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Veröffentlicht am 21.02.2026

Ein Setting zum Verlieben

Mont Lacroix (Band 1) - Longing for Lelibeth
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Im Mittelpunkt der Geschichte steht Lelibeth Lacroix, die gemeinsam mit ihrem Vater das luxuriöse Berghotel Mont Lacroix führt und sich darauf vorbereitet, das Familienerbe eines Tages vollständig zu übernehmen. ...

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Lelibeth Lacroix, die gemeinsam mit ihrem Vater das luxuriöse Berghotel Mont Lacroix führt und sich darauf vorbereitet, das Familienerbe eines Tages vollständig zu übernehmen. Um das Hotel zukunftsfähig zu machen, möchte sie exklusive Events etablieren und erhält mit der Ausrichtung einer prestigeträchtigen Hochzeit die Chance, ihr Konzept zu beweisen. Dafür braucht sie dringend einen talentierten Floristen – und genau hier tritt Noah Benz in ihr Leben. Was Lelibeth nicht weiß: Noah arbeitet im Auftrag seines Vaters, dem Besitzer des konkurrierenden Hotels Goldberg, und soll das Mont Lacroix ausspionieren. Doch je mehr Zeit er im Hotel verbringt und je näher er Lelibeth kommt, desto stärker gerät sein Auftrag ins Wanken. Zwischen Loyalität, Schuldgefühlen und echten Gefühlen muss Noah eine Entscheidung treffen, die alles verändern könnte.

„Mont Lacroix - Longing for Lelibeth“ von Alexandra Flint hat mich positiv überzeugt. Der Autorin gelingt hier ein Auftakt, der sich weniger auf künstliches Drama verlässt, sondern vor allem von Atmosphäre, Figurenentwicklung und emotionaler Spannung lebt.

Was mich von der ersten Seite an gefesselt hat, war das Setting. Das Mont Lacroix ist nicht einfach nur ein Luxushotel, es fühlt sich wirklich wie ein lebendiger Ort an. Die Beschreibungen sind unglaublich bildlich: draußen der glitzernde Schnee, die winterlichen Berge, die klare Bergluft; innen warmer Luxus, altehrwürdiger Charme und gleichzeitig eine gemütliche, fast heimelige Stimmung. Ich hatte beim Lesen ständig das Gefühl, selbst durch die Flure dieses Schloss-Hotels zu gehen. Gerade dieser Kontrast aus exklusivem Ambiente und familiärer Wärme macht den Reiz des Settings aus.

Besonders positiv überrascht hat mich zudem das elitäre Umfeld. Oft sind Settings dieser Art ja von Intrigen, Zickereien oder überzogenem Konkurrenzdenken geprägt. Hier ist das ganz anders. Das Mont Lacroix strahlt zwar Prestige aus, aber ohne diese typische Giftigkeit. Die Mitarbeitenden, die Familie und das gesamte Umfeld wirken herzlich und loyal. Man spürt richtig, wie gut dort alles ineinandergreift – wie Zahnräder, die perfekt zusammenarbeiten. Dieses Gefühl von Zusammenhalt und Vertrauen hat mir unglaublich gut gefallen und dem Hotel fast etwas Märchenhaftes verliehen.

Der Schreibstil von Alexandra Flint liest sich sehr flüssig und angenehm. Sie verliert sich nicht in unnötigen Längen, nimmt sich aber genau dort Zeit, wo Emotionen oder Atmosphäre Raum brauchen. Besonders mochte ich die eingestreuten Zeitungsartikel. Das ist ein kleines Stilmittel, das der Geschichte zusätzliche Dynamik gibt und die Handlung realistischer wirken lässt, ohne den Lesefluss zu stören.

Die beiden Hauptfiguren haben für mich das Buch wirklich getragen.
Noah war für mich besonders spannend, weil sein innerer Konflikt so greifbar ist. Man merkt deutlich, wie sehr er zwischen dem Druck seines Vaters und seinem eigenen moralischen Kompass zerrieben wird. Seine Leidenschaft für die Floristik wirkt authentisch und verleiht ihm Tiefe. Ich mochte sehr, dass er kein klassischer Bad Boy ist, sondern jemand, der eigentlich einfach nur frei sein und seinen eigenen Weg gehen will.
Lelibeth hat mich ebenfalls überzeugt. Sie ist stark, verantwortungsbewusst und unglaublich fokussiert auf das Hotel – manchmal fast zu sehr. Man spürt die enorme Last, die auf ihren Schultern liegt, und gleichzeitig bewundert man, wie souverän sie damit umgeht. Besonders schön fand ich ihre Entwicklung im Laufe der Geschichte, in der langsam deutlich wird, dass sie lernen muss, auch Raum für sich selbst zu schaffen. Sie wirkt nie überzogen perfekt, sondern menschlich und nahbar.

Die Liebesgeschichte entwickelt sich ruhig, aber gefühlvoll. Sie basiert zwar auf einer problematischen Ausgangssituation, schließlich steht Noahs Geheimnis wie ein Damoklesschwert über allem, doch genau diese emotionale Spannung macht den Reiz aus. Ich konnte Noahs Zerrissenheit wirklich nachempfinden, was die romantischen Momente noch intensiver gemacht hat.

Wenn ich einen kleinen Kritikpunkt nennen müsste, dann vielleicht, dass das Tempo stellenweise eher ruhig ist. Wer sehr viel äußere Action erwartet, könnte das als langsam empfinden. Für mich hat es aber gut zur winterlichen, fast verträumten Atmosphäre gepasst.

Fazit

Insgesamt hat mich der erste Band der Mont Lacroix-Reihe „Longing for Lelibeth“ vor allem durch sein traumhaftes Setting, die warmherzige Hotel-„Familie“ und die emotional glaubwürdigen Hauptfiguren überzeugt. Ich habe mich im Mont Lacroix unglaublich wohlgefühlt und bin jetzt schon neugierig auf die Folgebände – besonders darauf, mehr über die Geschwister und ihre Geschichten zu erfahren.

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Veröffentlicht am 15.02.2026

Herzklopfen in Wimbledon

Match Point
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Flora steckt in einem Scherbenhaufen: Ihr wurde gekündigt und ihr Freund hat sie betrogen und zwar ausgerechnet mit ihrer Nachbarin. Um Abstand zu gewinnen und endlich konzentriert an ihrer Graphic Novel ...

Flora steckt in einem Scherbenhaufen: Ihr wurde gekündigt und ihr Freund hat sie betrogen und zwar ausgerechnet mit ihrer Nachbarin. Um Abstand zu gewinnen und endlich konzentriert an ihrer Graphic Novel zu arbeiten, plant sie einen Sommer in einem idyllischen Cottage außerhalb von Wimbledon, weit weg vom Trubel des berühmten Tennisturniers. Ihre eigene Wohnung vermietet sie für diese Zeit unter. Doch noch bevor die Reise los geht, stürzt das Dach ihres Cottages ein und plötzlich steht sie ohne Bleibe da. Die einzige Lösung: Sie muss kurzfristig wieder in ihre Wohnung zurück. Blöderweise wohnt dort bereits Kieran O’Sullivan, berüchtigter Tennisstar und Bad Boy der Saison, der sich weigert auszuziehen. Was als unfreiwillige Zweck-WG beginnt, ist von Streit, schlagfertigen Wortgefechten und jeder Menge Spannung geprägt – doch hinter Kierans mürrischer Fassade verbirgt sich mehr, als Flora zunächst ahnt.

Der Schreibstil von Katherine Reilly in „Match Point“ ist angenehm flüssig und modern, mit genau der richtigen Portion britischem Humor. Ich habe besonders geliebt, wie pointiert die Dialoge geschrieben sind. Die Schlagabtausche zwischen Flora und Kieran fühlen sich lebendig an: manchmal bissig, manchmal herrlich komisch, aber immer authentisch. Reilly schafft es, dass sich die Gespräche natürlich anfühlen und nicht konstruiert wirken. Gerade in den hitzigeren Szenen musste ich mehr als einmal schmunzeln.

Die Atmosphäre des Romans ist ein absolutes Highlight für mich. Dieses Spannungsfeld zwischen öffentlicher Aufmerksamkeit und dem Wunsch nach Rückzug wird meiner Meinung nach wunderbar eingefangen. Ich hatte beim Lesen permanent dieses sommerliche Gefühl: Erdbeeren mit Sahne, Sonnenschein, überfüllte Straßen und gleichzeitig das Bedürfnis nach einem ruhigen Rückzugsort.

Flora mochte ich sofort. Sie ist verletzlich, ohne schwach zu sein. Ihr Liebeskummer ist nachvollziehbar, aber sie definiert sich nicht darüber. Besonders schön fand ich ihren kreativen Kern. Ihre Arbeit an der Graphic Novel gibt ihr Profil und macht sie für mich greifbar. Sie hat Träume, Unsicherheiten und Ecken und Kanten. Ihre innere Entwicklung vom Rückzug nach dem Betrug hin zu neuem Selbstvertrauen ist für mich glaubwürdig erzählt.
Kieran hingegen ist zunächst der klassische Bad Boy: mürrisch, verschlossen, arrogant. Doch nach und nach bröckelt diese Fassade. Ich mochte, dass seine Verletzlichkeit nicht überdramatisch inszeniert wird, sondern sich langsam in kleinen Momenten zeigt. Seine öffentliche Rolle als gefeierter und gleichzeitig kritisch beäugter Sportler steht im starken Kontrast zu seinem privaten Ich. Gerade diese Diskrepanz fand ich spannend.

Was mir besonders gefallen hat, ist zudem, dass „Match Point“ trotz seiner Leichtigkeit auch ernstere Themen streift: öffentlicher Druck, Selbstzweifel, Vertrauensbruch, Neuanfang. Diese Aspekte verleihen der Geschichte mehr Tiefe, ohne sie zu beschweren. Es bleibt eine sommerliche, romantische Geschichte, aber eben keine oberflächliche.

Wenn ich einen kleinen Kritikpunkt nennen müsste, dann vielleicht, dass manche Wendungen vorhersehbar sind. Doch mich hat das beim Lesen überhaupt nicht gestört. Für mich lebt dieser Roman nicht von überraschenden Plot-Twists, sondern von der Chemie zwischen den Figuren – und die stimmt einfach.

Fazit

Insgesamt ist „Match Point“ von Katherine Reilly für mich die perfekte Mischung aus Humor, Herzklopfen und Sommer-Feeling und damit ein echtes Wohlfühlbuch mit zusätzlich emotionaler Tiefe.

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Veröffentlicht am 15.02.2026

psychologischer Nervenkitzel bis zum Morgengrauen

Five Survive
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Sechs Freunde sind mit einem Wohnmobil unterwegs zum Spring Break. Eigentlich soll es ein unbeschwerter Roadtrip werden, ein letzter gemeinsamer Ausbruch vor dem Ernst des Lebens. Doch irgendwo im Nirgendwo ...

Sechs Freunde sind mit einem Wohnmobil unterwegs zum Spring Break. Eigentlich soll es ein unbeschwerter Roadtrip werden, ein letzter gemeinsamer Ausbruch vor dem Ernst des Lebens. Doch irgendwo im Nirgendwo verfahren sie sich. Mitten in der Nacht fallen plötzlich Schüsse. Die Reifen sind zerstört, der Tank ist beschädigt – sie sitzen fest. Ein Unbekannter lauert draußen im Dunkeln und macht klar: Niemand verlässt das Wohnmobil. Und er wird erst aufhören, wenn die eine Person unter ihnen ein tief verborgenes Geheimnis preisgibt.
Was folgt, ist eine einzige Nacht voller Angst, Misstrauen und eskalierender Konflikte. Die Zeit drängt, denn mit dem Sonnenaufgang läuft auch ihr vermeintlicher Schutz ab.
Und während draußen jemand mit einem Gewehr wartet, beginnt drinnen ein psychologisches Kammerspiel: Wer lügt? Wer weiß mehr, als er zugibt? Und gibt es überhaupt einen anderen Ausweg?

Ganz im typischen Stil von Holly Jackson war ich von der ersten Seite an völlig in „Five Survive“ versunken. Spätestens in dem Moment, als die ersten Schüsse fallen und klar wird, dass sie in der Falle sitzen, hatte mich die Geschichte restlos gepackt. Diese Sogwirkung war enorm. Ich bin nur so durch die Seiten geflogen, weil ich einfach wissen musste, wie das Ganze ausgeht.

Was für mich dabei besonders gut funktioniert hat, war das Setting. Der Großteil der Handlung spielt in diesem beengten Wohnmobil, und das über nur eine einzige Nacht hinweg. Diese räumliche Enge kombiniert mit der extrem knappen Zeitspanne hat eine konstante, unterschwellige Panik erzeugt. Es war von Anfang an klar: Wenn sie das hier überleben wollen, muss vor Sonnenaufgang das Geheimnis gelüftet werden.

Holly Jacksons Schreibstil verstärkt genau diese Atmosphäre. Sie schreibt schnell, direkt, sehr nah an den Figuren. Die Dialoge wirken oft hektisch, überlappend, emotional, genau passend zur Situation. Gleichzeitig schafft sie es, dieses Misstrauen untereinander Stück für Stück aufzubauen. Man hinterfragt beim Lesen wirklich jede Person. Jede Reaktion. Jede kleine Andeutung.

Die Handlung selbst fand ich insgesamt stark. Vor allem die Plot-Twists am Ende waren wieder einmal genial konstruiert. Genau das, was ich mittlerweile von Holly Jackson erwarte: unerwartet, durchdacht und im Nachhinein logisch. Sie legt Spuren, ohne dass man sie beim ersten Lesen richtig erkennt. Als sich am Ende alles auflöst, war ich ehrlich beeindruckt. Gleichzeitig bleiben ein paar Fragen offen, gerade was die Zukunft der Charaktere betrifft. Das fand ich einerseits spannend, weil man sich selbst Gedanken machen kann bzw. muss. Andererseits hätte ich mir stellenweise noch etwas konkretere Einblicke gewünscht.

Zwischendrin hatte ich allerdings auch Phasen, in denen sich die Handlung leicht gezogen hat. Einfach deshalb, weil die Freunde gefühlt nicht wirklich vorankamen. Sie diskutieren, verdächtigen sich, streiten, aber es passiert äußerlich nicht viel Neues. Das war für mich aber noch im Rahmen und hat die Gesamtspannung nicht zerstört.

Mit den Charakteren hatte ich jedoch gemischte Gefühle.
Oliver hat mich, ehrlich gesagt, wahnsinnig gemacht. Ich musste beim Lesen so oft die Augen verdrehen. Seine Art, wie er spricht, wie er Entscheidungen trifft, wie selbstverständlich er die Führung übernimmt – das war für mich einfach unglaublich nervig. Ich habe nicht verstanden, warum die anderen ihm so bereitwillig folgen. Vielleicht, weil er der Älteste ist. Vielleicht, weil sie eingeschüchtert sind. Aber ich habe mich permanent über ihn geärgert. Und genau das spricht eigentlich wieder für die Autorin, denn er hat definitiv eine starke Reaktion in mir ausgelöst.
Red hingegen tat mir unglaublich leid. Emotional hat mich ihre Situation sehr getroffen, vor allem gegen Ende. Gleichzeitig empfand ich sie teilweise als etwas zu naiv. Ihre Gedanken waren oft sehr wirr und sprunghaft. Ich hatte beim Lesen das Gefühl, dass hier möglicherweise eine Tendenz Richtung Neurodivergenz angedeutet wird, gerade mit ihrer Vergesslichkeit und der Art, wie sie denkt. Das fand ich grundsätzlich spannend und wichtig. Aber insgesamt wirkte sie auf mich stellenweise jünger als 18, einfach sehr naiv und unsicher. Das hat es mir manchmal schwer gemacht, sie vollkommen ernst zu nehmen, obwohl ich emotional sehr mit ihr mitgefühlt habe.

Was ich Holly Jackson aber wirklich hoch anrechne, ist diese konstante Spannung. Selbst in ruhigeren Momenten war da immer diese unterschwellige Angst. Dieses Wissen: Da draußen wartet jemand. Und er meint es ernst. Diese permanente Bedrohung hat mich beim Lesen nicht losgelassen. Ich hatte wirklich dieses beklemmende Gefühl im Bauch und das bis zur letzten Seite.
Das Ende war emotional, intensiv und in gewisser Weise auch bitter. Es löst vieles auf, aber nicht alles. Und genau das bleibt hängen.

Fazit

Für mich war „Five Survive“ nicht perfekt – vor allem wegen einzelner Charaktere und kleiner Längen –, aber es war extrem spannend, atmosphärisch dicht und mit großartigen Twists versehen. Ein typischer Holly-Jackson-Thriller: psychologisch, nervenaufreibend und mit einem Finale, das einen nochmal komplett überrascht.

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Veröffentlicht am 06.02.2026

Starkes Thema, aber verschenktes Potenzial

Cheer for Love
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Ella erfüllt sich einen großen Traum: Für ein Jahr darf sie nach Nashville gehen, um an der Whitland University Teil eines renommierten Cheer Squads zu werden. Dort will sie gemeinsam mit anderen außergewöhnlich ...

Ella erfüllt sich einen großen Traum: Für ein Jahr darf sie nach Nashville gehen, um an der Whitland University Teil eines renommierten Cheer Squads zu werden. Dort will sie gemeinsam mit anderen außergewöhnlich talentierten Sportler*innen trainieren, ihre Fähigkeiten verbessern und ihr Können auf ein völlig neues Niveau heben.
Eigentlich sollte diese Reise ein gemeinsamer Neuanfang mit ihrem langjährigen Freund Jamie werden, doch kurz vor der Abreise trennt er sich von ihr. In Nashville angekommen, lässt sich Ella in ihrer ersten Nacht daher auf einen anziehenden Fremden ein, um sich abzulenken. Am nächsten Morgen stellt sich jedoch heraus, dass es sich ausgerechnet um Hudson Fox handelt, den gefeierten Quarterback der Whitland University, der für seine unverbindlichen Beziehungen bekannt ist.
Ablenkung in Form von Hudson kann Ella eigentlich überhaupt nicht gebrauchen, wenn sie ihren Traum nicht gefährden will. Doch zwischen den beiden entwickelt sich eine Anziehung, der sie sich nur schwer entziehen kann.

Ich habe „Cheer for Love“ von Ki Stephans recht zügig beendet und muss sagen, dass ich im Nachhinein etwas zwiespältig auf das Buch zurückblicke. Es gibt einige Aspekte, die mir wirklich gut gefallen haben, aber leider auch einige Punkte, die für mich nicht ganz rund waren.

Zuallererst möchte ich das Cheerleading-Thema hervorheben. Ich selbst habe keine besonders große Ahnung von der Materie, weshalb mir viele Fachbegriffe fremd waren und ich mir manche Abläufe nicht immer konkret vorstellen konnte. Dennoch hatte ich das Gefühl, dass der Sport sehr detailreich, facettenreich und vermutlich auch realistisch dargestellt wird. Gerade im Vergleich zu vielen anderen Büchern, Filmen oder Serien, in denen Cheerleading oft sehr klischeehaft und eindimensional inszeniert wird – mit Zickenkrieg, Oberflächlichkeiten und stereotypen Rollenbildern –, hebt sich „Cheer for Love“ positiv ab. Der Fokus liegt klar auf dem sportlichen Anspruch, auf Training, Disziplin, Teamgeist und Leistungsdruck, und geht damit weit über gängige Stereotypen hinaus.

Besonders gefallen hat mir auch, wie selbstverständlich männliche Cheerleader Teil des Teams sind. Hudson und die anderen männlichen Nebencharaktere werden ohne Vorurteile oder Rechtfertigungen in den Sport integriert, was sehr modern und realitätsnah wirkt. Genau so stelle ich mir die tatsächliche Vielfalt dieses Sports vor, und das war für mich einer der stärksten Aspekte des Buches.

Der Schreibstil von Ki Stephans ist angenehm flüssig und leicht zu lesen, wodurch ich schnell durch die Seiten gekommen bin. Die Atmosphäre am College und in Nashville wurde lebendig eingefangen, vor allem während der Trainings- und Wettkampfszenen. Man spürt Ehrgeiz, Nervosität und den inneren Druck, den Ella sich selbst macht, um ihren Traum nicht zu gefährden.

Ella als Protagonistin mochte ich insgesamt ganz gern. Ihr Ehrgeiz, ihr Wunsch nach Weiterentwicklung und ihre Unsicherheiten nach der Trennung wirkten für mich authentisch.
Auch Hudson war mir grundsätzlich sympathisch, gerade weil er nicht nur als typischer Sportler dargestellt wird, sondern auch verletzliche und nachdenkliche Seiten zeigt. Allerdings hatte ich das Gefühl, dass seine persönlichen Hintergründe und Probleme relativ schnell abgehandelt wurden. Die Themen, die ihn innerlich beschäftigen, hätten für mich deutlich mehr Raum verdient, da sie viel emotionales Potenzial gehabt hätten. So blieben sie eher angerissen als wirklich vertieft, was seiner Figur etwas an Tiefe genommen hat.

Die Beziehung zwischen Ella und Hudson empfand ich stellenweise als anstrengend. Das ständige Hin und Her, das Nicht-Aussprechen offensichtlicher Gefühle und das wiederholte Zögern haben mich mehr als einmal die Augen verdrehen lassen. Gerade weil ihre Verbindung grundsätzlich funktioniert, wirkte dieses künstliche Aufbauschen von Konflikten für mich unnötig. Auch bestimmte Reaktionen und Entscheidungen konnte ich nicht immer nachvollziehen, da sie mir stellenweise konstruiert erschienen.

Was mich am Ende jedoch am meisten gestört hat, war das Gefühl, dass einige angedeutete Handlungsstränge nicht wirklich zu Ende geführt wurden. Es gibt verschiedene Figuren, Konflikte und Situationen, bei denen bewusst Spannung aufgebaut wird, ohne dass diese Punkte später ausreichend aufgegriffen oder abgeschlossen werden. Dabei bleibe ich bewusst allgemein, da ich nicht spoilern möchte, aber insgesamt wirkte das Erzählen an manchen Stellen zu hastig, als würde man weiterziehen, obwohl noch Raum für Vertiefung gewesen wäre. Dadurch entstand bei mir der Eindruck, dass das Buch mehr andeutet, als es letztlich auflöst.

Gerade deshalb habe ich zwischendurch angenommen, dass „Cheer for Love“ vielleicht als Auftakt zu einer Reihe gedacht ist. In diesem Kontext würden viele dieser offenen Elemente für mich durchaus Sinn ergeben. Als derzeit angekündigter Einzelband hinterlassen sie jedoch eher ein leicht unfertiges Gefühl, statt eines vollständig runden Abschlusses.

Fazit

Insgesamt hat „Cheer for Love“ von Ki Stephans bei mir einen gemischten Eindruck hinterlassen. Das Buch punktet vor allem mit seinem starken, realistisch dargestellten Cheerleading-Thema, das sich angenehm von vielen klischeehaften College-Romances abhebt. Genau dieser sportliche Fokus ist für mich die größte Stärke der Geschichte.
Gleichzeitig bleibt vieles hinter seinen Möglichkeiten zurück. Charaktere, Konflikte und emotionale Hintergründe werden zwar angerissen, aber selten wirklich vertieft. Auch die Beziehung zwischen Ella und Hudson verliert durch das ständige Hin und Her und das teils konstruiert wirkende Drama an Wirkung. Am Ende bleibt für mich das Gefühl, dass das Buch viel Potenzial hat, dieses aber nicht konsequent ausschöpft.

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Veröffentlicht am 04.02.2026

tiefe Abgründe und dunkle Geheimnisse

Die Housesitterin – Ein Traum von einem Job. Oder?
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Cecilia arbeitet als Housesitterin und hält sich mit wechselnden Aufträgen gerade so über Wasser. Als sie die Möglichkeit bekommt, auf die Häuser der wohlhabenden Familie Waldner aufzupassen, scheint sich ...

Cecilia arbeitet als Housesitterin und hält sich mit wechselnden Aufträgen gerade so über Wasser. Als sie die Möglichkeit bekommt, auf die Häuser der wohlhabenden Familie Waldner aufzupassen, scheint sich ihr Leben zum Besseren zu wenden: protzige Anwesen, luxuriöse Einrichtung, teure Kleidung und vor allem Johannes Waldner, zu dem Cecilia sich schnell hingezogen fühlt und mit dem sie eine intensive Beziehung eingeht.
Als sie schließlich den Auftrag erhält, auf die abgelegene Villa der Familie auf einer kleinen Ostseeinsel aufzupassen, fernab von der Zivilisation, glaubt Cecilia, ihre große Chance gefunden zu haben, ihr Leben wieder in Ordnung zu bringen. Sie lädt ihre Freunde sowie Johannes auf die Insel ein, damit sich die wichtigsten Menschen in ihrem Leben endlich kennenlernen. Doch kaum sind alle angekommen, wird schnell deutlich, dass niemand zufällig hier ist. Jeder verfolgt eigene Pläne, unausgesprochene Konflikte kommen ans Licht – und hinter der scheinbaren Idylle verbergen sich tiefe Geheimnisse und dunkle Abgründe.

Ich bin mit einer gewissen Erwartung an „Die Housesitterin“ von Emily Rudolf herangegangen, da es als Thriller vermarktet wird und das Grundszenario viel Potenzial für psychologische Spannung bietet. Nach dem Lesen muss ich jedoch sagen: Für mich ist das Buch weniger ein klassischer Thriller, sondern vielmehr ein Roman mit deutlichen New-Adult-Elementen und Suspense. Das lag unter anderem an den expliziteren Sexszenen, die für mein Empfinden stark an das New-Adult-Genre erinnerten. Insgesamt waren diese Szenen für mich okay – sie haben den Lesefluss nicht gestört, aber dem Buch auch keinen echten Mehrwert gegeben.

Der Schreibstil ist grundsätzlich flüssig und gut lesbar. Emily Rudolf erzählt die Geschichte aus wechselnden Perspektiven, was zunächst interessant wirkt, da man Einblick in die Gedanken- und Gefühlswelten mehrerer Figuren erhält. Allerdings hatte ich stellenweise das Gefühl, weniger eine Geschichte mitzuerleben, als vielmehr einer Aneinanderreihung von Berichten zu folgen. Vieles wird erklärt, beschrieben und reflektiert, statt wirklich erzählerisch ausgekostet zu werden. Dadurch blieb ich emotional eher auf Distanz. Ich habe das Geschehen mehr wie eine äußere Beobachterin verfolgt, recht nüchtern und ohne eine starke Bindung zu den Figuren aufzubauen.

Die Atmosphäre ist durchgehend angespannt, aber eher subtil als wirklich bedrohlich. Es gibt eine unterschwellige Unruhe, ein Gefühl, dass etwas nicht stimmt. Allerdings fehlte mir oft die Zuspitzung.
Die Hintergründe der Charaktere werden nach und nach durch Rückblenden und Perspektivwechsel offengelegt. Diese Einblicke sind grundsätzlich spannend und sinnvoll platziert, wirken jedoch häufig wie nachträgliche Nacherzählungen. Mir wurden an einigen Stellen Informationen zu schnell geliefert; Geheimnisse wurden relativ früh erklärt und eingeordnet, sodass wenig Raum für eigene Spekulationen blieb.

Besonders interessant fand ich, wie unterschiedlich die Figuren denken und handeln. Jeder ist sich seiner Wahrnehmung sicher, jeder zieht eigene Schlüsse und verfolgt seine persönlichen Gedankengänge. Das Mitverfolgen dieser parallelen Erkenntnisprozesse hatte definitiv seinen Reiz. Gleichzeitig führte genau das dazu, dass mir die großen Überraschungen fehlten. Ich habe während des Lesens ständig mitgerätselt und auf den einen krassen Twist oder die unerwartete Wendung gewartet. Doch diese kam für mich nicht wirklich. Am Ende entwickelte sich vieles so, wie ich es bereits vermutet hatte. Die Auflösung war stimmig, aber für mich leider vorhersehbar.

Fazit

Trotz dieser Kritikpunkte muss ich sagen, dass mich das Buch insgesamt gut unterhalten hat. Ich wollte wissen, wie es weitergeht, bin gespannt drangeblieben und habe es zügig gelesen. Es ist kein schlechtes Buch, aber für mich auch kein herausragendes. Wahrscheinlich wird es mir nicht lange im Gedächtnis bleiben und ich werde im Nachhinein nicht viel darüber nachdenken. Es war ein solider, eher spannungsarmer Suspense-Roman mit New-Adult-Anleihen – angenehm zu lesen, aber ohne nachhaltigen Eindruck.

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