Profilbild von Thomasito

Thomasito

Lesejury Profi
offline

Thomasito ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Thomasito über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.03.2025

Gute Idee, schwache Umsetzung

Das Dinner – Alle am Tisch sind gute Freunde. Oder?
0

Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr: In Emily Rudolfs Thriller "Das Dinner" trifft sich eine alte Clique in einem abgelegenen Restaurant zum Krimidinner. Doch der fiktive Fall weist erschreckende ...

Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr: In Emily Rudolfs Thriller "Das Dinner" trifft sich eine alte Clique in einem abgelegenen Restaurant zum Krimidinner. Doch der fiktive Fall weist erschreckende Parallelen zum Verschwinden ihrer gemeinsamen Freundin Maria vor fünf Jahren auf.

Die Ausgangssituation hat mir so gut gefallen, dass ich es kaum erwarten konnte, das Buch zu lesen. Der Schreibstil ist sehr flüssig und atmosphärisch (wenngleich auch oft unnötig vulgär), und das abgeschiedene Setting war auch einfach super gewählt.

Leider hatte ich aber dennoch Probleme, in die Story hineinzukommen. Die ersten Kapitel haben sich sehr gezogen und es hat für meinen Geschmack zu lange gedauert, bis das Krimidinner beginnt und Spannung aufkommt. Hinzu kommt, dass es mir schwer gefallen ist, die fünf Charaktere und ihre Rollen beim Krimidinner auseinanderzuhalten.

Erzählt wird die Geschichte aus Sicht der fünf Freunde, und das auf zwei Zeitebenen. Neben der Gegenwart gibt es viele Rückblicke zu dem Tag, an dem Maria spurlos verschwunden ist. Eigentlich eine gute Idee, allerdings empfand ich die Story aufgrund der vielen Rückblenden doch als recht langatmig und das Krimidinner selbst kam mir zu kurz.

Ab der Hälfte ist dann aber endlich Spannung aufgekommen und ich habe die ganze Zeit mitgerätselt, was wohl mit Maria passiert sein könnte. Da mir alle fünf Freunde recht unsympathisch gewesen sind, hätte ich jedem von ihnen ein Verbrechen zugetraut. Hinzu kommt, dass man in den Rückblenden erfährt, dass jeder von ihnen ein Motiv gehabt hätte, um Maria loswerden zu wollen, was mir dann aber doch etwas zu konstruiert war. Die Auflösung habe ich dann aber nicht kommen sehen, was mir gut gefallen hat.

Insgesamt ist "Das Dinner" ein Thriller mit einer spannenden Idee, die jedoch nicht optimal umgesetzt wurde. Für zwischendurch ist das Buch aber ganz nett. 🙂

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.03.2025

Schönes Buch mit wichtigen Themen

Will You Hold My Hand?
0

"Will You Hold My Hand" war mein erstes Buch von Saskia Hirschberg. Ich hatte mich auf einige emotionale Szenen eingestellt, da das Thema "Mental Health" eine wichtige Rolle einnimmt. Und tatsächlich habe ...

"Will You Hold My Hand" war mein erstes Buch von Saskia Hirschberg. Ich hatte mich auf einige emotionale Szenen eingestellt, da das Thema "Mental Health" eine wichtige Rolle einnimmt. Und tatsächlich habe ich beim Lesen alle Emotionen durchlebt.

Der Einstieg in die Story ist mir sehr leicht gefallen. Sienna war mir sofort so sympathisch; gleichzeitig wird aber auch direkt deutlich, dass sie einiges durchgemacht hat.

Der Schreibstil ist total schön und flüssig. Besonders gut hat mir die bildliche Beschreibung Schottlands gefallen. Denn Schottland ist eine absolute Traumdestination für mich und ich hatte beim Lesen das Gefühl, selbst durch die malerische Natur und die belebten Straßen von Glasgow zu streifen.

Erzählt wird die Geschichte aus Sicht von Sienna und Alick, deren erstes Aufeinandertreffen im Café mich zum Schmunzeln gebracht hat. Wie Sienna war mir auch Alick direkt sympathisch. Und wie Sienna hatte auch er es nicht immer leicht im Leben und hat sein Päckchen zu tragen.

Vielleicht gerade deswegen verstehen sich die beiden so gut und sie kommen sich schnell näher – etwas zu schnell für meinen Geschmack. Die beiden haben so eine tolle Chemie miteinander, aber das alles hat sich einfach sehr überstürzt angefühlt. Auch hat mich Siennas Verhalten manchmal etwas ratlos und wütend zurückgelassen, da sie von allen immer so viel Verständnis erwartet, selbst aber nicht gerade die rücksichtsvollste Person ist.

Toll fand ich die authentische Darstellung von Mental Health und Traumata. Ich hatte beim Lesen immer mal wieder einen Kloß im Hals oder ein paar Tränchen verdrückt, wenn Sienna von ihrer Vergangenheit und ihrer Trauer übermannt wurde und in ein tiefes Loch gefallen ist. Und auch Alicks Story hat mich so berührt. Es wird nichts beschönigt, und das hat mir so gut gefallen.

Insgesamt ist "Will You Hold My Hand" ein tolles Buch mit einer tiefgründigen Story und wichtigen Themen, das ich jedem ans Herz legen kann. 🩷

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.03.2025

Zu wenig Spannung

Apartment 5B
0

Ich hatte mich sehr auf "Apartment 5B" von Lisa Unger gefreut und anhand des Klappentexts eine spannende Geschichte mit "Only Murders in the Building"-Vibes erwartet. Denn die Idee, dass ein junges Paar ...

Ich hatte mich sehr auf "Apartment 5B" von Lisa Unger gefreut und anhand des Klappentexts eine spannende Geschichte mit "Only Murders in the Building"-Vibes erwartet. Denn die Idee, dass ein junges Paar eine Wohnung in einem Apartmentkomplex erbt, in dem seltsame Dinge vor sich gehen, klingt echt super gut.

Erzählt wird die Story, die in vier Akte unterteilt ist, aus Sicht der Protagonistin Rosie; hin und wieder gibt es außerdem Kapitel aus der Perspektive von Willa, die im Jahr 1963 in Rosies und Chads Apartment gewohnt hat. Der Schreibstil ist flüssig, wodurch ich der Story gut folgen konnte, und ich mochte die bildhafte Beschreibung des Windermere-Gebäudes und von New York.

Obwohl ich das Gefühl hatte, dass mir Rosie und ihr Mann Chad eigentlich sympathisch sein müssten – sie ist Autorin und er ein erfolgloser Schauspieler, weshalb sie in New York eher schlecht als recht über die Runden kommen –, wurde ich mit beiden leider nicht warm. Mir war es von Anfang an suspekt, dass Chads Onkel ihnen anstatt seiner Tochter das luxuriöse Apartment vererbt.

Hinzu kommt, dass für mich leider keine Spannung aufkommen wollte. Mit den vielen Todesfällen über die Jahre hinweg und der Ansammlung an kuriosen Bewohnern hätte das Setting im Windermere auf jeden Fall viel Potenzial für eine spannende Story gehabt. Leider dümpelt die Handlung aber nur so vor sich hin und es passiert recht wenig. Und auch wenn ich eigentlich ein Horror-Fan bin, haben mich die übernatürlichen Elemente doch etwas irritiert, da ich überhaupt nicht damit gerechnet hatte.

Erst im letzten Viertel hat die Story dann endlich an Fahrt für mich aufgenommen. Und auch wenn ich die Auflösung zum Teil schon habe kommen sehen und alles etwas sehr konstruiert fand, hat mir das Ende dann doch ganz gut gefallen.

Alles in allem ist "Apartment 5B" aber für mich ein eher schwacher Thriller mit zu wenig Spannung. Schade, denn die Idee war echt super.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.03.2025

Wichtiges Buch über die weibliche Sexualität

WANT
0

Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt: Das zeigt "Want" von Gillian Anderson eindrücklich, in dem die Schauspielerin und Aktivistin die s€xuellen Fantasien der Frauen des 21. Jahrhunderts zusammengetragen ...

Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt: Das zeigt "Want" von Gillian Anderson eindrücklich, in dem die Schauspielerin und Aktivistin die s€xuellen Fantasien der Frauen des 21. Jahrhunderts zusammengetragen hat. Ein tolles und spannendes Projekt, das ich unbedingt lesen wollte.

Zugegeben: Anfangs war ich etwas irritiert, da gefühlt rund 80 Prozent der Geschichten von queeren Frauen stammen und das Buch für mich damit nicht wirklich repräsentativ war. Allerdings erhebt es auch gar nicht den Anspruch der Repräsentativität, sondern stellt vielmehr eine Bestandsaufnahme der s€xuellen Fantasien von Frauen und weiblich gelesenen Personen dar.

Ich war wirklich erstaunt, wie divers die eingereichten Fantasien sind. Die einen träumen davon, sich zu unterwerfen, während die anderen ihr Gegenüber dominieren möchten. Andere Frauen fantasieren hingegen von Aliens, denken beim S€x mit dem Partner an den Schwager, träumen von Orgien oder wollen einfach nur intime Momente der Zweisamkeit. Und auch wenn manche Fantasien schon sehr abgefahren waren, haben sie mich doch sehr fasziniert und nachdenklich gestimmt.

Denn auch heute ist die weibliche S€xualität und das Ausleben dieser immer noch mit sehr viel Scham verbunden. Deshalb finde ich es super, dass Gillian Anderson ihre Bekanntheit nutzt, um Frauen weltweit eine Stimme zu geben und auf die Vielfältigkeit der weiblichen S€xualität aufmerksam zu machen.

Die Fantasien sind thematisch in 13 Kategorien eingeteilt, was mir gut gefallen hat. Zu Beginn eines jeden Kapitels gibt es kurze Einleitungen durch Anderson, die für meinen Geschmack gerne etwas länger hätten sein dürfen. Durch die Vielzahl an anonymen Stimmen unterscheidet sich der Schreibstil von Fantasie zu Fantasie sehr, allerdings ließ sich jede flüssig und angenehm lesen.

Insgesamt ist "Want" ein sehr wichtiges Buch, das spannende Einblicke in die weibliche S€xualität gibt. Große Empfehlung! 🩷

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.03.2025

"Pretty Little Liars" meets "Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast"

Seven Ways to Tell a Lie
0

Ich bin kein wirklicher Fan von künstlicher Intelligenz und stehe dem ganzen Thema recht kritisch gegenüber. Die Schattenseiten beleuchtet Colin Hadler in seinem neuen Jugendthriller "Seven Ways to Tell ...

Ich bin kein wirklicher Fan von künstlicher Intelligenz und stehe dem ganzen Thema recht kritisch gegenüber. Die Schattenseiten beleuchtet Colin Hadler in seinem neuen Jugendthriller "Seven Ways to Tell a Lie" auf sehr spannende Weise, als sich eine Gruppe von Jugendlichen mit Deepfakes konfrontiert sieht.

Schon das erste vermeintlich echte Video, das zeigt, wie Jonah und seine (ehemaligen) Freunde in einem Schulbus in eine Schlucht stürzen und sterben, hat mir direkt einen Schauer über den Rücken gejagt. Und im Laufe der Story tauchen noch weitere Deepfakes auf, die täuschend echt sind und Geheimnisse über jeden einzelnen aus Jonahs ehemaliger Clique enthüllen.

Erzählt wird die Geschichte aus Sicht von Jonah, der ein sehr sympathischer Protagonist ist. Zudem gibt es hin und wieder Rückblenden, die die Ereignisse, die zu Enyas spurlosem Verschwinden vor einem Jahr führten, beleuchten. Besonders gefallen hat mir, wie sich die Charaktere durch die Deepfakes weiterentwickeln und die Clique sich langsam wieder annähert und zueinanderfindet.

Der flüssige und mitreißende Schreibstil, das hohe Erzähltempo, das hochaktuelle Thema und das atmosphärische Setting einer idyllischen und gleichzeitig trostlosen Kleinstadt haben dafür gesorgt, dass es durchgehend spannend war und ich das Buch gar nicht mehr weglegen wollte. Dank der vielen Twists hatte ich bis zum Schluss keine Ahnung, wer hinter den Deepfakes steckt und was mit Enya damals passiert ist. Und auch wenn ich die Auflösung nicht so ganz gefühlt habe, hat mich das Ende schockiert und auch zum Nachdenken angeregt.

Insgesamt ist "Seven Ways to Tell a Lie" ein super spannender Jugendthriller, der mich von Anfang bis Ende fesseln konnte und mir durchgehend Gänsehaut beschert hat.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere