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Veröffentlicht am 02.10.2025

Ein weihnachtlicher Fall für Kater Elvis

Alle Jahre wieder mit Elvis
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Es ist Dezember in Koblenz, aber besinnliche Stimmung will nicht so recht einkehren. Oma Klärchen hat Streit mit ihren Kindern, die sie Weihnachten zu sich holen und ihr die Besuche bei ihrem Freund Josef ...

Es ist Dezember in Koblenz, aber besinnliche Stimmung will nicht so recht einkehren. Oma Klärchen hat Streit mit ihren Kindern, die sie Weihnachten zu sich holen und ihr die Besuche bei ihrem Freund Josef verbieten wollen. Und während Elvis pelzige Freundin Chloe eine Demo gegen Katzen als Geschenke unterm Weihnachtsbaum plant, beobachtet Nachbarskater Oskar die Menschen im Haus gegenüber. Irgendetwas geht dort vor sich – und tatsächlich wird bald darauf der unbeliebte Juwelier Bornemann tot aufgefunden. Klar, dass Elvis und Chloe nun wieder ermitteln müssen – und ganz nebenbei das Weihnachtsfest retten.

„Alle Jahre wieder mit Elvis“ ist bereits der zweite Band der Koblenzer Katzenkrimis der Autorin S. Sagenroth. Die Handlung folgt die meiste Zeit dem Protagonisten, Kater Elvis, wechselt aber auch die Perspektive, um etwas zu erzählen, dass er nicht sehen konnte. Zudem sind zwischen die erzählenden Kapitel der Geschichte immer wieder Gedanken der Tatverdächtigen eingeschoben, z.B. von Bornemanns Nachbar Bayo oder seiner Tochter Nora, so dass wir den Fall aus weiteren Blickwinkeln sehen können.

Wenn man sich darauf einlassen kann, macht die Vorstellung ermittelnder Katzen einfach nur Spaß. Elvis und Chloe finden alles durch Beobachtung, Zuhören oder einfach den Einsatz ihres flauschigen Charmes heraus. Dabei gelingt es S. Sagenroth immer, auch ernste Themen mit einfließen zu lassen; sei es Einsamkeit im Alter, Rassismus, familiäre Konflikte oder die wichtige Feststellung, dass Tiere nun wirklich nicht als Geschenk unter den Weihnachtsbaum gehören.

Der eigentliche Kriminalfall ist spannend, auch wenn sich eine gewisse Tendenz schon erahnen lässt. Das mag ich persönlich aber viel lieber, als hoch konstruierte Mordpläne, bei denen man den Täter sowieso nie selbst erraten kann. Ergänzt wird die Geschichte noch durch eine Playlist und einige Rezepte und macht richtig Lust, auf ein gemütliches Weihnachten. (Oder darauf, in Kater Oskars riesigem Kratzbaum zu sitzen und die Welt da draußen zu beobachten.) Und wer genau liest, entdeckt auch Freunde aus früheren Werken der Autorin. Bitte noch mehr Fälle für Elvis!

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Veröffentlicht am 22.09.2025

Loyalitätskonflikt

Schwanentage
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Schon seit Jahren arbeitet Yu Ling als Kindermädchen für eine reiche Familie und kümmert sich liebevoll um den kleinen Kuan Kuan. Eines Tages beschließt sie jedoch, den Kleinen zu entführen, um endlich ...

Schon seit Jahren arbeitet Yu Ling als Kindermädchen für eine reiche Familie und kümmert sich liebevoll um den kleinen Kuan Kuan. Eines Tages beschließt sie jedoch, den Kleinen zu entführen, um endlich ein unabhängiges Leben führen zu können. Alles kommt jedoch ganz anders: aus dem Radio erfährt sie, dass Großvater des Jungen wegen Korruption verhaftet wurde und den restlichen Familienmitgliedern dasselbe Schicksal droht. Yu Ling muss sich entscheiden, wo ihre Loyalität liegt und was sie bereit ist, für ihren Job und ihren Schützling aufzugeben.

Zhang Yueran ist eine der einflussreichsten Autorinnen Chinas und gehört zu den wichtigsten Stimmen junger Literatur. „Schwanentage“ ist ihre erste Übersetzung ins Deutsche, verfasst wurde sie von Karin Betz. Der Titel bezieht sich auf die gemeinsame Zeit von Yu Ling, Kuan Kuan und einer Gans, die der Kleine unbedingt freikaufen wollte. So wie er diese Gans als einen Schwan wahrnimmt und von seinem Kindermädchen dabei nicht korrigiert wird, so bewegt er sich auch völlig ahnungslos durch diese schwierige Zeit. Für ihn ist, dank Yu Ling, alles ein einziges Spiel und Abenteuer.

Der Roman macht die Diskrepanz zwischen den beinahe mittellosen, wenig geschätzten Hausangestellten und dem Reichtum, von dem sie umgeben sind, deutlich. So ist es an sich nicht verwunderlich, dass Yu Ling für ihre Treue gerne ein Stück des großen Kuchens abhaben möchte, vor allem ihr neuer Freund Chen Donghu bestärkt sie immer wieder in diesen Gedanken. Während Yu Ling jedoch Gewissensbisse hat, handelt eine weitere Angestellte sofort, als die Vorwürfe gegen die Familie lautwerden und verschwindet mit Schmuck und einem Teil der Einrichtung.

Auch wenn das Thema ein wichtiges ist, plätschert der Roman die meiste Zeit leider nur vor sich hin und beschreibt ausführlich, was Yu Ling kocht und was Kuan Kuan so anstellt. Das Ende jedoch hat es in sich und zeigt noch einmal umso deutlicher, welchem Konflikt Yu Ling ausgesetzt ist und welche folgenschweren Entscheidungen sie treffen muss. Hier ist „Schwanentage“ wirklich stark – die Hinleitung hätte aber kürzer sein dürfen!

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Veröffentlicht am 15.09.2025

Nicht ihr bester Fall

Mrs Potts' Mordclub und der Tote in der Themse
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Seit ihrem letzten Fall sollen sich Judith Potts und ihre Freundinnen Suzie und Becks eigentlich von jeglichen Mordfällen fernhalten, um Detective Inspector Tanika Malik nicht in Schwierigkeiten zu bringen. ...

Seit ihrem letzten Fall sollen sich Judith Potts und ihre Freundinnen Suzie und Becks eigentlich von jeglichen Mordfällen fernhalten, um Detective Inspector Tanika Malik nicht in Schwierigkeiten zu bringen. Doch dann steht eines Tages Verity Beresford vor Judiths Tür und bittet sie, bei der Suche nach ihrem Ehemann Oliver zu helfen, der am Vorabend bei einer Schifffahrt mit einigen Gästen spurlos verschwunden ist. Kurz darauf wird dessen Leiche entdeckt und Judith muss einfach ermitteln – immerhin stecken sie und ihre Freundinnen schon mitten in all dem Chaos.

„Mrs Potts’ Mordclub und der Tote in der Themse“ ist bereits der vierte Band der Reihe um die drei ermittelnden Freundinnen. Autor Robert Thorogood ist vor allem bekannt für „Death in Paradise“, eine Buch- und inzwischen auch Fernsehserie, die in der Karibik spielt. Die deutsche Übersetzung verfasste Katharina Herzberger. Die Handlung folgt hauptsächlich Judith als Protagonistin, springt aber auch hin und wieder zu anderen Figuren, wenn etwas geschildert werden soll, bei dem sie nicht anwesend war.

Auch dieser Band lebt wieder von dem starken Band der drei Freundinnen und ihrer Begabung dafür, sich in Schwierigkeiten zu bringen. Weil der Tote ein Mitglied der lokalen Theatergruppe war, ergattert Judith dort eine kleine Rolle, um zu spionieren. Suzie sieht sich bei der Ermittlung auf einmal ihrem Exfreund gegenüber und Becks misstraut dem neuen Partner ihrer Tochter. Doch gemeinsam können die drei alles überwinden!

Der eigentliche Mordfall ist ein klassisches Rätsel, bei dem der Mord in einem abgeschlossenen Raum – hier auf einem Schiff – stattfindet. Im Laufe der Handlung decken Judith, Suzie und Becks dabei die Vergangenheit des Opfers und der Fahrgäste an Bord auf und irgendwie hat am Ende jeder ein Motiv. Die Auflösung empfand ich dann doch als etwas konstruiert und unrealistisch, was leider gar nicht zum Selbst-Mitraten einlädt. Auf den letzten Seiten erwartet Judith dann noch ein großer Cliffhanger, der wohl frühestens in Band 5 aufgelöst wird. Ein solider Fall, aber nicht der Beste der drei Freundinnen.

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Veröffentlicht am 11.09.2025

Eine widersprüchliche Frau

Peggy Guggenheim
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Im Molden Verlag erscheint seit 2019 die Reihe „Reihenweise kluge Frauen“, in der Biografien von Frauen veröffentlicht werden – ausschließlich geschrieben von Autorinnen. Die Gestaltung der bunten Bände ...

Im Molden Verlag erscheint seit 2019 die Reihe „Reihenweise kluge Frauen“, in der Biografien von Frauen veröffentlicht werden – ausschließlich geschrieben von Autorinnen. Die Gestaltung der bunten Bände ist aufeinander abgestimmt, so dass sie einheitlich wirken und im Regal einen wahren Regenbogen ergeben. „Peggy Guggenheim“ ist bereits der 10. Band der Reihe. Verfasst wurde er von der promovierten Kunsthistorikerin Mona Hardcastle, die auch bereits Band 1 und 3 über Margarete Schütte-Lihotzky und Josephine Baker schrieb. Seit 2016 arbeitet sie als freie Autorin und Kuratorin.

Peggy Guggenheim (1898-1979) war eine berühmte Kunstsammlerin und Mäzenin und hier liegt sicherlich auch der Fokus der Biografie, die in ein Intro, 6 inhaltliche Kapitel, ein Nachwort und einen Anhang mit Anmerkungen, Bildnachweisen sowie einem Literatur- und Personenverzeichnis aufgeteilt ist. Die eingebundenen Fotos unterstützen den Text, könnten – meiner Meinung nach – manchmal aber etwas ausführlicher beschrieben sein.

Als Tochter der jüdischen Elite New Yorks muss Peggy sich nie Sorgen um Geld machen. Doch schon bald versucht sie, aus dem goldenen Käfig auszubrechen und landet nach verschiedenen Aushilfsjobs schließlich bei der Kunst. Sie schließt zwei Ehen, hat zwei Kinder und lebt in Paris, Südfrankreich und London, bis sie vor den Nationalsozialisten in die USA fliehen muss. Hier eröffnet sie eine Galerie und hält in fünf Jahren mehr als 50 Ausstellungen ab. Sie fördert Künstler wie Chagall, Klee, Kandinsky oder Dalí und streitet sich mit der Witwe von Jackson Pollock um dessen Nachlass.

Mona Hardcastle zeichnet in „Peggy Guggenheim“ das Bild einer widersprüchlichen Frau, die ihre Exzentrik in ihrem letzten Wohnort Venedig mit Gondelfahrten auslebte. Die ihre Kinder oft abschob und vielleicht ihre „Babies“, also ihre Hunde, mehr geliebt hat. Die die Literatur mehr liebte, als die Kunst, sie aber nicht zum Beruf machen konnte. Mit dem Schlagwort „Femme Fatale“ auf dem Cover bin ich allerdings nicht einverstanden: eine typisch männliche Zuschreibung für eine Frau, die - in meinen Augen - einfach nur geliebt werden wollte.

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Veröffentlicht am 10.09.2025

Ein kleiner Kosmos

Die Tage im Café Torunka
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Versteckt in einer Seitenstraße Tokios, ganz am Ende einer Sackgasse liegt das Café Torunka. Geführt wird es von Isao Tachibana und seiner Tochter, der Schülerin Shizuku; als Aushilfe arbeitet dort außerdem ...

Versteckt in einer Seitenstraße Tokios, ganz am Ende einer Sackgasse liegt das Café Torunka. Geführt wird es von Isao Tachibana und seiner Tochter, der Schülerin Shizuku; als Aushilfe arbeitet dort außerdem der zurückhaltende Student Shuichi. Das Café ist ein gemütlicher Zufluchtsort mit liebevoll zubereitetem Kaffee und vielen Stammgästen. Da ist zum Beispiel Chinatsu, die sich in letzter Zeit etwas seltsam verhält oder Hiro-san, der immer auf eine ganz bestimmte Person zu warten scheint. Aber auch Shizuku trägt ein Geheimnis mit sich herum.

Satoshi Yagisawa ist bereits von seinen Romanen rund um die Buchhandlung Morisaki bekannt. Mit „Die Tage im Café Torunka“ bleibt er zwar in Tokio, wechselt aber ins Stadtviertel Yanaka. Die deutsche Übersetzung verfasste Charlotte Scheurer. Erzählt werden insgesamt drei Episoden, in denen das Café der Dreh- und Angelpunkt ist. Dabei macht der Roman vieles richtig, was anderen Vertretern des Genres fehlt und lässt sich mit der Ausarbeitung jeweils ca. 100 Seiten Zeit, so dass wir die Figuren besser kennenlernen können.

In der ersten Episode geht es um Aushilfe Shuichi und die Stammkundin Chinatsu, die ihm eines Tages offenbart, dass sie ihn bereits aus einem früheren Leben kennt. Zunächst ist er irritiert, doch die beiden freunden sich an. Die zweite Episode begleitet Hiro-san, der im Café die Tochter seiner verstorbenen großen Liebe beobachtet. Die beiden verstehen sich gut, aber er kann ihr einfach nicht Wahrheit sagen. Die letzte Episode handelt von Shizuku, die ihre große Schwester vor vielen Jahren verloren hat und noch immer trauert. Als sie dann deren Ex-Freund auf der Straße trifft, ändert sich alles.

Es war wirklich schön, Zeit im Café Torunka zu verbringen. Der Roman liefert uns keine losen, unzusammenhängenden Geschichten, sondern schafft einen kleinen Kosmos, aus dem Episoden erzählt werden. Die Anzahl der Figuren bleibt übersichtlich, so dass wir uns von ihnen allen ein Bild machen können. Dass einige Dinge hier nur angedeutet werden oder ganz offen bleiben, lässt auf einen weiteren Band hoffen. Für mich sogar besser als die „Buchhandlung Morisaki“.

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