Leserunde zu "Lauter kleine Lügen" von Kate Kremp

Ein atmosphärisch dichter und spannungsgeladener Roman
Cover-Bild Lauter kleine Lügen
Produktdarstellung
(24)
  • Einzelne Kategorien
  • Handllung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Atmosphäre
Kate Kemp (Autor)

Lauter kleine Lügen

Roman. Ein preisgekrönter Debütroman über Vorurteile, Misstrauen und das verborgene Leben von Frauen

Barbara Röhl (Übersetzer)

Können die Beziehungen, die eine Gemeinschaft zusammenhalten, sie auch zerstören?

Australien, 1979. Es ist Hochsommer, und in einem ruhigen Vorort schrubbt eine Hausfrau um 3 Uhr morgens Blut von den Fliesen ihres Badezimmerbodens. Ihr Ehemann verhält sich währenddessen bemerkenswert ruhig, wenn man bedenkt, dass er gerade ihren Nachbarn ermordet hat.

Als die Sonne aufgeht, verbreitet sich die Nachricht von Antonio Mariettis Tod wie ein Lauffeuer unter den Nachbarinnen, und mehr als eine der Frauen ist fest entschlossen herauszufinden, wer Antonio umgebracht hat. Doch die vielen gut gemeinten Bemühungen decken mehr Rätsel auf, als sie lösen. Denn hinter jeder Tür verbergen sich Geheimnisse - und die Identität des Mörders ist nur eines davon ...

Ein atmosphärisch dichter und spannungsgeladener Roman über Vorurteile, Misstrauen und das verborgene Leben von Frauen

Timing der Leserunde

  1. Bewerben 14.04.2025 - 04.05.2025
  2. Lesen 19.05.2025 - 08.06.2025
  3. Rezensieren 09.06.2025 - 22.06.2025

Bereits beendet

Schlagworte

Female Empowerment Family Secrets Vorort Sackgasse Geheimnisse Einwanderung Homosexualität Familie Liebe Glaube Religion Abtreibung Mutterschaft Rolle der Frau Literarische Unterhaltung

Teilnehmer

Diskussion und Eindrücke zur Leserunde

Veröffentlicht am 11.06.2025

Schein und Sein

4

Der erste Roman der Autorin Kate Kremp "Lauter kleine Lügen" (erschienen beim Verlag Lübbe im Jahr 2025) nimmt uns mit in den australischen Hochsommer im Jahr 1979.
In einem kleinen Ort geschieht ein ...

Der erste Roman der Autorin Kate Kremp "Lauter kleine Lügen" (erschienen beim Verlag Lübbe im Jahr 2025) nimmt uns mit in den australischen Hochsommer im Jahr 1979.
In einem kleinen Ort geschieht ein Mord und die Bewohner einer ruhigen Sackgasse fühlen sich berufen, herauszufinden was passiert ist. Dabei kommen hinter jeder Tür Geheimnisse zum Vorschein.

Die Sprache ist sehr bildlich und zeichnet ein detailliertes Bild, welches mich sofort in die Zeit und den heißen Sommer hineinversetzt hat. Wir lernen die unterschiedlichen Charaktere/ Bewohner der Nachbarschaft kennen und nach und nach werden deren kleine und großen Geheimnisse gelüftet.

Der eigentliche Krimanalfall wird hier von hinten aufgerollt. Wir erfahren direkt zu Beginn wer (mutmaßlich) der Mörder ist. Dennoch wird die Suche nach diesem nie langweilig. Es gibt spannende Wendungen und grad zum Ende einen Twist, mit dem ich nicht mehr gerechnet hätte.
Neben diesem Kriminalfall behandelt das Buch weitere wichtige Themen dieser Zeit (welche auch heute noch aktuell sind) wie die Gleichstellung der Frau, sexuelle Freiheit etc. ohne dabei den Kern eines Krimis zu verlieren.

Es werden unterschiedliche Perspektiven verwendet und mit Rückblenden gearbeitet, wodurch ich das Gefühl bekam ein Teil dieser Nachbarschaft zu sein. Die bildliche Sprache und genauen Beschreibungen der Umgebung und Personen haben diesen Effekt noch verstärkt und mich ohne Probleme in das Setting und die Story eintauchen lassen.

Durch die Perspektivwechsel zwischen den unterschiedlichen Charakteren der Nachbarschaft lernen wir diese immer besser kennen und es werden nach und nach deren Geheimnisse enthüllt. Besonders gelungen finde ich den immer wieder aufkommende Zwiespalt zwischen der wirklichen Situation in der sich die Personen befinden und dem Bild welches diese nach außen aufrechterhalten wollen.

Wenn ich bedenke, dass dieses ein Debütroman der Autorin ist, dann muss ich sagen möchte ich sehr gerne mehr von ihr lesen. Die Charaktere waren allesamt liebevoll ausgearbeitet und das Buch ist in sich schlüssig ohne zu vorhersehbar zu sein.

Als kleine Kritikpunkte kann ich nur anmerken, dass mich vor allem in den ersten Kapiteln die Vielzahl der Personen überfordert und verwirrt hat. Zudem empfand ich im mittleren Teil des Buches die Handlung als etwas langgezogen bzw. die Beschreibungen etwas zu detailreich was den Lesefluss hemmte. Dieser Eindruck kann aber auch meiner persönlichen Ungeduld geschuldet sein. =)
Alles in allem auf jeden Fall sehr empfehlens- und lesenswert. Gerne mehr davon!

  • Einzelne Kategorien
  • Handllung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 09.06.2025

Lauter kleine Lügen

6

Ein Buch, das wie ein Thriller beginnt, sich aber nach dem ersten Kapitel in eine Milieustudie verwandelt. Australien 1979, eine Vorstadt von Canberra, der Sommer heiß und schwül, die Nachbarn kennen sich ...

Ein Buch, das wie ein Thriller beginnt, sich aber nach dem ersten Kapitel in eine Milieustudie verwandelt. Australien 1979, eine Vorstadt von Canberra, der Sommer heiß und schwül, die Nachbarn kennen sich alle, aber jeder beobachtet jeden. Da macht schnell die Neuigkeit die Runde, man habe Antiono, den jungen Italiener ermordet. Sein Fuß sei soeben gefunden worden. Wer war Antonio? Ein junger Mann, den die Frauen anhimmelten und er nicht nur einer seine Gunst und Zuneigung schenkte. Er erledigte in vielen Haushalten Aushilfstätigkeiten. Auch die 13jährige Tammy freundete sich mit Antonio an. Als sie von dessen Tod erfährt, möchte sie sich als Detektivin erproben und mit dem kleinen Colin versucht sie den Mörder zu entlarven. Tammy leidet an einer Art Authismus und wird von ihrer Mutter vernachlässigt, die sich zur Zeit sehr der Kirche widmet. Auch Colins Mutter vertreibt sich die Zeit mit anderen Dingen. Da gibt es aber noch ein lesbisches Pärchen, von deren Beziehung niemand erfahren darf und die junge Debbie ist zu ihrer Tante geschickt wurde, da auch sie etwas zu verheimlichen hat und dann die chinesische Familie, die von allen geschnitten wird. Einen Kriegsveteranen, die überspitzte Cecil, Sheree, die ihre drei Kinder ohne Vater erzieht, um nur einige der Bewohner zu nennen und dann der kleinen Colin, der am liebsten in Tammys Kleidern herumläuft. Und hinter jeder Türe lauert ein Geheimnis. Die Autorin vertieft sich hier ganu akribisch in das Leben der einzelnen Personen, ihre Gefühle und Gedanken. Man spürt beim Lesen ganz deutlich das Mißtrauen und den Neid, die diese Personen hinter einer Maske aus Freundlichkeit und Nettigkeit verstecken. Die Kapitel sind in Abwechslung in der Zeit vor dem Mord und dann nach dem Mord eingeteilt. Es kann jeder von den Bewohnern gewesen sein, denn jeder hätte einen Grund gehabt, Antonio zu beseitigen, warum auch immer. Und dann werden immer wieder kurze biologische Vermerke über das Verhalten von Ameisen eingeschoben. Das Ende und die Klärung des Mordes überrascht sehr, denn damit hätte man auf keinen Fall gerechnet und man muß seine eignen Gedanken und Vorstellungen nochmals Revue passieren lassen. Ein Buch das uns zeigt, wie Ende der 70iger Jahre es Menschen schwer gehabt haben und unter ihrer Andersartigkeit zu Leiden hatten. An manchen Stellen waren die Erklärungen etwas langatmig. Aber das Buch hat viele Problemsituationen angeschnitten. Das Cover zeigt einen ruhigen Vorort und am Himmel türmen sich Wolken vor dem Abendrot.

  • Einzelne Kategorien
  • Handllung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 09.06.2025

Die Last der Geheimnisse

5

Warrah Place ist eine kleine Siedlung in einem Vorort von Canberra, der australischen Hauptstadt, mit neun Einfamilienhäusern, gelegen an einer Sackgasse, die einer Petrischale ähnelt und in deren Mitte ...

Warrah Place ist eine kleine Siedlung in einem Vorort von Canberra, der australischen Hauptstadt, mit neun Einfamilienhäusern, gelegen an einer Sackgasse, die einer Petrischale ähnelt und in deren Mitte sich eine viel genutzte Grünfläche befindet. Der Fund eines postmortal abgetrennten Fußes versetzt die kleine Wohngemeinschaft erheblich in Unruhe, zumal sehr schnell feststeht, dass der junge, attraktive Italiener Antonio, ein Mitbewohner, das Mordopfer ist. Schnell verbreiten sich neben der Angst die abenteuerlichsten Verdächtigungen. Doch der Leser bekommt bereits im ersten Kapitel den potentiellen Mörder präsentiert.
Im Laufe ihres Romans ‘Lauter kleine Lügen‘ macht uns die Autorin Kate Kemp immer vertrauter mit den Protagonisten, den Bewohnern von Warrah Place, deren Charaktere fein herausgearbeitet ein in sich stimmiges und buntes Bild menschlicher Eigenheiten abbildet. Man kommt ins Gespräch, grenzt aber auch aus, begibt sich in die wildesten Spekulationen und lüftet dabei nach und nach viele kleine und große Geheimnissen, die auf so mancher Schulter schwer lasten, mit zum Teil sehr unliebsamen Methoden. Es ist in der Tat äußerst interessant wie sich das gesellschaftliche Bild des Zusammenlebens Ende der siebziger Jahre des vorherigen Jahrhunderts in seiner Themenvielfalt darstellt und wie die Menschen umgehen mit Rassismus, Ausgrenzung, dem Kinderwunsch, ausgeprägtem patriarchalen Machtdenken, Transsexualität, dem täglichen Ringen nach Anerkennung oder auch generationsübergreifendem Trauma, um nur einige Schwerpunkte zu nennen.
Die Aufklärung des Mordfalls bringt schließlich eine ungeahnte Wendung mit einer unglaublichen Wucht an Aggressivität.

  • Einzelne Kategorien
  • Handllung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 09.06.2025

Eine Straße und ihre Geheimnisse

7

Der Roman LAUTER KLEINE LÜGEN von Kate Kemp handelt von einer kleinen Straße in Canberra im Jahr 1979, in der ein Bewohner ermordet wurde.

Es ist heiß im Januar 1979 in Canberra und der Straße Warrah ...

Der Roman LAUTER KLEINE LÜGEN von Kate Kemp handelt von einer kleinen Straße in Canberra im Jahr 1979, in der ein Bewohner ermordet wurde.

Es ist heiß im Januar 1979 in Canberra und der Straße Warrah Place, als die Nachricht von der Ermordung des jungen Nachbarn Antonio Marietti die Runde macht. Wie konnte das in dieser wohlgeordneten Nachbarschaft passieren?
Es gibt gleich ein paar Verdächtige und Vorurteile werden offen ausgelebt. Doch hinter jeder Hausfassade gibt es auch ein Geheimnis, das erst nach und nach bis zum überraschenden Ende aufgedeckt wird.

Ich hatte Freude beim Lesen und habe die einzelnen Nachbarn gerne begleitet – gefangen zwischen ihren eigenen Vorstellungen vom Leben und der öffentlichen Meinung. Und dann noch die Dinge, die man nicht gerne zugibt, die aber ein Leben prägen können.
Eine Lese-Empfehlung!

  • Einzelne Kategorien
  • Handllung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 09.06.2025

Gelungene Verschmelzung verschiedener Genres

7

Kemp gelingt es, eine dichte, atmosphärisch geladene Spannung aufzubauen, die von Vorurteilen, Misstrauen und dem verborgenen Leben der Frauen in der Vorstadt geprägt ist. Der Roman wirft einen ungeschönten ...

Kemp gelingt es, eine dichte, atmosphärisch geladene Spannung aufzubauen, die von Vorurteilen, Misstrauen und dem verborgenen Leben der Frauen in der Vorstadt geprägt ist. Der Roman wirft einen ungeschönten Blick auf die Dynamik von Nachbarschaften und fragt, ob die Beziehungen, die eine Gemeinschaft zusammenhalten, sie nicht auch zerstören können. Mit psychologischem Feingefühl entwirft sie vielschichtige Figuren, deren Motive und Ängste erst nach und nach ans Licht kommen.
"Lauter kleine Lügen" ist mehr als ein klassischer Roman: Es ist ein gesellschaftskritisches Porträt über weibliche Solidarität, das Spiel mit Schein und Sein und die Macht der kleinen Lügen, die unser Zusammenleben prägen.
Ein spannender, kluger und nachdenklich stimmender Roman, der lange nachhallt

  • Einzelne Kategorien
  • Handllung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Atmosphäre