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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.04.2026

Leider viel zu langatmig

Die Stockholm-Protokolle
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Ich war echt gespannt auf das Buch – ein Politthriller mit brisantem Thema, Machtstrukturen, Geheimnissen und einer investigativen Journalistin im Mittelpunkt.
Und ich habe dem Buch auch eine faire Chance ...

Ich war echt gespannt auf das Buch – ein Politthriller mit brisantem Thema, Machtstrukturen, Geheimnissen und einer investigativen Journalistin im Mittelpunkt.
Und ich habe dem Buch auch eine faire Chance gegeben. Die erste Hälfte habe ich gelesen, durchgezogen, gehofft, dass der Knoten platzt. Aber leider ist genau das nicht passiert.
Der Einstieg ist sehr politisch geprägt, mit vielen Informationen und Hintergründen, die durchaus interessant sind, aber auch fordern. Man merkt, dass hier viel Insiderwissen steckt und der Inhalt eine gewisse Tiefe hat. Der Schreibstil ist dabei wirklich gut – flüssig, durchdacht und auf einem guten Niveau.
Trotzdem hatte ich zunehmend das Gefühl, dass die eigentliche Spannung auf der Strecke bleibt. Über weite Teile hinweg passiert schlicht zu wenig. Statt eines mitreißenden Plots stehen oft die Konflikte zwischen Julia und Alfred im Vordergrund – wer arbeitet, wer sich um die Kinder kümmert – und genau das ist mir zu sehr in den Fokus gerückt.
Gerade für einen Thriller hat mir die Dynamik gefehlt. Nach rund 150 Seiten ohne wirklichen Fortschritt oder packende Wendungen habe ich das Buch schließlich abgebrochen – etwas, das ich wirklich ungern tue. Aber hier hatte ich das Gefühl, dass es einfach keinen Sinn mehr macht weiterzulesen.
Ich glaube, dass in der Geschichte viel Potenzial steckt und dass Leser, die sich stark für politische Themen interessieren, hier mehr herausziehen können. Für mich persönlich war es jedoch zu langatmig und zu wenig fesselnd. Wirklich schade.

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Veröffentlicht am 27.03.2026

Mein bisher liebster Band

Sörensen geht aufs Haus
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Endlich wieder Sörensen – und dieses Mal trifft es mich besonders.
In „Sörensen geht aufs Haus“ holt die Vergangenheit den grantigen, ängstlichen und gleichzeitig so liebenswerten Kommissar mit voller ...

Endlich wieder Sörensen – und dieses Mal trifft es mich besonders.
In „Sörensen geht aufs Haus“ holt die Vergangenheit den grantigen, ängstlichen und gleichzeitig so liebenswerten Kommissar mit voller Wucht ein. Sein kranker Vater zieht bei ihm ein, plötzlich steht ein alter Schulfreund vor der Tür und hinter dem Haus werden menschliche Überreste gefunden. Aus einem alten Cold Case wird ganz schnell ein sehr aktueller Fall.
Was ich an der Reihe so sehr liebe: Hier steht nicht der große Action-Krimi im Vordergrund, sondern die Menschen. Die zwischenmenschlichen Momente, die kleinen Alltagsneurosen, die wunderbar trockene norddeutsche Art und dieser feine, intelligente Humor, der einen immer wieder schmunzeln lässt. Sven Stricker schreibt so klug, verschachtelt und gleichzeitig herzerwärmend, dass man das Gefühl hat, man sitzt selbst in Katenbüll mit am Tisch.
Der sechste Band ist für mich bisher der persönlichste und – komischerweise – mein absoluter Favorit der gesamten Reihe. Sörensen darf noch mehr Mensch sein, noch mehr hadern, noch mehr wachsen. Und genau das macht ihn so unvergesslich.
Tipp von Herzen: Hört unbedingt die Hörbücher! Sven Stricker spricht sie selbst ein und der Hamburger Dialekt plus seine tolle Stimme passen einfach perfekt. Es fühlt sich an, als würde Sörensen persönlich mit einem reden.
Danke, Sven, für diese wunderbare Reihe. Wer Sörensen noch nicht kennt: unbedingt nachholen. Ihr verpasst was. ❤️

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Veröffentlicht am 18.03.2026

Wer außergewöhnliche Bücher sucht kauft Knüwer!

Giftiger Grund
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„Giftiger Grund“ ist wieder einmal ein Beweis dafür, dass Thomas Knüwer zu den Autoren gehört, die man einfach nicht ignorieren kann. Sein Schreibstil ist außergewöhnlich – fast poetisch, bildstark, faszinierend. ...

„Giftiger Grund“ ist wieder einmal ein Beweis dafür, dass Thomas Knüwer zu den Autoren gehört, die man einfach nicht ignorieren kann. Sein Schreibstil ist außergewöhnlich – fast poetisch, bildstark, faszinierend. Die Sätze sitzen, die Wortwahl malt Bilder, und die Kapitel sind perfekt portioniert.
Der Roman erzählt aus drei unterschiedlichen Perspektiven: Joran, der frisch entlassene Ex-Häftling mit geballter Verzweiflung; Edda, das kleine Mädchen im Schlafanzug, das viel zu viel sieht; und Charu, die Lost-Places-Fotografin auf der Suche nach dem perfekten Bild. Zu Beginn wirken diese drei Leben wie drei völlig fremde Planeten – und genau das ist der Clou. Man fragt sich ständig: Wie zum Teufel sollen die je zusammenkommen und warum? Knüwer lässt einen lange im Dunkeln tappen, webt die Fäden aber mit großer Erzählkunst irgendwann doch zusammen. Das ist spannend, erschütternd und psychologisch vielschichtig.
Der eigentliche Kriminalfall – die Leiche im Kanalschacht – steht dabei gar nicht so sehr im Vordergrund. Die Morde und die Gewalt passieren eher in Nebensätzen, fast beiläufig. Der wahre Kern des Buches liegt in den zwischenmenschlichen Abgründen, in Trauma, Schuld, Einsamkeit und den winzigen, grausamen Momenten, in denen Menschen einander zerbrechen oder retten. Wer klassische Whodunit-Action oder rasante Ermittlungen sucht, wird hier enttäuscht sein. Wer jedoch Lust auf einen düsteren, introspektiven Psychothriller hat, der mehr über die Seele als über die Tat handelt, der bekommt hier etwas wirklich Besonderes.
Trotzdem: Ein kleiner Stern Abzug. Mir hat am Ende ein bisschen mehr … das kribbeln / die Spannung gefehlt. Die Auflösung ist stimmig und konsequent, aber sie hat mich nicht so richtig gepackt oder überrascht. Die psychologische Tiefe ist grandios, doch der Krimi-Anteil bleibt dadurch etwas blass.
Fazit: Kein „klassischer“ Krimi, sondern ein intensives, sprachlich brillantes Drama mit Verbrechen im Hintergrund. Wer Knüwers besondere Erzählkunst schon kennt und liebt, wird auch „Giftiger Grund“ feiern. Für mich ein starkes, ungewöhnliches Leseerlebnis.

Und ja, ich lese trotzdem jedes seiner Bücher sofort.

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Veröffentlicht am 22.02.2026

Wer Psychothriller mit Tiefgang, realistischen Figuren und permanenter Peripetie sucht: Hier ist er.

Die Fremden - Nimm niemanden mit
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Manche Bücher fesseln einen Die Fremden von C. M. Ewan gehört zweifellos in diese Kategorie. Von der ersten Seite an spürt man diese subtile, aber unaufhaltsame Beklemmung.
Alles beginnt mit einer scheinbar ...

Manche Bücher fesseln einen Die Fremden von C. M. Ewan gehört zweifellos in diese Kategorie. Von der ersten Seite an spürt man diese subtile, aber unaufhaltsame Beklemmung.
Alles beginnt mit einer scheinbar banalen, doch moralisch nachvollziehbaren Entscheidung: Abi und Ben nehmen bei strömendem Regen und undurchdringlichem Nebel eine gestrandete Familie mit – eine junge Mutter mit Babyschale, ihren Partner und das schlafende Kind. Was als Akt von Empathie und Anstand startet, mutiert nach und nach zu einem psychologischen Minenfeld, aus dem es scheinbar kein Entrinnen gibt.
Der Schreibstil von Ewan ist ein flüssig, präzisen und von einer solchen Sogkraft, dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann. Man liest und liest – und plötzlich sind es doch mehr Abschnitte geworden. Die Spannung entsteht nicht durch laute Effekte, sondern durch eine permanente Eskalation der Ungewissheit: Jede Wendung fühlt sich authentisch und doch völlig überraschend an. Es kommt immer anders, als man denkt – und genau das macht den Nervenkitzel aus.
Besonders brillant gelingt Ewan die Innenwelt von Abi. Ihre Gedanken sind so realistisch nachvollziehbar, so quälend ehrlich in ihrer Mischung aus Panik, schlechtem Gewissen, Selbstzweifeln und verzweifelter Hoffnung, dass man als Leser förmlich mit ihr mitfiebert. Man leidet mit, man schreit sie innerlich an, man fleht – und doch treibt der Autor manche Entscheidungen bis an jenen Punkt, an dem man als Leser bereits kapituliert: „Hier gibt es keinen Ausweg mehr.“ Und genau dann wendet sich das Blatt erneut – atemberaubend, clever, atemlos.
Die Atmosphäre ist dicht und greifbar: das enge Auto, das isolierte Haus, der endlose Nebel, das Misstrauen, das sich wie Gift in jede Interaktion frisst. Alles wirkt plausibel – und genau das macht den Thriller aus. Kein überflüssiger Gore, keine billigen Schocks – nur pure, intelligente, nervenaufreibende Spannung auf höchstem Niveau.
Die Fremden ist für mich der Inbegriff eines modernen Pageturners: fesselnd, raffiniert, emotional fordernd und bis zur letzten Zeile konsequent. Ein Buch, das man nicht nur liest – man erlebt es. Und danach braucht man erst einmal ein paar tiefe Atemzüge, um wieder in die reale Welt zurückzufinden.

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Veröffentlicht am 14.02.2026

Ruhig - aber dennoch spannend

Tödliches Angebot
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Okay. Ich sag’s jetzt einfach mal so, wie es ist: Das war nicht von schlechten Eltern!!

Die Geschichte beginnt so harmlos Und dann… dann passiert es.
Schleichend.
Unmerklich.
Am Anfang dachte ich noch: ...


Okay. Ich sag’s jetzt einfach mal so, wie es ist: Das war nicht von schlechten Eltern!!

Die Geschichte beginnt so harmlos Und dann… dann passiert es.
Schleichend.
Unmerklich.
Am Anfang dachte ich noch: ach komm, Margo ist doch süß. Bisschen verbissen, bisschen perfektionistisch, typische Frau, die alles im Griff haben will.
Dann dieses verdammte, zuckersüße, von-nebenan-Getue… .
Die ganze Zeit.
Während sie plant.
Während sie manipuliert.
Während sie zerstört.
Während sie tötet.
Es baut sich so langsam auf. So heimtückisch. Wie Gift, das man tropfenweise in den Tee rührt, während man fröhlich plaudert. Anfänglich merkt man es nicht. Und wenn, dann ist es schon zu spät. Als wäre es… normal.

Kritikpunkt? Ja, gibt’s einen.
Der Roman fokussiert sich zwar auf Margo und ihr Handeln, aber am Ende tappt man ziemlich im Dunkeln, warum sie so tickt. Es gibt Andeutungen, aber kein richtiges „Aha, deshalb“.
Für manche Leser wird das reichen. Für mich hätte ich mir da ein kleines Stück mehr gewünscht – nicht viel, nur ein, zwei starke Szenen oder Rückblenden mehr.
Aber wisst ihr was?
Das ändert nichts an der Wirkung.
Das hier ist ein guter Psychothriller.
Ich hoffe, ich begegne nie einer Margo.

Die ist ein Buch, das zeigt, wie nah Normalität und Wahnsinn wirklich beieinanderliegen können – und wie charmant Wahnsinn manchmal lächeln kann.

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