Nicht mein göttliches Spiel
The Games Gods Play – SchattenverführtDer Titel und der Klappentext klangen für mich vielversprechend: griechische Götter, ein göttlicher Wettkampf und gefährliche Anziehung – das hatte definitiv Potenzial. Leider konnte mich das Buch bis ...
Der Titel und der Klappentext klangen für mich vielversprechend: griechische Götter, ein göttlicher Wettkampf und gefährliche Anziehung – das hatte definitiv Potenzial. Leider konnte mich das Buch bis zum Schluss nicht abholen.
In „The Games Gods Play“ geht es um Lyra, die von Zeus mit einem Fluch belegt wurde: Niemand kann sie lieben. Als wäre das nicht genug, wird sie von Hades als Championesse für das sogenannte „Crucible“ ausgewählt: ein göttlicher Wettkampf zwischen verschiedenen Auserwählten. Das Konzept erinnerte mich stark an The Hunger Games. Zwar unterscheiden sich die Prüfungen inhaltlich, dennoch waren mir die Parallelen insgesamt zu deutlich, wodurch das Ganze für mich an Eigenständigkeit verlor.
Ein großer Kritikpunkt war die Protagonistin Lyra. Mit ihren 23 Jahren wirkte sie häufig erstaunlich kindisch und emotional sprunghaft. Besonders widersprüchlich empfand ich ihren Umgang mit Zeus’ Fluch: Einerseits betont sie immer wieder, dass sie damit abgeschlossen habe, andererseits wird ständig hervorgehoben, wie tragisch und belastend ihre Situation sei. Dieser innere Konflikt hätte spannend sein können, wirkte auf mich jedoch eher wiederholend als tiefgründig.
Zudem ist Lyra extrem selbstaufopfernd. Sie möchte am liebsten alle unbeschadet durch das Crucible bringen – unabhängig davon, ob diese Personen sie respektieren oder nicht. Anfangs fand ich das noch nachvollziehbar, doch mit der Zeit erschien es mir überzogen und wenig glaubwürdig. Dass sie scheinbar jedem helfen kann und nahezu jede Situation richtig löst, nahm für mich viel Spannung aus der Geschichte.
Auch Hades konnte mich leider nicht überzeugen. Er wird als typischer Shadow Daddy inszeniert: geheimnisvoll, mächtig, düster. Doch die Beziehung zwischen ihm und Lyra entwickelte sich für mein Empfinden viel zu schnell. Die Dynamik wirkte konstruiert und die aufkeimenden Gefühle konnte ich emotional nicht nachvollziehen. Gerade im Hinblick auf den enormen Altersunterschied – ein mehrere hundert Jahre alter, mächtiger Gott und eine vergleichsweise unreife und bedeutungslose Protagonistin – fehlte mir die glaubhafte Entwicklung.
Die Nebencharaktere blieben für mich ebenfalls eher blass und konnten bei mir keine Bindung erzeugen. Dabei hätte gerade das in einem Wettkampf-Setting viel zur Spannung beitragen können.
Positiv hervorheben möchte ich jedoch den Schreibstil der Autorin: Er ist flüssig, leicht zugänglich und mit humorvollen Elementen versehen. Das Buch liest sich grundsätzlich angenehm und schnell. Allerdings waren einige der Prüfungen im Crucible für mich stellenweise etwas unklar oder unvollständig beschrieben. Zudem zog sich die Vielzahl an Aufgaben irgendwann in die Länge, sodass die Handlung an Tempo verlor. Das Ende des Wettkampfs erschien mir etwas an den Haaren herbeigezogen, damit jetzt noch alles gut ausgeht.
Insgesamt fand ich das Setting der griechischen Götter im modernen Leben als Grundidee wirklich spannend. Leider konnte mich die konkrete Umsetzung nicht überzeugen, weshalb ich die Reihe nicht weiterverfolgen werde.
Dennoch denke ich, dass das Buch durchaus seine Zielgruppe hat. Wer moderne Göttergeschichten mit romantischem Fokus liebt, ein Wettkampf-Setting mit vielen Prüfungen und Action schätzt sowie Shadow Daddy-Love-Interest-Dynamiken mag, wird möglicherweise an dem Buch Freude haben. Für mich persönlich blieb das Potenzial jedoch leider ungenutzt.