Von Zeitreisen und magischen Tentakeln
Das White Octopus HotelIch mag Bücher, die ein wenig anders sind. Zeitreisen? Klar, oft genug gelesen. Magische Gegenstände und Artefakte? In der Fantasy bereits Standard-Requisite. Was also macht dieses Buch so anders? Ich ...
Ich mag Bücher, die ein wenig anders sind. Zeitreisen? Klar, oft genug gelesen. Magische Gegenstände und Artefakte? In der Fantasy bereits Standard-Requisite. Was also macht dieses Buch so anders? Ich fang mal bei der Protagonistin an: Nicht allein die Tatsache, dass Eve emotional verschlossen und stets schwarz gekleidet auftritt, macht sie so besonders. Introvertierte Einzelgänger gibt es zuhauf. Entscheidend ist das WARUM: Unter ihrer Haut lebt ein Oktopus aus Tinte (wie der dort hingekommen ist erfahrt ihr beim Lesen). Nunja, und der wandert eben auch mal hin und her und hinterlässt Tintenflecken. Allein die Vorstellung ist doch total abgefahren, oder? Das jedenfalls schränkt die Kleiderwahl stark ein, wenn Eve nicht sämtliche Mitmenschen in Panik versetzen will. So weit, so verständlich. Hinzu kommt dann noch ein Ereignis in ihrer Kindheit, an dem sie selbst jetzt noch zu knabbern hat (da gebe ich zu, das war das einzige, womit ich wegen der Intensität nach all der Zeit etwas haderte) Trost sucht sie in der Musik eines Komponisten, welcher in den 1930ern spurlos verschwand. Und plötzlich bei ihr im Büro als alter Mann auftaucht. Was natürlich nicht sein kann, der Name ist bestimmt rein zufällig derselbe. Und sein achtarmiges Geschenk an sie kann auch nur Zufall sein, oder? Über einige Umwege gelangt sie ins Octopus Hotel, einst Grand Hotel der Reichen, heute ein Lost Place. Doch war da nicht was mit Zeitreisen? Genau, und hier geht der Spaß erst richtig los. Oder das Verwirrspiel, Komponist inklusive.
Bis zum Schluss habe ich gerätselt, wie die Zeitebenen und gewisse Charaktere im Hotel miteinander in Verbindung stehen könnten. Die Kausalkette ist einerseits nicht zwingend chronologisch, im Nachhinein betrachtet ergibt alles einen Sinn, aus dem Zeitlabyrinth wird eine erkennbare Zeitsprung-Linie. Bis dahin gibt es allerdings so viel Schräges zu erleben, auch aus der Perspektive des Komponisten Max.
Bis zum Schluss hat die Autorin es geschafft, die Spannung hoch zu halten, bis mit dem letzten Oktopus das Puzzle endlich ein Gesamtbild ergibt. Von mir erhält das Buch wohlverdiente 4,5 / 5 Seesterne.