Eine Frau die allen Hürden im Weg trotzt
Hedwig Courths-Mahler wächst Ende des 19. Jahrhunderts unter schwierigen Verhältnissen auf. Trotz alledem hat sie einen Traum: Sie möchte ein besseres Leben haben. Schon mit 14 Jahren beweist sie große ...
Hedwig Courths-Mahler wächst Ende des 19. Jahrhunderts unter schwierigen Verhältnissen auf. Trotz alledem hat sie einen Traum: Sie möchte ein besseres Leben haben. Schon mit 14 Jahren beweist sie große Eigenverantwortung und beginnt als Dienstmädchen und später als Verkäuferin zu arbeiten.
Immer wieder stellt das Leben ihr Hürden in den Weg und besonders ihre Position als Frau in der Gesellschaft wird es ihr doppelt schwer machen, nach ihren Vorstellungen zu leben.
Eine Konstante bleibt aber, nachdem sie schon in jungen Jahren ihre Leidenschaft für Geschichten – sowohl lesen als auch schreiben – entdeckt.
Das Buch lässt einen ins Leipzig am Ende des 19. Jahrhunderts eintauchen und illustriert die verschiedenen Schichten der Gesellschaft. Die Kapitel lesen sich kurzweilig und durch Zeitsprünge wird auch der starke Wandel dieser Zeit spürbar. Technische Neuerungen, wachsende Städte und mittendrin eine junge Hedwig, die zwischen den sozialen Klassen navigiert.
Der Lesefluss ist wunderbar und man kann dieses Buch in kürzester Zeit verschlingen. Was den Gesamteindruck jedoch trübt, ist eine gewisse Verherrlichung der Protagonistin. Sie beobachtet falsche Entscheidungen in ihrer Familie und im Freundeskreis und schwört sich immer wieder selbst, strebsam ihr Ziel des gesellschaftlichen Aufstiegs zu verfolgen. Dabei wirkt sie moralisch überlegen und in gewissem Maße unauthentisch. Durch die ganze Erzählung gibt es keine negativen Eigenschaften, außer vielleicht, dass sie sich noch früher den sozialen Ungerechtigkeiten widersetzen sollte, die ihr wegen ihres Geschlechts widerfahren.
Das hat immer wieder den Anschein erweckt, eine märchenhafte Erzählung zu lesen und nicht eine reale Biografie. Wie gut die Quellenlage natürlich für das Autorinnenduo war, wird nicht erläutert.
Ich habe die Geschichte insgesamt sehr genossen und hätte auch gut und gerne noch weitere 400 Seiten gelesen, obwohl mir die Protagonistin manches mal zu perfekt und reflektiert dargestellt wurde.