This isn‘t happiness“ von Mary Newnham: Eine ehrliche Bilanz der Langzeitliebe
Mary Newnhams Roman „This isn’t happiness“ stürzt uns mitten in die zehnjährige Beziehung von Amy und Josh. Ihre Partnerschaft ist so gemütlich geworden, dass sie kurz vor dem Erlahmen steht. Erst als ...
Mary Newnhams Roman „This isn’t happiness“ stürzt uns mitten in die zehnjährige Beziehung von Amy und Josh. Ihre Partnerschaft ist so gemütlich geworden, dass sie kurz vor dem Erlahmen steht. Erst als Joshs Eltern die längst überfällige Hochzeit kurzerhand festlegen, muss Amy eine unbequeme Wahrheit erkennen: Romantik ist Fehlanzeige, und ein Astronomie-Podcast ist mittlerweile spannender als ihr Verlobter. Newnham packt dieses universelle Thema mit viel Humor und einer bemerkenswerten Schonungslosigkeit an.
Was den Roman besonders auszeichnet, ist der Schreibstil. Das Buch ist extrem kurzweilig und lässt sich mühelos „weglesen“. Ein Highlight sind definitiv die humoristischen Einschübe in Klammern, die oft das Innere von Amys Gedankenwelt widerspiegeln. Diese kleinen, bissigen Kommentare sorgen für Lacher und machen die Protagonistin sofort nahbar. Man schlägt die Seiten um, und ehe man sich versieht, sind dreißig Seiten vergangen.
Amy ist eine unglaublich identifizierbare Figur, besonders für alle, denen es schwerfällt, Nein zu sagen. Die Geschichte beleuchtet schonungslos, wie Amys Umfeld – angeführt von Joshs Eltern, die emotionale Erpressung betreiben, um die Hochzeit zu forcieren – ihre Gutmütigkeit ausnutzt. Die Frustration darüber, dass Amy selbst von Josh keinerlei Unterstützung erhält, wenn sie versucht, für ihre eigenen Bedürfnisse einzustehen (etwa bei der Tortenwahl), ist spürbar. Es wird schnell klar: Das Problem ist nicht nur die fehlende Leidenschaft, sondern die fehlende Kommunikation und Unterstützung in der Beziehung. Man fragt sich durchweg: Warum reden diese beiden nicht miteinander?
Amys Zögern ist verständlich, da es schwer ist, solche tiefgreifenden Probleme anzusprechen. Doch Joshs Passivität und seine scheinbare Unzufriedenheit sind ein ständiger Quell der Spannung.
Positiv überrascht der Roman damit, dass er nicht nur die dysfunktionale Beziehung in den Mittelpunkt stellt, sondern auch Amys persönliches Wachstum. Es ist fantastisch mitzuerleben, wie sie anfängt, sich im Job durchzusetzen und ihre eigenen Wünsche zu verfolgen. Andere Nebenfiguren wirken als Katalysatoren für diese Entwicklung. Die Stylistin Lace bringt den benötigten Schwung in Amys Leben. Auch wenn sie anfänglich etwas zu „viel“ und übergriffig wirkt, besonders bei der Weigerung, Amys Wunsch nach einem bestimmten Brautkleid-Stil nachzukommen, so ist sie doch entscheidend für Amys Entwicklung. Das Ende: Konsequenz und fehlende Reflexion Die unvermeidliche Trennung am Ende ist konsequent und notwendig. Gerade das Abschlussgespräch macht deutlich, wie wichtig dieser Schritt für Amy war.
Es ist jedoch zutiefst frustrierend, wie wenig Reflexion Josh zeigt. Sein Versuch, die Schuld komplett Amy (und Lace) zuzuschieben, während er selbst die grundlegenden Lebenspläne (Umzug, Kinder) infrage stellt, wirkt absolut heuchlerisch. Ich habe als Leserin eine starke Antipathie gegen ihn entwickelt, weil er sich als das gebrochene Herz inszeniert, obwohl er selbst so viele Anzeichen von Unzufriedenheit ignorierte. Auch sein Umgang mit dem Eklat bei der Brautkleid-Anprobe, bei dem er ungehört seiner Mutter Glauben schenkt, zeigt seine fehlende Priorisierung der Partnerin.
Die Nebenstränge am Ende sind teils absurd, aber unterhaltsam. Die Auflösung der Lace-Geschichte ist unkonventionell und für mich ein wenig unrealistisch gewesen. Amys Wandlung zur Influencerin ist eine lustige, moderne Ergänzung, kam mir aber auch etwas an den Haaren herbeigezogen vor. Joshs Schicksal mit Nina, einer von Amys besten Freundinnen, als Vorgesetzter hat zumindest bei mir für eine gewisse Schadenfreude gesorgt.
„This isn’t happiness“ ist ein Lese-Highlight, das eine starke Botschaft über Selbstfindung und das Recht auf Glück sendet. Trotz kleinerer, teils überzogener Situationen, die an den Haaren herbeigezogen wirken können (wie die Lace-Auflösung), feiert der Roman Amys Mut, das Richtige zu tun und die toxische Bequemlichkeit hinter sich zu lassen. Ein voller Erfolg und eine klare Empfehlung für alle, die eine humorvolle, aber tiefgründige Geschichte über das Ende einer langen Liebe suchen.