KI-gesteuertes Computerspiel.
„Ich entziehe der Realität meine Zustimmung. Ich verweigere ihr meine Mithilfe. Ich verschreibe mich den Verlockungen der Weltenflucht und stürze mich mit ganzem Herzen in die Unendlichkeit des Irrealen.“
Als ...
„Ich entziehe der Realität meine Zustimmung. Ich verweigere ihr meine Mithilfe. Ich verschreibe mich den Verlockungen der Weltenflucht und stürze mich mit ganzem Herzen in die Unendlichkeit des Irrealen.“
Als Vorbereitung für den 3. Erebos-Band, der bald erscheint, habe ich mir nochmal den Auftakt zur Gemüte geführt, den ich ca. 2012 gelesen habe. Viel hatte ich nicht mehr im Gedächtnis, außer, dass das Buch spannend war mit Inhalt eines „lebendigen“ Computerspiels.
Dieser Eindruck hat sich nun beim zweiten Mal Lesen wieder genau so bestätigt. Wenn Realität und Computerspiel verschwimmen und sich vermische, wie weit würdest du dann gehen? Bis wann ist es „Nur ein Spiel“, wann wird es Realität? Nicks Wandlung von Skepsis, zu Sucht und Naivität bis zum „Realitätscheck“ waren absolut nachvollziehbar beschrieben, und ganz ehrlich, als Leserin wollte ich auch immer wissen, was Erebos noch für mich bereithält. Die Wechsel zwischen der Spielperspektive und den Aufträgen in der Wirklichkeit haben dem Buch einiges an Spannung verliehen. Gerade durch die abrupten Wechsel wurde man charakternah wieder unsanft in die Realität zurückgeworfen - jede Gamerin kennt das vermutlich. Der Nervenkitzel hat mit Fortschreiten des Spiels und den immer illegaleren Aufträgen stetig mehr zugenommen. Zugegeben, der Showdown war etwas kurzgeraten, hat aber die Auswirkungen und emotionalen Folgen insbesondere an Helen sehr gut verdeutlicht, so dass es das große Action-Level gar nicht brauchte. Und wie wir ja an den Folgebänden sehen, hat Erebos mit Nick und den anderen Charakteren noch längst nicht abgeschlossen. Es wartet und beobachtet…
Trotz seines Settings als Jugendbuch hat es von seiner Aktualität und Spannung nichts eingebüßt, mehr noch, es ist aktueller denn je. Wo KIs und insbesondere KI-gesteuerte Computerspiele 2012 nur ein vager Traum am Horizont waren, sind sie nun allgegenwärtig. Poznanski hat mit ihrem Buch „Die Burg“ schon KI-gesteuerte Escape-Räume zur Debatte gestellt, da sind entsprechende Computerspiele nicht fern. Ich wette, an dem einen und/oder anderem wird auch bereits programmiert, und eine Handlung wie „Erebos“ ist nicht so weit hergeholt.
“Erebos“ bekommt auch beim zweiten Mal Lesen mehr als 10 Jahre später noch verdiente 5/5 Sterne und ich bin schon sehr auf die Fortsetzungen gespannt!