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Veröffentlicht am 05.04.2026

Auf zwei Rädern ins Abenteuer

SUPERBIKES Das große Vorlesebuch
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In dem Vorlesebuch erleben die „Superbikes“ rund um das große Velio-Rennen zahlreiche spannende Abenteuer. Die einzelnen Geschichten drehen sich um unterschiedliche Fahrräder, die alle individuell beschrieben ...

In dem Vorlesebuch erleben die „Superbikes“ rund um das große Velio-Rennen zahlreiche spannende Abenteuer. Die einzelnen Geschichten drehen sich um unterschiedliche Fahrräder, die alle individuell beschrieben und mit eigenen Charakterzügen ausgestattet sind. Gerade für kleine Fahrradfans bietet das Buch viele schöne Momente zum Staunen, Mitfiebern und Schmunzeln.

Der Schreibstil ist angenehm leicht, flüssig und für Kinder bis etwa 8 Jahre sehr gut verständlich. Die Geschichten sind lebendig erzählt und die Kapitel haben eine angenehme Länge, sodass sie sich wunderbar zum Vorlesen eignen. Gleichzeitig sind sie auch für Leseanfänger gut geeignet, weil die Handlung überschaubar bleibt.

Die Illustrationen sind farbenfroh, dynamisch und fangen die Szenen und die Bewegung der Geschichten sehr schön ein. Aus meiner Erwachsenensicht wirken die Fahrräder mit ihren „echten“ Köpfen teilweise ein wenig skurril oder ungewohnt, mein Sohn hingegen war davon begeistert. Und letztlich zeigt genau das, dass die Gestaltung ihre Zielgruppe offenbar sehr gut anspricht.

Was wir uns an einigen Stellen noch etwas mehr gewünscht hätten, ist mehr erzählerische Tiefe in den einzelnen Geschichten. Die Abenteuer sind durchweg unterhaltsam, liebevoll erzählt und kindgerecht aufgebaut, hätten an manchen Stellen aber noch ein wenig mehr Raum vertragen. Einige Figuren, Konflikte oder Entwicklungen hätten mit etwas mehr Ausarbeitung noch stärker wirken können.

Fazit: Ein liebevoll gestaltetes, unterhaltsames und kindgerechtes Buch, das vor allem kleine Fahrradfans begeistern dürfte. Es punktet mit sympathischen Figuren, einem gut verständlichen Schreibstil und farbenfrohen Illustrationen, die Kinder sofort ansprechen. Auch wenn die einzelnen Abenteuer stellenweise noch etwas mehr Tiefe hätten haben können, schmälert das den Lesespaß insgesamt kaum.

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Veröffentlicht am 05.04.2026

Ein Wiedersehen mit Anni, das einfach Freude macht

Möwen, Seegang, falsche Fährte - Anni Gade und die Fördemorde
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Inhalt: Annis Freundin Nele möchte an einem Fotowettbewerb zum Thema Lost Places teilnehmen. Eine alte, verlassene Mühle scheint das perfekte Motiv zu sein. Doch als Nele die Mühle nachts aufsucht, um ...

Inhalt: Annis Freundin Nele möchte an einem Fotowettbewerb zum Thema Lost Places teilnehmen. Eine alte, verlassene Mühle scheint das perfekte Motiv zu sein. Doch als Nele die Mühle nachts aufsucht, um bei Mondschein Fotos zu machen, verschwindet sie plötzlich spurlos. Kommissar Jan Christiansen nimmt sofort die Ermittlungen auf. Doch Anni wäre nicht Anni, wenn sie nicht auch selbst alles daransetzen würde, ihre Freundin zu finden.

Mein Leseeindruck: Mit der Reihe „Anni Gade und die Fördemorde“ ist Inga Schneider eine wunderbare Cosy-Crime-Reihe gelungen, die ich unheimlich gern lese. Für mich war deshalb auch sofort klar, dass ich den dritten Band unbedingt lesen muss.

Meine Begeisterung liegt dabei vor allem an der Hauptfigur Anni Gade. Sie gibt als Petuhtante Führungen durch Flensburg, schreckt aber privat nicht davor zurück, auf eigene Faust zu ermitteln, wenn sie das Gefühl hat, dass etwas nicht stimmt. Anni ist einfach unglaublich sympathisch, herzlich, mutig und loyal. Eine Freundin wie sie hätte wirklich jeder gern an seiner Seite.

Aber nicht nur Anni ist toll gezeichnet, auch die Nebenfiguren machen die Geschichte besonders lebendig. Freundin Nele mochte ich wieder sehr und die Dynamik zwischen Anni und Jan sorgt erneut für emotionale Spannung, aber auch schöne Momente. Gleichzeitig gibt es Figuren, die der Geschichte auf herrlich schräge und charmante Weise ihren ganz eigenen Ton verleihen wie etwa Annis Mutter oder Wilhelmine, die Nachbarin ihrer Eltern.

Der Schreibstil von Inga Schneider ist angenehm leicht, bildhaft und mit einer wunderbaren Portion Humor versehen. Der Fall ist spannend und logisch aufgebaut. Besonders schön finde ich die Verbindung aus Spannung, norddeutschem Charme und dieser gemütlichen, fast heimeligen Stimmung, die die Reihe ausmacht.

Außerdem schafft es die Autorin erneut, Flensburg beim Lesen lebendig werden zu lassen. Ich habe richtig Lust bekommen, selbst einmal durch die Stadt zu schlendern oder am besten direkt eine Fahrt mit dem Salondampfer Alexandra zu unternehmen.

Fazit: Ein herrlich gemütlicher Küstenkrimi, der Spannung, Lokalkolorit und Wohlfühlatmosphäre miteinander verbindet. Beim Lesen wollte ich nicht nur unbedingt wissen, wie der Fall ausgeht, sondern auch, wie es mit den lieb gewonnen Figuren weitergeht.

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Veröffentlicht am 03.04.2026

Ferris Geschichte über Mobbing und Mut

Ferri
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Inhalt: Ferri ist ein fröhlicher Fisch, der am liebsten singt. Doch plötzlich sind die anderen Fische gemein zu ihm, drohen ihm, beschimpfen ihn und lachen ihn aus. Zuhause verschweigt Ferri seine Sorgen. ...

Inhalt: Ferri ist ein fröhlicher Fisch, der am liebsten singt. Doch plötzlich sind die anderen Fische gemein zu ihm, drohen ihm, beschimpfen ihn und lachen ihn aus. Zuhause verschweigt Ferri seine Sorgen. Er beginnt sogar, die Schuld bei sich selbst zu suchen. Zum Glück begegnet er Wali Wal, dem er sich anvertrauen kann und der ihm hilft, die Situation zu verstehen.

Unser Leseeindruck: Das Buch greift das wichtige und leider sehr aktuelle Thema Mobbing auf, dem viele Kinder im Alltag begegnen. Besonders eindrücklich wird gezeigt, wie Ferri unter der Ausgrenzung leidet und wie schwer es ihm fällt, darüber zu sprechen. Seine Gedanken und Gefühle wie Scham, Unsicherheit und Selbstzweifel sind sehr realistisch dargestellt und für Kinder gut nachvollziehbar.

Mit der Figur der Qualli wird zudem eine weitere wichtige Perspektive eingeführt. Sie möchte eigentlich helfen, traut sich jedoch nicht, aus Angst selbst zur Zielscheibe zu werden. Damit greift das Buch auch die Rolle von Mitläuferinnen und stillen Beobachterinnen auf.

Wali Wal übernimmt eine zentrale Rolle. Er macht Ferri Mut und zeigt ihm, dass mit ihm alles in Ordnung ist. Die Schuld liegt nicht bei ihm, sondern bei denjenigen, die ihn schlecht behandeln. Gleichzeitig wird kindgerecht erklärt, dass hinter Mobbing oft Gründe wie Neid oder der Wunsch nach Aufmerksamkeit stecken.

Das Thema wird leicht verständlich und sensibel aufbereitet. Kinder finden in Ferri eine Figur, mit der sie sich gut identifizieren können. Besonders hervorzuheben ist die klare Botschaft des Buches:
Mobbing ist nicht in Ordnung und die Betroffenen tragen keine Schuld. Gleichzeitig ermutigt die Geschichte dazu, sich Hilfe zu holen und belastende Situationen nicht allein auszuhalten. Das Buch bleibt dabei durchgehend hoffnungsvoll und zeigt konkrete Wege auf, wie Kinder Unterstützung finden können.

Die farbenfrohen Illustrationen der Unterwasserwelt haben uns sehr gut gefallen. Sie tragen dazu bei, das schwierige Thema zugänglicher zu machen und unterstützen Kinder dabei, die Gefühle der Figuren besser zu verstehen. Auch sprachlich hat uns das Buch überzeugt. Die Sprache ist klar, verständlich und emotional zugänglich, ohne überfordernd zu wirken.

Besonders positiv ist, dass das Buch am Ende zusätzliche Informationen für Eltern und pädagogische Fachkräfte bietet. Diese helfen dabei, das Thema Mobbing weiter zu vertiefen und Kinder gezielt zu unterstützen.

Fazit: Ein sensibles und wichtiges Kinderbuch, das sich auf einfühlsame und kindgerechte Weise mit Mobbing, Ausgrenzung und dem Mut, Hilfe anzunehmen, auseinandersetzt. Ein empfehlenswertes Buch, um zuhause, im Kindergarten oder in der Schule mit Kindern über diese Themen ins Gespräch zu kommen.

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Veröffentlicht am 02.04.2026

Von Fremdheit, Verlust und Neubeginn

Moosland
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Inhalt: Im Sommer 1949 reist Elsa aus dem vom Krieg gezeichneten Deutschland nach Island, um dort auf einem Bauernhof zu arbeiten. Doch ihrer neuen Umgebung und den Menschen begegnet sie mit Schweigen ...

Inhalt: Im Sommer 1949 reist Elsa aus dem vom Krieg gezeichneten Deutschland nach Island, um dort auf einem Bauernhof zu arbeiten. Doch ihrer neuen Umgebung und den Menschen begegnet sie mit Schweigen und Abweisung. Nach und nach wird deutlich, dass nicht nur Elsa schwer an ihrem Schicksal trägt, sondern auch die Menschen um sie herum von Verlust, Verletzungen und unausgesprochenen Erinnerungen geprägt sind.

Mein Leseeindruck: Im Jahr 1949 reisten knapp dreihundert deutsche Frauen nach einem Aufruf der isländischen Bauernpartei nach Island. Die Frauen sollten jung, landwirtschaftlich erfahren und entnazifiziert sein. Island hatte sich in den Jahren zuvor durch die amerikanische Besatzung stark verändert. Erstmals kam Geld in das zuvor arme, landwirtschaftlich geprägte Land. Infrastruktur und Schulen entstanden, die Fischindustrie wurde ausgebaut. Gleichzeitig setzte eine Landflucht ein und viele Isländerinnen gingen mit amerikanischen Soldaten in die USA. Auf dem Land fehlten in Folge vor allem Frauen.

Schon dieser historische Hintergrund in dem die Handlung spielt, hat mich von Anfang an fasziniert. Katrin Zipse greift hier ein wenig bekanntes, aber sehr interessantes Kapitel der Nachkriegszeit auf und zeigt dabei die Folgen des Zweiten Weltkriegs sehr eindringlich.

Elsa ist fiktiv eine dieser 300 Frauen. Sie ist durch den Krieg schwer traumatisiert und hat alle Menschen verloren, die ihr etwas bedeuteten. In Deutschland hält sie nichts mehr. Dass sie nicht spricht, liegt nicht nur daran, dass sie kein Isländisch kann, sondern auch an ihrer inneren Erstarrung. Elsa wirkt oft verschlossen, entwurzelt und nur schwer greifbar. Gerade das macht sie aber zu einer glaubwürdigen und berührenden Figur. Auch die isländische Bauernfamilie ist authentisch und vielschichtig dargestellt als Menschen mit eigenen Hoffnungen, Enttäuschungen und Konflikten.

Beim Lesen hatte ich oft das Gefühl, selbst in Island zu sein. Die raue und weite Natur mit Meer, Sturm, Gebirge und Kälte wird so anschaulich beschrieben, dass eine sehr dichte Atmosphäre entsteht. Die Kargheit, die Einsamkeit und die Härte der Natur spiegeln auch Elsas innere Verfassung gekonnt wider.

All das erzählt Katrin Zipse auf eine stimmungsvolle, poetische und tiefgründige Weise. Ihr Schreibstil ist ruhig und eindringlich. Vieles wird nicht direkt ausgesprochen, sondern über Blicke, Gesten, Naturbilder und Beobachtungen vermittelt. Gerade diese Zurückhaltung macht den Roman für mich besonders eindrucksvoll.

Fazit: „Moosland“ ist ein stiller, eindringlicher und atmosphärisch sehr dichter Roman über Fremdheit, Verlust, Neuanfang und das langsame Wiederfinden von Sprache und Zugehörigkeit. Besonders gelungen sind der historische Hintergrund, die komplexe Hauptfigur Elsa und die eindrucksvolle Darstellung der isländischen Landschaft. Sehr gerne würde ich noch mehr über Elsa lesen.

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Veröffentlicht am 01.04.2026

Ein Leben mit Schuld

Am helllichten Tag
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Inhalt: Als Tonis Vater stirbt, hinterlässt er mehr als nur Erinnerungen. In seinem Nachlass findet Toni einen unvollendeten Brief, in dem er von einer Schuld spricht, die ihn seit seiner Kindheit nicht ...

Inhalt: Als Tonis Vater stirbt, hinterlässt er mehr als nur Erinnerungen. In seinem Nachlass findet Toni einen unvollendeten Brief, in dem er von einer Schuld spricht, die ihn seit seiner Kindheit nicht mehr losgelassen hat. Auf der Suche nach Antworten stößt Toni auf drei am hellichten Tag in Pirmasens spurlos verschwundene Kinder in den 1960er Jahren. Welche Rolle spielte ihr Vater dabei?

Mein Leseeindruck: Mich hat an dem Buch vor allem das zentrale Thema der Schuld beeindruckt. Es geht darum, wie Menschen mit ihr umgehen. Trägt man sie still mit sich herum, bis sie einen innerlich zerfrisst? Findet man den Mut, sich ihr zu stellen? Oder versucht man, sie zu verdrängen? Klar wird dabei vor allem eines, ganz entkommen kann man ihr nicht.

Die Figur der Toni hat mir besonders gut gefallen. Einerseits hadert sie mit der schwierigen Beziehung zu ihrem Vater, von dem sie sich im Laufe der Jahre immer mehr entfremdet hat. Andererseits spürte ich ihren Wunsch, ihm im Nachhinein näherzukommen, sein Verhalten zu verstehen und vielleicht auch Frieden mit der Vergangenheit zu schließen. Diese innere Zerrissenheit wirkte auf mich sehr authentisch.

Auch die Darstellung von Pirmasens fand ich spannend. Die Stadt, einst geprägt von Wohlstand durch ihre Schuhindustrie, wird hier als Ort gezeigt, der im Laufe der Zeit an Glanz verloren hat. Eine Entwicklung, die die melancholische Grundstimmung des Buches gut unterstreicht.

Peter Probst verwebt die fiktive Handlung geschickt mit der realen Geschichte der drei verschwundenen Kinder aus den 60er Jahren. Gerade dieser Bezug zur Wirklichkeit macht die Geschichte besonders eindringlich, zumal der Fall bis heute nicht aufgeklärt ist.

Fazit: Ein eher ruhiger Krimi, der weniger von Action als von seinen moralischen Fragen lebt und gerade dadurch nachwirkt.

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