kann jeder sein, wie er ist und wird dafür nicht verurteilt. Matilda beispielsweise ist laut, eigensinnig und heimlich in Jasmine verliebt. Nicholas spielt einen Ritter auf Mittelalterfesten und legt seine Rolle auch nach Feierabend nicht ab. Seras kleiner Neffe Theo wohnt bei ihr, weil seine Eltern mit seinen magischen Fähigkeiten nicht umgehen können. Alles in allem also ein perfekter Ort für Posy, das muss auch Luke zähneknirschend zugeben.

Die Ereignisse um Seras Magie hätte ich persönlich nicht gebraucht, aber sie funktionieren natürlich als Motor, damit die Figuren erkennen, was ihnen im Leben am wichtigsten ist. Eine schöne, über weite Strecken sehr gemütliche Found Family-Geschichte mit ein wenig magischer Action.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere