Humorvolles Buch, manche Sachen sind überspitzt, manchmal karikiert, wie zum Beispiel Cindy, die beim ersten Date mit Henry mit Pablo textet und telefoniert, vier verschiedene alkoholische Getränke bestellt, ...
Humorvolles Buch, manche Sachen sind überspitzt, manchmal karikiert, wie zum Beispiel Cindy, die beim ersten Date mit Henry mit Pablo textet und telefoniert, vier verschiedene alkoholische Getränke bestellt, ohne davon zu trinken und dann zu diesem Pablo fährt. Oder, die gleiche Cindy will und hat später "Casual Sex" mit Henry und mit Felix, nur um den verheirateten Pablo eifersüchtig zu machen. Etwas übertrieben, aber sehr aussagekräftig.
Hingegen bahnt sich die Geschichte zwischen Henry und Emily Laurent filigran und viel ernsthafter dargestellt. Seine Monologe auf Emilys Anrufbeantworter sind ehrlich und herzergreifend.
Henry hat zu seinen Kindern ein lockeres aber liebevolles Verhältnis, hilft ihnen, greift auch wenn nötig finanziell unter die Arme. Auch zu seiner Ex-Frau hat er ein gutes Einvernehmen, auch wenn er nicht mit allem einverstanden ist, was sie tut oder sagt.
Wenn Frauen in den Wechseljahren sind, ist es längst salonfähig geworden, darüber zu sprechen. Männer sind da erst im Kommen. Hitzewallungen, Hormonschwankungen, Gewichtsabnahme oder -zunahme, erhöhter Blutdruck, schlechte Cholesterinwerte - typisch nur für Frauen? Mitnichten. Wäre aber höchst weibisch, so etwas zuzugeben.
Das Buch hat mich zutiefst berührt. Leider wüsste ich keinen Ausweg aus dieser Misere. Lieferkuriere auf Fahrräder, ob E-Bike oder klassisch auf Motorräder oder Kleinstwägen, gibt es mittlerweile auf ...
Das Buch hat mich zutiefst berührt. Leider wüsste ich keinen Ausweg aus dieser Misere. Lieferkuriere auf Fahrräder, ob E-Bike oder klassisch auf Motorräder oder Kleinstwägen, gibt es mittlerweile auf allen Kontinenten. Tomer Gardi lässt sie zu Wort kommen, lässt uns ihr hartes Leben durch ihre Augen sehen. Für mich hat der Perspektivwechsel von Seite Eins nun definitiv stattgefunden. “Mitbewohner des globalen Dorfes [that’s me], Perspektivwechsel! Hilft auch gegen Selbstmitleid! Auch gegen Aussichtslosigkeit! Erlöst von chronischem Purismus! Lindert Erbnabelschau! Lockert identitäre Fixationen! Hilft zudem gegen Opferglorie! Perspektivwechsel!” (S. 7) Egal, wie schlecht es uns geht, als Mitteleuropäer mit der richtigen Hautfarbe, als deutsche Staatsbürger, sind wir immer noch besser dran. Essenskuriere werden auf allen Kontinenten, in allen Städten aller Länder gnadenlos ausgebeutet. Um einen Job überhaupt zu ergattern, müssen sie hohe Kautionen zahlen, müssen substantielle Abgaben an windige Geschäftsleute zahlen, fahren immer gegen die Zeit, sind auf die Likes der belieferten Kunden angewiesen, auf die Betreiber diverser Imbissbuden und Restaurants, wo sie das Essen herholen. Das ist moderne Sklaverei. Ein Unfall, rachsüchtige Polizisten, und die Arbeit ist verloren oder auch das Leben.
Ich habe diese Kuriere mit verschiedenfarbigen eckigen Rucksäcken schon oft auf den Straßen gesehen, aber bisher nie über die Menschen nachgedacht, die dahinterstecken. Sie sind immer in Eile, kaum sieht man sie, sind sie schon vorbei. Oder ich sehe sie bei meinem Lieblingsitaliener, Inder, Chinesen, Dönerbetreiber, holen ihre Bestellungen ab und schon sind sie weiter. Sie strampeln buchstäblich gegen die Zeit und für positive Likes. Ich habe mir nie Gedanken gemacht, was sie mit dem kargen Lohn alles bewerkstelligen müssen: Erpresserische Abgaben an Betreiber, Miete, Essen, Zahlungen an die Familie im Herkunftsland oder in die neue Wahlheimat. Richtig Geld für Rücklagen bleibt nicht.
Das Buch beginnt mit Filmon, aus Eritrea, er jobbt in Tel Aviv, wird auch Kurierfahrer. Seine Frau und seine Tochter sind in Berlin. Er versucht alles, um nach Berlin einreisen zu dürfen. Wenn er in Deutschland ankommt, wird er auch kein besseres Schicksal haben. Als Essenskurier wird er im selben Hamsterrad sein wie in Tel Aviv. Jederzeit kann ihm und seiner kleinen Familie die Abschiebung drohen. Und dann?
Das Buch besteht aus Episoden, die lose miteinander verbunden sind. Gemeinsam ist ihnen allen, es sind Kurierfahrer, in Berlin, Delhi, Tel Aviv, Istanbul, Buenos Aires. Kurierfahrer, die am Existenzminimum darben. Nur das letzte Kapitel spielt in Kenia, aber nicht im Kurierfahrer Milieu, sondern Blumen Pflückerinnen in den Glashäusern. Die Frauen da haben es genauso schwer: Sie müssen im Akkord Blumen pflücken, mindestens 2.000 Rosen täglich für den Valentinstag in Europa. Hinzu kommt noch Beete bearbeiten und pflegen, so dass die Rosensträuche weiter blühen und treiben.
Das Titelbild mit dem Fahrer im Hamsterrad zeigt die Ausweglosigkeit dieser Menschen. Sie schuften und mühen sich, aber andere profitieren von ihrer Arbeit. Sie selber kommen nicht vom Fleck.
Das Buch hat mich ein wenig an Hans Falladas Romane erinnert. Dieselbe Ausweglosigkeit, derselbe Kampf ums Überleben der “kleinen einfachen” Leute.
Tessa Hennig hat uns einen charmanten und humorvollen kleinen Roman vorgelegt. Spritzig, mit witzigen Dialogen und einem Showdown, nein, nicht Hollywoodreif, eher Bavaria-Studios, ist dies alles in allem ...
Tessa Hennig hat uns einen charmanten und humorvollen kleinen Roman vorgelegt. Spritzig, mit witzigen Dialogen und einem Showdown, nein, nicht Hollywoodreif, eher Bavaria-Studios, ist dies alles in allem eine unterhaltsame Lektüre.
Manche Sachen sind etwas überspitzt dargestellt, wie das Backpulver, das in kleinen Tütchen gekauft und dann mühselig in große Pakete umverpackt wurde, ist unglaubwürdig. Jeder Großmarkt hat auch Großpackungen von Backpulver im Angebot. Aber zur friedlichen Lösung des vermeintlichen Konflikts und der möglichen Bedrohung bestens geeignet.
Am Ende löst sich alles in Friede Freude Eierkuchen auf.
Die Algarve wird zur neuen Heimat für die Auswanderer. Finn will in Faro ein Auslandssemester studieren und wieder Fußball spielen, seine Mutter will ein kleines Transportunternehmen an der Algarve gründen, die Großeltern sind schon da, genauso wie Zach, der Nachbar oder Alexander, der Hundetrainer. Ende gut, alles gut.
Es ist die perfekte Lektüre zum Ent- und Ausspannen.
Wie die Siebenbürger Sachsen nach Siebenbürgen kamen, ist halbwegs bekannt, wie sie das Land urbar gemacht haben, wie und weshalb sie ihre wehrhaften Kirchen Burgen gebaut haben, wie ihr Leben in den Gemeinschaften ...
Wie die Siebenbürger Sachsen nach Siebenbürgen kamen, ist halbwegs bekannt, wie sie das Land urbar gemacht haben, wie und weshalb sie ihre wehrhaften Kirchen Burgen gebaut haben, wie ihr Leben in den Gemeinschaften strukturiert war, alles da. Von der deutschen Besiedlung des Banats hat man weniger gewusst. Betty Boras, die Autorin dieses wunderbaren Buches, lässt sich auf dieses Thema ein. Und was sie erzählt, ließ mich innehalten. Die Siebenbürger kamen aus freien Willen, mit dem Versprechen auf Freiheit und eigene Hofstatt, eigenen Grund und Boden. Bei den Banater verlief es anscheinend nicht immer so. Einige kamen in der Tat freiwillig, um der Armut in der Heimat zu entgehen und dem Versprechen von Werbern vertrauten. Es waren Versprechen, die aufgingen. Hof, Grund, sogar Tiere wurden ihnen gegeben. Aber andere kamen keineswegs freiwillig. Die allerkatholischste christliche und gnädigste Majestät Maria Theresia machte es wie die Engländer. Die Engländer zwangsdeportierten ihre Sträflinge nach Australien, die den Kontinent besiedeln mussten. Sehr zum Nachsehen der Aborigines und der australischen Flora und Fauna. Auf Geheiß Maria Theresias wurden der Hurerei bezichtigte Frauen, Diebe und Mörder entlang der Donau ins Banat verschleppt. Da mussten sie in Arbeitslagern arbeiten, bis eine kirchliche Kommission sie für würdig befand, entlassen zu werden, oder bis sie starben. (Ja, die Nazis waren nicht die ersten, die Zwangslager errichteten. Aber sie brachten sie erst zur Perfektion.
Das Banat, heute im äußersten Südwesten Rumäniens gelegen, aufgeteilt zwischen Rumänien, Serbien und Ungarn, war ein Sumpfland, karg und arm. Und die Banater Schwaben schafften innerhalb weniger Generationen, dieses Land zum Blühen zu bringen. Sümpfe wurden trockengelegt, Äcker und Gärten und Obstbäume, Dörfer und daraus Städte gebaut. “Der Erste hat den Tod, der Zweite hat die Not, der Dritte das Brot”. (S. 100) Dieser Spruch beschreibt wie kein anderer, wie sich die Banater Schwaben emporgearbeitet haben. Die erste Generation fand inmitten der harten Arbeit schnell den Tod. Die zweite Generation konnte knapp überleben, entbehrungsreich und arm, aber mit besseren Aussichten. Die dritte Generation und die folgenden schließlich hatten das Land gezähmt, gerodet, bebaut und fruchtbar gemacht und das tägliche Brot war gesichert.
Schon vom Anfang verwebt Betty Boras in ihrem Buch verschiedene Erzählperspektiven: mal ein kleines Mädchen in den 80er Jahren in Rumänien, mal eine junge Frau in der Gegenwart in Deutschland. Im Verlauf des Romans werden wir feststellen, dass das kleine Mädchen in Rumänien und die junge Frau und später die Mutter, eine und dieselbe Person in verschiedenen Etappen ihres Lebens ist. Dann geht Boras zurück in die Zeit, etwa 250 Jahre, zu Theresia, der Urahnin von Vios Familie. Beeindruckend für mich: Betty Boras lässt die Banater Erde selbst zu Wort kommen. Im Wechsel mit Kapitel über das Leben von Theresia und Vio erzählt die Erde selbst von ihrem Schicksal, ihrem Werden, ihrem Verhältnis zu den Deutschen, die sie bewohnen und die sie nun verlassen.
Ach Caruso, warum hast Du den Schnösel nicht sterben lassen? Ein kleiner Diktator weniger! Im Laufe des Romans aber merken wir, der reiche Russe dient nur als Ablenkungsmanöver, um uns, die Krimifans ...
Ach Caruso, warum hast Du den Schnösel nicht sterben lassen? Ein kleiner Diktator weniger! Im Laufe des Romans aber merken wir, der reiche Russe dient nur als Ablenkungsmanöver, um uns, die Krimifans auf falsche Fährten zu locken.
Daniel Faßbender hat einen sehr spannenden Roman geliefert. Die Ich-Perspektive lässt den Leser direkt am Geschehen teilhaben und die trockenen Kommentare sind die Würze dazu.
Ich war richtig beeindruckt vom Fachjargon des Surfens. Für mich, als Fernsehzuschauerin, war Surfen schön anzusehen, sonst nichts. Ob der Autor selbst surft? Die Termini klingen hinreißend sportlich und faszinierend: Bottom-Turn, Kurvenmanöver, Weißwasserwalzen, Pop up!, Wellenschulter, schräg eine Welle reiten, und so weiter. Ist das nicht schön? Beim nächsten Longdrink an der Strandbar kann ich mit solchen Begriffen um mich werfen!
Der Krimi an sich ist routiniert erzählt, mit einigen 180° Wendungen, die Guten werden zu Bösen, die anderen zu Guten, der vermeintliche Sunnyboy wollte groß ins Drogengeschäft einsteigen, die unwahrscheinlichsten Charaktere im Buch tun sich zusammen. Das macht die Geschichte so spannend. Die typischen Showdowns finden auch statt, Verhaftungen, Befreiungen, nichts, was ein Hollywood Thriller nicht auch könnte, aber hier kommt noch die exotische Kulisse auf einer kleinen philippinischen Insel hinzu. Und es ist alles da: heiße Bräute, Umweltaktivisten, Polizei, mal mehr, mal weniger korrupt, Drogendealer-Rentner, ich meine, richtige Rentner, die das Drogendealen aufgegeben haben und nun sogar in Schulen auf ihre Art vor Kindern auftreten und sie vor diesem dreckigen Geschäft warnen. Pädagogisch völlig am Ziel vorbei, zur Verzweiflung der Lehrer, aber für die Kinder wirksam, Neo- und Altnazis, wirklich alles da. Das macht das Buch so interessant und fesselnd.
Einige Worte noch zum Titelbild: Danke Diogenes Verlag! Für einen Krimi, der im Surfer-Milieu spielt, ist es das richtige Bild. Ich frage mich, was der Surfer dort tut? Einen Bottom-Turn, reitet er schräg die Welle? Fährt er einen Tunnel entlang? Egal, das Bild ist hinreißend.Ich frage mich auch, wo der Fotograf wohl stand? Der war ja wohl auch in dieser gleichen Welle, musste sich auf dem Brett halten und fotografieren. Wessen Leistung ist größer?