Leserunde zu "This isn't happiness" von Mary Newnham

Die Braut sagt »Jein«
Cover-Bild This isn't happiness
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Mary Newnham (Autor)

This isn't happiness

Warmherziges Debüt über Liebe, Lust und Zweifel in Langzeitbeziehungen

Johanna Czerny (Übersetzer)

Amy und Josh sind seit zehn Jahren ein Paar, man hat sich gut eingerichtet, alles läuft prima. So prima, dass die eigentlich geplante Hochzeit immer wieder verschoben wird, und das schon seit Jahren. Als Josh‘ Eltern der Geduldsfaden reißt und sie kurzerhand einen Trautermin festlegen, kann Amy eine unangenehme Wahrheit nicht länger verdrängen: Ihr Liebesleben ist komplett erlahmt. Es knistert nicht mehr, Josh kuschelt lieber mit seinem Seitenschläferkissen als mit ihr, und sie selbst findet Astronomie-Podcasts mittlerweile überraschend sinnlich. Wie konnte das passieren? In ihrem Bestreben, der Beziehung neuen Schwung zu verleihen, greift sie zu immer extremeren Maßnahmen ...

Timing der Leserunde

  1. Bewerben 29.09.2025 - 19.10.2025
  2. Lesen 10.11.2025 - 23.11.2025
  3. Rezensieren 24.11.2025 - 07.12.2025

Bereits beendet

Schlagworte

pola Modernes Dating schwierige Verlobung Heirat Female Empowerment Mental Health Coming-of-Age Selbstfindung Literarische Unterhaltung Rollenbilder London Frauenfreundschaften Weibliche Solidarität Schräger Humor Debütroman

Teilnehmer

Diskussion und Eindrücke zur Leserunde

Veröffentlicht am 24.11.2025

This isn‘t happiness“ von Mary Newnham: Eine ehrliche Bilanz der Langzeitliebe

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Mary Newnhams Roman „This isn’t happiness“ stürzt uns mitten in die zehnjährige Beziehung von Amy und Josh. Ihre Partnerschaft ist so gemütlich geworden, dass sie kurz vor dem Erlahmen steht. Erst als ...

Mary Newnhams Roman „This isn’t happiness“ stürzt uns mitten in die zehnjährige Beziehung von Amy und Josh. Ihre Partnerschaft ist so gemütlich geworden, dass sie kurz vor dem Erlahmen steht. Erst als Joshs Eltern die längst überfällige Hochzeit kurzerhand festlegen, muss Amy eine unbequeme Wahrheit erkennen: Romantik ist Fehlanzeige, und ein Astronomie-Podcast ist mittlerweile spannender als ihr Verlobter. Newnham packt dieses universelle Thema mit viel Humor und einer bemerkenswerten Schonungslosigkeit an.

Was den Roman besonders auszeichnet, ist der Schreibstil. Das Buch ist extrem kurzweilig und lässt sich mühelos „weglesen“. Ein Highlight sind definitiv die humoristischen Einschübe in Klammern, die oft das Innere von Amys Gedankenwelt widerspiegeln. Diese kleinen, bissigen Kommentare sorgen für Lacher und machen die Protagonistin sofort nahbar. Man schlägt die Seiten um, und ehe man sich versieht, sind dreißig Seiten vergangen.

Amy ist eine unglaublich identifizierbare Figur, besonders für alle, denen es schwerfällt, Nein zu sagen. Die Geschichte beleuchtet schonungslos, wie Amys Umfeld – angeführt von Joshs Eltern, die emotionale Erpressung betreiben, um die Hochzeit zu forcieren – ihre Gutmütigkeit ausnutzt. Die Frustration darüber, dass Amy selbst von Josh keinerlei Unterstützung erhält, wenn sie versucht, für ihre eigenen Bedürfnisse einzustehen (etwa bei der Tortenwahl), ist spürbar. Es wird schnell klar: Das Problem ist nicht nur die fehlende Leidenschaft, sondern die fehlende Kommunikation und Unterstützung in der Beziehung. Man fragt sich durchweg: Warum reden diese beiden nicht miteinander?

Amys Zögern ist verständlich, da es schwer ist, solche tiefgreifenden Probleme anzusprechen. Doch Joshs Passivität und seine scheinbare Unzufriedenheit sind ein ständiger Quell der Spannung.

Positiv überrascht der Roman damit, dass er nicht nur die dysfunktionale Beziehung in den Mittelpunkt stellt, sondern auch Amys persönliches Wachstum. Es ist fantastisch mitzuerleben, wie sie anfängt, sich im Job durchzusetzen und ihre eigenen Wünsche zu verfolgen. Andere Nebenfiguren wirken als Katalysatoren für diese Entwicklung. Die Stylistin Lace bringt den benötigten Schwung in Amys Leben. Auch wenn sie anfänglich etwas zu „viel“ und übergriffig wirkt, besonders bei der Weigerung, Amys Wunsch nach einem bestimmten Brautkleid-Stil nachzukommen, so ist sie doch entscheidend für Amys Entwicklung. Das Ende: Konsequenz und fehlende Reflexion Die unvermeidliche Trennung am Ende ist konsequent und notwendig. Gerade das Abschlussgespräch macht deutlich, wie wichtig dieser Schritt für Amy war.

Es ist jedoch zutiefst frustrierend, wie wenig Reflexion Josh zeigt. Sein Versuch, die Schuld komplett Amy (und Lace) zuzuschieben, während er selbst die grundlegenden Lebenspläne (Umzug, Kinder) infrage stellt, wirkt absolut heuchlerisch. Ich habe als Leserin eine starke Antipathie gegen ihn entwickelt, weil er sich als das gebrochene Herz inszeniert, obwohl er selbst so viele Anzeichen von Unzufriedenheit ignorierte. Auch sein Umgang mit dem Eklat bei der Brautkleid-Anprobe, bei dem er ungehört seiner Mutter Glauben schenkt, zeigt seine fehlende Priorisierung der Partnerin.

Die Nebenstränge am Ende sind teils absurd, aber unterhaltsam. Die Auflösung der Lace-Geschichte ist unkonventionell und für mich ein wenig unrealistisch gewesen. Amys Wandlung zur Influencerin ist eine lustige, moderne Ergänzung, kam mir aber auch etwas an den Haaren herbeigezogen vor. Joshs Schicksal mit Nina, einer von Amys besten Freundinnen, als Vorgesetzter hat zumindest bei mir für eine gewisse Schadenfreude gesorgt.

„This isn’t happiness“ ist ein Lese-Highlight, das eine starke Botschaft über Selbstfindung und das Recht auf Glück sendet. Trotz kleinerer, teils überzogener Situationen, die an den Haaren herbeigezogen wirken können (wie die Lace-Auflösung), feiert der Roman Amys Mut, das Richtige zu tun und die toxische Bequemlichkeit hinter sich zu lassen. Ein voller Erfolg und eine klare Empfehlung für alle, die eine humorvolle, aber tiefgründige Geschichte über das Ende einer langen Liebe suchen.

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Veröffentlicht am 11.12.2025

Ein moderner Beziehungsroman über Erwartungen und Selbstfindung

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This Isn’t Happiness lässt sich insgesamt sehr angenehm lesen. Der Schreibstil ist flüssig, die Kapitel haben die richtige Länge und die prägnanten Überschriften geben dem Buch eine schöne Struktur. Besonders ...

This Isn’t Happiness lässt sich insgesamt sehr angenehm lesen. Der Schreibstil ist flüssig, die Kapitel haben die richtige Länge und die prägnanten Überschriften geben dem Buch eine schöne Struktur. Besonders die eingestreuten Mobilfunknachrichten lockern alles auf und bringen moderne Leichtigkeit hinein.

Die Beziehung der beiden Protagonisten begleitet man bereits seit ihrer Jugend. Doch die Handlung setzt ein, als beide längst Ende zwanzig sind – in einer Lebensphase, in der große Entscheidungen wie Hochzeit und Hauskauf anstehen. Genau hier zeigt sich, dass ihre Partnerschaft zwar lange besteht, aber nicht unbedingt auf Augenhöhe funktioniert. Oft wirken sie eher wie ein eingespieltes Team aus alten Zeiten, ohne sich wirklich gemeinsam weiterentwickelt zu haben.

Vor allem Josh kommt unreif rüber: Er verlässt sich stark auf die Frauen in seinem Leben und scheut Verantwortung, was besonders herausfordernd ist, da die beiden auch beruflich miteinander verbunden sind. Amy dagegen gibt häufig nach und stellt ihre eigenen Bedürfnisse hinten an – was beim Lesen manchmal frustriert. Umso wichtiger wird die Rolle von Lace, die frischen Wind bringt, neue Perspektiven eröffnet und Amy ermutigt, sich stärker mit sich selbst auseinanderzusetzen.

Einige Nebenfiguren – wie der übergriffige Verwandte oder Eltern, die die Hochzeit dominieren wollen – verstärken zusätzlich den Eindruck festgefahrener, unreifer Strukturen, aus denen sich Amy erst lösen muss.
Im Verlauf des Buches zeigt Amy eine deutlich spürbare Entwicklung. Sie beginnt, für ihre Wünsche einzustehen und sich von Erwartungen zu lösen. Das hätte für meinen Geschmack gerne früher passieren dürfen, wirkt aber glaubhaft. Josh hingegen bleibt in seiner Entwicklung eher stehen, was die Distanz zwischen den beiden immer sichtbarer macht. Die Kommunikation zwischen ihnen ist lange Zeit geprägt von unausgesprochenen Dingen und Missverständnissen, was das Lesen streckenweise anstrengend macht.
Die Auflösung kommt an einigen Stellen etwas abrupt und wirkt nicht vollständig schlüssig – ohne dass man hier inhaltlich spoilern kann. Positiv hingegen ist, dass die weiblichen Figuren am Ende sehr selbstbestimmt und stark dargestellt werden und ihren eigenen Weg gehen.

Insgesamt ist This Isn’t Happiness ein leicht zu lesender Roman, der besonders Leser*innen ansprechen dürfte, die selbst vor großen Entscheidungen stehen oder sich in den Themen Beziehung, Zukunftsplanung und Erwachsenwerden wiederfinden. Für mich war es eine solide Lektüre mit guten Momenten, aber kein Buch, das langfristig im Gedächtnis bleibt.

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