Cover-Bild Heilige und andere Tote

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22,00
inkl. MwSt
  • Verlag: DuMont Buchverlag
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 382
  • Ersterscheinung: 13.09.2018
  • ISBN: 9783832198909
Jess Kidd

Heilige und andere Tote

Roman
Klaus Timmermann (Übersetzer), Ulrike Wasel (Übersetzer)

Seit dem Tod seiner Frau und den ewigen Streitereien mit seinem Sohn vertreibt Cathal Flood jeden, der sich ihm nähern will. Einst Antiquitäten- und Kuriositätenhändler ist er längst zum Messie verkommen. Sein Sohn hofft, ihn auf Dauer in ein Altenheim verfrachten zu können. Die Neueste in der Riege erfolgloser und unterbezahlter Sozialbetreuer, die Cathal zur Räson bringen soll, ist Maud Drennan. Unter den wüsten Beschimpfungen des Alten zieht sie beherzt gegen Dreck und Müll zu Felde. Doch trotz aller Unerschrockenheit ist ihr Bridlemere unheimlich. Überall im Haus scheinen verschlüsselte Botschaften zu warten. Wie das Foto von zwei Kindern, auf dem das Gesicht des Mädchens ausgebrannt ist. Hat Flood eine Tochter? Wieso weiß niemand von ihr? Und warum hasst er seinen Sohn so sehr? Auch der Tod seiner Frau löst Fragen über Fragen aus.
Maud würde am liebsten alle erdrückenden Hinweise ignorieren. Doch ihre leicht bizarre Vermieterin Renata, die für ihr Leben gern Detektiv spielt, und eine Horde marodierender Heiliger, die nur Maud sehen kann, wittern längst ein Verbrechen.

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.09.2018

phantastisch

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Bewertet mit 5 Sternen
Was für ein Buch ! Schon die ersten Seiten haben mich begeistert.
Der Schreibstil, die Bilder, die Vergleiche und Beschreibungen sind einfach traumhaft schön. Die Geschichte selbst ...

Bewertet mit 5 Sternen
Was für ein Buch ! Schon die ersten Seiten haben mich begeistert.
Der Schreibstil, die Bilder, die Vergleiche und Beschreibungen sind einfach traumhaft schön. Die Geschichte selbst ist spannend und geheimnisvoll, aber was das Besondere dieses Buches ausmacht, sind die poetischen Metaphern. z.B. als beschrieben wird, wie weit die Wellen zurückweichen " So weit, dass die Meeresalgen sich auf den Felsen vor Sehnsucht trocken weinten." S. 38.
Es beginnt mit einer Beschreibung eines Messiehaushaltes und ist so herrlich, dass ich mich auf Seite 1 direkt in das Buch verliebt habe. Ich habe schon einige Messiewohnungen (und ein Haus) entrümpeln müssen, sowohl privat, als auch beruflich und habe einige besucht, die wirklich so wohnten. Sehr beeindruckend. Und daher finde ich die Schilderung auch so toll, denn genauso ist es. Ich finde Jess Kidd ist eine ausgezeichnete Beschreibung des Hauses gelungen. Die Mauer aus Geo-Heften z.B. und man riecht förmlich den Mief, Moder, Staub und Altherrengeruch des Messiehauses und sieht, wie der Staub in den einzelnen Lichtstrahlen tanzt, die sich ins düstere Halbdunkel verirrt haben. Die Autorin schafft eine wunderbar authentische Atmosphäre.
Ein weiteres Highlight sind die Flüche des alten Herrn, bei dem Maud, die Ich-Erzählerin, nun angefangen hat zu putzen und auszuräumen. Sehr kreativ. z. B. ""Er wünscht mir, ...dass ich esse, ohne je kacken zu können..." S. 9.
Maud entdeckt beim Entrümpeln geheimnisvolle Hinweise z. B. ein Photo von zwei Kindern, wo bei einem Kind das Gesicht rausgebrannt wurde. Oder werden ihr diese Dinge absichtlich in die Hände gespielt ? Wenn ja, von wem ? Maud möchte zu gerne hinter das Geheimnis kommen...
Wie gesagt, eine spannende Geschichte. Aber sie lebt vor allem durch die fantastische Sprache der Autorin. Sei es die Beschreibung einer Frau, die einem Frosch sehr ähnlich sieht, in einer klammen Wohnung lebt und von der Maud vermutet, dass sie heimlich die Vorhänge mit Wasser besprüht und den Teppich begießt, sei es, dass sie das alte Anwesen schildert. "In Bridlemere zaudert die Zeit und weicht zurück, hustend und schlurfend. Hier verwest Geschichte lautlos, und Eleganz welkt höflich vor sich hin." S.30 . Am Anfang ist noch nicht ganz klar, um was für ein Buch, es sich eigentlich handelt, aber egal, was für ein Genre, egal, wie die Handlung sich entwickelt, man genießt jeden Satz. Und es gibt viele Sätze, die ich mehrfach gelesen habe, weil sie so schön sind, dass sie auf der Zunge zergehen. Da es etliche Sätze sind, bei denen ich inne gehalten habe, um sie nochmal zu lesen, kam ich nur langsam voran. Aber die Formulierungen sind so schön, dass man sie einfach genießen und immer wieder "kosten" muß. Nur mit den Heiligen konnte ich nicht wirklich etwas anfangen, aber "gestört" haben sie auch nicht.
Es ist mit viel Humor und Poesie geschrieben und manche Sätze wirken wie eine Textzeile aus einem Song. z.B. "... ein Unterseeboot, das durch trübe Tränen treibt" S.298 . Und auch, wenn es um Mord und Totschlag geht, ist es ein zauberhaftes Buch, das ich nur jedem empfehlen kann.

Veröffentlicht am 19.09.2018

I see dead saints

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Maud Drennan ist Irin, Sozialbetreuerin und in der Lage, tote Heilige zu sehen, was weiß Gott nicht immer die einfachste Angelegenheit ist, da die dazu neigen, sich ungefragt in Gespräche einzumischen. ...

Maud Drennan ist Irin, Sozialbetreuerin und in der Lage, tote Heilige zu sehen, was weiß Gott nicht immer die einfachste Angelegenheit ist, da die dazu neigen, sich ungefragt in Gespräche einzumischen. Ihr neuester Pflegefall ist Cathal Flood, ein alter, knorriger, mürrischer und möglicherweise gefährlicher Mann. Ist doch sowohl seine Frau unter merkwürdigen Umständen ums Leben gekommen als auch seine Tochter unter noch merkwürdigeren Verhältnissen verschwunden. Sein Haus ist eine Messiekatastrophe, und je mehr Maud entrümpelt, desto mehr enthüllen sich ihr, den Heiligen und ihrer neugierigen Vermieterin Geheimnisse, von denen einige hofften, dass sie für immer unter all dem Müll verschwunden geblieben wären.

Jess Kidd hatte mich schon letztes Jahr mit ihrem Erstling "Der Freund der Toten" in den Bann gezogen. Und wie auch schon dort sind die Hauptprotagonisten eigentlich nicht die Lebenden, sondern die Toten, die sich ein wenig in die Angelegenheit der Lebenden einmischen. Auch hier ist die Sprache von einer Poesie, die ich noch in keinem anderen Buch gefunden habe und trotz des Fantasieanteils gibt es wenige Bücher, die authentischer wirken. Die Autorin hat ein Händchen für völlig skurrile Typen, ausgefallene Handlungen und einen Schreibstil, der andere in den Schatten stellt. Dies ist eine Lektüre, die man über die Jahre immer wieder lesen kann, um Neues zu entdecken und mit alten Freunden einen Tee zu trinken.

Veröffentlicht am 17.09.2018

Hab keine Angst, unsere Geschichte zu erzählen

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"In Bridlemere zaudert die Zeit und weicht zurück, hustend und schlurfend. Hier verwest Geschichte lautlos, und Eleganz welkt höflich vor sich hin." [30]


„Mr Cathal Flood, Künstler im Ruhestand, Maschinenbauingenieur ...

"In Bridlemere zaudert die Zeit und weicht zurück, hustend und schlurfend. Hier verwest Geschichte lautlos, und Eleganz welkt höflich vor sich hin." [30]


„Mr Cathal Flood, Künstler im Ruhestand, Maschinenbauingenieur und Kuriositätenhändler. Lebt allein in seiner herrschaftlichen, denkmalgeschützten viktorianischen Villa.“ [21] Früher war er mal ein richtiger „Satansbraten“ [15]. Obwohl, selbst heute ist er immer noch nicht viel ruhiger. Die Sozialarbeiterin und Protagonistin Maud soll ihn wieder zur Vernunft bringen und sieht sich dabei mit immer mehr auftauchenden Fragen konfrontiert. Zusammen mit ihrer Vermieterin Renata beginnt sie zu ermitteln, sich auf die Suche der Wahrheit zu begeben, denn überall im Haus scheinen verschlüsselte Botschaften zu warten.
„Leichen sind wie Steine, Maud. Sie wollen gefunden werden…. Steine kommen immer an die Oberfläche.“ [99]

Jess Kidd hat einen unglaublich einfallsreichen Schreibstil. Manches grenzt gar an Poesie. Sie schreibt so eindrucksvoll, voller Elan, bildgewaltig, dass man das Buch "Heilige und andere Tote" gar nicht aus der Hand legen kann, geschweige denn möchte. Manche Sätze liest man mehrmals, weil sie einfach so schön sind. Als Leser taucht man mit in Mauds „Welt“ ab und erlebt die faszinierende Geschichte als würde man durch ihre Augen blicken.
Hin und wieder sind Spitzen zwischen den einzelnen Charakteren zu finden, welche den Leser zum Schmunzeln bringen und die Geschichte bzw. die Personen zum Leben erwecken. „Er mustert mich, den Mund vor Boshaftigkeit zusammengepresst.“ [9]
Zugleich weiß Kidd die Charaktere sehr facettenreich und detailliert zu beschreiben. Kam zuvor noch eine gegen jemanden gerichtete boshafte Bemerkung, so folgt eine wohl durchdachte Aussage: „Eine Perle ist eine ewige Träne… ein umhüllter Schmerz.“ [20]. Maud und der alte Cathal analysieren einander, sie beobachten scharf und kombinieren gut.
Ihren Ideenreichtum krönt Kidd mit den Heiligen. Diese kommunizieren mit Maud, helfen, geben Ratschläge und haben ganz schön viel Spaß in diesem Roman.
„St. Valentine zeigt auf Sams Hinterteil, sieht mich an und hebt anerkennend einen Daumen.“[153]

Das Buch ist so abwechslungsreich geschrieben, so pointiert, dass es eine ganz klare Leseempfehlung für 2018 ist.


Die Überschrift „Hab keine Angst, unsere Geschichte zu erzählen.“ ist ein Zitat von Seite [284] des Buches.