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Veröffentlicht am 16.01.2026

herzzereißend

Write Me for You
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„Write Me for You“ von Tillie Cole erzählt die Geschichte von June Scott, die davon träumt, Autorin zu werden. Doch ihr Leben nimmt eine dramatische Wendung, als sie mit einer schweren Krankheit konfrontiert ...

„Write Me for You“ von Tillie Cole erzählt die Geschichte von June Scott, die davon träumt, Autorin zu werden. Doch ihr Leben nimmt eine dramatische Wendung, als sie mit einer schweren Krankheit konfrontiert wird und plötzlich weniger Zeit hat, als sie je gedacht hätte. In dieser schwierigen Phase lernt sie Jesse Taylor kennen, der sie besser versteht als kaum ein anderer. Zwischen den beiden entwickelt sich eine intensive Verbindung, die Junes Perspektive auf Liebe, Verlust und Hoffnung komplett verändert.

„Write Me for You“ war mein erstes Buch der Autorin. Allerdings wusste ich schon vor dem Lesen, dass Tillie Cole dafür bekannt ist, besonders gefühlvolle und herzzerreißende Romane zu schreiben, die oft um Krankheit, junge Liebe und Verlust kreisen. Dieser Roman bildet dabei keine Ausnahme.

Was mir beim Lesen sofort positiv aufgefallen ist, war der Schreibstil: sehr einfühlsam, manchmal fast schon poetisch, aber nicht übermäßig kompliziert, sodass das Buch sich flüssig lesen lässt. Man spürt, wie sehr sich die Autorin in die Gefühlswelt ihrer Figuren hineinversetzt hat. Das hat mir oft geholfen, wirklich in die Geschichte einzutreten und mit June und Jesse mitzuleiden.
Trotzdem hatte ich zwischendurch das Gefühl, dass an manchen Stellen einfach zu viel Emotion in zu kurzer Zeit komprimiert wird – so sehr, dass es für mich vor allem am Anfang etwas unrealistisch wirkte, statt wirklich tief zu berühren.

Ein Aspekt, den ich diesbezüglich besonders zwiespältig gesehen habe, ist die Beziehung zwischen June und Jesse. Ja, ich habe ihre Dynamik gemocht, und es gibt wirklich schöne, zarte Momente im Buch. Aber dieses Gefühl von „Liebe auf den ersten Blick“ hat mir nicht so gefallen, da es für mich einfach unrealistisch wirkt. Es hat sich ein bisschen anfühlt, als würde die Geschichte Liebe erzwingen, anstatt sie natürlich wachsen zu lassen.

Was mich dagegen wirklich überzeugt hat, war der zusätzliche erzählerische Layer mit Junes eigener, alternativer Geschichte. Anfangs war ich tatsächlich ein wenig verwirrt, weil der Übergang zwischen „realer“ Handlung und Junes Fiktion nicht immer sofort klar ist. Aber je weiter ich gelesen habe, desto mehr habe ich diesen Gedankenraum geschätzt. Er ist eine Art emotionaler Schutzraum, der die raue Realität der Hauptgeschichte ergänzt und sogar etwas von dem auffängt, was im echten Verlauf verloren geht.

Die Atmosphäre des Buches ist durchgehend sehr emotional und oft trauriger, als ich erwartet hatte. Es gibt Momente, die mich wirklich tief getroffen haben, und Stellen, bei denen ich mehrmals innehalten musste, weil sie so deutlich gemacht haben, wie schwer und ungerecht das Leben manchmal sein kann.

Ein weiterer Pluspunkt war für mich die Authentizität, mit der Tillie Cole Themen wie Freundschaft, Hoffnung und Verlust behandelt. Es ist nicht immer angenehm zu lesen – im Gegenteil, es ist oft schwer –, aber genau diese Ambivalenz zwischen Schönheit und Schmerz macht das Buch aus.

Fazit

Alles in allem ist „Write Me for You“ von Tillie Cole kein leichtes Buch, sondern eines, das emotional sehr tief geht. Es hat Stellen, die mich haben stutzen lassen, und Momente, in denen ich mir mehr Tiefe gewünscht hätte. Aber gerade durch diese Mischung aus intensiver Emotionalität, einem ungewöhnlichen erzählerischen Ansatz und einer Geschichte, die wirklich ans Herz geht, auch wenn sie dabei weh tut, bleibt es mir im Gedächtnis.

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Veröffentlicht am 03.01.2026

süße Young-Adult-Romance

Rival Darling
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Nachdem Violet von ihrem Freund hintergangen wird, will sie vor allem eines: nach außen stark wirken und einen klaren Schlussstrich ziehen. Eine spontane Entscheidung führt dazu, dass sie sich auf eine ...

Nachdem Violet von ihrem Freund hintergangen wird, will sie vor allem eines: nach außen stark wirken und einen klaren Schlussstrich ziehen. Eine spontane Entscheidung führt dazu, dass sie sich auf eine vorgetäuschte Beziehung mit Reed Darling einlässt – ausgerechnet dem Kapitän des rivalisierenden Eishockey-Teams. Was zunächst nur als Zweckgemeinschaft gedacht ist, entwickelt schnell eine eigene Dynamik, denn hinter Reeds Ruf verbirgt sich deutlich mehr, als Violet erwartet hat.

Ich bin ziemlich schnell in „Rival Darling“ hineingekommen. Der Schreibstil von Alexandra Moody ist leicht, flüssig und sehr zugänglich, sodass sich die Seiten fast von selbst umblättern. Genau das ist auch der Grund, warum ich das Buch in kurzer Zeit durchgelesen habe. Die Geschichte liest sich angenehm weg, ohne große Längen, und die Dialoge wirken überwiegend natürlich und lebendig.

Die Atmosphäre ist klar im Young-Adult-Bereich verortet: viel Emotionalität, starke Gefühle, schnelle Entscheidungen und dieses typische „Alles oder nichts“-Denken, das man aus Teenromanzen kennt. Die ProtagonistInnen sind erst 17 Jahre und das merkt man beim Lesen meiner Meinung nach auch sehr stark, und zwar nicht unbedingt nur positiv. Die Figuren handeln oft impulsiv, wenig reflektiert und teilweise erstaunlich naiv. Man merkt einfach, dass sie noch nicht erwachsen sind.

Genau das war für mich gleichzeitig der größte Kritikpunkt. Manche Verhaltensweisen wirkten auf mich unrealistisch und kindisch. Die Protagonistin trennt sich von ihrem Freund und ist eine Woche später mit dem Nächsten zusammen und niemand scheint sich ernsthaft daran zu stören, außer wegen der Person, mit der sie jetzt zusammen ist. Dass die extrem kurze Zeitspanne selbst problematisch sein könnte, wird kaum hinterfragt. Auch dass sich die beiden neuen Partner praktisch sofort ineinander verlieben, ging mir ehrlich gesagt zu schnell. Vor allem Reed ist emotional sehr rasch voll dabei, und dass Violet nach kürzester Zeit schon seine Familie kennenlernt, nach dem Motto „du gehörst ja jetzt dazu“, hat mich mehr als einmal die Augen verdrehen lassen. An solchen Stellen dachte ich wirklich: „Echt jetzt?“ Das fühlte sich für mich einfach nicht besonders lebensnah an.
Auch generell wirkte das Verhalten der Figuren nicht immer reif. Viele Konflikte entstehen aus Missverständnissen oder überstürzten Reaktionen, die man vielleicht mit 17 nachvollziehen kann, die mich als Leserin aber manchmal etwas genervt haben.

Trotzdem muss ich sagen, dass die Story an sich ganz nett ist. Die Grundidee funktioniert, die Dynamik zwischen den Hauptfiguren hat ihre Momente, und emotional packend ist das Buch stellenweise durchaus. Gerade für die Zielgruppe bietet die Geschichte viel: Romantik, Drama, Loyalitätskonflikte und dieses intensive Gefühlschaos, das man aus Teenagerjahren kennt oder zumindest aus Büchern darüber.

Fazit

Insgesamt ist „Rival Darling“ von Alexandra Moody für mich ein solides Young-Adult-Buch, das genau das liefert, was es verspricht. Ich glaube allerdings, dass ich persönlich für diese Art von Teenromanzen mittlerweile einfach etwas zu alt bin. Viele Dinge konnte ich nicht mehr ganz ernst nehmen oder nur noch mit kritischer Distanz betrachten. Wer aber gerne emotionale, leicht zu lesende Liebesgeschichten mit jungen ProtagonistInnen mag, wird hier wahrscheinlich gut unterhalten.

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Veröffentlicht am 03.01.2026

Zwischen Olympia und Gefühlen

One Date to Gold
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Amie hätte niemals damit gerechnet, dass eine einzige Begegnung ihr Leben so durcheinanderbringen würde. Eigentlich ist es nur ein spontanes Aufeinandertreffen, doch der Mann, der sie anrempelt, ist ausgerechnet ...

Amie hätte niemals damit gerechnet, dass eine einzige Begegnung ihr Leben so durcheinanderbringen würde. Eigentlich ist es nur ein spontanes Aufeinandertreffen, doch der Mann, der sie anrempelt, ist ausgerechnet Hunter, ein erfolgreicher Profisportler, der nicht nur körperlich, sondern auch mental unter enormem Druck steht. Während Hunter gewohnt ist, auf Höchstleistung zu funktionieren und in der Öffentlichkeit zu stehen, versucht Amie, mit ihren eigenen inneren Belastungen und Unsicherheiten zurechtzukommen. Was als einmaliges Treffen gedacht war, entwickelt sich zu einer wiederkehrenden Begegnung, bei der beide feststellen, dass Gefühle sich nicht einfach planen oder kontrollieren lassen. Zwischen Trainingseinheiten, sportlichen Ambitionen und privaten Rückzugsorten stellt sich zunehmend die Frage, ob mehr entstehen kann oder ob die persönlichen Grenzen und inneren Konflikte zu groß sind.

Für mich war "One Date to Gold" der erste Roman der Autorin. Allerdings habe ich schon viel von ihr und ihren Büchern gehört, weswegen ich sehr gespannt auf das Buch war und ich wurde am Ende auch nicht enttäuscht.

Der Schreibstil von Ivy Leagh ist flüssig, modern und sehr dialoglastig, was die Geschichte insgesamt leicht zugänglich und angenehm zu lesen macht. Besonders gut gefallen hat mir, dass Gefühle und Gedanken der Figuren klar und nachvollziehbar vermittelt werden, ohne dabei ständig ins Erklärende abzurutschen. Dadurch entsteht schnell Nähe zu den Charakteren.

Die Atmosphäre des Romans ist für mich einer der größten Pluspunkte. Das Setting ist ein absoluter Traum: Der sportliche Hintergrund – Trainingsalltag, Teamdynamik, Leistungsdruck und Öffentlichkeit – ist meiner Meinung nach sehr gut ausgearbeitet und wirkt durchweg glaubwürdig. Man merkt, dass hier nicht nur eine Liebesgeschichte erzählt wird, sondern dass der Sport ein zentraler Bestandteil von Hunters und Amies Identität ist und realistische Auswirkungen auf ihre Privatleben hat.

Die Hauptcharaktere, Hunter und Amie, mochte ich beide sehr. Sie sind sympathisch, aber eben nicht glatt oder perfekt. Beide bringen ihre ganz eigenen Schwächen, Unsicherheiten und inneren Probleme mit, die sie sichtbar belasten. Gerade das hat sie für mich authentisch und realistisch gemacht. Ihre Beziehung empfand ich als glaubwürdig aufgebaut, und auch die Entwicklung zwischen ihnen wirkte stimmig: nicht überhastet emotional, sondern nachvollziehbar wachsend, trotz der starken Anziehung von Beginn an.

Ein Punkt, der mich allerdings gestört hat, waren die Sexszenen und sexuellen Anspielungen. Sie waren mir persönlich zu derb, zu präsent und vor allem zu früh. Die beiden Charaktere begegnen sich gerade zum zweiten Mal und haben direkt sehr explizite Fantasien mit ziemlich drastischen Ausdrücken. Das war einfach nicht mein Geschmack. Auch später im Verlauf des Buches waren mir die Sexszenen insgesamt zu viel. Das hat meinen Lesefluss stellenweise gebremst, auch wenn ich weiß, dass das für andere Leser*innen durchaus ein Pluspunkt sein kann.

Sehr positiv hervorheben möchte ich jedoch die Nebencharaktere. Hunters Mannschaftskollegen sowie Evie – seine Schwester und gleichzeitig eine gute Freundin von Amie – waren durchweg sympathisch und haben die Handlung deutlich lebendiger gemacht. Sie sorgen für Dynamik, Humor und Erdung und verhindern, dass sich alles nur um das Paar dreht. Dadurch wirkt die Geschichte insgesamt realistischer und sozial eingebettet.

Besonders gefallen hat mir außerdem, dass am Ende kein unnötig aufgebauschtes, künstliches Drama konstruiert wird. Ja, es gibt Konflikte, aber sie werden gemeinsam angegangen. Niemand läuft kopflos davon, niemand schweigt wochenlang ohne Grund. Die Figuren kommunizieren, ringen miteinander und wachsen daran. Das empfand ich als sehr wohltuend und reif.

Mein persönliches Highlight war jedoch der Epilog. Die psychischen Probleme und Belastungen werden darin erstaunlich realistisch dargestellt. Es wird klar: Nur weil man jemanden liebt oder geliebt wird, ist nicht plötzlich alles perfekt. Heilung braucht Zeit, Geduld und bringt auch Rückschläge mit sich. Genau diese Ehrlichkeit hat mich sehr berührt. Es ist eben nicht Friede-Freude-Eierkuchen, sondern ein realistischer Weg der Heilung und das fand ich wirklich stark.

Fazit

Insgesamt hat mir "One Date to Gold" von Ivy Leagh trotz meiner Kritikpunkte gut gefallen. Wer über explizite Szenen hinwegsehen kann oder diese sogar schätzt, bekommt eine emotionale, authentische Liebesgeschichte mit tollem Setting, glaubwürdigen Figuren und einer erfreulich bodenständigen Auflösung.

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Veröffentlicht am 02.01.2026

gefühlvoll

Anatomy of a Broken Heart
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„Anatomy of a Broken Heart“ von Marie Wowes erzählt die Geschichte von Gracie, deren Leben nach dem Tod ihrer großen Jugendliebe Flynn aus den Fugen gerät. Um ihrem Alltag zu entkommen und einen neuen ...

„Anatomy of a Broken Heart“ von Marie Wowes erzählt die Geschichte von Gracie, deren Leben nach dem Tod ihrer großen Jugendliebe Flynn aus den Fugen gerät. Um ihrem Alltag zu entkommen und einen neuen Weg einzuschlagen, beginnt sie eine Ausbildung im Rettungsdienst. Für ihr Praxissemester kommt sie ausgerechnet auf eine Feuerwache, auf der sie Holden wiederbegegnet – Flynns bestem Freund. Beide verbindet die Vergangenheit auf schmerzhafte Weise, und während der gemeinsame Alltag zwischen Einsätzen, Erschöpfung und Nähe verläuft, werden alte Erinnerungen ebenso präsent wie neue Gefühle, denen sich weder Gracie noch Holden entziehen können.

Ich bin sofort gut in die Geschichte hineingekommen und hatte nie das Gefühl, mich durch den Text kämpfen zu müssen, was vor allem am Schreibstil der Autorin liegt. Ihre Art zu Schreiben bzw. zu Erzählen ist einfach sehr zugänglich und flüssig. Gleichzeitig bleibt die Sprache eher zurückhaltend, manchmal fast nüchtern, was ich als sehr passend empfunden habe. Emotionen werden nicht ausgeschrieben oder überdramatisiert, sondern entstehen oft zwischen den Zeilen. Besonders Gracies innere Gedanken wirken glaubwürdig und nicht glattgebügelt. Sie sind widersprüchlich, manchmal distanziert, manchmal überraschend direkt.

Ein großer Pluspunkt für mich war zudem das Setting. Der Rettungsdienst und die Arbeit auf der Feuerwache geben dem Roman eine eigene Note und verleihen ihm eine gewisse Authentizität. Die Einsätze sorgen dabei nicht nur für Spannung, sondern verstärken auch die emotionale Ebene der Geschichte. Leben, Tod und Verantwortung sind hier ständig präsent, ohne dass es reißerisch wirkt. Ich mochte die Einsätze, den Arbeitsalltag, das Teamgefühl, die Dynamiken unter den Kolleg*innen und die Art, wie die Arbeit die Figuren prägt.

Die Charaktere sind für mich das Herzstück des Buches. Gracie ist keine einfache Protagonistin, aber genau das macht sie interessant. Sie ist verschlossen, verletzt und nicht immer konsequent in ihrem Handeln. Ich konnte viele ihrer Reaktionen nachvollziehen, auch wenn ich nicht jede Entscheidung mochte. Holden hat mir ebenfalls gut gefallen, gerade weil er nicht als klassischer „perfekter Book Boyfriend“ inszeniert wird. Er ist ruhig, geduldig und trägt seine eigene Last mit sich herum, was die Beziehung zwischen ihm und Gracie komplexer und glaubwürdiger macht.
Die Beziehung selbst entwickelt sich langsam und vorsichtig. Mir hat gefallen, dass sie nicht sofort romantisch aufgeladen ist, sondern von Zurückhaltung, Schuldgefühlen und unausgesprochenen Spannungen geprägt wird. Diese Dynamik wirkte für mich sehr stimmig im Kontext der Geschichte und der Geschehnisse in der Vergangenheit.

Was mich jedoch etwas gestört hat, war das Ende des Romans. Für mich war das Finale deutlich dramatischer als der restliche Verlauf der Geschichte. Es fühlte sich ein wenig so an, als müsste zum Schluss unbedingt noch etwas „Großes“ passieren. Inhaltlich war diese Zuspitzung nicht völlig falsch oder unlogisch, sie passte grundsätzlich noch zur Handlung. Trotzdem hätte es sie für mich nicht gebraucht. Gerade weil der Roman zuvor von leisen Entwicklungen und innerer Spannung lebt, wirkte dieses zusätzliche Drama auf mich etwas künstlich, fast so, als wäre es eingebaut worden, um noch einmal maximalen emotionalen Effekt zu erzeugen. Ein ruhigeres, reduzierteres Ende hätte für mich besser zum Ton des Buches gepasst und für mich mehr zur Authentizität beigetragen,

Fazit

Insgesamt ist „Anatomy of a Broken Heart“ von Marie Wowes für mich jedoch ein emotionaler, atmosphärischer Roman mit starken Figuren und einem besonderen Setting. Er erzählt keine laute Liebesgeschichte, sondern eine von Verletzungen, Annäherung und vorsichtigem Weitergehen. Trotz meiner Kritik am Ende bleibt ein sehr positives Lesegefühl zurück. Das Buch hat mich berührt, unterhalten und letztlich vor allem durch seine Stimmung überzeugt.

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Veröffentlicht am 30.12.2025

Ein Roman, der unter die Haut geht

Was die Nacht nie vergisst
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In „Was die Nacht nie vergisst“ von Justine Pust wird Mona als Teilnehmerin der zweiten Staffel der Reality-TV-Show „Celebrity Cache“ ausgewählt. In Finnland tritt sie gemeinsam mit fünf anderen bei einer ...

In „Was die Nacht nie vergisst“ von Justine Pust wird Mona als Teilnehmerin der zweiten Staffel der Reality-TV-Show „Celebrity Cache“ ausgewählt. In Finnland tritt sie gemeinsam mit fünf anderen bei einer Reihe von Spielen an, bei der es um 100.000 Euro geht. Doch Mona ist nicht wegen Geld oder Ruhm dort. Ihre Freundin Fine nahm an der ersten Staffel teil und ist seitdem nicht mehr dieselbe. Mona ist überzeugt, dass hinter den Kulissen der Show etwas grundlegend falsch läuft. Um die Wahrheit aufzudecken, ist sie bereit, alle Risiken einzugehen. Doch kurz vor Drehbeginn begegnet sie Samu, aus einem Flirt wird eine Nacht und dann stellt sich heraus, dass auch er Teil der Show ist. Wie Mona verfolgt er eine eigene Mission, was Vertrauen, Nähe und Wahrheit von Beginn an unter Spannung setzt.

Justine Pusts neuester Roman hat mich nachhaltig getroffen. Es ist ein Buch, das unter die Haut geht, das sich festsetzt und lange, sehr deutlich nachhallt. Kein Buch, das man nach dem Lesen einfach beiseitelegt, sondern eines, das innerlich weiterarbeitet und Fragen aufwirft, die unbequem sind.
Als ich den Roman begonnen hatte, wurde mir schnell klar, dass es sich hier nicht um ein typisches New-Adult-Romance-Buch handelt. Zwar gibt es eine Liebesgeschichte, und ja, sie ist ein wichtiger Bestandteil der Handlung, doch sie wird klar von den prägnanten, ernsten Themen überlagert. Es geht um Machtmissbrauch, um Grenzüberschreitungen, um systematisches Schweigen und um Vertuschung. Dieses Buch berührt meiner Meinung nach nicht nur, es rüttelt wach. Es zeigt schonungslos, wie krass mit Frauen umgegangen wird und wie lange solche Strukturen funktionieren können, weil niemand hinsieht oder weil Wegsehen einfacher ist.

Der Schreibstil von Justine Pust ist dabei eindringlich, klar und emotional, ohne jemals pathetisch zu wirken. Sie schreibt nicht laut, sondern präzise und gerade dadurch entfaltet der Text seine Wirkung. Viele Szenen haben mich tief getroffen, weil sie nicht auf Schockeffekte setzen, sondern auf Realität. Auf das, was man sich nicht vorstellen kann oder möchte. Die Atmosphäre ist dabei durchgehend angespannt, stellenweise bedrückend, fast schwer, aber nie künstlich dramatisiert. Alles fühlt sich erschreckend real an.

Schon relativ früh hatte ich eine Ahnung davon, was mit Fine passiert sein könnte. Das „Was“ war denkbar, fast offensichtlich. Doch das „Wie“, das Ausmaß und all das, was nach und nach ans Licht kommt, war trotzdem schockierend. Und gleichzeitig nicht zu verleugnen. Genau das macht das Buch für mich authentisch: Diese Geschichte fühlt sich nicht konstruiert an, sondern wie ein Spiegel realer Zustände. Wie etwas, das jederzeit genau so passiert sein könnte – oder schon irgendwo passiert ist.

Die Figuren tragen diese Geschichte dabei mit enormer Glaubwürdigkeit.
Mona ist keine einfache, glatt geschriebene Protagonistin. Sie ist verletzlich, wütend, zweifelnd, stark und müde zugleich. Ihre innere Zerrissenheit war für mich jederzeit spürbar. Besonders berührt hat mich, wie ernst ihre Perspektive genommen wird, ohne sie zu romantisieren oder zu vereinfachen.
Samu wiederum ist für mich eine der angenehmsten Figuren des Buches. Ich mochte sehr, wie Mona und Samu sich angenähert haben: langsam, vorsichtig, respektvoll. Ihre Beziehung basiert nicht auf Drama, sondern auf Nähe, Vertrauen und echtem Zuhören. Man spürt die Verbindung zwischen ihnen, die leisen Momente, die Sicherheit. Samu ist für Mona da, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Er unterstützt sie, glaubt ihr und steht hinter ihrer Sache und ihrer Absicht – und genau das macht diese Liebesgeschichte für mich so authentisch. Sie dient nicht als Rettung, sondern als Stütze. Und trotzdem stand für mich eben nicht die Liebesgeschichte im Vordergrund, sondern die ernsten Themen, die dieses Buch behandelt.
Besonders fand ich auch, wie groß die Bedeutung der Nebenfiguren ist. Sie sind keine bloße Kulisse, sondern tragen entscheidend zur Handlung und zur emotionalen Tiefe des Buches bei. Jede dieser Figuren erfüllt eine wichtige Rolle, bringt neue Perspektiven ein und macht die Geschichte reicher, komplexer und glaubwürdiger.

Fazit

Für mich bleibt „Was die Nacht nie vergisst“ von Justine Pust vor allem ein Buch über Mut, über das Sichtbarmachen von Wahrheit und über strukturelle Ungerechtigkeit. Es ist kein leichtes Buch, kein klassischer Genre-Roman, sondern eine eindringliche, wichtige Geschichte, die aufwühlt und lange nachwirkt. Ein Buch, das weh tut – aber genau deshalb so notwendig ist.

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