Cover-Bild Das Geschenk des Meeres
(89)
  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
25,00
inkl. MwSt
  • Verlag: mareverlag
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Erzählende Literatur
  • Seitenzahl: 352
  • Ersterscheinung: 11.07.2025
  • ISBN: 9783866487482
Julia R. Kelly

Das Geschenk des Meeres

Claudia Feldmann (Übersetzer)

Schottland, Winter 1900. Am Strand von Skerry wird ein lebloser Junge angeschwemmt. Als der Fischer Joseph ihn ins Dorf trägt, erntet er ungläubige Blicke, denn das Kind ähnelt auf unheimliche Weise dem Sohn der Lehrerin Dorothy, der in einer längst vergangenen Nacht ans Meer ging und nie mehr gesehen wurde. Ausgerechnet Dorothy erklärt sich bereit, das rätselhafte Kind aufzunehmen, bis seine Herkunft geklärt ist. Doch die Anwesenheit des Jungen wühlt nicht nur Dorothy auf, sondern stellt die gesamte Dorfgemeinschaft vor Fragen. Weshalb war Joseph sowohl an dem Tag am Strand, als der fremde Junge angespült wurde, als auch in der Nacht, als Dorothys Kind verschwand? Worüber haben Dorothy und Joseph damals so erbittert gestritten? Und warum wurden sie nie ein Paar, obwohl sie sich für jedermann offensichtlich liebten?

Dieses Produkt bei deinem lokalen Buchhändler bestellen

Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.10.2025

Eine berührende Lebensgeschichte über verpasste Chancen

0

Darum geht es
In einem kleinen Dorf an der schottischen Küste wird im Winter 1900 ein Junge aus den Fluten gerettet. Der Junge sieht dem Kind der Dorflehrerin Dorothy ähnlich wie ein Zwilling. Doch der ...

Darum geht es
In einem kleinen Dorf an der schottischen Küste wird im Winter 1900 ein Junge aus den Fluten gerettet. Der Junge sieht dem Kind der Dorflehrerin Dorothy ähnlich wie ein Zwilling. Doch der ist vor Jahren bei einem Sturm im Meer verschwunden. Trotzdem nimmt Dorothy ihn bei sich auf, bietet ihm Wärme und Liebe, so dass er im wörtlichen und übertragenen Sinne auftaut. Mit der Zeit werden Erinnerungen wach, bei Dorothy und der Dorfgemeinschaft und manche ungeklärte Fragen werden endlich beantwortet.

Mein Eindruck
Eine eingeschworene Dorfgemeinschaft in einem Winter, getrennt von der Welt, aber mit vielen Geheimnissen, Sehnsüchten und unerfüllten Wünschen. In zwei Zeitebene erzählt Julia R. Kelly gelungen das Leben von Dorothy, die als junge Lehrerin von Edinburgh in diese Dorfgemeinschaft kommt und alles durcheinanderbringt. Es ist zugleich eine Geschichte über das Hoffen auf ein gutes Leben, die Enttäuschungen, die es mit sich bringt, über Missverständnisse und selbst auferlegtes Leiden.
Stück für Stück zeichnet sich mir ein Bild, welche Dramen sich in den vergangenen Jahren abspielten. In die erzählte Vergangenheit hinein gibt es immer wieder Kapitel in der Jetzt Zeit, der erzählten Zeit von 1900, die sich mit dem aufgetauchten Jungen beschäftigen und Dorothy zeigen, wie sie endlich mit dem Verlust ihres Kindes umzugehen lernt. So greifen beide Ebenen in einander und bilden ein spannungsgeladenes Gesamtwerk.

Fazit

Ein berührende Geschichte mit gewaltiger Bildkraft. Ruhig erzählt und doch geht sie unter die Haut. Denn so oft wünscht man sich, dass die Figuren über ihren Schatten springen und offen sagen, was Sache ist. Stattdessen reagieren sie auf Hörensagen und das ändert den Lauf nicht nur eines Lebens. Ich leide mit Dorothy und fiebere dem Ende entgegen. Für mich war das Hörbuch, gelesen von Astrid Kohrs, ein Genuss.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.09.2025

Wunderbarer Debütroman

0

Der Mare Verlag hat den Debütroman "Das Geschenk des Meeres" der englischen Autorin Julia R. Kelly veröffentlicht. Das Buch war auf der Longlist für den Mslexia Novel Prize, den Exeter Novel Prize, PenguinWriteNow ...

Der Mare Verlag hat den Debütroman "Das Geschenk des Meeres" der englischen Autorin Julia R. Kelly veröffentlicht. Das Buch war auf der Longlist für den Mslexia Novel Prize, den Exeter Novel Prize, PenguinWriteNow und den Bath Novel Award, wurde mit dem Blue Pencil First Novel Award ausgezeichnet und in zehn Sprachen übersetzt.

Wir schreiben das Jahr 1900, als nach einem Sturm im kleinen Fischerdorf Skerry in Schottland ein kleiner Junge an Land gespült wird. Joseph, ein Einheimischer, trägt das leblos wirkende Kind in den Ort. Es weist eine frappierende Ähnlichkeit mit Moses auf, dem kleinen Sohn der Dorfschullehrerin Dorothy, der vor vielen Jahren im gleichen Alter am Meer verschwand und dessen Leiche nie gefunden wurde. Als der Pfarrer Dorothy bittet, den Jungen in ihr Haus aufzunehmen, bis seine Identität geklärt ist und er seiner Familie wieder zugeführt werden kann, zögert Dorothy zunächst, willigt dann aber ein. Sie kümmert sich um den stillen Jungen, entwickelt immer stärkere Gefühle für ihn und ist schließlich davon überzeugt, dass Moses zu ihr zurückgekehrt ist. 

Auf einer zweiten Zeitebene erleben wir die Ankunft der jungen Lehrerin Dorothy in Skerry. Sie ist zurückhaltend und findet keinen Anschluss an die verschworene Dorfgemeinschaft, deren Zentrum der Laden von Mrs. Brown ist. Die Frauen halten sie für unnahbar und meiden sie. Der Fischer Joseph interessiert sich für die junge Frau, und die beiden nähern sich behutsam einander an. Dorothy wagt es nicht, ihren Gefühlen zu folgen, sie bricht den Kontakt ab, als ihr geraten wird, auf ihren Ruf zu achten.

Die Geschichte wechselt immer wieder zwischen Gegenwart ("Jetzt") und Vergangenheit ("Damals") und wird aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt. Neben Dorothy und Joseph spielt auch die Dorfbewohnerin Agnes, die seit langem in Joseph verliebt ist und sich nichts sehnlicher wünscht, als mit ihm eine Familie zu gründen, eine wesentliche Rolle.

Das melancholische Buch ist in wunderschöner, zarter Sprache geschrieben und liest sich sehr flüssig. Die Charaktere sind authentisch und mit viel Wärme und Empathie gezeichnet. Ich mochte die zurückhaltende und stille Dorothy, die geprägt ist durch die Kränkungen ihrer verbitterten Mutter. Auch den freundlichen und willensstarken Joseph, der wie Dorothy zum Opfer einer Intrige wird, habe ich sofort in mein Herz geschlossen. 

Ich habe den fesselnden Roman sehr gern gelesen, es gibt einige Wendungen, Geheimnisse werden enthüllt, das Ende ist hoffnungsvoll. Es geht neben Liebe, Verlust und häuslicher Gewalt auch um das Festhalten und Loslassen. Die Geschichte kommt vollkommen ohne Kitsch aus, sie hat mich zutiefst bewegt und berührt. Sehr gut gefallen haben mir auch die poetischen Beschreibungen des Meeres, der Felsen und der Klippen. Das dörfliche Leben ist authentisch dargestellt, ebenso das Rollenbild der Frau, das so vollkommen anders war als heute. 

Absolute Leseempfehlung für diese großartige Geschichte der leisen Töne, die mich begeistert hat und bereits jetzt zu meinen diesjährigen Lesehighlights gehört!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.09.2025

Sehr einfühlsam

0

"Das Geschenk des Meeres" von Julia R. Kelly ist ein ruhiges, ganz besonderes Buch, das eine stille Intensität ausstrahlt. Der Roman entführt den Leser in eine andere Zeit, in ein anderes Leben: den Strand ...

"Das Geschenk des Meeres" von Julia R. Kelly ist ein ruhiges, ganz besonderes Buch, das eine stille Intensität ausstrahlt. Der Roman entführt den Leser in eine andere Zeit, in ein anderes Leben: den Strand von Skerry in Schottland um 1900, wo ein Junge nach einem Unglück ans Ufer gespült wird. Er lebt, doch er spricht nicht. Der Fischer Joseph findet ihn, und die Schullehrerin Dorothy nimmt ihn bei sich auf, pflegt ihn gesund, bis seine Herkunft geklärt werden kann.

Der Autorin gelingt es, das kleine Fischerdorf, die raue Küste und vor allem die Bewohner vor den Augen der Lesenden auferstehen zu lassen. Die Figuren wirken rund und echt, jeder hat Stärken, aber auch Schwächen. Aus kleinen Lügen, durch die Jahre hindurch, entstehen Tragödien und schlichte, menschliche Dramen. Die Erzählung packt von der ersten Seite an: Mit jedem Rückblick taucht man tiefer in die Vergangenheit ein, kommt dem großen Ganzen ein Stück näher – und lernt die Geheimnisse der Vergangenheit kennen, die bis heute nachwirken.

Dorothy und Joseph sind zwei besonders vielschichtige Charaktere, deren Innenleben sich langsam entfaltet und dabei eine eindringliche Präsenz behält. Durch zarte Gesten, schlichte Bemerkungen und stille Beobachtungen entsteht ein Drama, das zugleich tragisch und schön menschlich wirkt. Die Geschichte vermittelt eine ehrliche, nachvollziehbare Perspektive auf Liebe, Schuld und Verantwortung, ohne in Kitsch abzurutschen. Die raue Küstenlandschaft wird zu einem Spiegel der Seelen der Figuren: rau, doch voller Wärme, unberechenbar, aber treu.

Es ist kein fröhliches Buch, doch es ist ein Buch voller Würde. Die Sprache bleibt zurückhaltend, doch jeder Satz hat Gewicht. Trotz der Schwere lässt sich der Text kaum aus der Hand legen; die Seiten drehen sich wie Wellen, eine nach der anderen, bis sich das Mysterium allmählich enthüllt. Die Spannung entsteht weniger durch äußere Ereignisse als durch die feine psychologische Verquickung der Figuren und die stille Frage, was Wahrheit bedeutet und wie sie sich über die Jahre hinweg verlagert.

Wer sich auf diese Lektüre einlässt, begibt sich auf eine behutsame Reise ans Meer: Man hört das Rauschen der Gezeiten, spürt die Kälte der Küste, empfindet das Bedürfnis nach Schutz, Vertrauen und Zugehörigkeit. Es ist eine Reise in das Herz eines kleinen Ortes mit großen Geschichten, in denen sich menschliche Gebrochenheit in Zärtlichkeit verwandelt. Obwohl der Text keine leichten Antworten bietet, vermittelt er doch eine tiefe Einsicht in das, was Menschen zusammenhält: Mitgefühl, Verantwortung und die Bereitschaft, hinter Fassaden zu schauen. Wer sich von dieser stillen Geschichte berühren lässt, nimmt am Ende mehr mit, als bloße Antworten – eine Erinnerung daran, dass Herkunft, Liebe und Wahrheit oft in den unscheinbaren Momenten liegen. Ein wirklich großartiges Buch, das man langsam und aufmerksam lesen sollte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.09.2025

Der Ruf der Wellenkinder

0

Unendlich schwer wiegt der Verlust ihres Kindes, das im Meer verschwunden ist. Jahre später sieht sich Dorothy damit konfrontiert, dass ein Junge lebend an der Küste gefunden wird, der ihrem Jungen auf ...

Unendlich schwer wiegt der Verlust ihres Kindes, das im Meer verschwunden ist. Jahre später sieht sich Dorothy damit konfrontiert, dass ein Junge lebend an der Küste gefunden wird, der ihrem Jungen auf beunruhigende Weise gleicht. Ist er ein Geschenk des Meeres? Eines der sagenhaften Wellenkinder?

„…in dem Reich zwischen Schlafen und Wachen spürt sie eine Gegenwart, die mit dem Wind über die Wellenkämme zu ihr fliegt, während sie von dem Geschenk träumt, das die See ihr gebracht hat.“

Während wir erleben, wie sich Dorothy um den gefundenen stummen Jungen kümmert, erfahren wir in kurzen Rückblenden, was vor dem Verschwinden ihres Jungen geschehen ist: Die Ankunft von Dorothy als Fremder in dem schottischen Fischerdorf und die Vorbehalte und Einschränkungen durch die eigensinnige Dorfgemeinschaft, die Dorothy als durchgehend feindlich erlebt. Bis auf Joseph, der ihre Nähe sucht und dessen Nähe sie nicht dulden darf. Schließlich kommt es zur Katastrophe, doch erst durch den an der Küste angespülten Jungen brechen die alten Risse wieder auf.

„…denn wenn man spricht, findet man Dinge über sich heraus, Dinge wie die Wesen in den Prielen, von deren Existenz man nichts ahnte, bis das Meer sie freigelegt hat. Bis man den alten Flutsaum überschreitet und den sonst verborgenen Bereich betritt.“

Die Erzählung ist intensiv, mit einem mystischen Hauch und der Härte der schottischen Küste und ihrer Bewohner versehen, tragisch und herzzerreißend, traurig und doch ganz wunderbar.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.09.2025

perfekt

0

Es gibt immer noch Bücher, die mich überraschen können. Weil sie einfach perfekt sind. Das beginnt bei der Covergestaltung, die hier bei "Das Geschenk des Meeres" wirklich schön ist. Typisch für den Mare-Verlag. ...

Es gibt immer noch Bücher, die mich überraschen können. Weil sie einfach perfekt sind. Das beginnt bei der Covergestaltung, die hier bei "Das Geschenk des Meeres" wirklich schön ist. Typisch für den Mare-Verlag. Und auch typisch, dass das Meer eine Rolle spielt. Perfekt auch die Sprache, die zart und aufmerksam erzählt, wie mitten in einer Kleinstadt am Meer ein Kind verschwindet und Jahre später ein unbekanntes am Strand gefunden wird. Und es gibt jede Menge Schweigen und Geheimnis zwischen den Menschen. Und Missverständnisse und unverstandene Gefühle.

Mich hat das Buch von der ersten Seite an berührt und hineingezogen in einen Plot, der auch davon lebt, dass der Leser miträtselt und mehr weiß über die Gefühle und Wünsche der Hauptdarsteller aber doch nicht eingreifen kann und gucken muss, wie das Schweigen immer wieder die Oberhand gewinnt.

Am Ende war ich richtig beglückt von diesem Leseerlebnis.