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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.04.2026

Beklemmend

Unter dem Strand
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Turid Müller verknüpft in ihrem Roman zwei unterschiedliche Erzählstränge miteinander. Der erste spielt im Jahr 2025 und begleitet Cay, eine Journalistin, die für ein kleines Provinzblatt arbeitet. Sie ...

Turid Müller verknüpft in ihrem Roman zwei unterschiedliche Erzählstränge miteinander. Der erste spielt im Jahr 2025 und begleitet Cay, eine Journalistin, die für ein kleines Provinzblatt arbeitet. Sie erhält den Auftrag, über die Feierlichkeiten zum Jahrestag der Cap-Arcona-Katastrophe zu berichten. Noch bevor die Veranstaltung stattfindet, besucht sie den Schauplatz der Tragödie. Dabei entdeckt sie am Strand die Leiche einer Frau, fotografiert diese, informiert anonym die Polizei und verlässt anschließend den Ort. Kurz darauf hat sie das Gefühl, verfolgt zu werden.

Der zweite Erzählstrang führt ins Jahr 1945. Hier steht Leon im Mittelpunkt, ein Häftling in einem Konzentrationslager. Als Ich-Erzähler schildert er eindringlich die unmenschlichen Zustände und das Leid der Gefangenen, wodurch seine Perspektive besonders unmittelbar und eindrucksvoll wirkt.

Die beiden Zeitebenen wechseln sich kapitelweise ab und sind jeweils durch die Namen der Hauptfiguren sowie durch Zeitangaben gekennzeichnet. Während Leons Geschichte durch die Ich-Perspektive eine große Nähe erzeugt, wird Cays Handlung aus einer eher distanzierten Erzählerperspektive geschildert.

Die Verbindung dieser beiden sehr unterschiedlichen Erzählstränge erscheint zunächst problematisch. Im Nachwort erklärt die Autorin jedoch, dass sie bewusst eine moderne Krimihandlung mit der historischen Thematik verknüpft hat, um mehr Leserinnen und Leser zu erreichen. Ihr Anliegen ist es, die Erinnerung an die Ereignisse in den Konzentrationslagern und deren Aufarbeitung wachzuhalten.

Allerdings wirkt der Erzählstrang um Cay stellenweise etwas langatmig, wodurch die Spannung nachlässt. Im Gegensatz dazu erscheint Leons Geschichte umso eindringlicher und fesselnder, was letztlich den stärkeren Teil des Romans ausmacht.

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Veröffentlicht am 14.04.2026

Spielerei

Der letzte Leuchtturm
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Der Roman Der letzte Leuchtturm spielt auf der abgelegenen Insel Muckle Flugga im Norden Schottlands und konzentriert sich auf drei Figuren: den verwitweten Leuchtturmwärter, seinen Sohn Ouse, der in seine ...

Der Roman Der letzte Leuchtturm spielt auf der abgelegenen Insel Muckle Flugga im Norden Schottlands und konzentriert sich auf drei Figuren: den verwitweten Leuchtturmwärter, seinen Sohn Ouse, der in seine Fußstapfen treten soll, und den Schriftsteller Firth, der angeblich zur Erholung anreist. Tatsächlich hat er jedoch mit dem Plan, sich auf der Insel das Leben zu nehmen.

Die äußere Handlung bleibt dabei eher zurückhaltend. Es gibt keine großen Wendungen oder dramatischen Ereignisse. Stattdessen entfaltet sich die Geschichte im Mikrokosmos der Insel und in den Spannungen zwischen den Figuren. Besonders das Verhältnis zwischen Vater und Sohn ist von Härte geprägt. Seit dem Tod seiner Frau ist der Vater jähzornig geworden, was vor allem Ouse zu spüren bekommt. Auch die Begegnung mit dem sensiblen und innerlich zerrissenen Firth verläuft entsprechend konfliktreich.

Was diesen Roman jedoch vor allem kennzeichnet, ist sein Umgang mit Sprache. Michael Petersen stellt die sprachliche Gestaltung deutlich in den Vordergrund. Sprachspielereien, ungewöhnliche Metaphern und eigenwillige Formulierungen prägen den Text. Das kann stellenweise faszinierend und originell wirken, führt jedoch oft zu einem Übermaß, das die Lesbarkeit erheblich erschwert.

Immer wieder stößt man auf Passagen, die so komplex oder überladen formuliert sind, dass man sie mehrfach lesen muss, um ihren Sinn überhaupt zu erfassen. Ein Beispiel ist auf Seite 292 die Formulierung: „Firth bemerkt, dass weite Teile dieses Bereichs schon zu nichts weiter als furzenden Mundstücken verkommen sind, die sich zu einem kollektiven Saufgulasch zusammenbechern.“ Solche Sätze hinterlassen weniger Klarheit als vielmehr Ratlosigkeit.

Zwar gewöhnt man sich mit der Zeit etwas an diesen Stil, doch stellt sich die Frage, ob Sprache hier noch als Mittel zur Verständigung dient oder zum Selbstzweck wird. Literarische Experimentierfreude ist grundsätzlich begrüßenswert, doch sollte sie nicht zu Lasten der Verständlichkeit gehen. Worte sollten nicht nur grammatisch korrekt, sondern auch sinnstiftend miteinander verbunden sein.

Insgesamt ist "Der letzte Leuchtturm" ein Roman, der durch seine Atmosphäre und seine ungewöhnliche sprachliche Gestaltung auffällt, dabei jedoch inhaltlich eher zurückhaltend bleibt. Wer Freude an sprachlichen Experimenten hat, könnte Gefallen daran finden. Leserinnen und Leser, die Wert auf Klarheit und erzählerischen Fluss legen, könnten hingegen an ihre Grenzen stoßen.

Ich finde sprachliche Experimente in Maßen eingesetzt gut. Hier ist wurde dieses Maß jedoch meiner Meinung nach überzogen.

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Veröffentlicht am 30.03.2026

Humorvolle Persiflage

Die Reise ans Ende der Geschichte
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Mit seinem Roman entwirft Kristof Magnusson eine ungewöhnliche Geschichte aus dem Geheimdienstmilieu und bricht dabei bewusst mit allen Erwartungen, die man an klassische Spionagethriller hat. Statt Spannung ...

Mit seinem Roman entwirft Kristof Magnusson eine ungewöhnliche Geschichte aus dem Geheimdienstmilieu und bricht dabei bewusst mit allen Erwartungen, die man an klassische Spionagethriller hat. Statt Spannung und Hochglanz-Agenten steht hier der Humor im Vordergrund.

Im Mittelpunkt stehen der gefeierte junge Dichter Jakob Dreiser und der Geheimagent beziehungsweise Doppelagent Dieter Germeshausen. Die Handlung ist in den 90er Jahren verankert, einer Zeit des politischen Umbruchs nach dem Ende des Kalten Krieges. Während viele diese neue Ära als Befreiung empfinden, blickt Germeshausen mit Sorge in die Zukunft. In einer Welt ohne klare Fronten scheint ein Agent wie er plötzlich überflüssig zu werden.

Aus dieser Ausgangslage entwickelt Magnusson eine gelungene Persiflage auf die Geheimdienste in Ost und West. Besonders amüsant ist die Dynamik zwischen den beiden Hauptfiguren. Dreiser gerät eher zufällig in die Welt der Spionage und schlägt sich dabei in allerlei skurrilen Situationen erstaunlich gut – oft sogar professioneller als der erfahrene Agent selbst.

Auch die Nebenfiguren sind liebevoll und humorvoll gezeichnet und tragen zur Leichtigkeit des Romans bei. Dabei lebt die Geschichte weniger von Spannung als von ihrem feinsinnigen Witz und den absurden Momenten.

Also kein klassischer Spionagethriller, sondern ein unterhaltsamer, intelligenter und sehr amüsanter Roman, den man nur ungern aus der Hand legt.

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Veröffentlicht am 25.03.2026

Verwinkelt

Moorland. Die Zwillinge
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Der Roman „Moorland“ von Andreas Winkelmann ist als Auftakt zu einer neuen Reihe angelegt. Im ersten Band steht das Verschwinden der Zwillinge Nike und Jana im Mittelpunkt. Nach einem Ausflug ins nebelverhangene ...

Der Roman „Moorland“ von Andreas Winkelmann ist als Auftakt zu einer neuen Reihe angelegt. Im ersten Band steht das Verschwinden der Zwillinge Nike und Jana im Mittelpunkt. Nach einem Ausflug ins nebelverhangene Moor kehren sie nicht zurück – eigentlich wollten sie nur Aufnahmen für ihren TikTok-Kanal machen.

Kommissarin Malia Gold, die gerade erst versetzt wurde, sieht sich sofort mit diesem rätselhaften Fall konfrontiert. Und rätselhaft bleibt er auch: Immer neue Hinweise tauchen auf, die die Ermittlungen in unterschiedliche Richtungen lenken und die Spannung konstant hochhalten.

Besonders eindrucksvoll ist die Darstellung der Moorlandschaft, die fast wie eine eigene Figur wirkt. Ihr werden menschliche Eigenschaften zugeschrieben – etwa, dass das Moor nichts vergisst. Dabei wird deutlich, dass sich der Autor in dieser Gegend bestens auskennt.

Der Schreibstil ist angenehm zugänglich; ich habe das Buch innerhalb von drei Abenden gelesen – ein klares Zeichen dafür, dass keine Langeweile aufkommt.

Auch die Figuren sind überzeugend und lebendig gezeichnet. Man merkt jedoch, dass die Geschichte auf mehrere Bände angelegt ist: Einige Handlungsstränge werden bewusst offengelassen. Obwohl ich normalerweise kein großer Fan von Cliffhangern bin, gelingt es dem Autor hier, die Neugier auf die Fortsetzung zu wecken.

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Veröffentlicht am 19.03.2026

Steril

Tödliche Freundinnen
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Die tödlichen Freundinnen sind Chloe und Mel. Auf Chloes Sweet-Sixteen-Party haben die beiden wohl Toby Dune umgebracht. Wie und aus welchem Grunde bleibt zunächst ungeklärt. Jedenfalls verschwindet Chloe ...

Die tödlichen Freundinnen sind Chloe und Mel. Auf Chloes Sweet-Sixteen-Party haben die beiden wohl Toby Dune umgebracht. Wie und aus welchem Grunde bleibt zunächst ungeklärt. Jedenfalls verschwindet Chloe danach für einige Jahre. Mel, die inzwischen zu einer guten Privatdetektivin geworden ist, bekommt den Auftrag von Chloes Familie, sie zu suchen, denn Chloes Vaters hat nur noch kurze Zeit zu leben und möchte seine Tochter noch einmal sehen.
Mel wird auch fündig und kann Chloe überreden, mit nach Hause zu kommen. Aber dann passieren einige Dinge, denn Tobys Familie ist offensichtlich auch hinter Chloe her.
Das liest sich eigentlich nach einem spannenden Krimi, jedenfalls hatte ich den erwartet. Aber Tess Sharpe nimmt eine so unsensible Haltung zu ihren Figuren ein, dass ich als Leser gar nicht anders konnte, als auch diese Haltung einzunehmen. Sharpe hat den Roman in viele Kapitel aufgeteilt. Dabei springt sie in der Zeit hin und her. Das macht es einigermaßen schwer, die Story zu verfolgen. Etwas einfacher wird es dadurch, dass sie über den Kapiteln immer angibt, wann das stattfindet. Das geschieht nicht durch reine Datumsangaben sondern durch relative Angaben wie "vier Wochen vor der Party" oder ähnlich. Dadurch findet man sich zeitlich besser zurecht.
Jedes Kapitel ist aus der Sicht einer der Protagonisten geschrieben. Der Name wird über den Kapiteln stets angegeben. Aber dann kommt das Problem. Sharpe erzählt nicht in der Ich-Form sondern berichtet sozusagen als Zuschauerin in recht nüchterner Form über das, was geschieht und was die jeweilige Person empfindet. Dabei blieben mir die Personen so unnahbar, dass ich mich nicht in sie hineinversetzen konnte und mitfühlen konnte.
Dadurch bleibt der ganze Roman auf einer niedrigen Spannungsstufe. Selbst bei gefährlichen Szenen, nimmt man zur Kenntnis, was geschieht, und das war es dann auch.

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