Community-Leserunde mit @literarischernerd zu "Geht so" von Beatriz Serrano

Klug und urkomisch - Der Überraschungserfolg aus Spanien
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Beatriz Serrano (Autor)

Geht so

Roman – Der große Überraschungserfolg aus Spanien | »Klug und urkomisch, auch - oder gerade - weil man sich selbst darin wiedererkennt.« ELENA MEDEL

Christiane Quandt (Übersetzer)

Marisa ist mit den Nerven am Ende. Ihr Bullshit-Job in einer Madrider Werbeagentur, in dem sie nur durch Zufall gelandet ist, langweilt sie zu Tode, und das tägliche Hamsterrad des Angestelltendaseins erträgt sie nur noch, indem sie ihre Sinne mit einer Mischung aus bizarren YouTube- Videos und Beruhigungsmitteln betäubt. Als ein Teambuilding-Wochenende ansteht, gerät Marisas Angststörung völlig außer Kontrolle. Allmählich zeigen sich Risse in ihrer sorgsam aufrechterhaltenen Fassade - und die Idee, auf den Firmenausflug diverse Drogen mitzunehmen, trägt vielleicht nicht unbedingt dazu bei, ihr Leben wieder in geordnetere Bahnen zu lenken ...

Timing der Leserunde

  1. Bewerben 28.02.2025 - 09.03.2025
  2. Lesen 17.03.2025 - 30.03.2025
  3. Rezensieren 31.03.2025 - 13.04.2025

Bereits beendet

Schlagworte

Arbeitswelt Workload quiet quitting Andrea Abreu Dolly Alderton Gen Z Millenials Depression Mental Health Angststörung Panikattacke Kollegen Office Digital Homeoffice sinnfrei Kulturpass KulturPass KulturPass Aktion Gegenwartsliteratur

Teilnehmer

Diskussion und Eindrücke zur Leserunde

Veröffentlicht am 13.04.2025

„Geht so“ ist geht so?

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„Geht so“ von Beatriz Serrano hat mich wirklich überrascht. Der Titel wirkt erstmal wie absichtliches Tiefstapeln, aber der Inhalt ist viel schärfer, pointierter und ehrlicher, als man vermuten würde.

Marisa, ...

„Geht so“ von Beatriz Serrano hat mich wirklich überrascht. Der Titel wirkt erstmal wie absichtliches Tiefstapeln, aber der Inhalt ist viel schärfer, pointierter und ehrlicher, als man vermuten würde.

Marisa, die Hauptfigur, arbeitet in einem Job, der nach außen ziemlich beeindruckend wirkt – aber innerlich macht er sie kaputt. Sie fühlt sich leer, überfordert und gleichzeitig irgendwie festgefahren. Dieses Spannungsfeld trifft Serrano ziemlich gut. Was das Ganze besonders macht, ist der sarkastische, oft bissige Ton, der aber trotzdem nicht zynisch wird. Der Humor sitzt, auch wenn er manchmal fast ein bisschen zu gezielt cool wirken will.

Marisa selbst ist keine Heldin, sondern einfach ein Mensch, der versucht, irgendwie klarzukommen. Sie macht Fehler, ist manchmal anstrengend, oft überfordert – und gerade deshalb fühlt sie sich echt an. Die Nebenfiguren sind teilweise etwas überzeichnet, aber das passt gut zum Ton der Geschichte und unterstreicht die satirischen Elemente.

Das Cover finde ich super gewählt: schlicht, ein bisschen schräg, aber trotzdem modern. Genau wie das Buch selbst. Besonders stark sind die Themen: mentale Gesundheit, der Druck, im Leben “etwas zu werden”, und das ständige Gefühl, funktionieren zu müssen. Es ist kein schwerer Roman – aber einer, der einen zum Nachdenken bringt, gerade weil er das alles mit so viel Ironie und Selbstironie erzählt.

Ein Buch für alle, die sich manchmal fragen, ob das wirklich schon alles gewesen sein kann – ohne dass es dabei gleich in Lebenshilfe-Kitsch abrutscht.

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Veröffentlicht am 10.04.2025

Leben in einer Scheinwelt

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In ihrem Roman 'Geht so' schildert Beatrize Serrano den Lebenswandel einer jungen Frau, die mit sich und ihrem Leben äußerst unzufrieden ist. Sie arbeitet in einer Promotion-Agentur in Madrid, leitet erfolgreich ...

In ihrem Roman 'Geht so' schildert Beatrize Serrano den Lebenswandel einer jungen Frau, die mit sich und ihrem Leben äußerst unzufrieden ist. Sie arbeitet in einer Promotion-Agentur in Madrid, leitet erfolgreich ein Team von Mitarbeitern. Obwohl ihr die Arbeit scheinbar leicht von der Hand geht, versucht sie sich tagtäglich, dem für sie toxischen Zwang der Erledigung ihrer Aufgaben zu entziehen. Das Privatleben bietet ihr auch keine Erfüllung. So flüchtet sie sich in Drogen und Alkohol. Kann das auf Dauer gut gehen, vor allem wenn ein gemeinsames Wochenende mit den Kollegen zu Teambildungsmaßnahme ansteht?
Sehr emotional und ergreifend lässt die Autorin Marisa, die Protagonistin des Romans, aus ihrem Leben berichten. Wir werden Zeuge einer permanenten Gleichgültigkeit gegenüber dem Leben an sich, welches sich in ein Verkriechen in die Scheinwelt des anonymen Internets äußert. Die Gedanken und Gefühle sind einzig darauf ausgerichtet den Körper, vor allem den Kopf zu betäuben. Als schließlich die Protagonistin in eine große Katastrophe gerät, werden ungeahnte Emotionen, für mich völlig unverständliche, freigesetzt.
Der Roman spiegelt das Bild einer Gruppe Hilfesuchender wider, die ihren Platz in unserer Gesellschaft nicht finden können, sich aufgegeben haben und in der Lage sind, ihr wahres Inneres im Alltag erfolgreich zu verbergen. Sie bauen um sich herum eine künstliche Welt auf, die sich fernab jeglicher Realität bewegt. Dieser Hilfeschrei fordert Beachtung sucht nach der rettenden Hand.

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Veröffentlicht am 10.04.2025

Ehrliche Einblicke in ein unerfülltes Leben

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Marisa, die Protagonistin des Buchs "Geht so" von Beatriz Serrano, hängt in einer unglücklichen Schleife fest: Ihr Job in einer Marketingagentur langweilt sie, ihr Alltag wird überwiegend durch Youtube-Videos ...

Marisa, die Protagonistin des Buchs "Geht so" von Beatriz Serrano, hängt in einer unglücklichen Schleife fest: Ihr Job in einer Marketingagentur langweilt sie, ihr Alltag wird überwiegend durch Youtube-Videos begleitet und soziale Kontakte pflegt sie auch kaum.

Im Buch wird man eindrucksvoll in dieses Hamsterrad aus Einsamkeit, Orientierungslosigkeit und fehlender Motivation mitgenommen. Ich bin mitunter wirklich schockiert gewesen, wie Marisa sich in ihr Leben fügt, das ihr augenscheinlich überhaupt keinen Spaß macht.
Sie sitzt im Büro und schaut dort vorrangig Youtube-Videos, wenn sie zuhause ist, verbringt sie die meiste Zeit auch mit Youtube-Videos, um sich nicht alleine zu fühlen. Selbst zum Einschlafen lässt sie sich von Videos berieseln.
Nebenbei betäubt sie sich mit Beruhigungsmitteln und kapselt sich so von der Welt ab.

Im krassen Gegensatz zu diesem recht trostlosen Setting steht die Art und Weise, wie sie die Welt beobachtet und wie das von der Autorin beschrieben wird: bissig, sarkastisch und immer auch ein bisschen frech.
Durch genau diesen Stil hat der Roman eine wirklich fesselnde Wirkung gehabt und ich bin nahezu durch geflogen.

Zusammenfassend ist "Geht so" für mich ein wirklich guter Roman, der sehr gut den Alltag von vielen Menschen abbildet. Durch den Stil der Autorin wird er aber niemals zu einem trostlosen, traurigen Roman, sondern bleibt eine einprägsame Geschichte über eine junge Frau, die sich irgendwie durchs Leben "mogelt" - und das sogar recht erfolgreich.
Von mir eine klare Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 05.04.2025

Marisa oder: eine Abrechnung mit der kapitalistischen Gegenwartsgesellschaft - bitterböse, witzig und traurig zugleich

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Marisa ist Anfang 30 und erfolgreiche Marketingmanagerin einer Madrider Agentur. Auf den ersten Blick strahlt sie gesellschaftlichen Erfolg und Anerkennung aus. Doch was steckt hinter dieser Fassade? Genau ...

Marisa ist Anfang 30 und erfolgreiche Marketingmanagerin einer Madrider Agentur. Auf den ersten Blick strahlt sie gesellschaftlichen Erfolg und Anerkennung aus. Doch was steckt hinter dieser Fassade? Genau diesen Blick wagt Beatriz Serrano und schaut dabei mit dem Fokus auf Marisas Leben und dessen Abgründe gleichzeitig in die mal amüsanten, mal bedenklichen und zuweilen zerstörerischen Tiefen der Gegenwartsgesellschaft.

Gekonnt verbindet die Autorin in der Erzählung um Marisa profunde Kapitalismuskritik mit modernen feministischen Diskursen. Die Werbebranche, Marisas Arbeitsbereich, fungiert hier als klug gewählter Schauplatz und Inbegriff der modernen kapitalistischen Logik, in der ein vermeintlicher Bedarf nach immer mehr Gütern geweckt wird, für deren Finanzierung sich die Individuen wiederum weiter ausbeuten lassen. Doch obwohl Marisa all dies sieht und verstanden hat, steckt sie in diesem System fest, betäubt sich mit Tavor und YouTube, spielt eine perfekte Rolle der Marketingmanagerin und kann sich dabei selbst kaum ertragen, noch weniger allerdings ihr (Arbeits)umfeld, das sich von Marisa dahingehend unterscheidet, dass den meisten Kolleginnen Marisas Ironie in der Arbeitsmoral fehlt, und diese willentlich und enthusiastisch in einem Bullshitjob arbeiten und unreflektiert Job und Leben gestalten.

Beatriz Serrano zeigt so auf wie die Entfremdung von der eigenen Arbeit, in einer Gesellschaft in der Arbeit und wirtschaftlicher Erfolg über gesellschaftliche Anerkennung und Sicherheit entscheiden, zu nicht weniger als der Entfremdung von sich selbst führen kann und damit jedem Sinn dafür, was ein zufriedenes Leben tatsächlich ausmacht. Ein Pflaster für diesen Gegenwartsschmerz liefert das kapitalistische System auch in Serranos Roman direkt mit: 24h Öffnungszeiten zum Shoppen und vermeintlichen Verwöhnen, YouTube, Instagram - der Balsam und die Belohnung für das affektgesteuerte, sinnentleerte Dasein und gleichzeitig Mittel zur Reproduktion der den Schmerz auslösenden, kapitalistischen Logik - willkommen im Teufelskreis von Profit und moderner Aufmerksamkeitsökonomie! Doch was können wir daraus lernen? Wie kann dieser Kreis durchbrochen werden? Wird Marisa dies gelingen?

Der Weg und die Antwort der Autorin ist hier sicher als durchaus bewusst überspitzt dargestellt zu verstehen, und verfehlt gerade deshalb seine Wirkung nicht! Geht so ist ein Roman, der mit seinem bissigen, witzigen, bitterbösen Ton nicht nur hervorragend unterhält, sondern mit seiner klugen hintergründigen Gesellschaftskritik auch zum Nachdenken und diskutieren darüber anregt, welchen Preis unser aktuelles Gesellschaftsmodell hat und in was für einer Gesellschaft wir leben möchten! Für mich in dieser Mischung ein grandioser Gegenwartsroman und ein echtes Highlight!

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Veröffentlicht am 04.04.2025

Gefangen im Job

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Marisa ist genervt von ihrem Job, gelangweilt und doch darin gefangen. Bei Meetings lenkt sie sich durch Kritzeleien ab, ist vom Kollegensmalltalk genervt und braucht die Freizeit mit YouTube Videos um ...

Marisa ist genervt von ihrem Job, gelangweilt und doch darin gefangen. Bei Meetings lenkt sie sich durch Kritzeleien ab, ist vom Kollegensmalltalk genervt und braucht die Freizeit mit YouTube Videos um gedanklich dem Ganzen zu entfliehen. Dabei verliert sie sich und jegliche Energie. Hält sich mit Medikamenten über Wasser, um irgendwie den Alltag zu überstehen - wenn möglich ohne Schlafstörungen und Angststörung. So wie Marisa geht es vielen in ihren Jobs, irgendwo zwischen Burnout und Boreout und doch schafft man den Sprung aus diesem Hamsterrad nicht hinaus. Und so begleiten wir Marisa zu einem immer näher rückenden Team-Event auf das sie so gar keine Lust hat, denn die Kollegen auch noch am Wochenede ertragen zu müssen grenzt für sie an Folter. Es ist so gut und realistisch geschrieben, dass ich sehr oft traurig nicken musste - ja, ein solches Berufsleben, dass kaum noch Luft für das echte Leben lässt, obwohl man vor langweile und Einsamkeit vergeht … Marisa steht für ein großes Problem im Arbeitsleben. Absolut lesenswert - auch wenn die Lösung/das Ende nicht die ideale Botschaft vermittelt. Doch gibt es die ideale Lösung und den „einen“ Weg da hinaus? Ich glaube, die Antwort lautet: Nein

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