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Veröffentlicht am 09.06.2025

Familiensaga trifft Liebeschaos

Great Big Beautiful Life
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Auf der abgelegenen Insel Little Crescent Island konkurrieren die hoffnungsvolle Nachwuchsautorin Alice Scott und der grüblerische Pulitzer-Preisträger Hayden Anderson darum, die Biografie der exzentrischen ...

Auf der abgelegenen Insel Little Crescent Island konkurrieren die hoffnungsvolle Nachwuchsautorin Alice Scott und der grüblerische Pulitzer-Preisträger Hayden Anderson darum, die Biografie der exzentrischen Margaret Ives schreiben zu dürfen. Diese gibt ihnen jeweils nur bruchstückhafte Einblicke in ihr bewegtes Leben, und die beiden sollen sich in einem Probemonat beweisen, um ihre Geschichte niederschreiben zu dürfen.
Während beide getrennt an dem Projekt arbeiten und sich nicht austauschen dürfen, entwickelt sich eine Anziehung zwischen ihnen, die die ganze Situation komplizierter macht.

Der Stil ist wie von Emily Henry gewohnt eine Kombination aus Wortwitz, Romantik und tiefgründigeren Themen. Hinzu kommt hier eine detailreich ausgearbeitete Familiengeschichte, die in die Story um Alice und Hayden mit eingearbeitet wurde.
Besonders Alice wirkt durch ihre sarkastischen Gedanken sowie ihre offene und fröhliche Art sympathisch und nahbar.
Hervorzuheben ist die Einbindung des Schreibprozesses von Alice. Margarets Geschichte wurde sehr detailliert mit eingebunden und ist nicht nur eine Nebenhandlung. Das ist einerseits erfrischend, andererseits verliert die Liebesgeschichte zwischen Alice und Hayden dadurch etwas an Tempo.
Die vielen Hintergrunddetails zur Ives-Familie wirken stellenweise zu dominant und haben für mich die emotionale Entwicklung zwischen Alice und Hayden etwas gebremst. So konnte ich nicht immer ganz mitfühlen und die romantischen Elemente haben bei mir persönlich etwas an Wirkung verloren.
Es gibt jedoch auch einige unvorhersehbare Enthüllungen, die dem Buch wieder Spannung verleihen, und auch die emotionale Tiefe zwischen verschiedenen Charakteren kommt nicht zu kurz. Insgesamt hätte eine bessere Balance zwischen Biografie und Liebesgeschichte das Buch und auch das Nachvollziehen der Figuren für mich runder gemacht.

Great Big Beautiful Life ist ein Roman mit vielen gelungenen Momenten, einer charmanten Protagonistin und einer interessanten Grundidee. Emily Henry gelingt es, emotionale Tiefe mit humorvollem Stil zu kombinieren, wobei die Geschichte durch die Biografiekomponente erweitert wird. Dennoch leidet das Buch etwas unter erzählerischer Überfrachtung und dramaturgischer Unausgewogenheit. Wer Emily Henrys Stil mag und eine komplexere, weniger fokussierte Geschichte in Kauf nimmt, wird hier dennoch Lesespaß finden.

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Veröffentlicht am 06.06.2025

Wohlfühlbuch mit Humor und Emotionen

Der letzte erste Blick
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In "Der letzte erste Blick" von Bianca Iosivoni geht es um Emery Lance, die für ihr Studium nach West Virginia zieht.
Sie wünscht sich einen Neuanfang, weit weg von ihrer Heimat und ihrer Vergangenheit. ...

In "Der letzte erste Blick" von Bianca Iosivoni geht es um Emery Lance, die für ihr Studium nach West Virginia zieht.
Sie wünscht sich einen Neuanfang, weit weg von ihrer Heimat und ihrer Vergangenheit. Gleich zu Beginn hat sie einen holprigen Start und muss sich mit Mason eine WG teilen. Kurz darauf lernt sie auch seinen besten Freund Dylan kennen, und sich von ihm fernzuhalten gelingt ihr nicht so ganz, wie sie es sich wünscht.

Gleich zu Beginn möchte ich sagen, dass Bianca Iosivoni mit diesem Buch ein mitreißender Auftakt der Firsts-Reihe gelungen ist.
Ihr Schreibstil ist locker und leicht zugänglich, sodass man das Buch an einem Stück durchliest. Ich konnte es jedenfalls kaum aus der Hand legen. Nicht nur die Hauptcharaktere sind von Anfang an interessant, sondern auch die Nebencharaktere sorgen dafür, dass man sich schnell in der Atmosphäre wohlfühlt und mehr über sie erfahren möchte.

Besonders gefallen hat mir allerdings der Humor. Die Gespräche zwischen Emery und Dylan haben mich oftmals zum Schmunzeln gebracht, und neben einigen lustigen Momenten kommen auch gefühlvolle Dialoge und emotionale Themen nicht zu kurz.
Dabei bleibt das Buch nicht ganz so vorhersehbar, wie man am Anfang vielleicht denkt. Die Beziehung zwischen den Protagonisten enthält keine überflüssigen Missverständnisse oder platten Plots.
Dylans und Emerys Beziehung ist nachvollziehbar, und das Tempo ist hier weder zu langsam noch zu schnell. Für mich hatte es genau das richtige Maß.
Man kann die Gefühle beider Charaktere gut nachvollziehen, und beide haben ihre Päckchen zu tragen, was die Story und die Dynamik zwischen den beiden spannend hält. Aber gerade die Vergangenheit der beiden verleiht der Geschichte eine emotionale Tiefe, die wie ich finde neben den humorvollen Szenen besonders wichtig ist. Ich jedenfalls konnte mit Emery und Dylan sehr oft mitfühlen.

Hervorheben möchte ich auch, wie viel Spaß ich mit der Freundesgruppe des Buches und den damit verbundenen Nebencharakteren hatte, die in den weiteren Bänden eine Rolle spielen. Hier ist die Einführung fantastisch gelungen, und man freut sich darauf, noch mehr über die Charaktere zu erfahren.
In jeder Szene spürt man eine warme Atmosphäre, in der man sich als Leser*in schnell wohlfühlt und ich hoffe, dass sich das in den nächsten Büchern genauso verhält.

Insgesamt ist Der letzte erste Blick ein Buch, das Humor, Witz und auch Emotionen vereint. Für mich war es die perfekte Mischung aus Leichtigkeit und Ernsthaftigkeit, gepaart mit authentischen Figuren.

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Veröffentlicht am 21.05.2025

Besonders anders - aber nicht ganz stimmig

Feeling Nothing
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Feeling Nothing ist eine gefühlvolle Sports-Romance, die mit einer ungewöhnlichen Protagonistin und einem authentischen Setting überzeugt. Robin ist Physiotherapeutin bei den Michigan Wolverines und lebt ...

Feeling Nothing ist eine gefühlvolle Sports-Romance, die mit einer ungewöhnlichen Protagonistin und einem authentischen Setting überzeugt. Robin ist Physiotherapeutin bei den Michigan Wolverines und lebt mit Alexithymie, einer selten thematisierten Gefühlsblindheit. Dieser Aspekt verleiht dem Buch eine besondere Tiefe und hebt es deutlich von vielen anderen Romance-Titeln ab.

Bereits zu Beginn des Buches fand ich es erfrischend, wie offen und selbstbewusst Robin ist. Sie hat eine sehr direkte Art im Umgang mit anderen Menschen, die wie ich finde eher selten bei Protagonistinnen in den üblichen Romance Büchern zu finden ist.
Ihre Alexithymie beeinflusst, wie sie Gefühle wahrnimmt und einordnet, sowohl ihre eigenen als auch die anderer. Gerade dadurch ergeben sich spannende Dynamiken, insbesondere in romantischer Hinsicht. Für mich war es das erste Buch, das sich mit dieser Thematik beschäftigt hat und ich fand die Darstellung und ihren Umgang damit authentisch ausgearbeitet. Da ich mit der Thematik noch keine Berührungspunkte hatte, gab es für mich hier die Möglichkeit mich damit auseinanderzusetzen.

Tyler war mir von Anfang an sympathisch. Auch er bringt seine eigene Geschichte mit, die ihn als Figur greifbarer macht. Besonders gelungen fand ich die vielen Situationen, in denen beide Charaktere versuchen, sich gegenseitig zu verstehen, trotz oder gerade wegen ihrer unterschiedlichen Perspektiven. Das Zusammenspiel aus emotionaler Unsicherheit, Rücksichtnahme und aufrichtigem Interesse hat für mich insgesamt viel zur Tiefe der Geschichte beigetragen.
An einigen Stellen hatte ich jedoch das Gefühl, dass Konflikte oder Verhaltensweisen zu plötzlich kamen oder nicht ganz nachvollziehbar waren oder vielleicht sogar etwas erzwungen wirkten, um einen Konflikt in die Geschichte reinzubringen.  Das hat meinen Lesefluss etwas gestört und es gab Momente, in denen ich emotional nicht ganz mitgehen konnte, weil ich das Denken der Charaktere nicht verstanden habe.

Der Football-Aspekt ist in diesem Buch deutlich präsent, aber gut zugänglich, auch ohne großes Vorwissen. Beide Protagonisten sind im Sport eingebunden, wodurch er auf natürliche Weise in der Handlung vertreten ist. Fans von Sports-Romance kommen hier deshalb definitiv auf ihre Kosten.

Insgesamt ist Feeling Nothing eine berührende und abwechslungsreiche Sports-Romance mit einem selten behandelten Thema im Mittelpunkt. Trotz Schwächen bei der Handlung bietet das Buch ein interessantes Leseerlebnis, vor allem für Leser*innen, die auf der Suche nach einer Romance sind, die sich auch mit neurodiversen Perspektiven auseinandersetzt.

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Veröffentlicht am 14.05.2025

Warum Kodiak Echoes mich so gefesselt hat

Kodiak Echoes – Hide me
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Das Buch hat mich eigentlich schon von Anfang an gepackt und in seinen Bann gezogen.
Ausschlaggebend war hier für mich vor allem das Setting, das es für mich besonders interessant gemacht hat: eine Kleinstadt ...

Das Buch hat mich eigentlich schon von Anfang an gepackt und in seinen Bann gezogen.
Ausschlaggebend war hier für mich vor allem das Setting, das es für mich besonders interessant gemacht hat: eine Kleinstadt auf einer Insel in Alaska und dazu kommt Brynn, die im Zeugenschutzprogramm steckt und Software-Entwicklern ist.🌲🐻 
Klang für mich eigentlich sofort vielversprechend und das Buch hat meine Erwartungen mehr als übertroffen.
Für mich ist Kodiak Echoes definitiv kein weiteres durchschnittliches Romance Buch in meinem Regal. Es war wirklich so viel mehr, vor allem aber auch da es sich hier um Romance-Suspense handelt. Und dies ist bisher sicherlich eines der besten Bücher, die ich aus dem Genre gelesen habe.

Brynn als Protagonistin hat mich ziemlich schnell überzeugt. Sie ist auf sich alleine gestellt, als sie in Echo Cover ankommt und da sie aus einer Großstadt stammt, wird sie hier in ein komplett neues Leben geworfen und das alles nach Erlebnissen, die nicht ganz so einfach wegzustecken sind.
Von Anfang an war ich mit meinen Gefühlen bei ihr und konnte jeden Moment mir ihr mitfühlen.
Ob es ihre Verzweiflung während einiger Geschehnisse war oder die Gefühle, die sie für Archer entwickelt und auch kleine humorvolle Momente sind so gut geschrieben, dass ich ständig gefühlstechnisch bei Brynn dabei war.
Brach ihr Herz, brach auch meines ein Stück weit und da die Stadt Echo Cove kein unbeschriebenes Blatt ist hat sich Brynn auch nicht nur mit ihren eigenen Problemen rumzuschlagen sondern muss sich auch etwas Kleinstadttypisch mit Gerüchten, schwierigen Anwohnern und dem Gefühl dort nicht hineinzupassen auseinandersetzen.

Als Charakter ist sie vor allem eins: stark und auch wenn sie zu Beginn der Geschichte etwas von ihrem ursprünglichen Selbstbewusstsein verloren hat so findet sie dieses wieder und ist und steht für die Dinge ein, die ihr wichtig sind.
Gleichzeitig gibt es Archer, der ebenfalls sein Päckchen zu tragen hat. Am Anfang ist er etwas undurchsichtig, sobald jedoch sein erstes Kapitel kommt fiebert und fühlt man auch mit ihm nur noch mehr mit. Und ich glaube er ist eventuell mein neuer Lieblings-Bookboyfriend. 🤭

Die Dynamik zwischen den beiden war außerdem einfach unglaublich packend. Die Momente waren immer sehr gefühlvoll, hatten aber auch etwas Humor und ich hab mich immer wieder gefreut wenn beide glückliche Momente miteinander geteilt haben.
Im Laufe der Handlung entstehen so viele Fragen, deren Antworten man kaum erwarten kann. Es gibt auch einige Twists, die man nicht unbedingt erwartet. 
Allerdings bleiben am Ende des Buches noch einige Fragen offen, die hoffentlich in Band 2 beantwortet werden.
Ich will hier auch nicht zu viel vorwegnehmen, denn das Lesen und sich selbst ein Bild von der Geschichte zu machen, ist mehr als lohnenswert.

Zudem werden hier wichtige Themen angeschnitten: zum Beispiel das illegale Wildern von Bären oder auch die Situation der Alutiiq in Alaska. Mir persönlich gefällt es immer besonders, wenn auch in Romanen wichtige Themen aufgegriffen werden und so das Bewusstsein dafür geschaffen wird.

Das Buch habe ich insgesamt super schnell durchgelesen, da ich es kaum aus der Hand legen konnte. Der Schreibstil war flüssig, gefühlvoll und eine perfekte Mischung aus Detailreichtum, ohne dabei ständig die Handlung aus dem Fokus zu verlieren.

Es war mein erstes Buch von Julia Pauss, und ich kann Band 2 ehrlich gesagt kaum erwarten. Ich hoffe sehr, dass mich “Kodiak Echoes - Trust me“ genauso begeistern wird. Es gibt viele Bücher, die packend sind, aber an dieses Buch habe ich definitiv mein Herz verloren. Manche Geschichten finden einfach einen besonderen Platz im Herzen, weil man sich in das Setting und die Charaktere verliebt hat. Und genau das hat Julia Pauss mit Kodiak Echoes bei mir geschafft. 😊

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Veröffentlicht am 12.05.2025

Second Chance für hoffnungslose Romantiker

The One I Left Behind
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Ben Noughton kehrt nach dem Ende seiner NFL-Karriere zurück in seine Heimatstadt in Nebraska, um als Footballcoach neu anzufangen. Dort trifft er nicht nur auf seine Familie, sondern auch auf seine Jugendliebe ...

Ben Noughton kehrt nach dem Ende seiner NFL-Karriere zurück in seine Heimatstadt in Nebraska, um als Footballcoach neu anzufangen. Dort trifft er nicht nur auf seine Familie, sondern auch auf seine Jugendliebe Gillian, die er damals zurückließ. Nun ist Gillian alleinerziehende Mutter, und Ben ist der neue Coach ihres Sohnes. Eine Begegnung, die alte Wunden aufreißt. Doch Ben ist fest entschlossen, Gillians Vertrauen zurückzugewinnen und eine zweite Chance auf die Liebe zu bekommen.

Mit „The One I Left Behind" habe ich eine typische Kleinstadt-Romance erwartet und mehr Tiefe und Gefühl bekommen, als zuvor vermutet. Wer hoffnungslos romantisch ist und eine Schwäche für manchmal ein wenig kitschige Liebesbekundungen hat, wird hier nicht enttäuscht werden.
Die Geschichte von Ben und Gillian hat mich voll erwischt, was ich zunächst nicht erwartet habe. Gillian und Ben waren mir von Anfang an sympathisch, und man kommt nicht umhin, sich zu fragen, was die beiden auseinandergebracht hat. Man fühlt mit den beiden mit, trauert der verlorenen Zeit nach und bleibt das ganze Buch hinweg gespannt, ob die beiden wieder zueinanderfinden.

Besonders Gillians innerer Konflikt, einerseits Ben zu vertrauen und andererseits die Angst, verletzt zu werden, fand ich unglaublich nachvollziehbar. Außerdem ist da noch Gillians Sohn Clayton, was die ganze Sache komplizierter macht.
Die Dynamik zwischen Ben und Clayton fand ich ebenso überzeugend. Auch in der Realität sind Konstellationen mit Kindern oft nicht so einfach, wie es meistens scheint. Ich finde, die berechtigten Gefühle der einzelnen Figuren sind gut dargestellt, und man konnte jede Seite auf eine andere Art und Weise nachvollziehen.
Die Kleinstadtatmosphäre wird hervorragend eingefangen – inklusive der unvermeidlichen Gerüchteküche und dem Gefühl, dass jeder irgendwie jeden kennt.
Der Schreibstil ist flüssig und humorvoll, sodass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Gleichzeitig wurden bereits Charaktere für die weiteren Bände angeteasert, sodass man neugierig auf die kommenden Geschichten wird.

Wer auf Second-Chance-Romances steht und eine kleine Prise Kitsch vertragen kann, sollte sich „The One I Left Behind" also nicht entgehen lassen.

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