Cover-Bild Der rote Judas
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20,00
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  • Verlag: ROWOHLT Wunderlich
  • Genre: Krimis & Thriller / Krimis & Thriller
  • Seitenzahl: 480
  • Ersterscheinung: 28.01.2020
  • ISBN: 9783805200066
Thomas Ziebula

Der rote Judas

Leipzig, Januar 1920. Der Polizist Paul Stainer kehrt aus der Kriegsgefangenschaft zurück. Deutschland taumelt durch die Nachkriegswirren, nichts ist mehr so, wie es einmal war, und in viel zu vielen Nächten wird Stainer vom Grauen der Schützengräben eingeholt. Doch ein aufsehenerregender Fall zwingt den Kriminalinspektor, sich mit der Gegenwart zu befassen: In der Villa eines Fabrikanten werden mehrere Menschen erschossen. Alles sieht nach einem missglückten Einbruch aus, doch eine verängstigte Zeugin und ein Koffer voller Dokumente führen Stainer bald auf die Spur der „Operation Judas“, Männer, die über Leichen gehen, um ihre Verbrechen zu vertuschen. Was der Inspektor nicht ahnt: Die Mörder haben ihn längst ins Visier genommen und planen seinen Tod.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.02.2020

Gekonnt erzählte komplexe Geschichte

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Mit „Der rote Judas“ ist Thomas Ziebula ein hervorragender historischer Kriminalroman gelungen, der die vielschichtigen Nachwirkungen und Nachwehen des ersten Weltkriegs – die persönlichen Tragödien ebenso ...

Mit „Der rote Judas“ ist Thomas Ziebula ein hervorragender historischer Kriminalroman gelungen, der die vielschichtigen Nachwirkungen und Nachwehen des ersten Weltkriegs – die persönlichen Tragödien ebenso wie die politischen Folgen –eindringlich schildert. Das beginnt schon intensiv im ersten Kapitel, welches uns in die Welt jener mitnimmt, die mit massiven Traumata aus dem Krieg zurückkamen – damals etwas flapsig „Kriegszitterer“ genannt – und durch grausame Behandlungsmethoden letztlich noch mehr traumatisiert wurden. Im Laufe des Buches begegnen uns viele Männer, die alle auf irgendeine Art vom Krieg geschädigt wurden und auf jeweils andere Weise versuchen, damit fertigzuwerden. So entwirft der Autor ein Panorama, das diese Auswirkungen lebhaft zeigt, viele der Schilderungen waren für mich schwer zu lesen, weil sie so schonungslos geschildert wurden, und genau so sollten sie auch geschildert werden.

Überhaupt ist der Schreibstil eine Freude. Es finden sich viele herrliche Ausdrücke, die ich teilweise mehrfach las, weil ein solch gekonnter Umgang mit Sprache einfach Freude macht. Formulierungen, die mit wenigen gut ausgewählten Worten ein Bild entstehen ließen, keine langatmigen Passagen, sondern Konzentration auf das Wesentliche, ohne dabei die Atmosphäre zu vernachlässigen. Ganz vereinzelt gab es einige Wiederholungen, die ich ein wenig anstrengend fand, das waren aber wirklich nur Einzelfälle.

Auch äußerlich spricht das Buch an, ich finde, das Titelbild ist ausgezeichnet gelungen. Eine Mischung aus unaufdringlich und eindringlich, gut abgestimmte Farben, mit einem Hintergrundbild, das schon andeutet, daß wir es hier mit einem – durchaus düsteren – historischen Krimi zu tun bekommen. Dem Korrektorat hätte eine sorgfältigere Arbeitsweise dagegen nicht unbedingt geschadet.

Das Düstere des Titelbildes findet sich im ganzen Buch wieder. Das ergibt sich schon aus der Thematik. Man spürt förmlich die Trostlosigkeit, die in diesem Jahr 1920 über dem Land hängt. Es gibt so gut wie keine unbeschwerten Momente, dafür viele dunkle Erinnerungen und wenig Hoffnung. Die historischen Informationen sind ausgezeichnet recherchiert und eingeflochten, nur an einigen sehr wenigen Stellen war die Information eher um ihrer selbst willen erwähnt, so z.B. wenn ein Polizeiinspektor plötzlich über die Funktionsweise von Pedalen bei einer Straßenbahn nachdenkt. Es gibt viele spannende Fakten und ich habe, obwohl ich über jene Zeitepoche nicht uninformiert bin, noch einiges gelernt und das auf unterhaltsame Weise. Auch mein geliebtes Leipzig wurde hier sehr schön erweckt, immer wieder fließen Details ein, werden Informationen gegeben und ergibt sich mit der Straßenbahnlinie 10 eine Art roter Faden, der uns durch das gesamte Buch begleitet. Ab und an war es mir ein wenig zu Straßennamen- und Wegbeschreibungslastig, aber insgesamt habe ich die Reise ins historische Leipzig genossen und mich ohnehin gefreut, daß diese Stadt der Schauplatz der Geschichte war.

Im ersten Teil geht es noch verhältnismäßig ruhig zur Sache, es wird die Handlung nach und nach aufgebaut, der historische Hintergrund erklärt, die Personen eingeführt. Es sind eine Vielzahl Personen, unser Protagonist Paul Stainer hat alleine schon mit acht Kollegen/Vorgesetzten zu tun, die teilweise noch Spitznamen haben und auch die Täter und Mordopfer sind zahlreich, die einzelnen Taten zuerst nicht augenscheinlich verknüpft. Da kam ich manchmal ein wenig durcheinander und brauchte doch eine Weile, mich in die komplexe Geschichte hineinzufinden. Die Komplexität ist aber auch gleichzeitig ein Pluspunkt – hier wurde eine wirklich ausgefeilte Geschichte sorgfältig entworfen, die viele Aspekte und Schicksale miteinander verknüpft und in eines der vielen dunklen Kapitel des Ersten Weltkrieges tief hineingeht. Der zweite Teil bringt uns Tempo und einige überraschende und tragische Wendungen. Auch einige Charaktere entwickeln sich unerwartet.

So bietet „Der rote Judas“ eine intelligent konzipierte und mit Können erzählte Geschichte, die wegen ihrer historischen Informationen ebenso empfehlenswert ist, wie wegen des gelungenen Schreibstils.

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Veröffentlicht am 13.02.2020

Beeindruckend erzählt

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Der rote Judas (Paul Stainer 1) von Thomas Ziebula, erschienen im Wunderlich Verlag am 28. Januar 2020.

1920 kommt Paul Stainer aus französischer Gefangenschaft zurück nach Leipzig. Seine Frau will sich ...

Der rote Judas (Paul Stainer 1) von Thomas Ziebula, erschienen im Wunderlich Verlag am 28. Januar 2020.

1920 kommt Paul Stainer aus französischer Gefangenschaft zurück nach Leipzig. Seine Frau will sich scheiden lassen, hat ihn schon durch einen älteren Mann ersetzt. Paul, körperlich unversehrt aber mit tiefen Narben auf der Psyche, die sein Gedächtnis blockieren und sein Denken immer wieder an die Kriegsschauplätze mit ihren grauenvollen Bildern ziehen, versucht seinen Zustand möglichst geheim zu halten, um wieder bei der Polizei arbeiten zu können. Er bekommt nicht nur seine alte Stelle zurück, sondern wird gleich noch zum Kriminalinspektor befördert. Kaum zurück im Job, muss sieht er sich mit mehreren Morden konfrontiert und versucht gleichzeitig auch noch das Herz seiner Frau zurück zu erobern.

Ich habe bisher nicht viel über die Zeit nach dem ersten Weltkrieg gelesen oder gesehen. So ist dieses Buch für mich nicht nur ein spannender Krimi, sondern gleichzeitig auch eine sanfte Geschichtsstunde gewesen. Ich habe schon andere Bücher des Autors gelesen und konnte mich mit diesen Erfahrungen auch gleich völlig auf die Geschichte einlassen. Im Laufe der Zeit bekommt man eine schöne Charakterstudie von den Menschen jener Zeit, von ihren Sorgen und Problemen und der Einstellung der Menschen zum verlorenen Krieg und dem wozu Menschen, wenn keiner wirklich hinsieht fähig sind.

Mir hat besonders gut gefallen, wie der Autor einen Kriminalinspektor vor meinen Augen entstehen lässt, der nicht nur Moralvorstellungen hat und sie lebt, sondern einen der vernünftig handelt, also eher der Held der kleinen Dinge, nicht der oberschlaue Überflieger. Die Beschreibungen im Arbeitsumfeld, die Reaktionen, alles wirkt authentisch. Auch viele der Nebencharaktere sind schön gezeichnet und ausgebaut. Die Geschichte von Stainer und den Menschen, die er trifft, berührt einen und klingt noch weit nach der letzten Zeile dieses wunderschön geschriebenen Buches nach. Wer gerne Krimis mit historischem Hintergrund liest wird sich für diesen ersten Band einer Reihe begeistern können. Klare Kaufempfehlung.

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Veröffentlicht am 12.02.2020

gelungener Krimi mit interessantem historischen Hintergrund

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Inspektor Paul Stainer kehrt 1920 aus französischer Kriegsgefangenschaft in seine Heimatstadt Leipzig zurück. Schwer traumatisiert wie so viele andere durch seine Kriegserlebnisse kann Stainer zu seinem ...

Inspektor Paul Stainer kehrt 1920 aus französischer Kriegsgefangenschaft in seine Heimatstadt Leipzig zurück. Schwer traumatisiert wie so viele andere durch seine Kriegserlebnisse kann Stainer zu seinem Glück seine Tätigkeit bei der Leipziger Kriminalpolizei unmittelbar wieder aufnehmen. Sein Dienst beginnt mit einem Paukenschlag. Innerhalb weniger Tage geschehen 5 Morde. Auf den ersten Blick scheint die Opfer nichts miteinander zu verbinden. Während Stainer mit Flashbacks kämpft und Angst hat, seine gesundheitlichen Probleme könnten ihn, seinen Arbeitsplatz kosten, muss er feststellen, dass der Krieg sein Leben weiterhin bestimmt. Bei seinen Nachforschungen taucht mehrfach der Begriff "Roter Judas" auf und Hinweise auf Ereignisse zu Beginn des Krieges.
Am Anfang des Buches hatte ich ein kleines Orientierungsproblem, da kurz hintereinander mehrere Personen den Schauplatz betreten und mir nicht klar war, in welcher Beziehung sie zu einander stehen. Nach und nach hat sich dann der Nebel geliftet. Die Figur Paul Stainer fand ich absolut überzeugend dargestellt und er ist mir im Laufe der Ermittlungen sehr ans Herz gewachsen. Ich hoffe sehr, ich kann ihn noch öfters bei seiner Arbeit begleiten. Stainer ist Kriminalist mit Haut und Haaren . Stainer ist trotz seine Kriegserlebnisse ein Mensch mit Empathie, Charakter und dem richtigen Empfinden für Recht und Unrecht geblieben. Er will den Fall lösen, auch als er feststellt, dass es möglicherweise Verbindungen zu alten Kriegskameraden gibt und mancher Mitarbeiter des Kriminalamtes den Fall gerne schließen würde. Die gesellschaftlichen Gegebenheiten so kurz nach Ende des 1. Weltkrieges fand ich anschaulich und verständlich geschildert.
Ohne zu viel verraten zu wollen, die dargestellten Kriegsereignisse sind tatsächlich passiert, was ich, wie ich zugeben muss, nicht wusste.
In meinen Augen ist der Roman eine perfekt gelungene Mischung aus spannender Krimihandlung und unterhaltsamer Geschichtsvermittlung.
Dafür von mir 5 Sterne und eine von Herzen kommende Leseempfehlung !

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Veröffentlicht am 11.02.2020

Endlich mal ein historischer Kriminalroman über eine Stadt, in der man sich auskennt

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Die meisten Geschichten, die von den 1920ern erzählen, spielen entweder in fernen Städten wie London, Chicago oder New York. Selbst, wenn sie in Berlin spielen, ist die Story nicht zu 100% greifbar, da ...

Die meisten Geschichten, die von den 1920ern erzählen, spielen entweder in fernen Städten wie London, Chicago oder New York. Selbst, wenn sie in Berlin spielen, ist die Story nicht zu 100% greifbar, da ich von Berlin bisher nur Mitte, einen kleinen Teil von Schöneberg und Johannisthal im Bezirk Treptow-Köpenick gesehen habe und das Berliner Stadtbild seit Ende des zweiten Weltkriegs zum Teil verändert hat. Anders verhält es sich, wenn die sich die Geschichte in einer Stadt abspielt, in der man selber lebt und sich sehr viel besser auskennt. Man kann den Protagonisten geistig an alle möglichen Orte folgen und sich selbst ein Bild machen. Genau das hat mir bei "Der Rote Judas" sehr gefallen. Die Geschichte spielt in meimem Wohnort Leipzig, ich arbeite nicht weit von der im Buch beschriebenen Wächterburg und dem ehemaligen Reichsgericht (heute Bundesverwaltungsgericht) entfernt, kann mir auch ein ungefähres Bild davon machen, wo das Mordopfer Jagoda gewohnt hat und auch von Connewitz, wo mein Freund und ich jährlich den Weihnachtsmarkt im Werk II und das ein oder andere Metal-Konzert besuchen, kenne ich halbwegs gut aus. Alles paletti, man kann der Geschichte prima folgen, was unter anderem auch am angenehmen, flüssigen Schreibstil Ziebulas liegt. Zudem kann man den Roten Judas auch den Lesern ans Herz legen, die die Gereon Rath-Romane von Volker Kutscher lieben, denn die Story ist nicht weniger spannend, nur weil es nicht um das damalige deutsche Chicago geht, im Gegenteil. Ich mag Inspektor Paul Stainer, ich mag, wie man schon während des Lesens der ersten Kapitel Zusammenhänge finden kann. Absolute Leseempfehlung. Auch an Nicht-Leipziger. 😊

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Veröffentlicht am 09.02.2020

Super

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Paul Stainer recherchiert in Leipzig zu Beginn der Weimarer Republik. Das Land ist instabil und zerrüttet nach dem Ende des Ersten Weltkrieges. Die Kriegsschuld lastet schwer auf Deutschland. Auch Paul ...

Paul Stainer recherchiert in Leipzig zu Beginn der Weimarer Republik. Das Land ist instabil und zerrüttet nach dem Ende des Ersten Weltkrieges. Die Kriegsschuld lastet schwer auf Deutschland. Auch Paul Stainer hat den Krieg nicht unbeschadet überstanden, doch er hat Glück und darf wieder bei der Polizei arbeiten, wird sogar zhum Kriminalinspektor befördert. Doch es darf bloß keiner mitbekommen, dass er noch immer unter der Amnesie leidet und sich an viele(s) nicht erinnert. Nachdem er lange in französischer Gefangenschaft war, ist er erst 1920 zurück gekehrt; seine Frau dachte, er sei tot und hat einen Neuen. So stürzt er sich in die Arbeit und ermittelt in einem Fall, der nach Belgien in die ersten Kriegstage zurück reicht.

Dem Autor ist es gelungen, die Atmosphäre gut einzufangen; die noch junge Republik leidet - nicht nur unter dem Kriegsschuldparagraphen und dem Versailler Vertrag, sondern auch darunter, was die Nationalsozialisten später als "Dolchstoßlegende" bezeichnen. Doch es ist kein historischer Roman, auch der Kriminalfall ist gut ausgearbeitet. Ein interessanter Protagonist, ein guter Schreibstil.