Leserunde zu "Agathe" von Anne Cathrine Bomann

Eine Geschichte über Nähe und Freundschaft, Liebe und Verbindlichkeit
Cover-Bild Agathe
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Anne Cathrine Bomann (Autor)

Agathe

Franziska Hüther (Übersetzer)

Ein alternder Psychiater zählt die Tage bis zu seinem Ruhestand. Bald wird er die Türen seiner Praxis für immer hinter sich schließen.. Doch eine letzte Patientin lässt sich nicht abwimmeln. Und die Gespräche mit Agathe verändern alles: Neue Freundschaften scheinen plötzlich möglich, neue Wege, neue Zuversicht. Eine universelle Geschichte über Nähe und Freundschaft, Liebe und Verbindlichkeit – elegant und zeitlos, voll meditativer Zärtlichkeit und subtilem Humor.

Timing der Leserunde

  1. Bewerben 10.12.2018 - 01.01.2019
  2. Lesen 14.01.2019 - 27.01.2019
  3. Rezensieren 28.01.2019 - 10.02.2019

Bereits beendet

Ein alternder Psychiater und eine letzte Patientin, die sich nicht abwimmeln lässt. Freut euch auf eine neue Leserunde mit dem Hanser Verlag!

Die Autorin Anne Cathrine Bomann wurde 1983 geboren und arbeitet als Psychologin. Sie lebt in Kopenhagen mit ihrem Freund, einem Philosophen, und dem Hund Camus. Eine Saison lang spielte sie professionell Tischtennis in Fontenay-sous-Bois, einem Vorort von Paris. Dort wohnte sie in der 9, rue des rosettes, genau wie die Hauptfigur aus Agathe.

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Teilnehmer

Diskussion und Eindrücke zur Leserunde

Veröffentlicht am 04.02.2019

zwar kein "ganzer Roman", aber eine lesenswerte Erzählung!

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In diesem 156 Seiten starken Büchlein geht es ums Altwerden, ums Einsam- und Zusammensein, um Kraft und Kraftlosigkeit, um Zeit und Zeitlosigkeit, um Leben und Tod, um Nähe und Distanz.

Zum Inhalt:
Ein ...

In diesem 156 Seiten starken Büchlein geht es ums Altwerden, ums Einsam- und Zusammensein, um Kraft und Kraftlosigkeit, um Zeit und Zeitlosigkeit, um Leben und Tod, um Nähe und Distanz.

Zum Inhalt:
Ein Psychiater zählt die Tage bis zu seinem Ruhestand. Er trifft auf eine letzte hartnäckige Patientin, die sich nicht abwimmeln lässt – und für ihn ändert sich alles.

Meine Meinung:
Wie schafft Anne Cathrine Bomann es auf so wenigen Seiten, den Leser gedanklich so zu beschäftigen?
Sie greift elementare Themen des Lebens auf, schreibt mit dem nötigen Ernst, aber auch einer gewissen Leichtigkeit über sie, und hält den Leser an zahlreichen Stellen dazu an, selbst zu reflektieren. So lesen sich beispielsweise die Fragen, die zwischen dem (übrigens namenlos bleibenden) Psychiater und seinen Patienten auftauchen, gewiss auch als Fragen an den Leser – etwa, wenn Agathe fragt, ob ihr Verhalten „verrückt‟ sei, und das Kapitelende die Frage offen im Raum stehen lässt.

Weil es in diesem Buch insgesamt so wenige Sätze gibt, ist man dazu geneigt, aufmerksam und zwischen den Zeilen zu lesen. Wenn es z.B. plötzlich schneit und es heißt, dass der Schnee eine „geheime Welt voller Spuren von Hundepfoten, Stiefeln und winzig kleinen Kinderfüßen‟ aufdecke, die an der Praxis vorbei ins Zentrum der Stadt führen – scheint das nicht auch zu implizieren, dass dem Protagonisten die Existenz einer Welt außerhalb seiner Praxis bewusst wird?
Neben den im Text explizit gestellten Fragen werden also auch noch einige weitere aufgeworfen. Der Leser wird somit nicht nur dazu angehalten, sich über die Entwicklung im Roman seine eigenen Gedanken zu machen, sondern auch einen Bezug zu seinem eigenen Leben herzustellen. Das habe ich als sehr gelungen empfunden und zwischendurch habe ich gedacht, dass "Agathe" Potential dazu hätte, eine Art moderner Klassiker zu werden: Es ist einfach ein kurzes, aber relativ tiefsinniges Buch, das man gut mal gelesen haben kann.

Wer einen seichten Liebesroman erwartet, der sich mal eben so weglesen lässt, wird also sicherlich enttäuscht sein, denn es gibt einen Protagonisten, der wahlweise Empörung oder Mitleid hervorrufen kann, und einen Inhalt, der melancholisch stimmt und dazu anregt, sich mit dem eigenen Lebenssinn auseinanderzusetzen. Trotz all der Ernsthaftigkeit und dem Schwermut, den das Buch zumindest ansatzweise in mir hervorrief, gab es jedoch auch die eine oder andere Stelle, die mich zum Schmunzeln brachte.

Insgesamt hat mir die Lektüre also gut gefallen, ich mochte die Offenheit und den Einbezug des Lesers, muss aber auch sagen, dass etwas mehr Inhalt dem Buch wohlmöglich nicht geschadet hätte. Vielleicht waren es letztendlich dann doch etwas zu wenige Einblicke in das Leben der Protagonisten, um wirkliche und wahrhaftige Betroffenheit hervorzurufen, und vielleicht hätten auch das Zeitgeschehen oder zumindest die Behandlungstechniken der damaligen Zeit noch etwas näher beschrieben werden können. So jedenfalls wirkt „Agathe‟ mehr wie eine (wirklich gute) Erzählung (oder Novelle) als wie ein Roman.

Fazit:
"Agathe" ist eine bewegende, eher melancholische Erzählung, die dem Leser viel Raum für eigenständiges Mit- und Nachdenken liefert. Für mich hätte es etwas mehr sein dürfen, aber mit den wenigen vorhandenen Seiten schafft Bomann schon sehr viel!

Veröffentlicht am 29.01.2019

Tolle Message, aber manches blieb mir zu offen

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Ein bald 72-Jähriger Psychiater will nach Jahrzehnten seine Praxis schließen und zählt einen Countdown. Neue Patienten möchte er eigentlich nicht mehr annehmen und er lehnt daher zunächst auch Agathe ab, ...

Ein bald 72-Jähriger Psychiater will nach Jahrzehnten seine Praxis schließen und zählt einen Countdown. Neue Patienten möchte er eigentlich nicht mehr annehmen und er lehnt daher zunächst auch Agathe ab, die glaubt, dass nur er ihr noch helfen kann. Doch seine Sprechstundenhilfe gibt ihr dann doch einen Termin und setzt damit überraschend etwas in Gang…

Das kleine, zarte und haptisch wirklich wunderbare Buch hat mich etwas zwiegespalten zurückgelassen. Der poetische, teils sehr bildliche, manchmal fast schon philosophische Schreibstil mit gelegentlich plötzlich aufblitzendem Humor, ist wunderbar gelungen und lädt nach jedem der kurzen Kapitel zum Verweilen ein, um das Gelesene noch einmal zu durchdenken.
Der namenlose Psychiater scheint in seinen Routinen gefangen und bringt für seine Patienten nicht die erwartete Empathie auf und dann kommt da eine Mittdreißigerin, die er überraschend „gut riechen“ kann…

Zum Inhalt des Buches kann ich gar nicht viel sagen, um nicht zu viel zu verraten, aber da gab es für mich Licht und Schatten. Sehr schön fand ich die Message des Buches, das es nie zu spät für irgendwas ist (und auch weitere Aspekte in der Richtung haben mir gefallen), die Auseinandersetzung mit den Themen „Altwerden“ und „Einsamkeit“, sowie die Entwicklung des Protagonisten.
Doch es gab auch Dinge, die mir einfach gefehlt haben. Warum spielt die Geschichte in Frankreich um 1948? Wie konnte der Psychiater durch die Weltkriege praktizieren? Es mag für die Geschichte nicht wichtig sein, aber da dieses Setting gewählt wurde (und es macht auch an einigen Stellen Sinn, dass dieser Zeitraum gewählt wurde), hätte ich dazu einfach wenigstens ein, zwei Sätze erwartet. Ähnlich erging es mir auch an manch anderen Stellen und ich frage mich, ob es tatsächlich immer einfach offen blieb, oder ob die Autorin mich nicht richtig erreichte.

Aber, und das kann sowohl sehr positiv, als auch weniger gut sein – es ist für mich einfach ein Buch, dass viel Spekulationsspielraum bietet und man gut mit Dritten diskutieren kann, um viele Facetten der Geschichte aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten. Ich hatte das Glück, dass ich Mitleser hatte, sonst hätte ich das Buch wahrscheinlich relativ schnell nach dem kurzen Lesevergnügen zur Seite gelegt und mir nicht so lange Gedanken gemacht, wie man die Geschichte gedanklich weiterspinnen könnte.

Veröffentlicht am 10.02.2019

Und schon denkt man über sein eigenes Leben nach...

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Anne Cathrine Bomann veröffentlichte "Agathe" erstmals 2017 auf dänisch. Im Februar 2019 erscheint er nun beim Hanserverlag auf deutsch.
Er ist 72 Jahre alt und zählt die Stunden bis zu seinem Ruhestand. ...

Anne Cathrine Bomann veröffentlichte "Agathe" erstmals 2017 auf dänisch. Im Februar 2019 erscheint er nun beim Hanserverlag auf deutsch.
Er ist 72 Jahre alt und zählt die Stunden bis zu seinem Ruhestand. Der Protagonist ist Psychiater und führt schon seit Jahrzehnten seine eigene Praxis. Er rechnet die verbleibenden Therapiesitzungen in Stunden und versucht jede einzelne von ihnen zu ertragen. Bis zu dem Moment, als ihn eine letzte Patientin um einen Termin bittet: Agathe wird durch die gemeinsamen Gespräche das Leben ihres Psychiaters auf den Kopf stellen und ihn über das seine nachdenken lassen.

„Agathe“ ist mit 156 Seiten ein sehr kurzes Buch, dass sich in zahlreiche, und damit sehr kurze, Kapitel unterteilt. Der Ich-Erzähler, der Psychiater, beschreibt abwechselnd über die erlebten Tage als fast Pensionierter und seine Therapiesitzungen mit Agathe.
Beide Figuren charakterisieren sich im Laufe des Buches selbst, lediglich Agathes Krankengeschichte wird in Form von Arztbriefen dargestellt.
Bedenkt man wie kurz dieser Roman doch ist, ist es erstaunlich wie tiefgründig die Hauptcharaktere doch sind. Es braucht keinerlei Lebensgeschichte oder lange Beschreibung, um sich gut in die Figuren hinein zu versetzen.
Agathe ist hier viel mehr als nur eine Patientin, eine Frau, eine psychisch Kranke oder eine potenzielle Liebelei. Sie ist vielmehr auch der Spiegel, der dem Psychiater vorgesetzt wird und ihm die Augen öffnet und somit auch dem Leser.

„Agathe“ ist ein das perfekte Buch für einen gemütlichen Abend. Man beendet das Buch nicht nur mit dem Gefühl unterhalten worden zu sein, sondern bekommt selbst einen Denkanstoß: Wie zufrieden bin ich eigentlich mit meinem Leben?

Veröffentlicht am 10.02.2019

Klischeehaft

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Anne Catherine Bomanns Erstling „Agathe“ ist ein schmales Buch, in dem sie eine Geschichte über Freundschaft, neue Wege und Aufbruch erzählt.

Ein Psychiater kurz vor dem Ruhestand, desillusioniert, gefangen ...

Anne Catherine Bomanns Erstling „Agathe“ ist ein schmales Buch, in dem sie eine Geschichte über Freundschaft, neue Wege und Aufbruch erzählt.

Ein Psychiater kurz vor dem Ruhestand, desillusioniert, gefangen in einem langweiligen, äußerst einsamen und komplett durchorganisierten Leben ohne Herausforderungen und eine junge psychisch kranke Frau, die sich unbedingt von ihm behandeln lassen will sind die Zutaten, aus denen die Autorin mit eleganter und klarer fast spröder Sprache ihre kurze Geschichte abspult.
Namenlos, langweilig, schrullig und sozial inkompetent ist der Psychiater, dem Agathe jung und quirlig und aus jahrelanger psychiatrischer Behandlung vorbelastet gegenübergestellt wird. Sie bewirkt einen Wandel in seinem Leben während der Sitzungen, der ihn aus seiner Lethargie löst.

Es ist letztlich ein Wohlfühl-Buch, in dem aus Abwarten, Eintönigkeit und einem unaufgeregtem Leben in Richtung Ruhestand neue Wege geöffnet werden, Freundschaft und Nähe entsteht und das Leben eines alternden Psychiaters wieder Schwung bekommt.

Und genau das ist es, was mich unter anderm an dem Roman stört. Ein für mich absolut grandioser erster Teil, in dem die Langeweile des Psychiateralltags aus den Seiten zu tröpfeln scheint, in dem Agathe und andere Patienten fast störend wirken und man beim Lesen ein ausgezeichnetes Gespür für den schrulligen alten Mann bekommt wandelt sich im zweiten Teil des Buches in ein klischeebelastetes Alles-wird-gut-Buch. Es ist schade um die wirklich hervorragende Art der Autorin, Gefühle für die Charaktere zu wecken, um den stilistisch und erzählerisch gekonnten Ansatz und um die Geschichte selbst.
Verblassen der Figuren, Abgleiten in Positivismus, der für mich nicht nachvollziehbar und glaubhaft wirkt wird dadurch aus einem kleinen feinen und eleganten Gespinst ein Buch, das wie so viele andere Bücher auch eine heile Welt heraufbeschwört, unglaubwürdig und zu schön um wahr zu sein.

Veröffentlicht am 08.02.2019

Bietet Interpretationsspielraum

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Zum Inhalt: Obwohl er eigentlich schon angefangen hat, die Tage bis zu seinem Ruhestand zu zählen und er eigentlich keine neuen Patienten mehr annehmen möchte, ist eine weitere Patientin fest entschlossen ...

Zum Inhalt: Obwohl er eigentlich schon angefangen hat, die Tage bis zu seinem Ruhestand zu zählen und er eigentlich keine neuen Patienten mehr annehmen möchte, ist eine weitere Patientin fest entschlossen sich nur von ihm behandeln zu lassen. Dabei ahnt er noch nicht, dass diese Patientin auch für ihn einiges verändern wird – ganz plötzlich taut der ältere Herr wieder auf, beginnt sich wieder mehr für sein Umfeld zu interessieren und am Leben teilzunehmen. Zu Beginn des Buches sind ihm seine Patienten mit ihren Problemen eher lästig, zum Ende hin macht es ihm wieder Freude, anderen Menschen bei der Überwindung ihrer Schwierigkeiten zu helfen.

Mit seinen 160 Seiten ist „Agathe“ ein eher schmales Buch für einen Roman. Und meiner persönlichen Ansicht nach entspricht „Agathe“ auch sonst eher nicht den Merkmalen eines klassischen Romans. Dafür hängen die einzelnen Abschnitte mit ehrlich gesagt zu wenig zusammen. Anne Cathrine Bomann lässt uns in einzelnen Szenen aus dem Leben und der beruflichen Tätigkeit des bis zum Ende des Buches lediglich „der Psychiater“ ist.

Dabei sind die Szenen und Informationen, die die Autorin ihrer Leserschaft präsentiert, klug gewählt, regen zum Nachdenken an und berühren. Man empfindet Mitleid mit diesem älteren Herren, der sich so von seinem Umfeld zurückgezogen hat und isoliert fühlt. Allerdings kratzen mir viele der Szenen zu sehr an der Oberfläche. Ich hätte mir zum Beispiel mehr Informationen zum Leben des Psychiaters gewünscht, angefangen bei seinem Namen. Es hat sich irgendwie unpersönlich angefühlt, ihn bis zum Ende des Buches nur als den „Psychiater“ bezeichnen zu können.
Was mir bis zum Ende hin auch nicht ganz klar geworden ist, ist die „Beziehung“, die der Psychiater zu seiner neuen Patientin (Agathe) entwickelt. Es ist eine etwas merkwürdig anmutende Faszination, die ihn da gepackt zu haben scheint.

Allerdings verfügt Anne Cathrine Bomann über einen sehr anmutigen, wundervollen Schreibstil, der der Geschichte viele Emotionen einhaucht, ganz besonders die melancholischen Momente und bittersüßen Szenen gewinnen unglaublich durch die Wahl der treffenden Worte.

Zuletzt noch ein Wort zu der wunderschönen Gestaltung des Buches, das anmutet, als wäre es mit Stoff bezogen und im Stil wie ein altmodischer Sofabezug daherkommt. Das Äußere des Buches passt dabei sehr gut zu dem Inhalt und selbst der kleine Spatz auf dem Cover scheint eine Anspielung auf einen Moment in der Handlung zu sein.

„Agathe“ lässt mir auf der einen Seite ein wenig zu viel Raum für Interpretationen, auf der anderen Seite hat mich die übertriebe Faszination des Psychiaters für seine Patientin Agathe etwas irritiert. Auf der anderen Seite hat mich die Einsamkeit dieses Mannes berührt und der Schreibstil hat mir unglaublich gut gefallen. Daher komme ich in einer Gesamtwertung zu einer Bewertung mit drei Sternen.