Cover-Bild Marseille 1940
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26,00
inkl. MwSt
  • Verlag: C.H.Beck
  • Themenbereich: Biografien, Literatur, Literaturwissenschaft - Literatur: Geschichte und Kritik
  • Genre: Sachbücher / Film, Kunst & Kultur
  • Seitenzahl: 351
  • Ersterscheinung: 19.11.2025
  • ISBN: 9783406814907
Uwe Wittstock

Marseille 1940

Die große Flucht der Literatur
AUF DER FLUCHT VOR HITLER: ALS DIE SCHRIFTSTELLER EUROPA VERLIEßEN

Juni 1940: Hitlers Wehrmacht hat Frankreich besiegt. Die Gestapo fahndet nach Heinrich Mann und Franz Werfel, nach Hannah Arendt, Lion Feuchtwanger und unzähligen anderen, die seit 1933 in Frankreich Asyl gefunden haben. Derweil kommt der Amerikaner Varian Fry nach Marseille, um so viele von ihnen wie möglich zu retten. Uwe Wittstock erzählt die aufwühlende Geschichte ihrer Flucht unter tödlichen Gefahren.

Es ist das dramatischste Jahr der deutschen Literaturgeschichte: Die deutschen Truppen fallen in Frankreich ein. In Nizza lauscht Heinrich Mann bei Bombenalarm den Nachrichten von Radio London. Anna Seghers flieht mit ihren Kindern zu Fuß aus Paris. Und Lion Feuchtwanger sitzt in einem französischen Internierungslager gefangen, während die SS-Einheiten näherrücken. Sie alle geraten schließlich nach Marseille, um von dort einen Weg in die Freiheit zu suchen. Hier übergibt Walter Benjamin seinen letzten Essay an Hannah Arendt, bevor er zur Flucht über die Pyrenäen aufbricht. Hier kreuzen sich die Wege zahlreicher deutscher und österreichischer Schriftsteller, Intellektueller, Künstler. Und hier riskieren Varian Fry und seine Mitstreiter Leib und Leben, um die Verfolgten außer Landes zu schmuggeln. Vielen gelingt die Flucht, andere schaffen es nicht mehr, manche geben auf und nehmen sich aus Angst das Leben. Szenisch dicht und feinfühlig erzählt Uwe Wittstock von unfassbarem Mut und größter Verzweiflung, von trotziger Hoffnung und Mitmenschlichkeit in düsterer Zeit.

"Lieber Feuchtwanger, wir brauchen Mut heute. Wie viel Prozent Hoffnung geben Sie uns?" "Wie viel Hoffnung? Fünf Prozent."

  • Über die Flucht von Heinrich Mann, Anna Seghers, Franz Werfel, Hannah Arendt, Lion Feuchtwanger, Walter Benjamin und vielen anderen
  • Eine szenisch dichte Chronik von Mut, Verzweiflung und Mitmenschlichkeit
  • Marseille 1940: Wo sich die Wege zahlreicher Schriftsteller und Intellektueller kreuzten

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.10.2025

Interessant

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Frankreich 1940. Deutschland breitet seine Angriffe immer weiter aus, Teile von Frankreich werden besetzt. Viele Künstler, Schriftsteller und Intellektuelle haben vor ein paar Jahren Deutschland verlassen ...

Frankreich 1940. Deutschland breitet seine Angriffe immer weiter aus, Teile von Frankreich werden besetzt. Viele Künstler, Schriftsteller und Intellektuelle haben vor ein paar Jahren Deutschland verlassen und sind jetzt wieder auf der Flucht. Ziele gibt es einige, nur wenig Möglichkeiten dahin zu gelangen. Der amerikanische Journalist Varian Fry versucht mit Hilfe des Emergency Rescue Committee’s Visas und Ausreisedokumente zu organisieren und so den Menschen zu helfen.

Eigentlich ein Sachbuch, doch es liest sich fast wie ein Roman. In kurzen Kapiteln lernen wir die hier betroffenen Menschen kennen, unter anderem Hannah Arendt, Anna Seghers, Heinrich Mann, Lion Feuchtwanger und Franz Werfel. Einfühlsam geschrieben, tief berührend ist das Schicksal dieser Menschen. Uwe Wittstock führt uns ganz nah ran, an die Verzweiflung, an die Hoffnung. Marseille fungiert hier als Dreh- und Angelpunkt des Wartens und des Ankommens. Wir lesen über Menschlichkeit, Hilfsbereitschaft aber auch Machtlosigkeit. Wittstock führt hier viele einzelne Schicksale in dem Jahr zusammen mit dem literarischen und politischen Kontext. Alles was in diesem Buch geschrieben steht, ist gründlich recherchiert. Ein wichtiger Teil unserer deutschen Geschichte, sehr lesenswert.

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Veröffentlicht am 28.04.2024

Lesenswert für jeden Literaturfreund

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REZENSION – Mit seinem nicht nur literaturhistorisch äußerst interessanten Sachbuch „Marseille 1940. Die große Flucht der Literatur“ - im Februar beim Verlag C. H. Beck erschienen - hat Autor Uwe Wittstock ...

REZENSION – Mit seinem nicht nur literaturhistorisch äußerst interessanten Sachbuch „Marseille 1940. Die große Flucht der Literatur“ - im Februar beim Verlag C. H. Beck erschienen - hat Autor Uwe Wittstock das dramatische Kapitel deutscher Literaturgeschichte fortgeschrieben, das er zwei Jahre zuvor mit seinem Band „Februar 33. Der Winter der Literatur“ begonnen hatte. Mittels tragischer Einzelschicksale bekannter Schriftsteller wie Heinrich und Golo Mann, Franz Werfel, Hannah Arendt, Lion Feuchtwanger, Anna Seghers, Walter Benjamin und anderer, die nach Machtergreifung der Nazis in Frankreich Zuflucht gesucht hatten, erzählt Wittstock nun in seinem neuen Band, wie diese nach Besetzung und der Kapitulation der Grande Nation unter schwierigsten Bedingungen in den Monaten zwischen Mai 1940 und Oktober 1941 versuchten, in das nicht von den Nazis besetzte Südfrankreich und schließlich nach Marseille, dem einzigen noch freien Hafen an der Atlantikküste, zu kommen, um von dort nach Übersee fliehen zu können. Vor allem aber würdigt Wittstock den selbstlosen Einsatz des jungen amerikanischen Journalisten Varian Fry (1907-1967), dem es nach Gründung eines von ihm in New York mit finanzieller Unterstützung wohlhabender Amerikaner initiierten „Emergency Rescue Committee“ gelang, in diesen 18 Monaten mit Hilfe seines in Marseille aufgebauten Rettungsnetzwerks „Centre Américain de Secours“ etwa 2 000 deutschsprachige Kulturschaffende zur Flucht aus Frankreich zu verhelfen.
Wittstock schildert, journalistisch anhand von Briefen und Tagebüchern, Erinnerungen, Autobiografien und Interviews recherchiert - zwar chronologisch geordnet, aber szenarisch wechselnd - den Mut mancher, aber auch die Selbstaufgabe anderer Exilanten wie im Falle des fast 70-jährigen Heinrich Mann. Dass Frys Wirken nicht immer Erfolg hat, zeigt der Suizid des verzweifelten Walter Benjamin. Andere entwickeln eine unbedingte Entschlossenheit zur Weiterflucht wie Anna Seghers, die sich über hunderte Kilometer zu Fuß auf den Weg macht.
Während über die Schicksale der Exilanten vieles bekannt ist, geriet der heldenhafte Einsatz des amerikanischen Fluchthelfers Varian Fry in Vergessenheit. Im Gegenteil: Schon während seines Einsatzes in Marseille bekam er zunehmend Schwierigkeiten mit dem New Yorker US-Hilfskommittee, das ihn 1940 nach Frankreich entsandt hatte. Man warf ihm seine Arbeit als illegaler Fluchthelfer vor, statt nur Geld und Lebensmittel an die Hilfsbedürftigen zu verteilen. Schließlich fordert man ihn sogar zur Rückkehr in die USA auf. „Fry ist empört. Angesichts der Situation in Marseille erscheinen ihm solche Anweisungen unzumutbar, zumal wenn sie von Leuten kommen, die in Amerika in warmen Wohnungen an reich gedeckten Tischen sitzen und keine persönlichen Risiken eingehen.“ An seine Frau schreibt er: „Dieser Job ist wie der Tod – unumkehrbar. Wir haben hier etwas begonnen, das wir nicht ohne Weiteres beenden können.“
Erst 1994 wurde ihm eine angemessene Ehrung als erster amerikanischer „Gerechter unter den Völkern“ in Israels Holocaust-Mahnmal Yad Vashem zuteil sowie 1998 als Ehrenbürger Israels. Im Epilog seines Buches „Marseille 1940“ wundert sich auch Wittstock über die bis heute anhaltende Missachtung dieses Fluchthelfers: „Überraschend ist, wie wenig Anerkennung Varian Fry und seine Leute in Deutschland gefunden haben, obwohl die deutsche Kulturgeschichte ihnen doch einiges zu verdanken hat.“ Nicht einmal die von ihm Geretteten schrieben mehr als ein paar Zeilen in ihren Autobiografien. Auch der Varian Fry gewidmete Essay "Der Engel von New York" der ins Pariser Exil verbannten Schriftstellerin Gabriele Tergit (1894-1982) wurde bislang nicht veröffentlicht.
Deshalb kann man den Band „Marseille 1940“ nun als angemessene Würdigung dieses „amerikanischen Schindlers“ ansehen. Aber nicht nur aus diesem Grund, sondern auch wegen Wittstocks lebendiger Schilderung der bewegenden Einzelschicksale, die nur stellvertretend für viele andere Exilanten stehen, ist dieser Band unbedingt lesenswert. „Marseille 1940“ ist zwar ein für Literaturkenner interessantes Sachbuch - und doch noch mehr: Es ist eine für jedermann leicht lesbare und spannend geschriebene Erzählung über ein vielleicht vielen noch unbekanntes düsteres Kapitel deutscher Geschichte.

Veröffentlicht am 08.04.2024

Eine andere Seite der Geschichte

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Varian Fry war mir ein Begriff aber auch wieder nicht. Nachdem ich 'Marseille 1940' gelesen habe, ist es mir unbegreiflich, warum er in der Öffentlichkeit nicht viel bekannter ist. So vielen deutschen ...

Varian Fry war mir ein Begriff aber auch wieder nicht. Nachdem ich 'Marseille 1940' gelesen habe, ist es mir unbegreiflich, warum er in der Öffentlichkeit nicht viel bekannter ist. So vielen deutschen Künstler*innen hat er zur Flucht verholfen. Teilweise ohne offizielle Unterstützung.

Uwe Wittstock bringt es fertig ein Sachbuch zu schreiben, dass so spannend und mitreißend geschrieben ist, dass ich selbst das Gefühl hatte in Marseille zu sein.

Interessant für mich war es die Verflechtungen diverser Persönlichkeiten waren, aber vor allem wie schwierig die Ausreise auch aus unbesetzten Gebieten war. Varian Fry hat nicht als Einzelner gehandelt, er hat einen ganzen Stab um sich rekrutiert. Menschen denen Menschlichkeit das oberste Gebot ist, trotz aller Gefahren denen sie sich damit stellten. Nebenbei erfährt man etwas über die Vichy-Regierung und somit die französische Sicht auf den Faschismus

Ein wunderbar recherchiertes Buch, dass meinen Wissensdrang , mehr zu erfahren und die Erlebnisse aus anderen Blickwinkeln zu lesen, entfacht hat.
Das Buch hat mich berührt und bewegt und ich weiß, dies wird eins der Bücher sein, in die noch einmal reinlesen werde. Wir sollten nie müde werden, Berichte aus der Zeit des Nationalsozialismus zu lesen und aktiv bleiben, dass diese dunklen Zeiten sich nie wiederholen.

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Veröffentlicht am 11.03.2024

Ein wirklich beeindruckendes Buch

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Mit Beginn des Vormarsches der deutschen Wehrmacht gegen Frankreich im Jahr 1940, war bei den vorwiegend deutschen emigrierten Künstlern jeglicher Couleur nichts mehr wie zuvor – das Gefühl der Sicherheit ...

Mit Beginn des Vormarsches der deutschen Wehrmacht gegen Frankreich im Jahr 1940, war bei den vorwiegend deutschen emigrierten Künstlern jeglicher Couleur nichts mehr wie zuvor – das Gefühl der Sicherheit wich und nahm unberechenbare Züge an. Somit bot sich vielen Exilanten kein anderer Ausweg als erneut zu fliehen und zugleich das nun gewohnte Leben bereits zum zweiten Mal aufzugeben.
Anhand ausgewählter Schicksale, u.a. von Heinrich und Golo Mann, Lion und Marta Feuchtwanger, Franz und Alma Mahler-Werfel sowie Anna Seghers und ihrer Familie schildert Uwe Wittstock präzise die unterschiedlichen Facetten der Flucht.

Zugleich gibt das Buch einem gewissermaßen den Glauben an die Menschlichkeit in Zeiten der Inhumanität zurück. Dafür in erster Linie verantwortlich ist der amerikanische Journalist Varian Fry, der, zusammen mit seinem späteren Team und hilfsbereit-unterstützenden Franzosen, mehren hundert Menschen die Flucht aus dem besetzten Frankreich arrangierte.

Uwe Wittstock hat mit diesem Werk ein großartiges Sachbuch geschrieben, welches dem Leser ermöglicht, sich in den einzelnen Geschichten zu verlieren. Aufgrund der enormen Fülle an Informationen, auf Basis von Tagebüchern, Briefen, Autobiografien, etc., ist es eine beachtliche Leistung, die Geschichten einzelner Persönlichkeiten so detailliert und mitreißend aufzubereiten.

Somit ist dieses Buch sowie wie dessen Vorgänger „Februar 33“ eine unbedingte Leseempfehlung für alle, die sich für die Literatur sowie den Leben der ins Exil getriebenen Schriftsteller zur Zeit des Nationalsozialismus interessieren, damit beschäftigen und mehr darüber wissen möchten.

Wer sich darüberhinaus noch mit der Thematik befassen möchte, dem sei die inhaltlich ähnliche Kurzserie „Transatlantic“ von Netflix sehr ans Herz gelegt.

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Veröffentlicht am 03.03.2024

Fesselnd und aufklärend

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Uwe Wittstock nimmt uns mit in das besetzte Frankreich 1940 und erzählt die Geschichten vieler Künstler, Literaten und anderer kluger Köpfen, die Ende der 30er Jahre dort ins Exil gingen. Man könnte denken ...

Uwe Wittstock nimmt uns mit in das besetzte Frankreich 1940 und erzählt die Geschichten vieler Künstler, Literaten und anderer kluger Köpfen, die Ende der 30er Jahre dort ins Exil gingen. Man könnte denken hier wären sie in Sicherheit gewesen. Was mir in diesem Ausmaß (und vor allem unter diesen unsäglichen Bedingungen) nicht klar war: mit der Besetzung Frankreichs mussten deutschstämmige Personen sich in Internierungslagern melden, weil die Franzosen Angst hatten, dass unter den Deutschen auch Kollaborateure der Nazis waren. Das muss man sich mal vorstellen: aus Deutschland aus Angst um das eigene Leben geflohen mussten diese Menschen nun fürchten, dass man sie verdächtigt mit denen zusammenzuarbeiten, aufgrund derer man das Land mal verlassen hat.

Abenteuerlich, man kann es gar nicht anders sagen, waren die Wege, die die Exilanten daher raus aus Europa genommen haben. Varian Fry spielt hierbei die Hauptrolle, da der Amerikaner als Dreh- und Angelpunkt des Emergency Rescue Committee in Frankreich maßgeblich für die Rettung vieler Flüchtlinge verantwortlich war. Dass man kaum etwas über ihn gehört hat, liegt vielleicht daran, dass er es sich, zurück in Amerika, mit einigen wichtigen Leuten verscherzt hat weil er wohl ein gewisses Autoritätsproblem hatte.

Auch wenn es sich hier um ein Sachbuch handelt und der Autor Wert auf die korrekte Wiedergabe der Geschehnisse legt, liest es sich wie ein Roman. Mir hat es den Hals zugeschnürt zu lesen was diesen Menschen passiert ist und welche Ängste sie ausstehen mussten. So in den Bann gezogen fliegt man durch die Seiten und wagt es kaum zu atmen. Dies war mein erstes Buch von Uwe Wittstock und bestimmt nicht mein letztes. Eine große Leseempfehlung kann ich daher für alle Literaturinteressierten aussprechen und diejenigen, die auch bereits Florian Illies Erzählungen kennen und mögen.