Cover-Bild Achtsam morden
Band 1 der Reihe "Achtsam morden-Reihe"
(101)
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13,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Heyne
  • Themenbereich: Belletristik - Krimi: Humor
  • Genre: Romane & Erzählungen / Erzählende Literatur
  • Seitenzahl: 416
  • Ersterscheinung: 10.06.2019
  • ISBN: 9783453439689
Karsten Dusse

Achtsam morden

Roman
Björn Diemel wird von seiner Frau gezwungen, ein Achtsamkeits-Seminar zu besuchen, um seine Ehe ins Reine zu bringen, sich als guter Vater zu beweisen und die etwas aus den Fugen geratene Work-Life-Balance wieder herzustellen. Denn Björn ist ein erfolgreicher Anwalt und hat dementsprechend sehr wenig Zeit für seine Familie. Der Kurs trägt tatsächlich Früchte und Björn kann das Gelernte sogar in seinen Job integrieren, allerdings nicht ganz auf die erwartete Weise. Denn als sein Mandant, ein brutaler und mehr als schuldiger Großkrimineller, beginnt, ihm ernstliche Probleme zu bereiten, bringt er ihn einfach um — und zwar nach allen Regeln der Achtsamkeit.

Achtsam morden ist die Geschichte eines bewussten und entschleunigten Mordes, der längst überfällige Schulterschluss zwischen Achtsamkeitsratgeber und Krimi, vor allem aber ein origineller Unterhaltungsroman.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.03.2020

Origineller und unterhaltsamer Krimi mit schwarzem Humor und einer Prise Sexismus – für Zartbesaitete nur bedingt geeignet!

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Spoilerfreie Rezension!

Bechdel-Test (zwei Frauen mit Namen sprechen miteinander über etwas anderes als einen Mann): nicht bestanden!
Frauenfeindliche / gegenderte Beleidigungen: Schlam++, verstaubte, ...

Spoilerfreie Rezension!

Bechdel-Test (zwei Frauen mit Namen sprechen miteinander über etwas anderes als einen Mann): nicht bestanden!
Frauenfeindliche / gegenderte Beleidigungen: Schlam++, verstaubte, alte Kanzleimatratze

Inhalt

Fühlt ihr euch auch manchmal gestresst und erschöpft von den täglichen Anforderungen eures Lebens? Dann könnte eine achtsame Lebensumstellung etwas für euch sein! Diese macht der Protagonist von "Achtsam morden", der Anwalt eines Schwerkriminellen, gerade erfolgreich durch, um seine kriselnde Ehe zu retten. Als sein Mandant es irgendwann übertreibt und die gemeinsame Zeit mit seiner Tochter auf dem Spiel steht, bringt Björn Dragan einfach um - dabei befolgt er aber vorbildlich die neu erlernten Regeln der Achtsamkeit.

Übersicht

Einzelband oder Reihe: Band #1 der Reihe um Björn Diemel, die Fortsetzung „Das Kind in mir will achtsam morden“ erscheint im Mai 2020
Erzählweise: Ich-Erzähler, Präteritum
Perspektive: männliche Perspektive
Kapitellänge: kurz bis mittel
Tiere im Buch: + Es werden im Buch keine Tiere verletzt, gequält oder getötet. Fleisch wird jedoch gegessen.

Warum dieses Buch?

„Kann das funktionieren?“, fragte ich mich vor der Lektüre. Ich fand die Verbindung von Achtsamkeitskonzept und Krimi jedenfalls so ungewöhnlich und spannend, dass ich diesen Roman unbedingt lesen wollte. Die begeisterten LeserInnenstimmen fachten meine Neugierde nur weiter an.

Meine Meinung

Einstieg (5 Sterne ♥)

"Eins vorweg: Ich bin kein gewalttätiger Mensch. [...] Und den ersten Menschen habe ich auch erst mit 42 Jahren umgebracht." Seite 9

Ich habe sofort in die Geschichte gefunden und empfand den Einstieg als sehr problemlos, entspannt und „locker-flockig“.

Schreibstil (4 Lilien)

Auch Karsten Dusses Schreibstil konnte mich überzeugen. Er schreibt weder poetisch noch enthält sein Text viele Metaphern, dafür ist die schnörkellose, unaufgeregte und sehr flüssig und angenehm lesbare Sprache mit dem oft satirischen Unterton für einen kurzweiligen Krimi, der in erster Linie unterhalten soll, perfekt geeignet.

Inhalt, Themen & Ende (4 Lilien)

„Achtsamkeit ist die wertungsfreie und liebevolle Wahrnehmung des Augenblicks.“ Seite 10

Was mir am besten an dieser Mischung aus Krimi und Roman gefällt, ist die originelle, erfrischende Idee, die Karsten Dusse hatte. Vor der Lektüre habe ich mich gefragt, ob diese ungewöhnliche Verbindung von Achtsamkeit und Krimihandlung funktionieren kann. Jetzt kenne ich die Antwort: Ja, und wie! Ich fand es sehr amüsant und gleichzeitig skurril, wie der Protagonist nach und nach sein Leben umstellt und sich dabei immer weiter in Schwierigkeiten bringt – denen er jedoch ganz gelassen begegnet. Während andere in der gleichen Situation vermutlich Beruhigungsmittel eingeworfen hätten, wird der Ratgeber seines Achtsamkeitsmentors zu Björns neuer Bibel. Ich empfand die Achtsamkeitstipps am Beginn jedes Kapitels als sehr interessant und lehrreich, vor allem da immer mehr Studien die positiven Auswirkungen dieser besonderen Art der Meditation belegen. Um mal vorsichtig in das Thema hinein zu schnuppern, ist das Buch perfekt geeignet. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass viele LeserInnen sich nach der Lektüre eingehender mit dem Konzept beschäftigen werden.

Auch den schwarzen, teilweise makabren, bissigen und zynischen Humor mochte ich sehr. Trotzdem möchte ich an dieser Stelle anmerken, dass das Buch für Zartbesaitete und empathische Menschen nur bedingt geeignet ist. Manchmal haben mir Björns Opfer echt leidgetan und die Folter- oder Mordszenen waren nicht immer leicht zu verdauen. Nicht so gut gefallen hat mir auch, wie Björn sich über Bewegungen, die die Welt tatsächlich ein Stückchen besser machen können (wie z. B. Veganismus) lustig macht.

Im Roman stehen klassische Themen wie Familie, Ehekrisen, moralische Fragen, Erfolg, Berufsstress, aber auch Entspannung im Mittelpunkt – Karsten Dusse behandelt sie mit angemessener Tiefe und hat einen kurzweiligen, unterhaltsamen und gleichzeitig auch auf seltsame Weise entschleunigenden und entspannenden Krimi geschaffen, der sich sehr schnell lesen lässt und großartig endet. Ich habe das Buch mit einem zufriedenen Schmunzeln beendet. Trotz allem habe ich mir nach den positiven Rezensionen doch erwartet, dass mich der Krimi noch etwas mehr begeistert und dass der Humor noch ein bisschen mehr meinen trifft. Jeder Gag hat nämlich nicht gezündet.

„Was mich bis heute an meinem ersten Mord so mit Freude erfüllt, ist der Umstand, dass ich dabei so wertungsfrei und liebevoll den Moment genießen konnte.“ Seite 24

Protagonist (3,5 Sterne) & Figuren (3 Lilien)

Punkteabzug gibt es leider bei den Figuren. Ich mochte zwar den Humor des Protagonisten, seine Intelligenz und seine abgöttische Liebe zu seiner kleinen Tochter und fand es sehr unterhaltsam, ihn durch die Geschichte zu begleiten. Allerdings ist der Anwalt teilweise auch sehr arrogant und egoistisch, schikaniert Untergebene und lässt alle spüren, dass er sich aufgrund seines Studiums, seiner Intelligenz und seines Erfolges für etwas Besseres hält. Sicher ist das Teil der Satire und wohl zu einem Teil gewollt und authentisch (immerhin arbeitet der Autor selbst in der Branche). Leider war mir der Herr Anwalt dadurch trotzdem teilweise sehr unsympathisch und ich wurde meine Hassliebe zu ihm bis zum Schluss nicht los. Irritiert hat mich auch, dass er in kein soziales Gefüge eingebettet ist – er scheint keine Freunde zu haben und auch über seine Familie (außer Frau und Kind) erfährt man nichts.

Den Nebenfiguren stehe ich zwiespältig gegenüber. Manche von ihnen empfand ich als sehr gelungen, andere blieben leider blass. Besonders gern mochte ich natürlich die Meisterphilosophin und kleine, süße Tochter des Protagonisten: Emily. Eine Sache hat mich sehr gestört, die auch schon von „SternchenBlau“ kritisiert wurde: So gut wie alle (der ohnehin wenigen) Frauenfiguren kommen sehr schlecht weg und wirken eindimensional und fast wie Karikaturen. So gibt es beispielsweise die frustrierte, kinderlose ältere Sekretärin, die streitsüchtige, undankbare, ständig Druck ausübende, gefühlskalte Ehefrau und die unfähige, reiche Referendarin, die nur aufgrund ihrer Abstammung einen Platz in der Kanzlei erhalten hat.

Spannung & Atmosphäre (4 Lilien)

Obwohl ich mir an manchen Stellen vielleicht noch etwas mehr Tempo und Spannung gewünscht hätte, bin ich mit dem wendungsreichen und unvorhersehbaren Buch insgesamt sehr zufrieden. Es wurde nie langweilig, denn je mehr Björn das Wasser bis zum Hals stand, desto neugieriger war ich, wie er die aufkommenden Probleme mithilfe seiner achtsamen Lebensphilosophie lösen würde.

Feministischer Blickwinkel (1 Lilie)

Zuerst möchte ich erwähnen, was mir gefallen hat: Ich fand es gut, dass Björn sich an einer Stelle kritisch über die gläserne Decke und mangelnde Gleichberechtigung in der Kanzlei äußert. Außerdem fand ich schön, dass er sich mehr und mehr zu einem tollen Vater entwickelt, der sich liebevoll um seine Tochter kümmert und die Zeit mit ihr sehr genießt.

Nicht gefallen hat mir der teilweise latente, teilweise offene Sexismus, der im ganzen Buch mitschwingt. Björn kommentiert auf sexistische Weise die Kinderlosigkeit seiner Sekretärin, und überhaupt scheint es in der Welt des Autor noch sehr traditionell zuzugehen: Am Spielplatz kümmern sich nur Tagesmütter, Mütter und Großmütter um ihre Kinder (Björn wirkt durch die mangelnde Sichtbarkeit anderer Väter wie eine absolute Ausnahme), die Frauen bleiben bei ihren Kindern zu Hause oder arbeiten Teilzeit, während die Väter die Karriereleiter hochklettern. In der Anwaltskanzlei und bei anderen Unternehmen gibt es keine oder nur einzelne Frauen, die fast ausschließlich inkompetent sind. Auch Björn selbst hat Emily in den ersten Lebensjahren vor seiner achtsamen Lebenseinstellung so gut wie nie gesehen. Das Geschlechterverhältnis der Figuren ist zudem sehr (!) unausgeglichen und die wenigen Frauen, die es gibt, sind unsympathisch und eindimensional und kommen (wie oben schon angesprochen) sehr schlecht weg.

Prostitution, Menschenhandel und Frauenmorde werden niemals kritisiert, sondern oft mit einem Augenzwinkern erwähnt, was problematisch ist. Zudem gibt es eine frauenfeindliche Beleidigung (Schlam++) und der Autor glaubt aus irgendeinem Grund, es wäre okay, eine Sekretärin als „verstaubte, alte Kanzleimatratze“ zu bezeichnen. Außerdem ist das Buch meilenweit davon entfernt, den Bechdel-Test zu bestehen. Das geht wirklich besser! Für die Fortsetzung wünsche ich mir, dass der Autor „achtsamer“ mit Sexismus, der Repräsentation von Frauen und Geschlechterstereotypen umgeht.

Mein Fazit

In „Achtsam morden“ hat Karsten Dusse auf originelle Weise Achtsamkeit mit einer Krimihandlung verbunden und daraus einen skurrilen, kurzweiligen, unterhaltsamen und gleichzeitig auch auf seltsame Weise entschleunigenden und entspannenden Roman geschaffen. Der Einstieg gelang problemlos und den schnörkellosen, unaufgeregten Schreibstil fand ich sehr angenehm. Die Achtsamkeitstipps am Beginn jedes Kapitels waren sehr interessant und lehrreich. Um erstmals vorsichtig mit dem Thema in Berührung zu kommen, ist das Buch perfekt geeignet. Auch den schwarzen, teilweise makabren, bissigen und zynischen Humor mochte ich sehr. Trotzdem möchte ich an dieser Stelle anmerken, dass das Buch für Zartbesaitete und empathische Menschen nur bedingt geeignet ist. Teilweise haben mir Björns Opfer echt leidgetan. Klassische Themen wie Familie, Ehekrisen und Berufsstress stehen im Mittelpunkt – Karsten Dusse behandelt sie mit angemessener Tiefe. Trotz allem habe ich nach den positiven Rezensionen erwartet, dass mich der Krimi noch etwas mehr begeistert und dass der Humor noch ein bisschen mehr meinen trifft. Jeder Gag hat nämlich nicht gezündet. Obwohl ich mir an manchen Stellen vielleicht noch etwas mehr Tempo und Spannung gewünscht hätte, bin ich mit dem wendungsreichen und unvorhersehbaren Buch sehr zufrieden. Punkteabzug gibt es leider bei den Figuren. Ich mochte zwar den Humor des Protagonisten, seine Intelligenz und seine abgöttische Liebe zu seiner kleinen Tochter. Allerdings ist der Anwalt teilweise auch sehr arrogant und egoistisch, schikaniert Untergebene und lässt alle spüren, dass er sich für etwas Besseres hält. Dadurch war er mir teilweise sehr unsympathisch. Den Nebenfiguren stehe ich zwiespältig gegenüber. Manche von ihnen empfand ich als sehr gelungen, andere blieben leider blass. Eine Sache hat mich sehr gestört: Der manchmal latente, manchmal auch offene Sexismus, der im ganzen Buch mitschwingt. Das Geschlechterverhältnis ist sehr unausgeglichen. So gut wie alle (der ohnehin wenigen) Frauenfiguren kommen sehr schlecht weg und wirken eindimensional, unsympathisch und fast wie Karikaturen. Für die Kinderbetreuung sind in diesem Buch eindeutig die Frauen zuständig (der Anwalt selbst ist die einzige Ausnahme), es gibt sexistische Kommentare und Beleidigungen gegenüber Frauen, und im Berufsleben gibt es nur vereinzelt Frauen, die auch noch alle inkompetent sind. Außerdem ist das Buch meilenweit davon entfernt, den Bechdel-Test zu bestehen. Das geht wirklich besser! Für die Fortsetzung wünsche ich mir, dass der Autor „achtsamer“ mit Sexismus, Geschlechterstereotypen und der Repräsentation von Frauen umgeht – dann gibt es auch die fünfte Lilie. Eine Leseempfehlung gibt es schon jetzt.

Bewertung

Idee: 5 Lilien ♥
Inhalt, Themen, Botschaft: 4 Lilien
Umsetzung: 4 Lilien
Worldbuilding: 4 Lilien
Einstieg: 5 Lilien ♥
Schreibstil: 4 Lilien
Protagonist: 3,5 Lilien
Nebenfiguren: 3 Lilien
Spannung: 4 Lilien
Atmosphäre: 4 Lilien
Ende / Auflösung: 5 Lilien ♥
Emotionale Involviertheit: 3,5 Lilien
Feministischer Blickwinkel: 1 Lilie!

Insgesamt:

❀❀❀❀ Lilien

Dieses Buch bekommt von mir knappe 4 Lilien!

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Veröffentlicht am 31.12.2019

Achtsam sein, bei allem, was man tut

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In diesem Buch wird nicht einfach so gemordet. Es wird achtsam gemordet. Das ist nicht unbedingt ein besseres Sterben oder eine schönere Leiche, aber der Mörder ist am Ende seiner Tat nicht verspannt und ...

In diesem Buch wird nicht einfach so gemordet. Es wird achtsam gemordet. Das ist nicht unbedingt ein besseres Sterben oder eine schönere Leiche, aber der Mörder ist am Ende seiner Tat nicht verspannt und aggressiv.

Wer Ironie nicht versteht, liest dieses Buch besser nicht. Denn hier wird viel, mit einem Lächeln auf den Lippen, aufs Korn genommen. Angefangen beim Achtsamkeitscoach über die klischeehafte Anwaltskanzlei und dem kriminellen Mandanten bis hin zu den veganen supertollen und ethnischkorrekten und naturliebenden Eltern, die einen Kindergarten führen.

Was früher für Björn Diemel ein Grausen war, wird nun sein Alltag, doch er kann ihn trotzdem genießen, denn er hatte mehrere Sitzungen in einem Achtsamkeitsseminar absolviert und weiß nun, wie er seine Probleme mit dem Mandanten, den Chefs, der Frau und dem Kindergartenyuppies regeln muss. Achtsam halt.

Ich habe selten bei einem Krimi (der kein Regionalkrimi ist) innerlich so lachen müssen. Das Passendmachen der Achtsamkeitsregeln an die jeweilige Situation, das Zurechtbiegen der Aussagen des Coaches waren ein Genuss. Die Morde sind grausam und fast schon wie bei einem Thriller, da greift Karsten Dusse ordentlich in die Mörderkiste, aber das geschickte gegeneinander Ausspielen der Clans durch Björn Diemel macht dies wieder etwas wett.

Für mich war es ein unterhaltsamer und ja, auch achtsamer Krimi, der mit viel Humor zeigt, wie Achtsamkeit auch funktionieren kann.

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Veröffentlicht am 26.12.2019

Die Gedanken sind frei ....

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Achtsam morden ....

Diane Jordan

Mein Lieblingsmensch Karsten J. ist Jurist, liebt Krimis und ist sehr humorvoll. Demnach müsste mein neuester Roman „Achtsam morden“ von Karsten Dusse genau das Richtige ...

Achtsam morden ....

Diane Jordan

Mein Lieblingsmensch Karsten J. ist Jurist, liebt Krimis und ist sehr humorvoll. Demnach müsste mein neuester Roman „Achtsam morden“ von Karsten Dusse genau das Richtige für ihn sein. Für mich natürlich auch, denn ich bin ebenfalls krimiverliebt. Aber organisierte Verbrechen und Achtsamkeit? Das verstehe ich auf den ersten Blick nicht wirklich. Meditation und Mord, lach, wie passt das wohl zusammen? Ich, als eher lebhafter und unruhiger Mensch, kann mir das nicht wirklich vorstellen. Zur Ruhe kommen, finde ich von jeher eher anstrengend. Und Entspannung ist so eine Sache. Ich zum Beispiel finde es in einem Kosmetik-Institut mit einem Handtuch auf dem Gesicht und meditativen Klängen zur Beruhigung im Hintergrund, ganz und gar nicht beruhigend. Im Gegenteil, ich bin froh, wenn jemand mit mir redet und ich alles genau sehen kann. Und achtsam? Achtsam leben sagt mir etwas. Nachhaltigkeit ebenso. Das Achtsamkeit die Lebensqualität verbessert, habe ich auch schon bemerken können. Aufmerksam für die Bedürfnisse anderer Menschen sein, dass könnte das Lebensmotto meines Lieblingsmenschen sein, denn der erspürt ohne große Worte was mir gut tut oder fehlt. Jedenfalls bin ich mega gespannt, was sich im Roman „Achtsam morden“ ereignen wird. Das Cover sieht schon einmal ganz witzig aus. Gestapelte Steine, für mich als Fotografin ein Sinnbild für Balance und Ruhe, zugleich im Einklang mit der Natur. Aber hier ist an oberster Stelle ein kleines Steinkreuz. Am Fuße des Steinturmes sind Blutspritzer und der Titel „Achtsam morden“. Das „morden“ in blutroter Schrift. Signalfarbe, Achtung, Wachsamkeit im Gegensatz zur Ruhe und Gelassenheit. Irgendwie witzig. Ich drehe das Buch und lese den Klappentext. Das ist ja lustig, der Protagonist ist ein Anwalt, verheiratet und sein Leben gerät ordentlich aus den Fugen. Gebannt fange ich an zu lesen. Anders als die Krimis die ich sonst so kenne und lese. Spiel, Spass und Spannung, ähnlich wie beim Ü-Ei, ist dieses Buch unterhaltsam aufgebaut. Besonders witzig finde ich, dass hier ein Anwalt auf die schiefe Bahn gerät. Der ist ja sonst eher ein Sinnbild für das Gute. „Menschliche Gelüste“, die Nebenbuhler, Konkurrenten oder andere Übeltäter gedanklich ins Jenseits zu befördern, werden hier amüsant in die Tat umgesetzt. Das gefällt mir prima und ich habe oft während der kurzweiligen Lektüre laut gelacht. Ich möchte nicht zu viel verraten und deshalb mein Tipp, ab in die nächste Buchhandlung und dieses Buch besorgen. Denn wer Krimis liebt, kommt um diesen hier meines Erachtens nicht herum.

Inhalt:
Björn Diemel wird von seiner Frau gezwungen, ein Achtsamkeits-Seminar zu besuchen, um seine Ehe ins Reine zu bringen, sich als guter Vater zu beweisen und die etwas aus den Fugen geratene Work-Life-Balance wieder herzustellen. Denn Björn ist ein erfolgreicher Anwalt und hat dementsprechend sehr wenig Zeit für seine Familie. Der Kurs trägt tatsächlich Früchte und Björn kann das Gelernte sogar in seinen Job integrieren, allerdings nicht ganz auf die erwartete Weise. Denn als sein Mandant, ein brutaler und mehr als schuldiger Großkrimineller, beginnt, ihm ernstliche Probleme zu bereiten, bringt er ihn einfach um ― und zwar nach allen Regeln der Achtsamkeit.

Achtsam morden ist die Geschichte eines bewussten und entschleunigten Mordes, der längst überfällige Schulterschluss zwischen Achtsamkeitsratgeber und Krimi, vor allem aber ein origineller Unterhaltungsroman.

Der Autor:
Karsten Dusse ist Rechtsanwalt und seit Jahren als Autor für Fernsehformate tätig. Seine Arbeit wurde mit dem Deutschen Fernsehpreis und mehrfach mit dem Deutschen Comedypreis ausgezeichnet sowie für den Grimmepreis nominiert. 2019 wurde sein Debütroman Achtsam morden zum Bestseller.

Fazit: 4**** Der Roman “Achtsam morden“ ist im Heyne Verlag erschienen. Das Taschenbuch hat 416 Seiten und ist ein humorvoller Kriminalroman, den ich gerne empfehle und den ich meinem Lieblingsmenschen geschenkt habe.

























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Veröffentlicht am 01.11.2019

Zum Totlachen.

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Mein Vater war Rechtsanwalt, ein Meister der Rhetorik und ein großer Fan alter Screwball-Komödien. Ich bin mit Zitaten aus dem BGB und fröhlichen Wortgefechten am Mittagstisch aufgewachsen. Er hat immer ...

Mein Vater war Rechtsanwalt, ein Meister der Rhetorik und ein großer Fan alter Screwball-Komödien. Ich bin mit Zitaten aus dem BGB und fröhlichen Wortgefechten am Mittagstisch aufgewachsen. Er hat immer diese roten Taschenbuch-Krimis gelesen, die in einer langen Reihe in der Kaminecke standen, und dabei dieses lustige, schmunzelnde Geräusch von sich gegeben. Der Krimi seines Kollegen Kasten Dusse hätte ihm bestimmt gefallen. Denn Achtsam morden ist ein ungemein witziges Gesamtpaket aus einer schlicht genialen Idee, herrlich schrägen Figuren und zum Totlachen skurrilen Situationen.

Zur Story:
Anwalt Björn Diemel ist gestresst. Das liegt zum einen an Björns einzigem Mandanten Dragan, der alles andere als ein Vorzeigebürger ist. Zum anderen steigt ihm seine zickige Frau aufs Dach, weil Björn lieber Großkriminelle wie Dragan verteidigt, als mit seiner kleinen Tochter mal den Spielplatz zu frequentierten.

Blöd für den Strafverteidiger, dass weder seine Ehefrau noch sein Mandant Spaß verstehen, wenn es um ihre eigenen Interessen geht: Während Dragan von Björn aus einer völlig ausweglosen Situation rausgeboxt werden will, zwingt Björns Ehefrau ihn zu einem Achtsamkeitstraining, um seine Prioritäten wieder gerade zu rücken.

Mit diesen widerstreitenden Interessen im Nacken trifft Björn auf seinen neuen Achtsamkeitscoach: Joschka Breitner, ein absolutes Buch-Highlight. Schon alleine deshalb, weil er so echt rüberkommt. Schnell lernt Björn von Breitner die Prinzipien der Achtsamkeit für sich zu nutzen – allerdings völlig anders als erwartet. Denn als Dragan einmal zu viel die neu aufblühende Work Life Balance seines Anwalts bedroht, bringt dieser ihn kurzerhand nach allen Regeln der Achtsamkeit um.

„Was mich an meinem ersten Mord bis heute so mit Freunde erfüllt, ist der Umstand, dass ich dabei wertungsfrei und liebevoll den Moment genießen konnte. So, wie mein Coach es mir in der allerersten Stunde als erstrebenswert beschrieben hatte. Mein erster Mord war eine ganz spontane Befolgung meiner Bedürfnisse, aus dem Augenblick heraus. Und so gesehen eine sehr erfolgreiche Achtsamkeitsübung. Nicht für die anderen. Aber für mich.“

Absolut großartig sind die Zitate aus Breitners fiktivem Buch Entschleunigt auf der Überholspur, die jedes Kapitel von Achtsam morden einleiten. Man möchte dieses Werk besitzen, das vom Protagonisten sehr erfolgreich genutzt wird, um sich vom gestressten Anwalt zum glücklichen Kriminellen zu entwickeln. Schließlich muss ja einer Dragans Job machen, damit dessen Ableben nicht auffliegt. Und Björn ist sowieso gerade dabei, aufzuräumen – warum also nicht auch noch in der Unterwelt.

Absolut Weltklasse ist der Einfall, Björns Familieninteressen wie etwa die Suche nach einem Kindergartenplatz so zu regeln, wie der Pate das getan hätte. Außerdem mag ich die bildhafte Schreibe und die völlig abgeklärte, aber angenehm begeisterungsfähige Hauptfigur. Mein persönlicher Lieblingssatz ist die Beschreibung des Menüs in einem russischen Restaurant.

„Für mich sah russisches Essen immer so aus, als hätte ein Chinese beim Italiener gegessen und es dann über einen Teller mit deutschen Spezialitäten erbrochen.“

Das muss man sich erstmal ausdenken und dann damit auch noch so richtig liegen. Achtsam morden ist der Debütroman von Karsten Dusse, der als TV-Autor bereits mit dem Deutschen Fernsehpreis und Deutschen Comedypreis ausgezeichnet wurde. Das Buch wird allen Spaß machen, die eine Schwäche für locker vorgetragenen, intelligenten, tiefschwarzen Humor haben. Unbedingt lesen!

Veröffentlicht am 27.10.2019

Lustiger und spannender Krimi

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Lustiger und spannender Krimi, den ich nicht ganz ernst nehmen konnte. Überforderter und überarbeiteter Rechtsanwalt entledigt sich seines einzigen Mandanten auf achtsame Weise und versucht alles zu vertuschen, ...

Lustiger und spannender Krimi, den ich nicht ganz ernst nehmen konnte. Überforderter und überarbeiteter Rechtsanwalt entledigt sich seines einzigen Mandanten auf achtsame Weise und versucht alles zu vertuschen, um nicht erwischt zu werden. Dabei gerät er immer tiefer in den Sumpf des Verbrechens, muss plötzlich jede Menge Probleme lösen und beruft sich immer auf sein Achtsamkeitstraining. Diemel hat zwar nun Ärger am Hals, aber dafür steht er seiner Familie näher als je zuvor. Durchgängiger Spannungsaufbau. Gute Personenausarbeitung und vielleicht etwas zu humorvoll um als richtiger Krimi durchzugehen. Im Gegensatz dazu erscheinen die brutalen Morde und die Beseitigungsmaßnahmen überzogen grausam. Dennoch, mir hat der Krimi gut gefallen, muss ja nicht immer alles allzu ernst sein. Leseempfehlung.