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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.12.2025

Überraschendes Highlight

Mr. Saitos reisendes Kino
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Eigentlich dachte ich, „Mr. Saitos reisendes Kino“ würde mir nicht gefallen. Ich war sehr kritisch und hätte es mir niemals selbst gekauft, da Filme, Tanz und Musik in Büchern meist nicht meinem Geschmack ...


Eigentlich dachte ich, „Mr. Saitos reisendes Kino“ würde mir nicht gefallen. Ich war sehr kritisch und hätte es mir niemals selbst gekauft, da Filme, Tanz und Musik in Büchern meist nicht meinem Geschmack entsprechen. Doch hier, trotz Tango und Kino, war es anders. Ehrlich gesagt, ich kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt so etwas Schönes gelesen habe. Ich habe es teilweise gehört und teilweise gelesen. Zunächst hatte ich Schwierigkeiten, reinzukommen, aber dann war ich gefesselt.

Es erzählt von einer Mutter und ihrer Tochter, die auf einer kleinen Insel vor Neufundland stranden und dort auf eine eigenwillige Gemeinschaft treffen. Der Roman ist eine leise Coming-of-Age-Geschichte, in der das Ankommen, Beobachten und Verstehen im Mittelpunkt steht. Besonders berührend sind die Begegnungen mit den Inselbewohner*innen, deren Geschichten nach und nach sichtbar werden. Der historische Hintergrund ist fein und selbstverständlich in die Handlung eingewebt und verleiht dem Roman zusätzliche Tiefe. Ein stilles, warmes Buch, das lange nachklingt.

Veröffentlicht am 28.12.2025

Nicht meine Autorin

Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel
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„Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel“ war für mich bereits der zweite Versuch mit dieser Autorin und erneut bin ich nicht wirklich überzeugt. Der Roman liest sich zwar zunächst sehr gut an, ...

„Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel“ war für mich bereits der zweite Versuch mit dieser Autorin und erneut bin ich nicht wirklich überzeugt. Der Roman liest sich zwar zunächst sehr gut an, kann dieses Versprechen aber nicht bis zum Ende einlösen.

Überzeugt hat mich vor allem die Zeitebene in der Nachkriegszeit. Die Geschichte um Marlen, die 1945 nur knapp überlebt, von Wilma aufgenommen wird und in dieser Zeit ihre Begabung für die Malerei entdeckt. Diese Passagen wirken durchdacht, stimmig und emotional greifbar.

Deutlich schwächer empfand ich dagegen die Handlung in der Gegenwart. Hannahs Leben im Berlin des Jahres 2023 blieb für mich erstaunlich blass. Ich habe diese Kapitel weniger aus Interesse als aus Pflichtgefühl gelesen, in der Hoffnung, dass sich am Ende ein überzeugender Zusammenhang zur Vergangenheit ergibt. Genau dieser bleibt jedoch enttäuschend dünn. Die Verbindung der beiden Zeitebenen wirkt konstruiert und unausgereift, eine echte Nähe zwischen den Figuren entsteht nicht. Insgesamt konnte mich das Buch emotional nicht erreichen. Trotz großer Themen blieb vieles auf Distanz.


Stark ist hingegen die Auseinandersetzung mit der Frage, was von einem Leben bleibt und welche Verantwortung oder Schuld wir unseren Eltern gegenüber empfinden. 2,5/5 Sterne

Veröffentlicht am 16.12.2025

Feministisches Retelling

Medea
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Wusstet ihr, dass Medea ursprünglich nur eine Jungfrau war, die Jason half, das goldene Vlies zu erlangen? Sie war nicht die Hexe, die ihre Kinder umbringt, die wir heute kennen. Diese Erkenntnis stammen ...

Wusstet ihr, dass Medea ursprünglich nur eine Jungfrau war, die Jason half, das goldene Vlies zu erlangen? Sie war nicht die Hexe, die ihre Kinder umbringt, die wir heute kennen. Diese Erkenntnis stammen aus dem Buch "Witches, Bitches, It-Girls", das Medea ein ganzes Kapitel widmet. Das fand ich so spannend, dass ich sofort wusste, dass ich die feministische Neuerzählung von Medea, die neu bei Harper Collins erschienen ist, unbedingt lesen musste. Es hat mich einfach interessiert, was die Autorin aus diesem Mythos gemacht hat. Und ganz ehrlich, ich finde, sie ist richtig gut gelungen.


Der Mythos, den wir heutzutage kennen, durchdringt weiterhin die Erzählung. Ich weiß nicht, wie gut ihr mit diesem Mythos vertraut seid, und möchte euch nicht spoilern. Ihr könnt euch selbst informieren, um die Geschichte zu kennen, oder das Buch einfach ohne Vorwissen lesen – das funktioniert natürlich auch.

Es ist immer noch die gleiche tragische Geschichte. Die Taten von Medea sind nach wie vor furchtbar, aber ich konnte alles, was sie tut, in dieser Erzählung gut nachvollziehen. Ehrlich gesagt, hat mich das Lesen emotional viel mehr mitgenommen, als ich gedacht hätte. Vor allem hat mich die Geschichte noch lange nach dem Lesen beschäftigt. Mir war beim Lesen nicht bewusst, wie sehr mich das Ganze zum Nachdenken angeregt hat. Deshalb habe ich es auch sehr genossen, die Geschichte im Buddyread zu lesen, da wir uns darüber austauschen konnten.

Wenn ihr Retellings oder Mythologien mögt oder auch nur an feministischen Perspektiven interessiert seid, kann ich dieses Buch nur empfehlen.

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Veröffentlicht am 16.12.2025

Gestelzt und überladen

Mathilde und Marie
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Ich habe „Mathilde und Marie“ von Torsten Woywod nach etwa siebzig Seiten abgebrochen. Obwohl ich die Leseprobe vorher gelesen hatte und wusste, worauf ich mich stilistisch einlasse, bin ich mit dem Schreibstil ...


Ich habe „Mathilde und Marie“ von Torsten Woywod nach etwa siebzig Seiten abgebrochen. Obwohl ich die Leseprobe vorher gelesen hatte und wusste, worauf ich mich stilistisch einlasse, bin ich mit dem Schreibstil überhaupt nicht zurechtgekommen.

Der Text wirkt auf mich stark gestelzt und ist durchgehend von Kitsch und Pathos geprägt. Teilweise hatte ich beim Lesen fast ein körperliches Unbehagen, so schwer erträglich fand ich die Formulierungen.

Dabei dachte ich nach der Leseprobe noch, dass ich mich daran gewöhnen könnte. Außerdem lese ich grundsätzlich gern auch mal kitschigere Bücher oder sogenannte Wohlfühlliteratur, gerade in Phasen, in denen es mir nicht so gut geht. Hier war es für mich aber schlicht zu viel. Der Ton blieb für mein Empfinden durchgehend überladen, ohne dass sich eine Balance eingestellt hätte.

Ob der Eindruck an der Übersetzung liegt, kann ich natürlich nicht sicher sagen. Allerdings scheint der Stil so prägend und eigenwillig zu sein, dass ich mir kaum vorstellen kann, dass er im Original wesentlich anders wirkt. Für mich hat das Buch daher leider nicht funktioniert.

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Veröffentlicht am 12.11.2025

Zwischen Verlust und Neubeginn

Lass uns noch bleiben
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Das Buch „Lass uns noch bleiben“ von Saskia Luka erzählt die Geschichte von Anna, die versucht, nach dem plötzlichen Verschwinden ihrer Freundin Vinka wieder Halt zu finden. Anna hat einen kleinen Pflanzenladen ...

Das Buch „Lass uns noch bleiben“ von Saskia Luka erzählt die Geschichte von Anna, die versucht, nach dem plötzlichen Verschwinden ihrer Freundin Vinka wieder Halt zu finden. Anna hat einen kleinen Pflanzenladen und malt nebenbei. Ihr Leben ist gerade ziemlich durcheinander, weil Vinka einfach verschwunden ist, ohne eine Erklärung, ohne ein Lebenszeichen. Anna ist ziemlich verloren, findet aber unerwartete Unterstützung bei Henning, dem freundlichen Buchhändler nebenan. Außerdem lässt sie sich langsam auf ihren neuen Mitbewohner Alex ein, der ihr Leben ganz schön auf den Kopf stellt und sie aus ihrem Schneckenhaus lockt.

Die Geschichte ist einfühlsam und ruhig erzählt. Es geht um das Verlassenwerden, um Schmerz und ums langsame Heilen. Trotzdem fehlte mir manchmal etwas Tiefe. Die vielen Erinnerungen an Vinka haben mich auf Dauer etwas gelangweilt, während die Handlung in der Gegenwart etwas zu kurz kam.

Sprachlich ist das Buch sehr gelungen. Saskia Luka hat ein großes Talent für Sprache. Manche Sätze sind wirklich schön und fast poetisch. Dadurch bekommt das Buch einen besonderen Klang.

Insgesamt ist es eine nette, gefühlvolle Geschichte, die man gut lesen kann, besonders wenn man Bücher über Verlust und Neubeginn mag. Mir hat aber das gewisse Etwas gefehlt, das einen wirklich mitreißt. 3,5/5 Sterne

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