Magie, Mutterschaft und Ragnarök
The Witch’s Heart erzählt die Geschichte der Hexe Angrboda, die in einem abgelegenen Wald Zuflucht findet. Dort begegnet sie Loki, mit dem sie eine leidenschaftliche, aber komplizierte Beziehung eingeht. ...
The Witch’s Heart erzählt die Geschichte der Hexe Angrboda, die in einem abgelegenen Wald Zuflucht findet. Dort begegnet sie Loki, mit dem sie eine leidenschaftliche, aber komplizierte Beziehung eingeht. Aus dieser Verbindung entstehen Kinder, die in den Prophezeiungen eine zentrale Rolle beim Weltuntergang (Ragnarök) spielen. Angrboda muss sich nicht nur mit ihrer eigenen Vergangenheit und den Göttern auseinandersetzen, sondern auch mit der Frage, wie weit sie bereit ist, für ihre Kinder, ihre Freundschaften und ihre eigene Zukunft zu kämpfen.
Die Handlung verwebt bekannte mythologische Figuren wie Loki, Skadi und Hel mit einer Perspektive auf Mutterschaft, Liebe, Verrat und Schicksal.
Ich liebe starke Frauen in Geschichten – und genau das bietet The Witch’s Heart. Die Darstellung von Angrboda und Skadi zeigt, wie wichtig es ist, weibliche Figuren nicht nur als Nebenrollen, sondern als treibende Kräfte einer Handlung darzustellen. Ihre Stärke, ihre Verletzlichkeit und ihre Konsequenz machen die Geschichte besonders.
Die nordische Mythologie war ohne Vorkenntnisse nicht immer leicht zu verstehen, doch mit ein wenig Recherche ließ sich vieles nachvollziehen, und es hat die Lektüre sogar bereichert.
Der Einstieg ins Buch fiel mir zunächst etwas schwer, da ich mit dem Stil warm werden musste. Doch je weiter die Handlung voranschritt, desto mehr hat mich die Geschichte gepackt. Besonders die Begegnungen zwischen Loki und Skadi waren spannend – zunächst überraschend ruhig, später aber mit einer sehr passenden Wendung, als Skadi Teil von Lokis Bestrafung wurde.
Skadi ist für mich eine der stärksten Figuren, weil sie ihre eigenen Gefühle zurückstellen kann und dennoch konsequent ihre Rache verfolgt.
Auch andere Thematiken, wie Beziehungen, Liebe und die Beziehung zu ihren Kindern werden thematisiert doch könnte hier gerne ab und an mehr ins Detail gegangen werden, um emotional mehr gepackt zu werden. Das hat mir persönlich gefehlt, ergab sich aber durch den o.g. Schreibstil wohl einfach.
Manche Passagen erschienen mir unnötig in die Länge gezogen, wodurch die Handlung wenig voranschritt und sich stellenweise sehr gezogen haben. Ich habe mich beim Lesen tatsächlich ein wenig gelangweilt, was schade ist, weil die mythologischen Elemente grundsätzlich spannend waren.
Auch das Finale ging mir zu schnell. Es fühlte sich an wie eine Aufzählung, bei der ein Tod nach dem anderen abgehandelt wurde. Gerade die Tode der Söhne hätten für mich mehr Raum und emotionale Tiefe verdient, vor allem in Bezug auf die Thematik der Kinder, die ja doch als eines der elementaren Themen des Buches zählt.
The Witch’s Heart ist ein Buch für alle, die sich für nordische Mythologie interessieren und starke Frauenfiguren lieben. Es verbindet bekannte Mythen mit einer emotionalen, modernen (aber teils distanzierten) Erzählweise und bietet spannende Charakterentwicklungen, auch wenn nicht jede Szene die gewünschte Tiefe erreicht. Wer Geschichten über Mutterschaft, Freundschaft und den Kampf gegen das Schicksal mag, wird hier fündig.