Hailee hat sich ihr ganzes Leben lang eingeigelt. Doch diesen Sommer möchte sie endlich all die Erfahrungen sammeln, die ihr dabei in den letzten Jahren durch die Lappen gegangen sind. Sie will mutig sein, ihre eigenen Grenzen überwinden und so viele Erinnerungen sammeln wie es nur geht. Doch plötzlich macht ihr Auto schlapp, das sie auf keinen Fall zurücklassen kann. Als sie nun in einer Kleinstadt in Virginia festsitzt, macht sie ein paar Erfahrungen, die so nicht auf ihrer Liste standen und vor allem Chase kommt ihr dabei gefährlich nahe.
Bevor ich genauer auf den Inhalt zu sprechen komme, möchte ich nochmal das wunderschöne Cover erwähnen. Falling fast hat für mich (trotz des langsam nervenden Pastell-Wahnsinns) eins der schönsten Cover in diesem Frühjahrsprogramm überhaupt. Ich mag die Farben, ich mag den Metallic-Effekt und es sticht einfach aus der Masse heraus. Doch leider hält diese tolle Hülle nicht, was sie verspricht, denn der Inhalt konnte mich leider nicht überzeugen.
Beginnen wir mit den beiden Protagonisten. Das buch wird aus Hailees und Chase’ Sicht erzählt. Mit Hailee hatte ich tatsächlich so meine Probleme, da sie permanent entgegen ihrer eigenen Gedanken handelt. Natürlich verstehe ich, dass man mal über seinen Schatten springen sollte. Auch die Kampagne zum Buch sagt es ja bereits: Sei mutig. Doch da sie immer wieder in Situationen gebracht wird, in denen sie das eine denkt und das andere tut, konnte ich Hailee irgendwann zum einen nicht mehr ernst nehmen und zum anderen auch als Charakter überhaupt nicht mehr greifen. Das wiederum hinderte mich daran mich in sie hinein versetzen zu können, entfernte mich emotional zu ihr, sodass ich in praktisch keinem Moment mehr mit ihr mitfühlen konnte. Vielleicht bedeutet das auch, dass ich mich generell nicht in Personen mit Angststörung hineinversetzen kann? Ich weiß es nicht, aber hier war irgendwann einfach der Ofen aus.
Chase mochte ich hingegen eigentlich sehr gern. Er verhält sich gegenüber diesem Mädchen, das er gerade erst getroffen hat, äußerst vorbildlich und freundlich. Vielleicht ist er sogar zu glatt, aber das hat mich während des Lesens nicht gestört. Natürlich hat auch er ein Geheimnis und auch seine eigenen Probleme, doch leider werden die zwar immer wieder angesprochen, aber für mich nicht einmal ansatzweise gelöst. Klar, es gibt einen zweiten Band, doch der müsste meines Erachtens nach um die eintausend Seiten umfassen, wenn man alle Geheimnisse, Probleme und Konflikte vernünftig lösen möchte. Sein Dilemma hat für mich neben dem, was mit Hailee geschieht, einfach keinen Platz mehr in diesem Buch. Es tut mir wirklich leid, dass ich das so hart sagen muss, aber nach diesem Ende ist es einfach nicht möglich sich noch mit den– im Vergleich!– belanglosen Problemen von Chase auseinander zu setzen.
Die Lovestory der beiden fand ich wiederum sehr gelungen. Es geht nicht zu schnell, sodass man auch nachvollziehen kann, wie sich die Gefühle entwickeln. Gerade das fehlt mir in diesem Genre manchmal, weil dann alles schnell Knall auf Fall kommt. Hier wird dem Ganzen genug Zeit gegeben und vor allem Chase mochte ich in den Szenen sehr gern. Natürlich vertritt auch er das Sixpack-Klischee, doch ich fand seine Handlungen einfach süß. Ich bin unheimlich froh, dass er nicht der typische Bad Guy ist, sondern ein ganz normaler, wenn auch sehr interessanter Kerl, den man einfach gern haben muss.
Ich muss ja gestehen, dass Falling Fast mein erstes Buch von Bianca Iosivoni war. Der flüssige und gefühlvolle Schreibstil der Autorin gefiel mir sehr gut, doch leider war die Handlung an sich recht zäh. Nicht nur, dass ich zu den Protagonisten keine Verbindung aufbauen konnte, mir fehlte leider auch die Spannung im Buch. Es gab immer mal wieder kleinere Highlights, die mich aber nicht bei der Stange halten konnten, sodass ich ungefähr ab der Hälfte begonnen habe das Buch nur noch quer zu lesen oder zu überfliegen. Trotz dass ich manchmal ganze Seiten übersprungen habe, hatte ich nie das Gefühl irgendwas verpasst zu haben, was ich nicht als gutes Zeichen werten kann.
Und dann kam das Ende. Auf sechs Seiten gab es den übelsten Showdown mit einem krassen Plottwist und Cliffhanger für… so ziemlich jeden, außer für mich. Trotz dass ich die Triggerwarnung nicht gelesen habe, ich vorher nicht ansatzweise gespoilert wurde oder ähnliches, was mir recht schnell klar, worauf es hinauslaufen wird. Dass man dieses Ende dann aber bei einem Buch mit vierhundertachtzig auf die letzten sechs quetscht, fand ich persönlich viel zu schnell und knapp abgehandelt.
ACHTUNG SPOILER
Ich möchte es in aller Deutlichkeit sagen: Ein (potentieller) Suizid ist kein Cliffhanger! Und dieses Ende lässt mich einfach fassungslos und wütend zurück. Dass man das auch noch mit einer Kampagne, deren Slogan “Sei mutig!” lautet, stößt für mich an die Grenzen des guten Geschmacks und ich frage mich wirklich, wer sich das ausgedacht hat! In Verbindung mit dem Überwinden ihrer Ängste– ok. Doch das bleibt dem Leser doch bei diesem Ende nicht im Kopf! Die Verknüpfung ist doch eine völlig andere! Entschuldigt bitte, liebes LYX-Team, aber da habt ihr echt gepennt. Ich bin niemand, der selbst eine diagnostizierte psychische Störung hat, doch selbst ich finde die Kombination aus all dem wirklich, wirklich fragwürdig und ich würde mir da ein offizielles Statement von euch wünschen, denn es wird einige LeserInnen geben, die in ihrem kleinen Kämmerchen sitzen und nicht wissen, wie sie das verarbeiten sollen. Ich kann mir hier Luft machen. Oder auf meinen Social Media-Kanälen und mit ein bisschen Glück schenkt man mir sogar Gehör, aber das kann nun mal nicht jeder und ich hoffe sehr, dass sich diese Personen den Slogan im Hinblick auf das Ende nicht zu Herzen nehmen.