Cover-Bild Fast ein neues Leben
Band der Reihe "Friedenauer Presse Winterbuch"
(21)
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20,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Friedenauer Presse
  • Themenbereich: Belletristik - Kurzgeschichten
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 111
  • Ersterscheinung: 02.09.2020
  • ISBN: 9783751806008
Anna Prizkau

Fast ein neues Leben

Erzählungen

Eine Familie kommt aus ihrem alten Land nach Deutschland. Dort passiert Unvorstellbares und Unverständliches – zumindest für die Tochter der Einwanderer. Sie, die Ich-Erzählerin, wächst auf im neuen Land, doch die Geschichten über das alte lassen sie nicht los. Sie wird erwachsen in dem Gefühl, immer eine Fremde zu bleiben, niemals dazuzugehören. Später wird aus ihr eine Theaterautorin; erfolglos, arbeitslos, aber voller Hoffnung. In diesen atmosphärisch feinen Erzählungen, die zusammen einen kleinen, dichten Roman der Fremdheit und der Sehnsucht ergeben, begegnet die Erzählerin dem neuen Leben, der neuen Sprache, den neuen Menschen: Martha, die vielleicht töten muss, um zu besitzen. Marcel, den alle Mädchen küssen wollen. Samiha und Olcay aus dem türkischen Viertel, die eine unerklärliche Todesangst vor dem Fahrstuhl in ihrem Hochhaus haben. Sie trifft den Chef ihrer Mutter, der mehr will als nur eine gute Angestellte, den sadistischen Mann vom Arbeitsamt und Frank, das Männermodel, das seine Haare hochtoupiert trägt. Als Kind schämt sie sich noch für ihre Eltern und dafür, dass man bereits am »Hallo« ihres Vaters erkennt, dass er kein Deutscher ist. Später, als junge Frau, bringt ihr die Sprache ihres alten Landes, im falschen Moment und vor den falschen Leuten gesprochen, geprellte Rippen und eine aufgeplatzte Lippe ein. Denn neben der neuen, rätselhaften Freundlichkeit, bleiernen Höflichkeit und warmen Distanziertheit, mit der das fremde Mädchen, das später eine fremde Frau ist, sich konfrontiert sieht, muss sie auch immer wieder Schläge einstecken – aus bekannten Mündern und von unbekannten Fäusten. Doch sie schlägt zurück: nicht nur mit ihren Lügen, sondern auch mit ihren Träumen. Anna Prizkau erzählt in Fast ein neues Leben vom neuen Land, das Deutschland ist, von den Fremden und den Verlorenen, auch denen, die hier geboren wurden.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.08.2025

Große Erzählungen in kleinem Büchlein

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"Fast ein neues Leben" versammelt auf nur 110 Seiten 12 Geschichten, die sich alle um eine Ich-Erzählerin - als Kind aus der ehemaligen UdSSR (so zu vermuten, im Buch heißt dies immer nur "das alte Land" ...

"Fast ein neues Leben" versammelt auf nur 110 Seiten 12 Geschichten, die sich alle um eine Ich-Erzählerin - als Kind aus der ehemaligen UdSSR (so zu vermuten, im Buch heißt dies immer nur "das alte Land" zugezogen - in verschiedenen Abschnitten ihres Lebens drehen. So begegnen wir der Protagonistin auch immer in unterschiedlichen Situationen in denen ihr Fremdsein im neuen Land herausgestellt wird, sei es duch Alltagsrassismus einer Schreibwarenverkäuferin oder Selbstverleugnung, um zu einem besseren, deutscheren Personenkreis gehören zu können. Wie stark die Erzählungen autobiografisch geprägt sind, wird nicht eindeutig klar, man kommt aber kaum umhin sich Anne Prizkau selbst in all diesen Situationen vorzustellen.

Die Autorin schafft mit ihrer reduzierten, neutralen Sprache die Geschichten trotzdem mir aller Eindrücklichkeit rüberzubringen. Innerhalb weniger Sätze macht sie eine komplette Lebenswelt auf und die Leserin wird direkt hineingezogen. Hier sollen mit wenigen Worten und ganz leisen Tönen die Emotionen der Lesenden geweckt werden. Unglaublich klug ordnet die Aurotin ihre Geschichten im Buch an, sodass sich zum Schluss der Kreis um diese eingewanderte Familie schließt und man ein intensives Bild der Protagonistin vor Augen hat. Viele Geschichten bleiben dabei bezüglich ihres eigentlichen Plot mitunter uneindeutig. Mitunter weiß man nach dem Lesen gar nicht mehr, was man eigentlich glauben soll, was dort gerade passiert ist. Das finde ich grundsätzlich sehr interessant und macht das Lesen auch spannend, man möchte und muss die Geschichten mehrfach lesen. Mir ist es hier ein klitzekleines Bisschen zu viel des Guten. Neben der genauen Sprache, ein wenig zu viele Ungenauigkeiten in den Geschichten selbst.

Insgesamt gefällt mir dieses Buch im Gesamten wirklich sehr gut. Die liebevolle Aufmachung sowie der gesellschaftskritische Inhalt bei präzisester Sprache verschmelzen zu einer starken Veröffentlichung.

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Veröffentlicht am 23.01.2021

Atmosphärisch dichte Erzählungen über Migration & Integration

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Ich hatte mich sehr auf diesen Band mit Erzählungen gefreut. Leider wollte der Funke bei mir zunächst nicht so recht nicht überspringen, aber je weiter ich las, umso weiter ich in die Geschichte vordringen ...

Ich hatte mich sehr auf diesen Band mit Erzählungen gefreut. Leider wollte der Funke bei mir zunächst nicht so recht nicht überspringen, aber je weiter ich las, umso weiter ich in die Geschichte vordringen konnte umso mehr entfalteten sich die Abgründe und verdichtete sich die Atmosphäre, so dass ich letztlich sehr dankbar über dieses Rezensionsexemplar bin.

In ihrem Debütroman gibt Anna Prizkau ihrer namenlosen Hauptfigur eine Plattform, eine Stimme um Unfassbares doch in Worte zu fassen. In zwölf episodenhaften Erzählungen, die nicht immer chronologisch sind, versucht die junge Immigrantin ihren eigenen, nicht immer einfachen Weg zu gehen. Ihr innerlicher Drang sich perfekt einzugliedern zersplittert immer wieder an ihrer Angst, dass feine Risse sich auf tun und ihre wahre Herkunft beleuchtet werden könnte.

„Er sagte: „Woher kommst du?“
Ich sagte: „Aus der Uni.“
Ich wusste, dass er etwas anderes wissen wollte, doch in der lauten großen Stadt wollte ich es verschweigen. Vor ihm, vor jedem. Kein Mensch kannte mich, wie ich früher war.
Ich konnte neu sein.“ S. 79
Die Fragen nach der eigenen Herkunft, zeitgleich dem unbedingten Wunsch dazuzugehören, anzukommen und anerkannt zu werden prallen immer wieder auf einander. Die Protagonistin eckt immer wieder an den Menschen in ihrer Umgebung an. Sie wird sowohl psychisch als auch physisch verletzt, mal auf subtile Weise, so dass sie es selbst kaum bemerkt und dann wieder mit einer Wucht, die sie völlig umhaut.

Sie hadert mit ihren Eltern, die sie für nicht angepasst genug hält um sie ihren Freunden vorzustellen, weil sonst ihre mühsam aufgebaute Fassade zusammenbrechen würde. Allerdings erkennt sie aber nach und nach die toxischen Beziehungsstrukturen in den Familien von Freunden.

Wie schwer es wohl sein muss, in einem neuem Land nur fast ein neues Leben zu beginnen, sich niemals wirklich dazugehörig zu fühlen? Der aktuellen Gesellschaft wird ein (schmerzlicher) Spiegel vor das Gesicht gehalten.

Definitiv ein Erzählband, der zwar kurz ist, aber sehr zum Nachdenken, Nachfühlen einlädt und somit noch lange nachklingen wird.

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Veröffentlicht am 31.12.2020

Die kleine, feine Geschichte über unsere Gesellschaft

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12 Geschichten. Kleine, kurze, kompakte Kapitel. Mehr braucht es nicht, um von einem alten Leben ins neue zu führen. Mehr braucht es nicht, um durch alle Höhen und Tiefen eines Menschen zu gleiten, der ...

12 Geschichten. Kleine, kurze, kompakte Kapitel. Mehr braucht es nicht, um von einem alten Leben ins neue zu führen. Mehr braucht es nicht, um durch alle Höhen und Tiefen eines Menschen zu gleiten, der sich von seinem Hintergrund nicht lösen kann. Mehr braucht es nicht, um fast ein ganzes Leben zu reflektieren, neu aber wiederum alt.

Einfach und reduziert begegnete mir physisch der Debütroman "Fast ein neues Leben" von Anna Prizkau. Ein handliches Format, schwarz mit weißem Kontrast, das Cover abstrakt, fast wie ein Gemälde von Pollock, bei dem alles nur die eigene Reflektion, das eigene Gefühl, die Archetypen aktiviert. Das innere des Romans hingegen bietet die komplette Bandbreite von Geschichten, die einer Einwandererfamilie begegnen. Die Tochter eben dieser schildert nicht chronologisch, sondern vielmehr vom Bauchgefühl getrieben alle Ereignisse, die ihr begegnen. Vom jungen Mädchen, die sich der Willkür und Macht ihrer Mitschülerin ausgesetzt sieht und das zerrüttete Verhältnis innerhalb der Familie registriert, hin zu einer jungen Frau, die sich mit Belästigungen auseinandersetzen muss, die sogar in Gewalt enden. Voller Hoffnung startet sie in ein vermeintlich neues Leben, aber alles, was ihr entgegen schlägt sind Vorurteile, Hass und Rassismus, gepaart mit psychischen Erkrankungen.

Anna Prizkaus Stil ist leicht, die Worte jedoch schwer, das Ungesagte zwischen den Zeilen verfolgt den Leser, erschüttert bis ins Mark und führt dazu, dass ich an vielen Stellen hinterfragen musste, ob ich selbst nicht auch an einigen Stellen in meinem Leben das „neue Leben“ verhindert habe, unbewusst und unbedacht. Die Geschichte springt in der Zeit, wirkt defragmentiert und doch wie kleine Puzzleteile, die sich immer weiter zu einem großen Bild zusammenfügen. Die Erzählerin erlebt eben all diese Kapitel selbst, interagiert an so vielen Fronten mit so vielen Protagonisten, dass ich die Überforderung gefühlt habe, die Verzweiflung und auch ihre anfängliche Naivität durch den Wunsch, dass dieses neue Leben funktioniert. Trotzdem ist die Erzählerin ungebrochen und der Funke der Hoffnung lodert. Eine Empfehlung für alle, die tragische Geschichten zu schätzen wissen, emotionsgeladene Handlungen aufsaugen und sich selbst bereits gefragt haben, wo sie sich zum Thema Rassismus positionieren und inwieweit wir uns alle nicht immer von Vorurteilen befreien können.

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Veröffentlicht am 11.12.2020

Wenn du dich nirgends zuhause fühlst

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Fast ein neues Leben - Anna Prizkau
⭐️⭐️Rezension ohne Spoiler⭐️⭐️
_________
Den Inhalt bitte bei Bedarf selbst recherchieren.
_________
Zuerst einmal vielen Dank an Lovelybooks für die Bereitstellung ...

Fast ein neues Leben - Anna Prizkau
⭐️⭐️Rezension ohne Spoiler⭐️⭐️
_________
Den Inhalt bitte bei Bedarf selbst recherchieren.
_________
Zuerst einmal vielen Dank an Lovelybooks für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!
Dieser Gewinn wirkt sich nicht auf meine Meinung zum Buch aus.

Meine Meinung
~Cover~
Hier muss ich ehrlich sagen, dass mir das Cover leider überhaupt nicht gefällt. Im Buchladen hätte es mich nicht angesprochen.

~Schreibstil~
Vom Schreibstil der Autorin bin ich sehr angetan. Ich finde es faszinierend, wie sie mit wenigen Worten so eine bedrückende Atmosphäre erschaffen kann.
Die kurzen Kapitel sind sehr verständlich geschrieben, sodass ich von Anfang bis Ende im Lesefluss geblieben bin.

~Sonstiges~
Das, was die junge Frau in diesem Buch erlebt, ist alles andere als schön. Jedes Kapitel erzählt eine eigene Geschichte, in der mit nur sehr wenigen Worten eine ganz düstere Atmosphäre geschaffen wird und wo Szenarien aus der Gegenwart und Vergangenheit der Protagonistin preisgegeben werden.
Teilweise musste ich wirklich schlucken, weil ich mich in einige Szenen total hineinfühlen konnte.
Dieses Buch regt definitiv zum Nachdenken an, auch wenn es recht sanft geschrieben ist.
Mich hat hier auf jeden Fall die Nachricht erreicht, dass Mensch gleich Mensch ist. Völlig egal, wo dieser herkommt.

~Fazit~
Das Buch hat mich erreicht, es hat aber dennoch das gewisse Etwas gefehlt, was es für mich als „besonders“ betitelt hätte.
Von mir gibt es 4 von 5 Sternen ⭐️⭐️⭐️⭐️

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Veröffentlicht am 30.01.2021

Von Fremdheit und Dazugehören Wollen

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Vom Leben im neuen Land und dem Gepäck des alten Landes erzählt Anna Prizkau in ihren Kurzgeschichten, die unter dem Titel "Fast ein neues Leben" zusammengefasst sind. Mit der Ich-Erzählerin hat sie so ...

Vom Leben im neuen Land und dem Gepäck des alten Landes erzählt Anna Prizkau in ihren Kurzgeschichten, die unter dem Titel "Fast ein neues Leben" zusammengefasst sind. Mit der Ich-Erzählerin hat sie so manches gemeinsam - In Russland geboren, in den 90-er Jahren nach Deutschland gekommen, das Gefühl der Fremdheit, der Wille, dazu zu gehören, der Kampf mit der fremden Sprache, die sie sich dann zu eigen macht - immerhin ist sie Theaterautorin.

Der Preis, der für das neue Land gezahlt wird, wird eher von der Elterngeneration entrichtet - die psychischen Probleme der Mutter, der Akzent, der sich auch nach vielen Jahren nicht loswerden lässt und der der Tochter peinlich ist. Freunden verschweigt sie die Eltern und ihre Biografie.

Teils geht es in den zwölf Geschichten um diese Migrations- und Fremdheitserfahrungen, teils um Disfunktionalität in der Familie und die üblichen Coming of Age-Probleme. Um unglückliche Beziehungen, Scheitern an sozialen Barrieren oder sexuelle Belästigung braucht es schließlich keinen Migrationshintergrund, das sind universelle Erfahrungen.

Prizkau beherrscht die Kunst, auf wenigen Seiten eine Geschichte zu entwickeln von Hoffungen und zerbrochenen Illusionen, von Ehrgeiz und falscher Liebe. Die Familiengeschichte ist ein roter Faden, der die meisten dieser Episoden verbindet. Sprachlich gibt es immer wieder so einfach klingende wie bildhaft-poetische Formulierungen, die den Reiz dieser Geschichten ausmachen. Zum Beispiel: "Jetzt lächelte ich nur noch, um zu verbergen, dass ich nichts verstand. Um meine Angst vor diesem Land und dieser Sprache hinter den straff gespannten Mund zu stecken."

"Fast ein neues Leben" hat nicht die Wucht und Tiefe etwa von "Herkunft" von Sasa Stanisic, bemüht sich auch relativ wenig um die Identität der "neuen Deutschen", sondern reflektiert eher die individuelle Suche einer jungen Frau nach ihrem Platz im Leben.

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