Eigentlich unvorstellbar
Eva Völler hat hier einen tollen Roman geschrieben, in dem sie eine böse Vergangenheit mit fiktiven Charakteren erzählt. Ich dachte früher immer, die Kinderverschickungen waren eine tolle Sache für ärmere ...
Eva Völler hat hier einen tollen Roman geschrieben, in dem sie eine böse Vergangenheit mit fiktiven Charakteren erzählt. Ich dachte früher immer, die Kinderverschickungen waren eine tolle Sache für ärmere Kinder, deren Eltern sich keinen Urlaub leisten konnten. Sechs Wochen am Meer - das ist doch super! Doch mit den Schilderungen in diesem Buch hörte meine Naivität dann schlagartig auf. 1963 ist ja nun noch nicht so lange her, vier Jahre vor meiner Geburt. Aber die Zustände, die in diesem fiktiven Kinderheim herrschten, waren echt grauenvoll. Und das war leider nicht von der Autorin ausgedacht, im Gegenteil. Recherche in der eigenen Familie und bei vielen anderen Betroffenen verhalfen ihr zu diesem Buch. Eigentlich unvorstellbar, dass es erst jetzt, nach über 60 Jahren auch von anderen Autoren aufgedeckt wird. Oder ich habe vorher nur nie etwas darüber gehört. Zum Glück lief parallel eine Liebesgeschichte, so dass man von den grausamen Schilderungen einer Betroffenen immer mal wieder abschalten und sich zurücklehnen konnte. Mir tun die Kinder von damals wirklich leid, was sie alles erdulden mussten und vor allem, dass ihnen damals niemand geglaubt hat.
Das Buch war mal wieder ein Highlight. Die Geschichte hat mir sehr gut gefallen und ließ sich flüssig lesen. Auch die Charaktere waren sehr gut ausgearbeitet, so dass man gut mitfühlen konnte.