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Veröffentlicht am 30.06.2026

Zwischen Tod, Pflicht und Anziehung.

I Am the Blade
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Es sind oft diese zufälligen Momente, in denen man ohne große Erwartung durch Inhalte treibt. So auch bei mir, als ich mich eher beiläufig durch Instagram scrollte. Zwischen flüchtigen Eindrücken blieb ...

Es sind oft diese zufälligen Momente, in denen man ohne große Erwartung durch Inhalte treibt. So auch bei mir, als ich mich eher beiläufig durch Instagram scrollte. Zwischen flüchtigen Eindrücken blieb ich schließlich an einem gezeichneten Bild hängen: eine junge Frau mit violetten Haaren vor einem fast ätherisch wirkenden Hintergrund.

Die deutsche Fantasy- und Science-Fiction-Autorin Marie Graßhoff war mir bis dahin noch kein Begriff. Doch mit jedem Post und jedem Kommentar, den ich zu ihrem neuesten Roman „I Am The Blade“ gelesen habe, wuchs mein Wunsch, dieses Buch selbst in die Hand zu nehmen.


Seren ist eine Assassine, geschaffen, um dem Haus zu dienen und die Dunkelheit in Schach zu halten. Ihre Gabe erlaubt es ihr, die Seelen ihrer Opfer in Waffen zu verwandeln und später herbeizurufen. Als sie den Rebellen Vale tötet, wird jedoch rasch klar, dass dieser Tod weit mehr in Bewegung setzt, als sie erwartet hat. Vale weigert sich, sich Seren zu beugen und will sie stattdessen in ihren Tod treiben.
Während das Haus von mysteriösen Mordfällen erschüttert wird, geraten Loyalität, Verrat und Wahrheit immer weiter ins Wanken. Seren und Vale müssen ihre Positionen neu überdenken.

Genau da zieht einen das Buch auch schon mitten hinein: in eine rasante Fantasty-Geschichte, die mit spannenden Krimi Elementen gespickt ist.
Die Welt ist vielschichtig, düster und so durchdacht, dass das Worldbuilding richtig trägt. Besonders mochte ich die Fantasy-Elemente, die mich an japanische Anime-Serien wie „Noragami“ oder „Soul Eater“ erinnert haben, ohne dass es sich jemals wie ein Abklatsch angefühlt hat. Was mich beeindruckt hat, war, dass der Haters-to-Lovers-Aspekt zwar da ist, aber nicht alles überlagert, sondern eher im Hintergrund bleibt und sich erst spät in der Geschichte entwickelt. Dadurch wirkte das Ganze für mich viel natürlicher und weniger konstruiert als in anderen Fantasybüchern.

Lobend möchte ich die Detailverliebtheit ebenso wie den Anspruch der Autorin noch einmal hervorheben, mit der sie versucht hat, ein ganzes Universum um diesen Roman zu ziehen. Wie zum Beispiel die eigens erstellte Spotify-Playlist oder eine gemeinsamen Lesegruppe auf dem Neon-Gang-Discord-Server. Genau solche Kleinigkeiten machen den besonderen Reiz rund um das Buch aus, ein Fan Service, der seinesgleichen sucht.

Neben all diesen Dingen war die Autorin auch ihre eigene Grafikdesignerin und hat sich für die atemberaubend schöne visuelle Umsetzung verantwortlich gezeigt. Diese kreative Vielseitigkeit verdient großen Respekt. Ich bin mir sicher, dass das Buch für viele schon beim ersten Blick einen Kaufimpuls auslöst, ob online oder im lokalen Buchhandel. Und das Beste daran ist, dass diese Vorschusslorbeeren beim Lesen tatsächlich eingelöst werden, sodass kein hohles Versprechen zurückbleibt.


Ein kleiner Kritikpunkt für mich war, dass ich zunächst aufgrund der Komplexität, des neuen Settings und des Regelwerks Startschwierigkeiten hatte und mich erst etwas einlesen musste.


Meine Bewertung:
(5 von 5 Sterne)
Ich kann das Buch nur jedem empfehlen, der sich neben einer komplexen Welt, authentischen Figuren und einer spannenden Story noch ein kleines Sahnehäubchen in Form von Zusatzmaterialien wünscht.
Ich bin weiterhin verliebt in das Gesamtpaket und freue mich sehr, dass die Autorin schon jetzt den zweiten Band dieser Duologie für den Sommer 2027 angekündigt hat.
Bleibt nur die Frage, seid ihr auch dabei?

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Veröffentlicht am 30.06.2026

Zwischen Freiheit und Gefühl.

Halbwach
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Beim Stöbern nach kommenden Neuerscheinungen bin ich auf „Halb wach“ gestoßen und war sofort angetan, sowohl vom raffinierten Titel als auch vom ästhetisch gestalteten Cover, das mit seiner abgewandten ...

Beim Stöbern nach kommenden Neuerscheinungen bin ich auf „Halb wach“ gestoßen und war sofort angetan, sowohl vom raffinierten Titel als auch vom ästhetisch gestalteten Cover, das mit seiner abgewandten Frauenfigur unmittelbar meine Neugier geweckt hat. Das Cover verweist bereits auf eine innere Spannung, auf Distanz und auf etwas, das sich dem Blick zunächst entzieht.

Die deutsche Autorin Sophia Como war mir zu diesem Zeitpunkt noch kein Begriff. Nicht weiter verwunderlich, denn zeitgenössische Liebesromane lese ich eher selten. Trotzdem reizte mich das Buch sehr, da die Handlung eine etwas andere Liebesgeschichte versprach.


Im Zentrum der Geschichte steht Zoe. Sie ist eine moderne, feministische und sehr taffe Frau, die konsequent ihren eigenen Weg geht. Sie sucht keine langfristigen, tiefgehenden Partnerschaften wie viele andere in ihrem Alter. Zoe möchte unverbindlichen Spaß mit Männern, sie liebt ihre Autonomie und Unabhängigkeit. Nähe wird ihr dabei schnell zu viel, sodass sie ausbrechen will. Dass sie dabei das ein oder andere Herz bricht, nimmt sie in Kauf.

Als sie Mael kennenlernt, scheint er endlich ihr passendes Gegenstück zu sein. Auch er möchte keine Beziehung und alles möglichst lose und unverbindlich halten. Doch zunehmend gerät Zoes scheinbar stabiles Weltbild ins Wanken und sie beginnt sich zu fragen, wer sie ist und was sie wirklich will.


Den Ansatz dieses Romans fand ich sehr spannend. Einer weiblichen Figur Eigenschaften zuzuschreiben, die oft eher männlich gelesen werden, wirkt erfrischend und längst überfällig.
Zunächst erscheint Zoe wie eine Frau, die viele von uns gern wären: voller Energie, selbstbewusst und mit einer klaren „ist mir egal, was du denkst“-Haltung. Gleichzeitig ist sie unsicher, hadert mit ihrem Aussehen, fühlt sich stellenweise verloren und auch einsam. Konflikte mit Familie und Freunden gehören ebenso zu ihrem Leben. Gerade diese Widersprüchlichkeit macht sie als Protagonistin authentisch und in ihren Handlungen nachvollziehbar.

Schreibstil, Sprache und Dynamik empfand ich als frisch und angenehm leicht. Ich bin in zwei Tagen geradezu durch das Buch geflogen.

Besonders hervorheben möchte ich die von der Autorin erstellte Playlist. Sie ist zu Beginn des Buches zu finden und spiegelt die Stimmung der Geschichte sehr gut wider. Auch auf Spotify lässt sie sich problemlos finden, was das Leseerlebnis auf eine schöne Weise ergänzt.

Wenn man Kritik äußern möchte, ließe sich sagen, dass das Buch stellenweise sehr deutlich feministisch geprägt ist und dabei einige bekannte Muster aufgreift. Es gibt Männer, die Grenzen nicht respektieren, und Familienmitglieder, die sich toxisch verhalten. Dem gegenüber stehen Zoes Freundeskreis, der fast schon idealtypisch wirkt: der beste Freund als absolute Green Flag, der bisexuelle Kumpel, die Freundin, die sich schnell in die falschen Beziehungen stürzt.
Trotzdem funktionieren diese Nebenfiguren im Kontext der Geschichte gut. Sie bleiben eigenständig und geben Zoe Raum zur Entwicklung. Gerade das hat mir besonders gefallen, dass die Geschichte nicht oberflächlich bleibt. Ich mochte sehr, dass Zoe sich Unterstützung bei einer Therapeutin sucht und ihre Themen greifbarer werden. Sie strauchelt, ist nie perfekt und versucht dennoch, ihren eigenen Weg zu finden.


Meine Bewertung:
(5 von 5 Sternen)
Wer einen modernen Liebesroman ohne Kitsch, aber mit klarem Bezug zur Gegenwart sucht, wird hier fündig. Ich habe das Buch sehr gern gelesen und bin froh, mich auf eine neue Autorin eingelassen zu haben.

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Veröffentlicht am 19.06.2026

Ich dachte ich bekomme Romcom – ich bekam Chaos.

Ein unheimlich guter Mensch
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Als ich „Ein unheimlich guter Mensch“ von Kirsten King gesehen habe, dachte ich direkt, was für ein originelles, fast schon absurd lustiges Cover. Die surreale Pop-Ästhetik ist für mich ein absoluter Blickfang ...

Als ich „Ein unheimlich guter Mensch“ von Kirsten King gesehen habe, dachte ich direkt, was für ein originelles, fast schon absurd lustiges Cover. Die surreale Pop-Ästhetik ist für mich ein absoluter Blickfang im Bücherregal. Ein scheinbar klassisches Gemälde wird hier mit kleinen Gimmicks in die Neuzeit gezogen.
Nach der Leseprobe war ich sofort positiv gestimmt. Die Protagonistin Lillian wirkt liebenswert, herrlich chaotisch und authentisch. Ich dachte, vielleicht wird das sogar ein bisschen philosophisch.
Ich lag so falsch.

Was ist ein guter Mensch und wie wird man zu einem? Diese Fragen hatte ich beim Lesen zwar im Kopf, aber das Buch schlägt schnell eine andere Richtung ein.
Statt lange dabei zu bleiben, landen wir direkt in Lillians verrückt-normaler Welt.
Sie ist neunundzwanzig und wünscht sich nichts sehnlicher als eine stabile Beziehung. Dafür passt sie sich konsequent an, übernimmt Interessen, optimiert ihren Instagram-Account und versucht, möglichst anziehend zu wirken.
In Henry glaubt sie, den vermeintlich besten Partner gefunden zu haben, und würde alles tun, um ihn zu halten. Als er sie plötzlich verlässt, kommt Lillian auf die alkoholgeschwängerte Idee, einen Schadenszauber auf YouTube auszuprobieren. Doch statt zu ihr zurückzukehren, stirbt Henry. Ab da kippt alles.

Was folgt, ist ein zunehmend außer Kontrolle geratenes Chaos, in dem Lillians Leben Stück für Stück auseinanderfällt. Man fragt sich, wie weit das noch gehen kann.
Ich hatte mit einem leichten, spritzigen Roman über das Liebeschaos einer Frau Ende zwanzig gerechnet. Mit Wiedererkennungswert und vielleicht etwas Selbstironie.
Bekommen habe ich etwas anderes.

Lillian ist nicht liebenswert, nicht harmlos-chaotisch. Sie bewegt sich klar im Kosmos der Weird Girl Fiction. Egozentrisch, widersprüchlich und oft unangenehm. Eine Figur, bei der man nicht weiß, ob man hofft, dass sie heil da herauskommt oder ob man will, dass alles endgültig eskaliert.
Gerade darin liegt der Reiz. In diesem unangenehmen Wiedererkennen. In Momenten, in denen man sich fragt, ob man nicht selbst schon einmal Dinge gemocht hat, nur um jemand anderem zu gefallen.
Das Buch spielt genau mit diesem Unbehagen. Mit Fremdscham, mit Überforderung, mit einem inneren „Jetzt reicht es doch“ und gleichzeitig dem Drang, weiterzulesen.

Das Tempo ist angenehm und das Ende durchdacht. Sprachlich wird es stellenweise derb und manchmal fast hart, was gut zum Ton passt, aber nicht immer leicht auszuhalten ist.

Ein großer Kritikpunkt ist für mich das Fehlen einer Triggerwarnung. Sowohl physische als auch psychische Gewalt, Missbrauch, psychische Probleme und unkontrollierter Alkoholkonsum sind wiederkehrende, teils sehr harte Themen. Sie tauchen oft unvermittelt und ohne Einordnung auf. An manchen Stellen musste ich wirklich schlucken.


Meine Bewertung:
(4 von 5 Sternen)
Ich bin ehrlich, dieses Buch hat mich ziemlich hin- und hergerissen. Einerseits habe ich seine derbe, schonungslose Art sehr gefeiert, andererseits wollte ich es zwischendurch am liebsten weglegen, weil ich keine Lust mehr hatte, Lillian weiter zu begleiten.
Am Ende muss jede Person für sich entscheiden, ob sie sich auf diesen rauen Ritt einlassen und bewusst etwas abseits des Mainstreams lesen möchte.
Ein Debütroman für Vielleserinnen und Vielleser, die es ungewöhnlich, kantig und nicht allzu empfindlich mögen.

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Veröffentlicht am 01.06.2026

Zwischen Schuld und Isolation – ein düsterer Gesellschaftsthriller aus Japan.

Tokyo
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Tokuro Nukui ist in seiner Heimat Japan ein gefeierter und vielfach ausgezeichneter Autor. Und endlich können wir, dreiunddreißig Jahre nach seinem Debüt, „Tokyo Schwarzer Sommer“ auch auf Deutsch lesen. ...

Tokuro Nukui ist in seiner Heimat Japan ein gefeierter und vielfach ausgezeichneter Autor. Und endlich können wir, dreiunddreißig Jahre nach seinem Debüt, „Tokyo Schwarzer Sommer“ auch auf Deutsch lesen.
Mich hat bereits das Cover angezogen: der prägnante Titel in klarer, markanter Typografie, die reduzierte Skyline und die düstere Farbwahl passen sehr gut zu einem Thriller.

Man sollte im Hinterkopf behalten, dass japanische Krimis und Thriller etwas anders aufgebaut sind als westliche. Daher kann es sein, dass sich der Anfang zunächst etwas schwieriger oder sperriger anfühlt und man etwas Zeit benötigt, um in die Geschichte hineinzufinden.
Auch Autor Nukui legt den Fokus auf gesellschaftskritische Themen, wie soziale Isolation, Leistungsdruck und innere Abgründe. Im Vordergrund stehen weniger Action, schnelle Winkelzüge und Verfolgungsjagden, sondern vielmehr eine unterschwellig beklemmende Atmosphäre und Themen moralischer Ambivalenz.

Das zeigt sich auch in der Handlung:
Im Jahr 1990 erschüttert eine Serie rätselhafter Kindesentführungen die Bewohner Tokios. Als die Leiche eines kleinen Mädchens aufgefunden wird, eskaliert die Lage zunehmend, und die Polizei gerät unter Druck – zwischen medialer Aufregung, den Forderungen der Eltern und den eigenen politischen Interessen.
In zwei Handlungssträngen entfaltet sich die Geschichte.
Im ersten begleiten wir einen zunächst namenlosen Mann, der durch die bedrückende Hitze Tokios wandert. Er ist von Schwermut, tiefer, unbestimmter Trauer und Hoffnungslosigkeit gezeichnet und des Lebens überdrüssig. Bei einer zufälligen Begegnung trifft er auf eine rätselhafte junge Frau, die für sein Glück betet. Zum ersten Mal glaubt er, einen Ausweg gefunden zu haben. So findet er Halt in einer neuartigen Religionsgemeinschaft. Aber ist diese Gemeinschaft das, was sie vorgibt zu sein?
Im zweiten Strang folgen wir dem Leiter des Dezernats für Tötungsdelikte, Saeki, und dem Kommissaranwärter Okamoto auf der Suche nach dem Täter. Dabei wird deutlich, wie sehr auch der Polizeiapparat von internen Machtgefällen, politischen Ränkespielen und persönlichen Abneigungen geprägt ist.

Meine Bewertung:
(4 von 5 Sternen)
Der Schreibstil ist nüchtern und schnörkellos, ohne dabei an Stimmung einzubüßen. Das Erzähltempo ist ruhig, die Spannung entfaltet sich zunehmend, je tiefer man in die Geschichte eintaucht.
Die Figuren wirken zunächst zurückhaltend und klassisch gezeichnet. Sie sind stark von gesellschaftlichen Normen und Konventionen geprägt. Dennoch entwickeln sie sich glaubwürdig weiter und tragen entscheidend zur beklemmenden Atmosphäre des Romans bei.
Ein Kritikpunkt meinerseits ist, dass sehr viele Figuren auftauchen und man schnell die Übersicht verlieren kann. Es hat mir sehr geholfen, Notizen zu machen, was allerdings meinen Lesefluss immer wieder unterbrochen hat. Ein kurzes Glossar mit den wichtigsten handelnden Figuren und ihrer Funktion wäre hilfreich gewesen.

Sicherlich ist „Tokyo Schwarzer Sommer" nichts für jeden Krimi- und Thriller-Fan. Aber wer sich Zeit nimmt und das Buch auf sich wirken lassen kann, der wird einen ganz besonderen Thriller lesen, der gerade mit dem Ende zu überzeugen weiß.

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Veröffentlicht am 01.06.2026

Weird, unbequem, faszinierend: Jessamyn brennt sich ein.

She’s a Star!
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Als ich das Cover von „She’s a Star!“ der kanadischen Autorin Meredith Hambrock gesehen habe, verspürte ich sofort eine kribblige Vorfreude.
Die poppigen Farben versprühen fröhlichen Retrocharme, die schreiende ...

Als ich das Cover von „She’s a Star!“ der kanadischen Autorin Meredith Hambrock gesehen habe, verspürte ich sofort eine kribblige Vorfreude.
Die poppigen Farben versprühen fröhlichen Retrocharme, die schreiende blonde Frau dagegen eine nostalgisch-düstere Atmosphäre, die an alte Hollywoodfilme à la Alfred Hitchcock erinnert. Mein Interesse war geweckt, und ich habe mich freudig auf die Lektüre gestürzt.
Die Protagonistin Jessamyn passt perfekt zu der Frau auf dem Cover. Sie ist eine junge, blonde Theaterschauspielerin, die Großes erreichen will. Als sich ihre Chance auf den Traumjob als Musicaldarstellerin in ihrem Lieblingsstück „The Sound of Music“ bietet, ist sie sofort Feuer und Flamme und stürzt sich voller Elan, Eifer und positiver Affirmationen in die Arbeit. Doch als sie gegen ihre Erzrivalin den Kürzeren zieht und lediglich zur Betreuerin der Kinderdarsteller wird, ist ihr klar: Wenn sie nur hart genug arbeitet und präsent bleibt, wird ihre Chance kommen.
Komme, was wolle – Jessamyn ist bereit, alles zu geben!

Und damit willkommen in der bunten, obsessiven Welt von Jess.
Sie ist keine Protagonistin, der die Herzen der Leser zufliegen. Sie eckt an, ist intensiv, obsessiv und in sich gefangen, nie wirklich sympathisch und trotzdem konnte ich stellenweise immer wieder mit ihr mitfühlen.
Am Ende mündet alles in einem dystopisch anmutenden Chaos, doch der Weg dorthin ist kraftvoll, manchmal fast lustig-schaurig erzählt.
Das Erzähltempo ist flott, ohne zu hetzen und nie langatmig. Da aus Jess’ Ich-Perspektive erzählt wird, sind wir immer mitten im Geschehen. Wir genießen diese irre Fahrt, wollen wegschauen und können es doch nicht.

Gerade weil Hambrock eine Figur erschafft, die so viele negative Eigenschaften trägt und dadurch so real und plastisch wirkt, fand ich das großartig.
Jessamyn ist im besten Sinne eine tragische Antiheldin, die ihrer eigenen Klimax zum Opfer fällt. Im Subtext verwebt die Autorin Themen wie Machtgefälle, MeToo, Diskriminierung und den Wahn nach „immer besser, höher, weiter“. Und gerade, weil uns all das so vertraut ist, weil wir es täglich sehen, lesen oder vielleicht selbst erleben, wirkt der Text stellenweise wie der Bericht einer verrückten Freundin, der das alles gerade wirklich passiert, und man möchte helfen, findet aber keinen Weg.
Ich mochte Hambrocks Stil sehr; er ist erfrischend anders. Sprachlich ist der Text frisch, ironisch und manchmal leicht überdreht, was perfekt zu dem lockeren, direkten Erzählstil passt.
Und ich finde, dieses Buch schreit geradezu nach einer Verfilmung.

Meine Bewertung:
(5 von 5 Sternen)
„She’s a Star!“ ist im besten Sinne Weird Girl Fiction. Beim Lesen hatte ich oft das Gefühl, in einer wilden Achterbahnfahrt zu sitzen, die mich gleichzeitig begeistert und leicht überfordert, und genau das hat für mich den Reiz ausgemacht.
Ich glaube, wer Lust hat, mal etwas anderes zu lesen, etwas Schräges, Unbequemes und stellenweise fast ein bisschen Wahnsinniges, wird hier viel Freude haben.
Für mich ist es kein Buch, das gefallen will, sondern eines, das hängen bleibt.

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