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Veröffentlicht am 16.02.2022

Mitreißend mit männlichem Haken

Für immer ein Teil von dir
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„Ein Teil von ihr“ ist nun schon das zweite Colleen Hoover-Buch hintereinander, das ich via Hörbuch konsumiere, was aber tatsächlich einfach nur Zufall ist. Tendenziell tendiere ich bei einer solchen Autorin ...

„Ein Teil von ihr“ ist nun schon das zweite Colleen Hoover-Buch hintereinander, das ich via Hörbuch konsumiere, was aber tatsächlich einfach nur Zufall ist. Tendenziell tendiere ich bei einer solchen Autorin eher dazu, immer das Buch zu bevorzugen, weil sie ja auch viel mit der Sprache spielt, was einfach noch mehr Wirkung entfalten kann, wenn man es schwarz auf weiß sieht. Dennoch hat es auch etwas, sich von einer Stimme geleitet durch die Liebesgeschichten von Hoover zu geleiten lassen, zumal gerade bei emotionalen Geschichten natürlich auch die Betonung der Sprecher und Sprecherinnen viel dazu beitragen kann, was mit mir als Leserin passiert. Bei den beiden Stimmen, Marlene Rauch und Sven Macht, war es anfänglich doch eine große Gewöhnungssache, speziell bei der Frauenstimme, die auch wirklich etwas Besonderes hat, aber gerade Besonderes, das muss man manchmal lieb gewinnen. Letztlich muss ich aber sagen, dass Rauchs Stimme für mich zu Kenna geworden ist, weil sich alles gut gefügt hat. Bei der Männerstimme ist es leider so, wie ich es oft schon feststellen muss, ich mag es einfach nicht, wenn sie Frauenstimmen nachmachen, weil es immer lächerlich wirkt. Zum Glück muss Ledger nicht nur ständig Frauenstimmen nachahmen, aber es ist dennoch immer wieder ein Störfaktor, den auch Macht nicht ideal gelöst bekommen hat.

Nun aber zum eigentlich von „Ein Teil von ihr“ und das ist ohne Frage der Inhalt. Zuletzt ist „Layla“ erschienen, wo ich die Liebesgeschichte etwas fragwürdig fand, weil das anfängliche typisch geniale, was Hoover zwischen zwei Figuren erzeugen kann, immer mehr etwas gewichen ist, was ich unangebracht und suspekt empfunden habe. „Ein Teil von ihr“ geht leider wieder etwas in diese Richtung, wenn auch wahrlich nicht so deutlich, aber es fällt auf und es macht mich auch etwas besorgt, denn die Liebesgeschichten von Hoover hatten schon immer unglaubliche Tiefen, die immer damit reizen, was noch okay ist und was schon wieder übertrieben ist, aber sie hat immer den Balanceakt gefunden, so dass es eine Provokation war, mehr aber auch nicht. Dass sie sich also nun schon zum zweiten Mal in Folge etwas verläuft? Hmm…

Hier haben wir es mit Kenna zu tun, zu deren Umständen und Hintergründen viel im Dunklen gelassen werden, was auch clever ist, weil man so mehr und mehr etwas über sie herausfindet. Anfangs wirkt sie noch etwas emotionslos, ein gebrochener Mensch, der nicht wirklich weiß, wohin mit sich, aber je mehr sie in Ruhe zu sich selbst finden kann, je mehr man lernt, wer sie war und wer sie sein will, desto mehr erobert sie völlig unauffällig das Herz eines jeden, denn gerade die Briefe an ihren verstorbenen Freund, dessen Kind sie ausgetragen hat, sind herzzerreißend und es ist auch die typische Liebesgeschichte, die nur Hoover so auf die Seiten zaubern kann. Wir haben aber noch eine zweite Liebesgeschichte und das ist die zu Ledger, dem besten Freund von Scott. Es war schon etwas unglücklich, dass ihre Beziehung gleich so körperlich losgehen musste, weil es meiner Meinung nach nicht wirklich zu einer Frau passt, die gerade aus dem Gefängnis kommt und andere Ziele vor Augen hat sowie zu einem Mann, der gewarnt ist, dass die Mutter des Kindes, das er mit großzieht, aus dem Gefängnis entlassen wurde. Deswegen fand ich dieses erste körperbetonte Zusammentreffen wenig romantisch, sondern einfach nur dämlich, weil es sich auch nicht natürlich anfühlte, sondern vielmehr als Aufhänger für möglichst viel Dramatik.

Drama gehört bei Hoover zwar dazu, aber sie hat dennoch oft ein Händchen dafür, dass es alles organisch ineinander übergeht. Aber gerade Ledger war es auch, der mich dann in den Wahnsinn getrieben hat, weil er Kenna teilweise hin und her behandelt hat, das hat mir für sie gleich doppelt wehgetan. Nur gut, dass wir in seiner Perspektive oft genug erleben, wie er mit Diem umgeht, denn ansonsten hätte ich ihn vermutlich sofort in den Wind geschossen. Mir ist natürlich bewusst, dass er in keiner einfachen Position war und dass er von Annahmen über Kenna gefüttert war, die vieles übertüncht haben. Aber gerade dann hätte ich es mir eigentlich gewünscht, dass er sich mehr auf sein eigenes Gefühl verlassen hätte, das ihn immer wieder zu Kenna geführt hat, aber so war es eben mal so, mal so und sie ist immer und immer wieder verletzt worden, was nur noch umso tragischer ist, wenn man bedenkt, dass das Buch dabei hilft, das Bild von der rotzfrechen Schwiegertochter in spe abzubauen, so dass eigentlich ein Opfer der Umstände zum Vorschein kommt, dass einfach nur seine Tochter lieben dürfen möchte. Ohne Frage hat dieses Buch mal wieder viel in mir bewegt, weil natürlich auch die Sichtweise der Großeltern, wenn auch ohne eigenständige Erzählperspektive, deutlich rübergebracht wurde und dass man es ihnen nicht vorwerfen konnte. Es ist gut, dass es am Ende sehr versöhnlich war, auch der Blick in die Zukunft, dennoch ist es auch ein eingeschränktes Happy End, denn Ledger hat mich zwischendurch doch sehr enttäuscht.

Fazit: Auch wenn es jetzt schon der zweite Hoover hintereinander war, wo ich so meine Probleme mit der präsentierten Liebesgeschichte habe, war es wieder eine Lektüre, die durch Mark und Bein geht, weil alles an Gefühlen aufgerissen und angeboten wird. Gerade Kenna hat sich als Persönlichkeit wirklich einen Platz in meinem Herzen sichern können, während Ledger doch etwas schwieriger war. Insgesamt aber eine interessante Erzählung wieder, die hängenbleibt.

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Veröffentlicht am 13.02.2022

McGee hat einen eindeutigen Stil

American Crown – Beatrice & Theodore
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Katharine McGee ist 2017 erstmals auf dem Radar von Bücherfans erschienen, als der erste Teil ihrer „Beautiful Liars“-Reihe erschienen ist, der mich damals schon mit dem Klappentext unwahrscheinlich begeistern ...

Katharine McGee ist 2017 erstmals auf dem Radar von Bücherfans erschienen, als der erste Teil ihrer „Beautiful Liars“-Reihe erschienen ist, der mich damals schon mit dem Klappentext unwahrscheinlich begeistern konnte, weil alles so futuristisch klang und ich es faszinierend fand, welche Zukunftsvision McGee entworfen und uns vorgestellt hat. Nun ist McGee also mit ihrer zweiten Reihe zurück, die nicht in der Zukunft spielt, dafür aber in einer alternativen Realität, denn „American Crown“ geht davon aus, dass es in den USA eine Monarchie gibt, die bald das erste Mal eine Königin haben wird. Die Reihe war nicht direkt auf meinem Radar, aber letztlich habe ich mir den ersten Teil in Hörbuchform zu Gemüte geführt.

Zunächst kann ich gleich etwas zur Sprecherin sagen, denn ich merke, dass für mich das immer noch der größte Knackpunkt bei Hörbüchern ist, dass ich oft länger brauche, mich an die Stimme zu gewöhnen und mich dann auch daran störe, wenn andere Stimmen versucht werden nachzumachen und ich das eher despektierlich als natürlich empfinde. Bei Corinna Dorenkamp kann ich aber begeistert sagen, dass sie mir vom ersten Moment an gefallen hat und dass es wirklich ein sehr, sehr angenehmes Hörerlebnis war. Dazu hat sie es auch auf unauffällige Art und Weise geschafft, ihren vier Figuren Unterschiede mitzugeben, ohne dass es aber zu sehr wirkte, als müsste sie spielen, sondern vielmehr so, als wären diese Figuren wirklich alle ein Teil von ihr. Großes, grobes Lob!

Nun aber zu der Geschichte selbst, die stilistisch und sicherlich auch inhaltlich sehr an „Beautiful Liars“ erinnert. Die offensichtlichste Parallele ist natürlich die Aufteilung in die unterschiedlichen Erzählperspektiven, die ich grundsätzlich sehr willkommen heiße, aber ich fand es schade, dass diesmal kein Mann zum Zuge kam, vor allem weil der Untertitel auch noch heißt „Beatrice & THEODORE“, was sich insgesamt als eher schwachsinnig erweist, denn Theo ist genauso ein Vasall wie die anderen männlichen Figuren auch. Auch wenn ich jetzt nicht konkret eine Perspektive der vier hätte streichen können, dennoch hätte ich definitiv nicht nein gesagt, wenn auch Jeff, Theo oder Connor die Ehre zuteil geworden wäre. Unverzichtbar war sicherlich vor allem Daphne, weil sie die Antagonistin in Anführungszeichen ist, die definitiv die speziellste Perspektive hat. Sie hat mich dennoch sehr an Leda aus „Beautiful Liars“ erinnert und ihre Verbindung zu Ethan war wie die zu Wyatt. Solche Gedanken sind mir öfters in den Kopf geschossen, dass McGee doch recht ähnliche Geschichten erzählt, nur mit anderen Figuren und mit einer anderen Realität verpackt.

Ich habe das ehrlich gesagt für mich noch nicht final bewertet bekommen, wie ich das empfinde, ob es nicht doch zu ähnlich ist, aber ich denke, dass sich das vielleicht erst am Ende der Reihe wirklich beurteilen lässt, denn ich bin grundsätzlich dennoch gut unterhalten worden und habe mitgefiebert, was sich für die vier Damen und ihre Liebsten ereignet und das ist eigentlich erstmal das Wichtigste. Was mir aber definitiv als Kritikpunkt aufgefallen ist, das ist die Thematisierung von Monarchie. Nach dem Hype rund um Meghan und Harry, die zwar sich von der englischen Krone verabschiedet haben, aber dennoch die Monarchien wieder in den Vordergrund gerückt habe, wozu sicherlich auch die Netflix-Serie „The Crown“ beigetragen hat, ist es verständlich, sich dieses Themas anzunehmen und es modern zu verpacken. Dennoch gibt es genug Strömungen und Bewegungen, die Monarchien generell für überholt halten und diese gesellschaftskritische Perspektive fehlt mir leider noch. Es gibt Andeutungen mit der Tatsache, dass Frauen noch gar nicht lange als Regentin möglich sind und dass Beatrice gerne bürgerlich heiraten würde, aber ansonsten ist mir das einfach noch zu wenig.

Dementsprechend spielt sich der Spannungsbogen auch ausschließlich im zwischenmenschlichen Drama ab, was ich irgendwann akzeptieren konnte, aber erst habe ich doch lange gerätselt, was jetzt noch kommt, zumal „Beautiful Liars“ auch kompromissloser war, Opfer zu bringen. Dennoch waren die erzählten Geschichten gut, weil es auch genug Geheimnisse gibt, von denen nach und nach welche aufgedeckt werden. Aber auch abseits von Geheimnissen konnten die unterschiedlichen Liebesgeschichten überzeugen, weil sie tatsächlich sehr unterschiedliche Charakter hatten, nichts dem anderen glich, so dass sich eine abwechslungsreiche Geschichte ergeben hat. Sollte aber die Gesellschaftskritik ausbleiben und auch sonst kein großes Geheimnis mehr darüber gesetzt werden, ist ein zweiter Band noch okay, aber ich würde es nicht auf drei ausweiten, aber mal abwarten, was noch kommt.

Fazit: „American Crown“ ist „Beautiful Liars” schon in sehr vielen Aspekten ähnlich, vor allem was die Figuren und die Erzählweise angeht, weswegen ich mir von der Monarchie-Rahmenerzählung tatsächlich mehr erhofft hätte. Jedenfalls nicht, dass es einfach nur eine romantische Kulisse ist. Zudem wäre eine männliche Perspektive auch nicht verachtenswert gewesen. Dennoch insgesamt eine gute Unterhaltung, die viele Wendungen hat, aber auch sympathische Geschichten. Empfehlenswert ist es sicherlich, vor allem auch für die, die McGee noch nicht kennen.

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Veröffentlicht am 08.02.2022

Thematisch spitze, aber etwas einseitig

Someday, Someday
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Mit „Someday, Someday“ ist nun also der letzte Band aus der Only Love-Reihe von Emma Scott erschienen und ich war im Vorfeld doch wirklich gespannt. Zwar gibt es bei New Adult inzwischen tendenziell deutlich ...

Mit „Someday, Someday“ ist nun also der letzte Band aus der Only Love-Reihe von Emma Scott erschienen und ich war im Vorfeld doch wirklich gespannt. Zwar gibt es bei New Adult inzwischen tendenziell deutlich mehr LGBTQ-Geschichten, oft bei den Nebenfiguren, aber auch bei dem Hauptpärchen, wobei es dann oft so ist, dass es spezielle Autor*innen gibt, die sich dieses Themas annehmen und die sich dann oft auch selbst als queer bezeichnen. Es ist ganz ähnlich wie bei der Diskussion, von wem queere Rollen dargestellt werden sollen, aber ich finde es gut, dass Scott uns hier ein homosexuelles Paar anbietet, denn sie trägt dazu dabei, diese Liebesgeschichten auf dem Buchmarkt zu etablieren, weil es traditionell einfacher ist gehört zu werden, wenn man ohnehin schon einen Namen hat. Wie hat mir nun also die gemeinsame Geschichte von Max und Silas gefallen?

Max kennen wir schon aus dem zweiten Band, wo er der Sponsor von Darlene war. Leider war sein Auftritt dort geringer, als man zunächst hätte vermuten können, da er doch recht früh nach Seattle gegangen ist. Nun erleben wir ihn vor Ort und lernen ihn als Person richtig kennen. Mit ihm hat Scott auch fantastische Arbeit geleistet, weil er einfach eine Figur ist, die man schon mit der ersten Seite lieben lernt. Es ist zu merken, dass Max ein durch und durch guter Mensch ist, der sich oft selbst zurückstellt zum Wohle anderer und der genug eigene Dämonen hat. Schon alleine die Szene, als er mal wieder eine Schicht in der Notaufnahme beendet hat, psychisch völlig ausgeknockt ist, aber aus einem Pflichtgefühl heraus einfach arbeitet und arbeitet. Seinen inneren Kampf dazu, habe ich sehr gut nachvollziehen können. Aber vor den Hintergründen ist es kein Wunder, dass Max das Herz der Geschichte ist. Er ist der, für den man am meisten fiebert, der mit seinen Taten alles in mir berühren konnte und der so viel Verständnis für seine Mitmenschen hat, dass es ein riesiger Sieg ist, als er zum Ende hin einmal ganz für sich alleine einstehen kann. Das war dann eine Verneigung wert. Dennoch fand ich es insgesamt etwas schade, dass an Max‘ Fassade nicht etwas mehr gerüttelt wurde. Bei Darlene im ersten Band fand ich es positiv, dass wir keinen Rückfall von ihr erlebt haben, weil es nicht immer sein muss, aber bei Max hätte es in dieser Geschichte schon gepasst, ihn ganz an seine Grenze zu treiben.

So toll Max auch war, hat sich bei mir nämlich der Eindruck aufgedrängt, dass es eigentlich die Geschichte von Silas war, weil bei ihm wirklich alle Register gezogen worden sind. Es war natürlich auch eine Geschichte von ihnen als Paar, weil Max Silas geholfen hat, zu seiner Sexualität stehen zu können und er ihm wiederum geholfen hat, seinen Berufsweg zu finden und seine Grenzen zu setzen. Dennoch liest man in meiner Beschreibung ein gewisses Ungleichgewicht heraus, weil Silas definitiv die größere Reise hinter sich hat und weil er dabei Max viel zu oft vor den Kopf gestoßen hat. Deswegen will ich jetzt nicht argumentieren, dass Silas der Falsche für ihn ist, aber das ist eben der Grund, warum mir Silas so dominant erschien. Dennoch ist auch er eine sympathische Figur, die etwas Anlauf braucht, weil er zunächst ja völlig dichtmacht, aber spätestens mit den Gedanken, dass er den Weg des Unternehmens beenden wollte, Sucht zu fördern, war für mich völlig klar, dass auch Silas eine spannende Figur werden wird. Und dem war auch auf jeden Fall so, weil Scott an ihm auch eindrucksvoll die Folgen von PTBS dargestellt hat. Es war absolut authentisch, dass Silas immer wieder in alte Muster zurückgefallen ist, weil es nur kleine Auslöser braucht, um das Trauma zu entfachen. Es war zwar anstrengend für mich als Leserin manchmal, aber das habe ich gerne in Kauf genommen dafür, dass ich den Eindruck hatte, dass es hier um eine authentische Darstellung geht.

Ein riesiges Kompliment möchte ich auch dafür aussprechen, wie sich Scott hier mit Sucht ausgesetzt hat. Sie hat es weniger an den Figuren selbst gezeigt (was vielleicht noch das letzte I-Tüpfelchen gewesen wäre), sondern an der Opioid-Krise, die sie im Nachwort mittels des Sachbuchs „Dopesick“ anspricht und das inzwischen sehr empfehlenswert von Hulu adaptiert wurde. Die gleichnamige Serie ist bei uns in Deutschland bei Disney+ zu streamen und viele Kernpunkte hat Scott hier durch Marsh aufgegriffen und natürlich wirkt Silas Vorhaben am Ende eigentlich zu gut, um wahr zu sein, aber es hat eben auch gezeigt, dass es die mit viel Geld braucht, um das Ruder bei vielen Themen auf der Erde rumzureißen. Insgesamt hat es aber wieder eindrucksvoll gezeigt, dass NA nicht immer nur „Liebesgedöns“ ist, sondern dass es abseits davon sich mit sehr relevanten Themen anschaulich auseinandersetzen kann.

Fazit: „Someday, Someday“ ist ein gelungener Abschluss der Only Love-Reihe, die eine überzeugende LGBTQ-Geschichte abbildet. Ich fand beide Herren als Einzelfiguren herrlich, ich mochte auch ihr Miteinander, aber die Geschichte war mir auch etwas zu einseitig, Max hätte ich manchmal noch gerne mehr gegönnt. Nichtsdestotrotz sehr empfehlenswert, weil auch die Themen Opioid-Krise und PTBS ansprechend dargestellt worden sind.

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Veröffentlicht am 31.01.2022

Rollt den Teppich für weitere Teile aus

Dunbridge Academy - Anywhere
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Nachdem mich Sarah Sprinz mit der „What If“-Reihe doch zunehmend (Band 1 war noch mit viel Luft nach oben) begeistert hat, war für mich vollkommen klar, ihr auch bei der nächsten Reihe zu folgen. Die „Dunbridge ...

Nachdem mich Sarah Sprinz mit der „What If“-Reihe doch zunehmend (Band 1 war noch mit viel Luft nach oben) begeistert hat, war für mich vollkommen klar, ihr auch bei der nächsten Reihe zu folgen. Die „Dunbridge Academy“-Reihe ist zwar wieder etwas weiter von meinem Alter entfernt, aber da mich das bei Jugendbüchern auch nicht beeinträchtigt, habe ich dort überhaupt kein Problem gesehen. Wie gefällt mir nun also der Auftakt?

Der Einstieg in das Buch ist mir wirklich gut gelungen, denn sowohl Emma als auch Henry sind beides Figuren, die direkt Sympathien erzeugen. Auch die Idee, das Geschehen an einem Internat spielen zu lassen, hat wirklich etwas. Auch wenn die Schulform für mich selbst nie etwas gewesen wäre, so habe ich im Jugendbereich doch einiges gelesen, was an Internaten gespielt hat. Angefangen bei Hanni & Nanni und schließlich bis zu Harry Potter, da war schon einiges dabei und ich habe es immer als tolles Setting empfunden, weil es nach den Schulverpflichtungen eben nicht nach Hause geht, sondern auch dann alle zusammenbleiben, was natürlich auch ganz andere Konflikte schürt. Als Emma dann ihre ersten Schritte an der Dunbridge Academy macht, da war es mir zunächst fast unheimlich, wie nett alle waren. Da war ich richtiggehend erleichtert, als die ersten Wolken in Form von Valentine oder Olive aufzogen, denn wo hätte ich sich sonst groß das Konfliktpotenzial heraus ergeben sollen? Aber die Einbindung des Alltags, die ganzen Möglichkeiten herum, da war doch einiges, was Harry Potter und Co schnell gerecht wurde und weswegen das Setting mich auch wirklich in den Bann gezogen hat.

Auch wenn ich für Emma und Henry auch nach Beendigung des ersten Bandes noch Sympathiesternchen verteilen würde, so haben manche Entscheidungen, die ihnen in den Schoß gelegt wurden, für mich nicht so gut gepasst. Bei Sprinz erinnere ich mich noch gut an den ersten Band, wo ich die weibliche Protagonistin oft hätte schütteln mögen. Deswegen war sie mir nicht per se unsympathisch, aber einiges war doch sehr fragwürdig. Und daran musste ich in Bezug auf Emma und Henry nun auch wieder denken, wobei es eigentlich vor allem um ihn geht, denn er steckt in einer Beziehung mit Grace, als er Emma kennenlernt. Da Grace entgegen vieler Vorurteile als wunderbarer Mensch gestaltet wurde, ist mir eigentlich noch mehr ins Auge gefallen, dass Henry viel zu spät einen Schlussstrich gezogen hat. Dennoch ist es insgesamt ein schwieriges Thema, weil es keine konkrete Definition in einer Beziehung gibt, wann der Betrug anfängt, da es ganz individuell ist. Aber da hier deutlich gezeigt wurde, dass Grace anschließend ordentlich leiden musste, fand ich es doch etwas fragwürdig und das war leider so Zwischenkapitel, wo sich für mich das Blatt zu wenden drohte.

Weiterhin war auffällig, dass die Figuren doch recht erwachsen agiert haben, was ich sehr gut verstehen kann, denn Sprinz ist eben auch keine 17 mehr, da passt es eigentlich, dass sich eine gewisse Reife unweigerlich einschleicht. Das hat mir auch gefallen, weil gerade die persönlichen Krisen, die Emma und Henry für sich durchleiden musste, so wirklich sehr gut umgesetzt wurden, ohne dass die Momente durch kindische Entscheidungen torpediert wurden. Dennoch gab es dann manchmal Rückfälle in ein Verhalten, was ich als sehr pubertär empfunden habe. Da war die Balance nicht immer gut. Zuletzt ist es noch so, dass der Roman die inhaltlichen Höhepunkte nicht gleichmäßig verteilt hat. Während es am Anfang sehr gemächlich zugeht, was man mit dem Argument des Einfindens in die Geschichte noch relativieren kann, wird nämlich erst am Ende richtig aufs Pedal gedrückt. Dort geht es richtig Schlag auf Schlag, was aber zwangsweise den Eindruck mit sich bringt, dass einigen Momenten nicht mehr die Zeit eingeräumt wurde, die sie verdient gehabt hätten. Am Anfang also zu brav, am Ende zu viel wollend. Dadurch sind für mich auch kleinere Fragezeichen übrig geblieben, die angesichts der Tatsache, dass es eine Reihe ist, vielleicht noch mehr aufgenommen werden. Aber es ist auch nicht dramatisch.

Insgesamt würde ich aber dennoch zum Fazit kommen, dass ich hier lieber etwas niedriger bewerte, weil ich für die Reihe noch viel Potenzial sehe und das sollte Lob genug sein. Es war ein guter Einstieg, ja, aber auch ein etwas holpriger vom Aufbau und von einigen Handlungsentscheidungen her. Zudem habe ich jetzt schon los auf die weiteren Paare und da das bereits jetzt geschafft wurde, sehe ich die Zukunft an der Stelle rosig.

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Veröffentlicht am 30.01.2022

Überraschende Enttäuschung

Bridgerton - Penelopes pikantes Geheimnis
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„Bridgerton – Penelops pikantes Geheimnis“ ist bereits der vierte Band in der Bridgerton-Reihe, die von Julia Quinn verfasst wurde und von Netflix fürs TV adaptiert wurde. Damit haben wir auch schon Halbzeit ...

„Bridgerton – Penelops pikantes Geheimnis“ ist bereits der vierte Band in der Bridgerton-Reihe, die von Julia Quinn verfasst wurde und von Netflix fürs TV adaptiert wurde. Damit haben wir auch schon Halbzeit erreicht, weil acht Geschwister und mit Colin kommt bereits der vierte unter die Haube. Ich speziell habe mich auf diesen Band bereits mit der ersten Staffel der Serienadaption gefreut, die ich vor der Buchreihe für mich entdeckt habe. Nicola Coughlan spielt Penelope, Colins Auserwählte, einfach so grandios, dass ich ihr einfach jedes Happy End der Welt wünschen würde. Zudem hat die Serie bereits mit dem Ende der ersten Staffel das große Geheimnis rund um Penelope gelüftet, während es in der Buchreihe nun wahrlich keine klaren Andeutungen gab. Dieses Wissen hat das Leseprozess natürlich sehr beeinflusst und deswegen war ich mit dem vierten Band nun auf mehrere Sachen gespannt: Wann und wie kommt das Geheimnis raus? Und wie kommen Colin und Penelope zusammen?

Was man der Buchreihe auf jeden Fall lassen muss, das ist die Tatsache, dass die erzählerische Stilistik von Quinn sich schon deutlich dem jeweiligen Paar anpasst, das im Fokus der Handlung steht. So war die Geschichte von Benedict und Sophie deutlich schwermütiger, weil gerade Sophie auch einige schlimme Erlebnisse hatte, die es zu überwinden gilt. Colin und Penelope sind dagegen beide wohlbehütet aufgewachsen. Beide sind nicht ganz glücklich, weil sie ihren endgültigen Platz im Leben noch nicht gefunden haben, aber das ist wohl eher Klagen auf hohem Niveau. Deswegen ist es auch problemlos möglich, diesen Band in einem eher lockeren und lustigen Ton erzählen zu können. Das passt hervorragend auf die gewitzte Penelope, die vor allem mit Lady Danbury ein göttliches Gespann bildet und es passt auch auf den verschmitzten Colin, der ein wenig verfressen dargestellt wird und als Charmeur, der noch jeder Situation entkommt. Es ist auch so wunderbar, weil es genau dem Eindruck entspricht, den Penelope und Colin bereits in der ersten Staffel vermittelt haben, so dass ihr Wesen offenbar perfekt mit der Castingwahl getroffen wurde.

Was nun aber meine Enttäuschung anheizt, das ist dann doch leider das Miteinander der beiden. Auch schon bei Anthony und Kate war die Problematik etwas mitgeschwungen, denn dort wurde schließlich auch schon ständig betont, wie hässlich sie doch sei, so dass ich manchmal das Gefühl hatte, dass Anthony sich seine Anziehung für sie regelrecht schön reden muss. Bei Colin ist es sogar fast noch schlimmer, weil nicht überzeugend rüberkommt, was ihn schließlich an Penelope anzieht. Die beiden reden ein paar Mal miteinander und plötzlich ist es die große Liebe für ihn. Bei Anthony und Kate hat sich wenigstens noch etwas aufgebaut, was dann Überzeugung entwickelt hat, aber hier haben wir Penelope, die alte Jungfer, die auch noch von niemandem als schön bezeichnet wurde und Colin hat sogar im Band davor noch geäußert, dass er sie niemals heiraten würde und diese Wandlung, warum er es irgendwann nicht doch anders sieht, die ist nicht rübergekommen.

Und das liegt wirklich ganz klar an Colin. An Penelopes Gefühlen für ihn gab es nie einen Zweifel, weswegen ihre Handlung absolut passend für sie ist, aber Colin ist eher wankelmütig und schwer zu durchschauen. Zudem weicht der Charmeur zwischendurch einem regelrechten Ekel, der sich selbstgerecht und anmaßen verhält. Das hat mich dann fast schon erschrocken und ich mag es kaum zugeben: abgestoßen. Natürlich gibt es auch romantische Momente zwischen den beiden, wo ich dann endlich das spüre, was ich für die Geschichte durchgehend erwartet hätte, aber es war echt sehr, sehr wenig. Vieles von Colins Verhalten ist auch mit Penelopes Geheimnis verbunden, das er auf eine eher blöde Art und Weise herausfindet. Auch wenn er sie nicht dafür verurteilt, so sorgt es bei ihm für Neid und das sorgt für diese richtig schwachen Charaktermomente, die ich manches Mal sogar als toxisch bezeichnen würde. Hier kann ich wirklich nicht verstehen, was sich Quinn mit Colin gedacht hat und ich kann nur hoffen, dass „Bridgerton“, also die Serienadaption in diese Falle nicht mittappt.

Fazit: Auch wenn ich mich auf Colin und Penelope mit Serienbeginn am meisten gefreut habe, so kommt ich nun traurig zum Endfazit, dass sie bislang erstmal der schwächste Band sind, denn die Liebesgeschichte war nicht überzeugend gestaltet und Colin hat sich teilweise sogar widerwärtig verhalten, was auch nicht mal eben zu entschuldigen ist. Natürlich hatte auch dieser Band tolle Momente sowie einen passenden Erzählstil, aber der Kern der Erzählung war nicht so, wie er muss.

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