Schnell-Leserunde zu "Die Rebellion der Alfonsina Strada" von Simona Baldelli

Einfühlsam und mitreißend erzähltes Porträt
Cover-Bild Die Rebellion der Alfonsina Strada
Produktdarstellung
(24)
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Thema

Klicken Sie hier, um den Weitersagen-Button zu aktivieren. Erst mit Aktivierung werden Daten an Dritte übertragen.

Simona Baldelli (Autor)

Die Rebellion der Alfonsina Strada

Roman

Karin Diemerling (Übersetzer)

Schon als kleines Mädchen hat Alfonsina Strada einen großen Traum: Fahrrad zu fahren und das möglichst schnell. 1891 als eines von vielen Geschwistern in ärmlichen Verhältnissen im norditalienischen Dörfchen Fossamarcia geboren, saust sie auf dem alten Drahtesel ihres Vaters heimlich durch die Nacht. Trotz Verbots meldet sie sich zu Rennen an, gewinnt und will noch mehr: am großen Giro d’Italia teilnehmen, für den jedoch nur Männer zugelassen sind. Mit Mut, Fantasie und dem unerschütterlichen Glauben an sich selbst bereitet sie sich auf den Coup ihres Lebens vor ...

Timing der Leserunde

  1. Bewerben 15.03.2021 - 04.04.2021
  2. Lesen 19.04.2021 - 25.04.2021
  3. Rezensieren 26.04.2021 - 09.05.2021

Bereits beendet

Bewerbt euch jetzt für die Leserunde zu "Die Rebellion der Alfonsina Strada" und sichert euch die Chance auf eines von 25 kostenlosen Leseexemplaren!

Wenn ihr wissen möchtet, wie eine Leserunde funktioniert und auf welche Kriterien wir bei der Auswahl der Teilnehmer achten, schaut doch mal hier vorbei.

Teilnehmer

Diskussion und Eindrücke zur Leserunde

Veröffentlicht am 07.05.2021

Die motivierende Geschichte einer Radsport-Pionierin

1

Vorab: Ich bin selbst Radsportlerin. Frauen sind in unserem Sport leider auch heute noch völlig unterrepräsentiert, haben an vielen Stellen arg zu kämpfen und werden nicht selten leider immer noch belächelt. ...

Vorab: Ich bin selbst Radsportlerin. Frauen sind in unserem Sport leider auch heute noch völlig unterrepräsentiert, haben an vielen Stellen arg zu kämpfen und werden nicht selten leider immer noch belächelt. Von gleicher Bezahlung sind wir im Profisport bis heute meilenweit entfernt. Als ich von der Leserunde und dem Buch gehört habe, war für mich also schnell klar: Das will ich lesen! Und das sei vorweggenommen: Ich wurde nicht enttäuscht.

Alfonsina Strada lebt mit ihrer Familie in einem kleinen Dorf namens Fossamarcia in Norditalien. Die Familie ist arm und kann sich kaum etwas leisten, die vielen Geschwister müssen sich das wenige Essen, das die Familie hat, untereinander aufteilen – satt wird eigentlich nie jemand. Eines Nachts beginnt Alfonsina das Fahrrad ihres Vaters zu leihen und fährt damit durch die Nacht. Sie ist mehr als begeistert und träumt davon, damit ihr Geld verdienen zu können. Sie meldet sich zu ihrem ersten Rennen an, obwohl das für Frauen nicht erlaubt ist und gewinnt. Die Reise einer begeisternden und mutigen Frau beginnt – denn für die damalige Gesellschaft galt das junge Mädchen als Irre, die lediglich mit den vorherrschenden Regeln bricht. Sie reift zu einer Weltklasse-Athletin, die als erste Frau am Giro d’Italia teilnimmt.

Das Buch von Autorin Simona Baldelli erzählt eine berührende und motivierende Geschichte zugleich. Alfonsina ist eine starke Protagonistin, die vor keiner Hürde zurückschreckt und viel auf sich nimmt, um ihre Träume zu erfüllen. Von Seite eins an ist die Erzählung spannend und mitreißend, was auch viel an der bewundernswerten Frau Alfonsina Strada liegt. Von Anfang bis Ende habe ich ihren Werdegang gerne mitverfolgt, konnte zum Schluss kaum noch das Buch aus der Hand legen, weil ich wissen wollte, ob und wie sie ihre Ziele erreicht.

Baldelli schafft es erzählerisch, die Szenen so detailreich wiederzugeben ohne dabei in Überlänge zu geraten. Zu keiner Zeit hat sie langatmige Passagen, sondern jederzeit kurzweilige Abschnitte, die dazu einladen, weiterzulesen. Stellenweise fühlt es sich so an, als würde ich selbst auf dem Rad sitzen und ihre Abenteuer miterleben. Als Radsportlerin kann ich auf jeden Fall einige der beschriebenen Gefühle absolut nachvollziehen. Wenn es denn einen Kritikpunkt an diesem Buch gibt, sind das aus meiner Sicht die Zeitsprünge, die es im Buch fortlaufend gibt. Hier fehlt mir sowohl inhaltlich als auch in der Aufbereitung der Kapitel die Stringenz, oftmals ist es verwirrend, vor allem, wenn man dann doch mal nicht zu 100 Prozent aufmerksam ist. Eine bessere Markierung innerhalb des Buches, beispielsweise nicht nur durch das Datum, sondern womöglich auch „10 Jahre zuvor..“ o.ä. würde da sicherlich helfen, die Zeitsprünge besser einzuordnen.

Nichtsdestotrotz ist „Die Rebellion der Alfonsina Strada“ ein tolles Buch. Nicht nur, aber vor allem, für Frauen. Die Geschichte ist unheimlich motivierend, auch wenn sie an einigen Stellen nur Kopfschütteln lässt über die damaligen Umstände und die Regeln, die einer Frau auferlegt wurden. Doch auch auf die heutige Zeit können viele ihrer Erlebnisse übertragen werden. Warum lässt sich jemand von irgendetwas aufhalten? Warum können wir gesellschaftliche Strukturen nicht aufbrechen? Können wir uns nicht auch in anderen Bereichen von „das haben wir schon immer so gemacht“ verabschieden? Ein tolles Buch mit noch viel tolleren Denkanstößen. Für mich als Radsportlerin ein Must-Read, aber auch für alle anderen ein Buch, was ich jederzeit uneingeschränkt empfehlen würde.

  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Thema
Veröffentlicht am 06.05.2021

Die Geschichte einer italienischen Rebellin

0

„Die Rebellion der Alfonsina Strada“ erzählt auf wunderbare und literarisch äußerst ansprechende Art und Weise die Geschichte eines ganz besonderen Lebens, geprägt von Kampf, Missgunst, unendlicher Kraft, ...

„Die Rebellion der Alfonsina Strada“ erzählt auf wunderbare und literarisch äußerst ansprechende Art und Weise die Geschichte eines ganz besonderen Lebens, geprägt von Kampf, Missgunst, unendlicher Kraft, Anstrengung und doch ganz einzigartigen Momenten und Erlebnissen.

Alfonsina Strada wird 1891 in ärmlichsten Verhältnissen in Castelfranco als eines von vielen (Pflege-) Kindern in eine Bauernfamilie hineingeboren. Von Anfang an ist ihr Leben bestimmt durch das Motiv des Kampfes - gegen Hunger, gegen Kälte, gegen Ungerechtigkeit, Intoleranz und vor allem gegen veraltete, anachronistische Vorstellungen über die Rolle der Frau in der Gesellschaft.

Mit zehn Jahren beginnt Alfonsina mit dem Fahrradfahren, eine Tätigkeit, die von nun an alle Entscheidungen ihres Lebens dominieren soll. Nur beim Radfahren verspürt sie das sehnsuchtsvolle Gefühl der Freiheit, der Weite und der unendlichen Möglichkeiten.
Sie kämpft sich durch alle Widerstände und findet in ihrem ersten Ehemann glücklicherweise einen Unterstützer und Förderer, der sie so sein lässt, wie sie möchte.
Auch wenn aufgrund der Krankheit Luigis diese Liebe nicht den erhofften glücklichen Verlauf nimmt, ebnet sie dennoch ihren Lebensweg.
Alfonsina gelingt es, an verschiedenen von Männern dominierten Radrennen teilzunehmen, ist zu hervorragenden Leistungen fähig, gewinnt dadurch nicht nur verschiedene zum Überleben notwendige Preise, sondern auch nach und nach wachsende Anerkennung. Ihr Erfolg gipfelt in der Teilnahme als erste und einzige Frau am Giro d’Italia, dem wichtigsten Radrennen Italiens.

Die Geschichte dieses Romans ist umrahmt vom letzten Lebenstag der Alfonsina Strada. Sie versinkt immer wieder in Erinnerungen, die ihren Lebensweg beschreiben und ihre fantastische Geschichte dem Leser Schritt für Schritt offenbaren.
Gleichermaßen werden auch die Symbolik und damit einhergehende Kraft des Besenstiels, ein essentielles Motivs des Romans, erst am Ende des Buches aufgeklärt.

Die Autorin hat die Zauberkraft, wunderschöne Bilder zur Beschreibung von Dingen, Situationen, Gefühlen und Erzählungen zu nutzen.
Ebenso gelingt es ihr, auf den Punkt passende Intertextualität zu integrieren, um so auf einer Metaebene das Erzählte zu verstärken.
So verweist sie zum Beispiel auf Seite 23 auf Dantes „Göttliche Komödie“, ohne dieses Werk explizit zu benennen. Oder auch die Wahl des Filmes, den Alfonsina mehrfach gemeinsam mit Antonia im Kino anschaut, ist aufgrund der Geschichte, die darin erzählt wird, thematisch passend gewählt.
Die Darstellung der italienischen Gesellschaft und Kultur ist so anschaulich und pointiert gelungen, dass man nicht nur eine Reise in das Leben der Alfonsina Strada unternimmt, sondern ebenso in das Italien zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Sei es durch den Nord-Süd-Konflikt (dargestellt in der Kindheitserzählung Antonias) oder auch mithilfe verschiedener genannter Lieder und Filme.
Bestürzt ist man als Leser bei der schonungslosen Konfrontation mit dem italienischen Rollenverständnis der Frau. Dass Alfonsina beim Beschreiten ihres persönlichen Weges und der Erfüllung ihrer Träume, mehrfach als „Irre“ bezeichnet wird, zeigt den verzweifelten Versuch, das Unbekannte, Unvertraute, das, was ängstigt und Unsicherheit, da Veränderung, mit sich bringt, pauschal und unreflektiert zu verurteilen.
Mit der Darstellung der Moralpredigt des Priesters, der die eine Aufgabe einer Frau klar zu formulieren versucht und dabei in seiner Argumentation Bezug auf Cesare Lombroso nimmt, zeigt Simona Baldelli intertextuell die Lächerlichkeit dieses Monologes auf. Denn Lombroso, der auch durch seine „These des geborenen Verbrechers“ als ernsthafter Wissenschaftler nur schwerlich anzunehmen ist, erscheint mit hier als eine gute Wahl in der Metaebene.

Alfonsinas rebellische Reaktion auf die Beschimpfungen zeigt ihre Resilienz und ihre unendliche Energie, getragen von der klaren Überzeugung von dem, was für sie wichtig im Leben ist:
„Ihr seid doch die Bekloppten!“ […] „Weil ihr euch nicht mal vorstellen könnt, wie schön es ist, etwas einfach nur aus Freude zu tun statt aus Zwang.“ (S. 58)

Dieser Roman bietet das, was Antonia in ihren sich erinnernden Gedanken gefühlvoll formuliert. Die Geschichte der Alfonsina Strada hat „[…] die Fantasie geformt […]. Das war ein Glück, denn so […] [lernt man], über den Horizont hinauszublicken.“ (S. 92)

Für mich persönlich übernehme ich vor allem ein Zitat als Orientierung für meinen Lebensweg:
„Man kann immer noch weiter gehen. Denn wenn man es am wenigsten erwartet, hält das Leben Überraschungen und Erfolge für einen bereit.“ (S. 312)

Wenn man den Worten Maria Ebner von Eschenbachs Glauben schenkt, dass das Lesen ein großes Wunder sei, so habe ich bei der Lektüre der „Rebellion der Alfonsina Strada“ von Simona Baldelli ein solches Wunder erlebt.
Ein meinem Verständnis nach einzigartiges Buch, voller Bildkraft, auf den Punkt passender Intertextualität und einer Geschichte von einer bewundernswert starken Frau, die sich in einer frauenfeindlichen und anachronistischen Welt zu Beginn des 20. Jahrhunderts dem nicht enden wollenden Kampf ihres Lebens stellt, alle Tiefpunkte mit Mut und Kraft überwindet und dabei zeigt, dass es sich lohnt, für seine Träume alles zu riskieren.

Ich bin begeistert nach dieser Lektüre, sowohl in sprachlicher, gestalterischer als auch inhaltlicher Sicht und kann voller Überzeugung eine klare Leseempfehlung aussprechen.

  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Thema
Veröffentlicht am 04.05.2021

Die Königin der Tretkurbel

0

"Die Rebellion der Alfonsina Strada" von Simona Baldelli ist ein Buch über eine absolut außergewöhnliche Frau. Ihre Geschichte, die hier erzählt wird, ist eine sehr ungewöhnliche und mitreißende. Ungewöhnlich ...

"Die Rebellion der Alfonsina Strada" von Simona Baldelli ist ein Buch über eine absolut außergewöhnliche Frau. Ihre Geschichte, die hier erzählt wird, ist eine sehr ungewöhnliche und mitreißende. Ungewöhnlich finde ich auch, dass ich bisher fast nicht über sie wußte, dabei war und ist sie die einzige Frau, die je den Giro d'Italia mitgefahren ist und das 1924. Das war eine Zeit, wo Frauen auf dem Rad ausgelacht und verhöhnt wurden.
Die Erzählung beginnt in ihrer Kindheit, wo sie sich heimlich und nachts das Fahrrad des Vaters ausleiht und erlebt, was es heißt glücklich zu sein und sich frei zu fühlen. Das Leben ist sonst geprägt von Enge, Hunger und Armut,vielen Geschwistern und wenig Liebe.
Das Buch hat über weite Strecken eine eher düstere und bedrückende Grundstimmung, wodurch aber grade das Erleben dieser Zeit mit den vielen Entbehrungen, Beschimpfungen und auch Rückschlägen gut rübergebracht wird. Auch wenn man kein Fan des Radsports ist, sind die Trainings und auch Radrennen sehr gut und vorstellbar beschrieben. Und Alfonsina selbst, es ist fast unvorstellbar, was diese Frau alles für die Erfüllung ihrer Träme auf sich genommen hat, was sie erlebt und durchlitten hat. Dieses und auch ihre großen Glücksmomente, als die Königin der Tretkurbel, der Autorin gelingt es hervorragend, diese einzufangen und weiterzugeben.
Mich wird dieser Roman noch eine Weile beschäftigen, wenn ich daran denke, dass diese Zeit, wo Frauen so sehr benachteiligt wurden, quasi grade erst gestern war und was es für starke und mutige Frauen brauchte, um die vielen Tabus zu brechen und zu verschieben. Ein sehr spannendes und wertvolles Buch.
" Wie schön Du bist auf dem Fahrrad, Fonsina. Steig niemals ab."

  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Thema
Veröffentlicht am 02.05.2021

Eine starke Frau bereitet den Weg, nicht nur auf dem Rad

0

Alfonsina Strada, ein Name, den man eigentlich kennen sollte und dank dieses Romans tut man dies jetzt auch. Sie war die erste und einzige Frau, die je beim großen Giro d'Italia mitgefahren ist und das ...

Alfonsina Strada, ein Name, den man eigentlich kennen sollte und dank dieses Romans tut man dies jetzt auch. Sie war die erste und einzige Frau, die je beim großen Giro d'Italia mitgefahren ist und das 1924, als der Platz der Frau in der Gesellschaft doch noch vorwiegend 'daheim am Herd' zu finden war. Diese Geschichte erzählt ihr Leben, auf und neben ihrem geliebten Rennrad, beschreibt dieses Gefühl von Freiheit und Selbstverwirklichung, wenn der Wind ihr durch die Haare weht und sie durch die Landschaft rauscht, diesen unbedingten Willen, genau dies zu tun und das auch eben ganz offiziell in Rennen gegen Männer. 36 teils hochrangige Rennen ist sie gefahren, eben gegen Männer und sie hat dabei nicht wenige hinter sich gelassen, wenn sie über die Ziellinie geschossen kam. Dieser Teil ist Fakt und natürlich überall nachzulesen. Aber die Person dahinter, ihr gerade in den Anfangsjahren hartes Leben, ihre notwendigerweise mit einer sehr kämpferischen Haltung versehene Persönlichkeit, die Menschen, die an sie geglaubt und sie unterstützt haben und später auch die Achtung und Wertschätzung ihrer Leistung und ihrer selbst durch die männliche Journaille und die Bevölkerung am Straßenrand, das wird hier wunderbar rübergebracht in diesem Buch. Natürlich ist das meiste durchaus als fiktiv anzusehen, aber es passt einfach. Denn genauso hätte es sein können und ist es sicherlich auch in vielem gewesen. Und am Ende freut man sich, dass man Alfonsina so nahe hat kommen dürfen. Sie war ihrer Zeit weit voraus und ich danke ihr, denn ich bin mir sicher, ein ganz kleines Stückchen hat auch sie mitgeholfen, uns weiterzubringen, hin zu einer Gesellschaft, wo Gleichberechtigung eigentlich kein Thema mehr zu sein braucht, irgendwann.

  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Thema
Veröffentlicht am 30.04.2021

Ein inspirierendes Leben

0

Ich muss ganz ehrlich sagen, bei diesem Buch war es eher Liebe auf den zweiten Blick. Cover und Titel hatten mich gar nicht so sehr angesprochen, aber Klappentext und erste Seiten haben mich eines besseren ...

Ich muss ganz ehrlich sagen, bei diesem Buch war es eher Liebe auf den zweiten Blick. Cover und Titel hatten mich gar nicht so sehr angesprochen, aber Klappentext und erste Seiten haben mich eines besseren belehrt und ich bin im Nachhinein wirklich froh, dieses Buch gelesen zu lesen. Alfonsina Strada ist eine Inspiration an seinen Träumen festzuhalten und sich nicht unterkriegen zu lassen, egal was die Leute sagen.

Zum Inhalt: Alfonsina wird als Kind in eine Großfamilie im norditalienischen Fossamarcia geboren. Die Eltern leben in ärmlichen Verhältnissen, der Vater hält die Familie mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser und die Mutter zieht zusätzlich zu den eigenen Kinder, noch weitere aus staatlicher Obhut auf, um das Fürsorgegeld einzustreichen. Immer wieder sterben einige der Kinder, die Alfonsina ihr Leben lang als Geister "der kleinen Toten von Fossamarcia" begleiten sollen. Es ist ein trostlosen Leben, das für Alfonsina eine ungeahnte Wendung nimmt, als der der Vater ein Fahrrad mit nach hause bringt. Alfonsina bringt sich heimlich selbst das fahren bei und schon bald ist das Fahrrad ihr zentraler Lebensmittelpunkt. Allen Widrigkeiten zum Trotz fährt Alfonsina Radrennen und erlangt den Titel "die Königin der Tretkurbel". Das Buch beschriebt ihren Lebensweg.

Ich fand es erschreckend zu lesen, welche Steine Alfonsina in der Weg gelegt wurden und wie schlimm sie teilweise beschimpft wurde. Daran merkt man, dass es damals einfach auch eine andere Zeit war und eine Frau auf einem Fahrrad einfach nicht zu den Vorstellungen der Leute gepasst hat. Immer wieder war ich beeindruckt, wie mutig Alfonsina ihre Ziele verfolgt, egal wie oft sie daran auch gescheitert ist. Besonders gelitten habe ich bei den Episoden aus dem Zirkus. Dass sie sich so unter wert verkaufen musste und die Leute sogar auf ihr Leben gewettet haben, finde ich wirklich unvorstellbar schrecklich. Zum Glück hat zumindest ihr Mann Luigi zu ihr gehalten und war bis zu seinem Tod ihr größter Fan.

Über viele Aspekte ihres Lebens erfahren wir sehr wenig, ihr zweiter Ehemann wird nur kurz erwähnt und generell beschäftigt sich das Buch eher mit ihrem Leben in jungen Jahren. Obwohl Alfonsina über die Jahre einiges an Geld mit dem Radsport verdient hat, wird angedeutet, dass sie zuletzt recht bescheiden gelebt hat und ihr Bekanntheitsgrad zuletzt her niedrig war. Hat hat mir irgendwie total leid getan, weil sie so hart für ihren Traum gearbeitet hat.

Das Buch ist sehr anschaulich geschrieben, man bekommt einen guten Eindruck wie das Leben in Italien damals so war. Teils hatte das Buch recht harte Sprache, die aber zu den Umständen passt. Es zeigt gut auf, wie schwer es Frauen damals noch hatten, einen Platz jenseits der Mutterschaft in der Gesellschaft zu finden.
Auch der Radsport und wie harte s dabei zugeht wird sehr detailliert beschrieben. Vor allem die Schilderung des Giro hat mir richtig gut gefallen.

Dieses Buch lässt das Leben und den Mut der Alfonsina Stada wieder aufleben. Alfonsina Stada hatte ein wildes und aufregendes Leben, das es wert ist, erzählt zu werden.

  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Thema