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Veröffentlicht am 09.02.2026

Eine Hommage an die winterliche Küche der Provence

Provenzalischer Wintergenuss
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"Provenzalischer Wintergenuss" von Sophie Bonnet erschien 2025 im südwest-Verlag (HC, geb. 200 S.; UT: Die schönsten Rezepte und Traditionen aus Südfrankreich).

Auch im Winter zeigt sich die Provence, ...

"Provenzalischer Wintergenuss" von Sophie Bonnet erschien 2025 im südwest-Verlag (HC, geb. 200 S.; UT: Die schönsten Rezepte und Traditionen aus Südfrankreich).

Auch im Winter zeigt sich die Provence, sonst vor allem durch die Lavendelfelder, malerische Dörfer und viel Sonnenschein wie auch die lukullinarische Vielfalt bekannt, von ihrer beeindruckenden und zauberhaften Seite, die in diesem Koch- und Sachbuch auf vielen wunderschönen Fotos Form und Gestalt annehmen: Der Küche und den Traditionen dieses schönen französischen Landstrichs widmet die Autorin, auch für ihre Provence-Krimis bekannt, der winterlichen Provence, die in diesen Monaten (ohne die vielen Sommertouristen) nicht nur stiller und anmutiger erscheint, sondern auch urtümlicher und echter.

Zu den zahlreichen genussvollen und tollen typischen Rezepten aus der Provenceküche gesellen sich viele wunderschöne, atmosphärische und sehr gelungene Fotos der Autorin, die auch hier ihr Talent unter Beweis stellt. Die Rezepte gliedern sich in folgende Themen:

- La Magie de l'automne (Die Magie des Herbstes) - Délices d'hiver ((Leckereien des Winters)

- Marché de Noel (Der Weihnachtsmarkt) - Patisserie de Noel (weihnachtliche Zuckerbäckerei)

- Le gros souper (Hauptgänge/Festmenü) - Les treize desserts (13 Desserts)

- Salutations culinaires du Nouvel An (kullinarische Grüße zum Neuen Jahr).

Hinzu kommt ein übersichtliches Rezeptregister (deutsch) und ein Nachwort der Autorin.

Natürlich fehlt die (in ganz Frankreich geschätzte) Bûche de Noel nicht; die Zwetschgen-Walnusstorte werde ich mit Sicherheit noch nachbacken; das herbstliche Ofengemüse mundet köstlich und auch der Wildschweinschmortopf gehört zu unseren Favoriten. Auch der 'choux farci' (gefüllter Kohl) hat es uns sehr angetan, um einige köstliche Rezeptbeispiele zu nennen: Die "Kräuter der Provence" ergänzen bei uns auch untypische französische Gerichte (Suppen, Bolognes) und sind in vielen Rezepten ein wichtiger Bestandteil der typischen Küche à la Provence. Besonders punkteten auch bei uns die Datteln mit Walnussfüllung in der Weihnachtszeit. Insgesamt fand ich die Rezepte sehr ausgewogen (Herzhaftes und Süßes), zudem gut erklärt und nachzubereiten; für Provence-LiebhaberInnen ein 'must have'!

Fazit:

Tolle kullinarische und visuelle Reise durch die winterliche Provence, ergänzt mit stimmungsvollen Fotos zu Rezepten und Traditionen dieses wunderschönen südfranzösischen Landstrichs und tollen Rezepten: Eine absolute Weiterempfehlung von mir und 5* für dieses hervorragende und optisch sehr ansprechende Kochbuch!

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Veröffentlicht am 21.01.2026

Packend und berührend erzählte Zeitgeschichte

Lebensbande
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Lebensbande" der bekannten Bestseller-Autorin Mechtild Borrmann, die in all' ihren Romanen um (teils unerzählte) zeitgeschichtliche Themen auf unterhaltsame, authentische und sehr berührende Weise behandelt ...



Lebensbande" der bekannten Bestseller-Autorin Mechtild Borrmann, die in all' ihren Romanen um (teils unerzählte) zeitgeschichtliche Themen auf unterhaltsame, authentische und sehr berührende Weise behandelt und diese zum Kernthema hat, legt hier einen weiteren sehr lesenswerten Roman vor. Erschienen ist "Lebensbande" im Knaur-Droemer Verlag (2025, 281 Seiten, HC, gebunden).

Dies ist nicht mein erster Roman der Autorin (und wird auch nicht der letzte sein), da mir schon "Feldpost" und besonders "Der Geiger" sehr gut gefallen haben, war ich auf "Lebensbande" sehr gespannt. Meine Vorfreude wurde auch diesmal nicht enttäuscht!

"Lene, Nora und Lieselotte - drei Frauen, deren Schicksalsfäden vom Zweiten Weltkrieg bis zum Mauerfall miteinander verbunden sind. Obwohl sie sich in einer Zeit der Angst und des Terrors als Fremde begegnen, werden sie zu Freundinnen, die einander Halt geben und große Risiken auf sich nehmen. Krankenschwester Nora tut alles, um Lene zu helfen, das Leben ihres kleinen Sohnes zu retten, der von den Nazis als "Reichsausschusskind" bezeichnet wird. 1942 lernt Nora Lieselotte kennen und wird mit ihr zusammen in einen russischen Gulag verschleppt - als eine der vielen Arbeitskräfte, die Stalin als Teil der Reparationsleistungen zugesichert worden waren. Als Adenauer sechs Jahre später beginnt, die deutschen Kriegsgefangenen zurückzukaufen, treffen die Frauen eine dramatische Entscheidung."

(Quelle: Buchrückentext des Verlags)

Der Roman basiert auf wahren Begebenheiten von ZeitzeugInnen, was ihn umso interessanter macht, wenn auch authentische Anteile und Fiktion miteinander literarisch verwoben sind. Der Inhalt ist im Buchrückentext bereits sehr gut widergespiegelt (daher mag ich diese oft lieber als Klappentexte) und es geht um verschiedene Themen vor und während des 2. Weltkrieges sowohl am Niederrhein, unweit der holländischen Grenze, wo Lene ihren Joop beim Tanzen kennenlernt und sich unsterblich in den jungen Holländer verliebt (was in der Familie Gertens, die einen Hof besitzt, gar nicht gut geheißen wird), als auch in Ratingen, wo Lene fortan die Stelle eines Hausmädchens besetzen soll, um Joop zu vergessen und wo sie Franz heiratet, mit dem sie bald Leo bekommt und später Zwillinge wie auch in Danzig, wohin es Lieselotte als Sekretärin verschlägt. Lotte ist lange Zeit vollkommen überzeugt vom Nationalsozialismus wie auch vom Sieg, was sich sehr spät dann doch ändern sollte und wo auch Nora als Krankenschwester arbeitet, nachdem sie wegen Widerworte in der Heil- und Pflegeanstalt Bonn einem Arzt gegenüber versetzt wird. Doch ihr Anliegen ist es, den kleinen Leo aus den erschütternden Mühlen der Kinder-Euthanasie (damals natürlich völlig anders, im fürsorglichen Sinne gemeinten Sprachgebrauchs von den Nazis benannt). Das Schicksal dieser drei mutigen Frauen wird im Verlaufe des Krieges und des Romans mehr und mehr miteinander verflochten und man fühlt als LeserIn die große Solidarität und Freundschaft, die zwischen ihnen herrscht und Schlimmeres zu verhindern imstande ist.

Hat man es anfangs mit einer "unbekannten" Figur zu tun, so verflechten sich auch hier die Themen und Inhalte recht schnell, denn als ein Neffe seinen Besuch in Kühlungsborn ankündigt (1993 spielt der zweite Erzählstrang des Romans), beginnt die Figur, in Kühlungsborn an der Ostsee wohnend, ihre Lebenserinnerungen in zwei Heften aufzuschreiben und möchte damit endlich die Wahrheit sagen, die sie lange ganz weit hinten in ihrem Kopf verdrängte... Da sie seither von Träumen heimgesucht wird, wird das Schreiben zu einer Notwendigkeit für sie und sie "entdeckte die heilende Kraft des Schreibens. Hatte Ordnung in ihr zerstückeltes Leben gebracht, die Teile miteinander verbunden". (Zitat)

Ausser der Euthanasie in der Nazizeit sind auch noch viele weitere Themen im Roman zu finden, die jedoch dann eher 'angerissen' sind (die Abwanderung vieler junger Menschen aus den neuen Bundesländern in den vermeintlich "Goldenen Westen" z.B.; auch die Tatsache, dass es auch nach 1945 noch viele überzeugte Nazis gab, die teils dieselben Ämter wieder innehatten, die sie vor 1933 besetzten. Doch hauptsächlich geht es um die Schicksale von Nora, Lieselotte und Lene, die vieles auf sich nahmen, um sich gegenseitig zu helfen - bzw. auch Kindern wie Leo, die schnell die Diagnose "schwachsinnig" bekamen und meist einen furchtbaren Leidensweg vor sich hatten, die Familien unterdes hilflos zusehen mussten (Waldniel kannte ich nicht, aber Hadamar und auch hier in meinem Bundesland gibt es eine psychiatrische Anstalt, die damals viele Insassen nach Hessen verbrachten, auch hierüber gibt es authentische Berichte von Zeitzeugen).

Der Autorin gelingt es, spannend und sehr unterhaltsam historische Themen literarisch zu verpacken und ihren LeserInnen die betreffenden LeserInnen nahezubringen. Mich haben sie mitunter auch zu weiteren Recherchen aufgefordert (Waldniel, Wokuta, Gulag etc.) und ich empfehle ihn daher sehr gerne an historisch interessierte LeserInnen weiter! 4,5* und 93° auf der Histo-Couch von mir.

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Veröffentlicht am 28.12.2025

Wenn das Leben eine Auszeit braucht ...

Drei Tage im Schnee
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Bei "Drei Tage im Schnee" handelt es sich um das Début der jungen deutschen Autorin Ina Bhatter. Der Roman ist im KiWi-Verlag erschienen (HC, geb., 169 S., 2025) und wartet mit einem sehr winterlichen, ...

Bei "Drei Tage im Schnee" handelt es sich um das Début der jungen deutschen Autorin Ina Bhatter. Der Roman ist im KiWi-Verlag erschienen (HC, geb., 169 S., 2025) und wartet mit einem sehr winterlichen, stimmungsvollen Cover auf, das mit dem Inhalt sehr gut harmoniert.

Worum geht's?

Hanna, Mitte 30, geht es gar nicht gut und so beschließt sie, eine Auszeit zu nehmen und mietet sich weitab auf dem Land für 3 Tage ein Häuschen. Sie ist eine erfolgreiche Leiterin der Pressestelle eines großen Unternehmens, gut situiert, Stadtmensch und hat einige FreundInnen: Dennoch ist alle Farbe aus ihrem (recht gehetzten, wie mir schien) Leben gewichen. Ob sie die drei Tage für sich nutzen kann, um wieder mehr Farbe in ihr Leben zu bringen?

Meine Meinung:

Man begleitet als LeserIn eine junge erfolgreiche Frau, die vieles erreicht hat, jedoch einen hohen Preis bezahlte: Sie hat sich immer mehr von sich selbst entfernt und in diesen schneereichen, winterlichen Tagen, die sie bewusst alleine verbringt, möchte sie herausfinden, worin die Gründe liegen, dass sie sich schlecht fühlt. Ihr begegnet ein Kind, das am nahen See die beste Stelle sucht, um einen Schneeengel zu machen; Hanna schließt sich ihr schlussendlich an und sollte zusammen mit Sophie, wie das kleine Mädchen heißt, noch anderes Schönes entdecken, das wieder Leichtigkeit und Freude in ihr Leben zurückbringen kann (z.B. ein Schneinhorn bauen, Spaziergänge, weiße Schokolade trinken u.a.). Sophie stellt Fragen, die Hanna sich selbst und dem Kind zu beantworten sucht und dadurch erkennt, was in Zukunft anders laufen sollte in ihrem Leben.

So ist die 1. Priorität ihre Arbeit, der sie alles unterordnet. Mir erschien sie im Grunde wie ein Workaholic, da sie schlecht Gedanken an die Arbeit aus ihrem Kopf verbannen kann (e-Mails zu checken, Präsentationen vorbereiten). Dadurch rückt alles, was im Leben eigentlich sehr wichtig sein sollte (Freunde, Familie, freie Zeit in der Natur verbringen, die Macht der Geschichten (Bücher) zu erkennen und Dinge zu tun, die Freude bringen) weit in den Hintergrund. Bzw. dafür ist eigentlich nie die rechte Zeit. Es gibt Stellen im Roman, die durchaus kritisch sind (die Werbung betreffend, die uns Träume verkaufen will; das Kaufen von Kleidung oder anderen Dingen, die man im Grunde nicht braucht etc.), jedoch fand ich vieles leider sehr klischeehaft: Da ich Klischees nicht sonderlich mag und auch eine gewisse Spannung oder auch neue Erkenntnisse, Interessantes für mich fehlten, hatte ich den Eindruck, dass dieses Buch nicht für mich geschrieben wurde (auch wenn ich die Botschaften, die auch darin enthalten sind, sehr positiv finde).

Es geht um Selbst- und Fremdbestimmung - und sehr viel um Selbsterkenntnis, sich gesellschaftlichem Druck nicht komplett unterzuordnen, sich selbst und eigene Wünsche niemals aus den Augen zu verlieren. Hanna wirkte auf mich wie jemand, der eine Reha in einer burn-out Klinik sicher guttun würde; auch wünsche ich der Protagonistin, dass es ihr gelingen mag, wieder mehr Farbe in ihr zwar erfolgreiches, aber auch tristes Leben zu bringen. Tatsächlich geht es in unserer (Arbeits-)Welt viel zu oft um Selbstoptimierung, statt um Selbstfindung und Selbstfürsorge. Lebt man viele Jahre in ständiger Überforderung, kann es da wirklich zu einer Überforderung mit Krankheitsfolgen kommen. Sollte es aber nicht.

Ich kann den Roman allen empfehlen, die sich an dieser Grenze zur (beruflichen oder auch privaten) Überforderungsgefahr - besonders auf Dauer - 'entlanghangeln' und etwas für sich selbst tun sollten: Den ersten Schritt in die richtige Richtung; nämlich der zu sich selbst. Mir war es leider insgesamt zu klischeebehaftet, in sehr einfacher Sprache geschrieben (wenn auch recht atmosphärisch mit viel Winterflair) und erreichte mich leider nur peripher, da er keine neuen Erkenntnisse brachte. 3*

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Veröffentlicht am 10.11.2025

Mord in Holly House

Der Tote im Kamin
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Die Glasgow-Krimireihe um D.C.I. Daley des leider bereits verstorbenen schottischen Autors Denzil Meyrick hatte ich bereits zum Teil gelesen und fand sie außergewöhnlich gut; daher war ich auf "Der Tote ...

Die Glasgow-Krimireihe um D.C.I. Daley des leider bereits verstorbenen schottischen Autors Denzil Meyrick hatte ich bereits zum Teil gelesen und fand sie außergewöhnlich gut; daher war ich auf "Der Tote im Kamin" sehr gespannt: Im Gegensatz zu den Glasgow-Krimis handelt es sich hier um Cosy-Crime. Da ich dieses Krimi-Untergenre auch mag und das tolle Cover der deutschen Ausgabe wirklich sehr gelungen finde, habe ich mich also neugierig auf die Spurensuche in Holly House und Elderby gemacht, um dem Ermittler, Inspector Frank oder Francis Grasby über die Schulter zu schauen.

York, Dezember 1952

Inspector Grasby hat so einiges in seiner polizeilichen Vergangenheit 'vermasselt'. Sein Vorgesetzter Juggers zählt ihm seine Ausrutscher auf und Grasby befürchtet schon, in Hull zu landen, um dort in Hafennähe seinen Polizeidienst verrichten zu müssen: Doch es sollte anders kommen (auch wenn Juggers sehr erbost über den letzten Faux-pas Grasby's ist; bei einem missglückten Festnahmeversuch sind 30 wertvolle Pferde bei Lady Winthorpe entlaufen! Statt nach Hull wird Grasby nach Elderby in die North York Moors entsendet, um dort einige Farmdiebstähle (auf dem Grund von Lord Damnish, also hat er es schon wieder mit dem Adel zu tun) möglichst rasch aufzuklären. Kaum angekommen, wird er zu Lord Damnish gerufen, der einen Einbruch meldet: Beim Besuch des Inspectors ist der Kamin verrusst - und auch der Butler findet keine Lösung. Da Grasby sich mit Kaminen gut auskennt, schaut er nach und entdeckt "etwas Großes", das im Kamin des Wohnzimmers im stattlichen Anwesen steckt. Es sollte sich als eine Leiche entpuppen, die dem Krimi seinen Namen gab. Im weiteren Verlauf gesellt sich eine weitere Leiche hinzu, die auf dem Gelände unweit der Kirche aufgefunden wird: Was hat es mit diesen brutalen Morden auf sich?

Dies herauszufinden, muss der Leser sich selbst bemühen; es gibt durchaus einige Wendungen und der lange etwas vor sich hinplätschernde Cosy Crime nimmt am Ende sehr an Fahrt auf: Dazwischen bevölkern einige zwielichtige Figuren den Krimi; so z.B. Bleakly, ein Sgt., der sich daran gewöhnen muss, dass Inspector Grasby nun sein Vorgesetzter ist und an einer Schlafkrankheit leidet; zwei Constables, die hinzugezogen werden, nachdem ein Mr. X auftaucht (im Schlepptau Juggers) und Grasby einweiht, dass die nationale Sicherheit in Gefahr sei - und er zum Schein zu ermitteln habe; es würde sich offiziell um zwei Unfälle handeln.

Eine recht schräge Figur, die mir gut gefallen hat und fast einem Märchenbuch entsprungen sein könnte, ist Mrs. Hetty Gaunt, eine Vermieterin, die hexenhafte Züge hat (Rabe Cecil eingeschlossen, der gerne auf ihrer Schulter sitzt) und oftmals mehr sieht als andere Menschen. Die Bleibe von Grasby und Deedee, der Praktikantin aus Amerika, ist also recht gruslig, jedoch ist Mrs. Gaunt eine hervorragende Köchin, was ersteres wieder wettmacht (zumindest in Grasby's Augen; er ist Ende 30 und im Gegensatz zu den meisten seiner Kollegen noch unverheiratet). DeeDee, eigentlich Mr. Daisy Dean, spielt im Krimi ebenfalls eine zwielichtige Rolle, die ich jedoch nicht spoilern mag. Als LeserIn traut man ihr nicht über den Weg und auch in anderen Menschen könnte man sich hier durchaus täuschen!

Meyrick beschreibt sehr gut die winterliche Atmosphäre und die Umgebung sowie das Herrenhaus von Lord Damnish im fiktiven schottischen Elderby, wo die Handlung verortet ist. Er freut sich (er läuft ungern), dass auch hier alles in erreichbarer Nähe ist (Pub, Wettbüro, Fish-and-Chips Imbiss) und von Beginn an schmunzelt man über die etwas skurrile Beziehung von Grasby Senior (einem betagten, oft mürrischen Reverend, der an seinem Sohn vieles auszusetzen hat) und Frank Grasby: Einen späten Auftritt sollte der Reverend auch noch haben und es ist ersichtlich, dass beiden bewusst ist, dass ihnen der andere trotz aller Gegensätze doch sehr wichtig ist. So sind viele Anekdoten aus der Kindheit Frank's eingestreut, die dies untermauern und einen zuweilen zum Schmunzeln bringen. Schade fand ich die fehlende Spannung und der krasse Gegensatz zum Ende des Cosy-Crime: Der Showdown wurde so fulminant, dass es fast an einen der James-Bond-Filme erinnerte, zumal es am Ende auch um einen politischen Hintergrund geht, der aktuell gar nicht so surreal wirkt.

Leider konnte mich insgesamt die Mischung zwischen Cosy Crime und Spionagekrimi nicht gänzlich überzeugen, allerdings war die Atmosphäre und die Zeit der 50er Jahre in Großbritannien sowie so mancher Seitenhieb (in Sachen Adelstitel z.B.) sehr gelungen; auch stilistisch - aus der Ich-Perspektive von Grasby - ist der Cosy Krimi mit gut ausgeleuchteten, teils schrägen Figuren, sehr gut zu lesen. Ich werde die noch zu lesende Glasgow-Reihentitel des Autors auf jeden Fall weiterverfolgen! 3,5 *

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Veröffentlicht am 10.11.2025

Ein Zuhause ist da, wo Freunde sind

Das Haus mit der kleinen roten Tür
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Das Cover dieses warmherzigen und wundervoll illustrierten Pop-up-Kinderbuchs hat mein Herz im Sturm erobert; ich vermutete eine schöne Kindergeschichte mit viel "Bild" für Kinder ab 4 Jahren und wurde ...

Das Cover dieses warmherzigen und wundervoll illustrierten Pop-up-Kinderbuchs hat mein Herz im Sturm erobert; ich vermutete eine schöne Kindergeschichte mit viel "Bild" für Kinder ab 4 Jahren und wurde alles andere als enttäuscht (zugegebenermaßen muss ich gestehen, dass ich in den letzten Jahren nicht sehr oft Kinderbücher gelesen habe, aber nach diesem traumhaften Cover und Kurzbeschreibung des Verlags einfach zugreifen musste!

"Das Haus mit der kleinen roten Tür" - das hier symbolisch für 'unser aller Türen' stehen mag und von Grace Easton sowohl geschrieben als auch zauberhaft illustriert wurde, hat Stephanie Menge übersetzt; es erschien (HC gebunden, 32 S.) bei Fischer Sauerländer, 2025.

Worum geht's?

Olivia, ein kleines Mädchen, wohnt in einem Haus mit einer roten Tür. Es ist still und dem Mädchen ist etwas einsam zumute; ganz hinten im Garten wohnt Maus in einem großen alten Baum. Bei einem Wintersturm, bei dem es heftig weht und schneit, fällt das Zuhause von Maus um und sie verliert damit ihre Wohnung (die wunderschön gezeichnet ist, mehrere Stockwerke hat und ein großes Lesezimmer ;) Olivia bemerkt dies und bietet ihr ein kleineres Zuhause an: Einen umgedrehten Blumentopf mit dem Nötigsten.

In der Nacht können beide kein Auge zumachen und die Maus fasst Mut, packt ihren Koffer und klopft an das Haus mit der kleinen roten Tür: Erfreut macht Olivia ihr auf und natürlich darf Maus bei ihr wohnen... So sieht man die beiden Kekse essend in der gemütlichen Küche und eine Freundschaft ist entstanden: Niemand von den beiden ist mehr alleine und sie wohnen jetzt zusammen....

Meine Meinung:

Das Kinderbuch trägt eine tiefe Botschaft, eigentlich mehrere in sich: Wenn jemand in Not ist, sollte man helfen. Wenn sich jemand alleine fühlt, unglücklich oder einsam ist und niemanden zum Reden hat, sollte man 'an die Tür klopfen' und denjenigen vielleicht besuchen. Beides sind sehr positive menschliche Verhaltensweisen, die man anhand dieses wunderschön gestalteten Buches einem Kind vermitteln und mit auf den Weg geben kann. Auch laden die wunderschönen, winterlichen Bilder dazu ein, dass Eltern und (Klein)kinder oder auch die Großeltern gemeinsam die Geschichte von Olivia und Maus lesen, darüber sprechen und die zahlreichen Klappen im Bild, die Pop-ups, öffnen und sich ansehen. Dies ist m.E. eine Wonne, dass die junge englische Autorin an alles gedacht hat, was ein wohnliches und gemütliches Zuhause ausmachen kann. Eine schöne Freundschaftsgeschichte für Kinder mit Miniaturwelten hinter den Klappen, in die man sich hineinträumen kann! Mein Urteil lautet daher: Pädagogisch wertvoll und 5 *!

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