Leserunde zu "Melmoth" von Sarah Perry

Ein Buch, das einen packt und nicht mehr loslässt.
Cover-Bild Melmoth
Produktdarstellung
(26)
  • Cover
  • Erzählstil
  • Geschichte
  • Figuren

Klicken Sie hier, um den Weitersagen-Button zu aktivieren. Erst mit Aktivierung werden Daten an Dritte übertragen.

Sarah Perry (Autor)

Melmoth

Roman

Ein fesselnder und wunderbar unheimlicher Roman



Helen Franklins Leben nimmt eine jähe Wende, als sie in Prag auf ein seltsames Manuskript stößt. Es handelt von Melmoth - einer mysteriösen Frau in Schwarz, der Legende nach dazu verdammt, auf ewig über die Erde zu wandeln. Helen findet immer neue Hinweise auf Melmoth in geheimnisvollen Briefen und Tagebüchern - und sie fühlt sich gleichzeitig verfolgt. Liegt die Antwort, ob es Melmoth wirklich gibt, in Helens eigener Vergangenheit?



Ein Buch, das einen packt und nicht mehr loslässt. Ein weiteres Meisterwerk von Sarah Perry.

Timing der Leserunde

  1. Bewerben 05.08.2019 - 25.08.2019
  2. Lesen 09.09.2019 - 29.09.2019
  3. Rezensieren 30.09.2019 - 13.10.2019

Bereits beendet

Bewerbt euch jetzt für die Leserunde zu "Melmoth" und sichert euch die Chance auf eines von 30 kostenlosen Leseexemplaren!

Ihr wollt wissen, nach welchen Kriterien wir die Teilnehmer für eine Leserunde auswählen? Dann schaut in unseren FAQs vorbei, hier für euch der direkte Link zum Thema Leserunden. Erfahrt dort auch, was einen guten Leseeindruck ausmacht.

Hinweis: Da es im Roman keine Kapitelangaben gibt, geben wir hier - zur Orientierung für alle eBook-Leser - jeweils die letzten Sätze der jeweiligen Leseabschnitte an:

Abschnitt 1, KW 37, Seite 1 bis 105

Der gesamte Dialog erschien Helen so absurd und komisch, dass sie sich auf die Matratze zurücksinken lässt und
die nackte Glühbirne unter der Decke anlacht. »Na gut«, sagt sie, »Albína Horáková, Sie haben gewonnen. Wir gehen
essen.«

Abschnitt 2, KW 38, Seite 106 bis 210

»Ich wüsste es zu gern«, sagt Adaya mit einem zögerlichen, doch irgendwie herausfordernden Blick durch dicke Brillengläser, und da legt Helen die Hände auf die kalte Marmortischplatte, wendet den Blick von Josef Hoffmanns jungem, mürrischem Gesicht ab und hört sich wie aus weiter Ferne sagen: »Als ich einundzwanzig war, verließ ich meine Eltern und ging nach Manila. Ich war noch nie im Ausland gewesen …«

Teilnehmer

Diskussion und Eindrücke zur Leserunde

Veröffentlicht am 03.10.2019

Magisches Prag

2

Ich war sehr gespannt auf „Melmoth“, hatte mir doch „Die Schlange von Essex“ von Sarah Perry als sehr ungewöhnliches Buch herausragend gefallen.

Tatsächlich findet sich in beiden Büchern die gleiche sprachliche, ...

Ich war sehr gespannt auf „Melmoth“, hatte mir doch „Die Schlange von Essex“ von Sarah Perry als sehr ungewöhnliches Buch herausragend gefallen.

Tatsächlich findet sich in beiden Büchern die gleiche sprachliche, nahezu poetische Brillanz. Dennoch hat mich „Melmoth“ etwas weniger begeistert als sein Vorgänger.

Zu fesseln wusste mich der atmösphärische, düstere Auftakt, in dem der in Prag lebende, deutschstämmige J.A. Hoffmann dem Gelehrten Dr.Karel Prazan von einer absonderlichen Gestalt berichtet, die ihn zu verfolgen scheint, doch stets in den Schatten bleibt. Hier wurden wunderbare Anklänge zur schwarzen Romantik und an die englische gothic novel sichtbar. Auch Hoffmann heißt sicherlich nicht zufällig so wie der berühmte Autor des „Sandmann“.

Als Hoffmann auf mysteriöse Weise verstirbt, scheint sich die titelgebende Schattengestalt Melmoth zunächst an Karels, dann an die Fersen seiner Bekannten, der Historikerin Helen zu heften. Helen ist die Hauptprotagonistin des Romans und selbst von einem Geheimnis ihrer Vergangenheit umschattet. Ist es das, was Melmoth zu ihr zieht?

Die Erzählung entfaltet sich unter anderem auch in schriftlichen Berichten der Vergangenheit unterschiedlichster Herkunft, was mir normalerweise gut gefällt. Hier scheinen sie jedoch zum Teil unvermutet quasi aus aller Herren Länder aufzutauchen, was mir ein etwas zerfaserndes Bild lieferte und den Lesefluss in Stocken geraten ließ.  Achtung Spoiler: Zudem machte die Autorin völlig unvermittelt das Grauen der NS-Zeit, anderweitigen Völkermord und die Situation heutiger Geflüchteter zum Thema. Bewegende Themen, auf die mich im Klappentext jedoch nichts vorbereitet hatte. Zufällig lese ich gerade ein anderes Buch über die Aufarbeitung des düsteren Kapitels der deutschen Geschichte. Bei letztgenanntem Buch wusste ich aber von Beginn an, worauf ich mich einlasse. Bei „Melmoth“ habe ich mich daher leider etwas hinters Licht geführt gefühlt, denn ich hatte mich auf ein in ganz anderer Hinsicht schauriges Lesevergnügen gefreut. In dem „Melmoth“ einen Bogen von früheren Greueltaten zur aktuellen Geflüchteten-Debatte schlägt, will die Autorin sehr viel erreichen. Für mich persönlich ist sie dabei etwas über das Ziel hinausgeschossen.

Wer den Hintergrund der „Melmoth the wanderer“-Legende oder des Ahasverus-Mythos nicht wie ich beinahe sein Leben lang kennt, mag ohne Erwartungen an den Roman herangehen, die dann auch nicht enttäuscht werden können. Den unvergleichlichen Charme der „Schlange von Essex“ konnte Sarah Perry mit „Melmoth“ für mich nicht wiederholen. Mit Helen und ihren Bekannten hat sie zwar ähnlich ungewöhnliche, sperrige Protagonisten erschaffen, die für mich jedoch teilweise blasser blieben. Das gilt insbesondere für Helen. Trotzdem war der Roman sprachlich erneut schön wie ein Gemälde, so dass ich nicht bereue, ihn gelesen zu haben. Auch Prag wurde märchenhaft dargestellt. Und der Buchumschlag ist absolut zauberhaft.

 



  • Cover
  • Erzählstil
  • Geschichte
  • Figuren
Veröffentlicht am 03.10.2019

Melmoth

2

Helen ist Mitte 40, arbeitet als Übersetzerin von Bedienungsanleitungen in Prag, und bleibt gerne für sich. Karel, einer ihrer wenigen Freunde in der fremden Stadt ist es dann auch, der sie auf die Legende ...

Helen ist Mitte 40, arbeitet als Übersetzerin von Bedienungsanleitungen in Prag, und bleibt gerne für sich. Karel, einer ihrer wenigen Freunde in der fremden Stadt ist es dann auch, der sie auf die Legende von Melmoth aufmerksam macht. Melmoth, die einsame Frau, die auf der Suche nach Mitreisenden durch die Lande zieht. Angezogen von Unglück, Unrecht und vor allem Schuld. Helen ist fasziniert, und gräbt in Bibliotheken nach weiteren Hinweisen auf Melmoth. Denn über ihrem eigenen Leben liegt ebenfalls ein Schatten.
Sarah Perry überzeugt mit einer wirklich runden Geschichte, die jedoch sicherlich nicht für jeden etwas ist. Helens Geschichte in gerade zu Beginn undurchsichtig, man erfährt nicht sonderlich viel über sie, und sie bleibt einem bis zum Schluss etwas fremd. Die wenigen anderen Figuren sind ebenfalls nicht hundertprozentig ausgearbeitet, bleiben so dezent auf ihre Funktion reduziert, was mich aber überhaupt nicht gestört hat, weil es einfach zu der etwas geheimnisvollen Aura der Handlung gepasst hat. Mir war die Legende von Melmoth bis dato nicht bekannt, ich fand es aber sehr spannend mehr darüber zu erfahren. Eine außergewöhnliche und düstere Erzählung, die eine gute Basis für diesen Roman bildet. Ein großer Teil der Handlung wird von Erfahrungsberichten und Briefen mit und über Melmoth bestimmt; für mich hätte das etwas kürzer ausfallen dürfen, gerade im Mittelteil verliert die Handlung dadurch etwas von ihrem schaurigen Glanz. Apropos schaurig… sooo schaurig wie zuvor vermutet/erhofft war es leider doch nicht, da hätte es für mich ein bisschen mehr sein dürfen.
Sprachlich ist dieses Buch allerdings wirklich ein Genuss. Sehr poetisch, lebendig und bildgewaltig entführt die Autorin den Leser nach Prag. Jede Schneeflocke, jeden Papierschnipsel am Wegesrand macht sie zum Ereignis. Ich mochte ihren Stil schon bei der Schlange von Essex sehr, doch hier hat Perry sich noch einmal gesteigert. Gerade die letzten Kapitel fand ich unglaublich gut geschrieben. Auch wird man als Leser immer wieder direkt angesprochen, was mich natürlich erst recht in die Geschichte gesogen hat.
Insgesamt mochte ich diesen Roman mit kleinen Abstrichen sehr gerne, und ich bin schon jetzt gespannt wohin uns die Autorin als nächstes entführt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Geschichte
  • Figuren
Veröffentlicht am 30.09.2019

Ein ganz besonderes, aber nicht einfaches Buch

2

Melmoth – auf ewig verdammt über die Erde zu wandern und die schlimmsten Taten der Menschen mit Anzusehen. Die Legende von Melmoth lebt und bekommt immer neue Nahrung.
Ist sie Wahrheit oder Märchen? Helen ...

Melmoth – auf ewig verdammt über die Erde zu wandern und die schlimmsten Taten der Menschen mit Anzusehen. Die Legende von Melmoth lebt und bekommt immer neue Nahrung.
Ist sie Wahrheit oder Märchen? Helen Franklin wird in Prag mit der Legende von Melmoth konfrontiert. Sie beginnt ihre eigenen Nachforschungen anzustellen und wird sich immer mehr einer dunklen Präsenz in ihrem Alltag bewusst.

Dieses Buch hat mich unglaublich fasziniert und noch eine Woche nach Beenden des Buches grüble ich immer wieder über den Inhalt und das Gelesene nach.
Es fällt mir nicht leicht, eine Rezension zu "Melmoth" zu schreiben, zum Einen, da ich nichts spoilern möchte, aber auch, da dieses Buch so ganz anders ist als alles, was ich bisher gelesen habe.

Um einmal meinen Leseeindruck mit einigen Adjektiven zusammenzufassen, das Buch ist: besonders, vielschichtig, rätselhaft, tiefgründig, verwirrend, faszinierend, nachdenklich stimmend.

Bei "Melmoth" handelt es sich für mich definitiv um anspruchsvolle Literatur. Zum Einen trägt dazu der sehr besondere Schreibstil bei, aber auch der Aufbau der Erzählung. Es gibt eine Rahmenhandlung in der Gegenwart und in diese Geschichte werden wieder viele kleine Erzählungen und Berichte geschickt eingebunden. Was zu Beginn unzusammenhängend und verwirrend wirkt, ergibt am Ende den tiefen Sinn des Buches.

Die Sprache ist einzigartig. Der poetische, fast lyrische Schreibstil macht das Buch zu einem literarischen Genuss. Aber man muss sich da auch erst einmal dran gewöhnen.
Die Autorin benutzt viel Metaphern oder Bilder, die indirekt Hinweise geben oder bestimmte Situationen beschreiben. Das Verständnis beim Lesen wird dadurch teilweise erschwert und man muss schon sehr genau lesen. Das Buch braucht eine ruhige Umgebung.

Der Klapptext war für mich ein wenig irreführend und hatte mir eine andere Idee vom Buchinhalt gegeben. So musste ich mich zunächst auf die neue Situation einstellen. Das einmal geschehen, habe ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen können. Allerdings ist es auch kaum möglich, den Leser mit einer kurzen Inhaltsangabe auf das Buch vorzubereiten ohne den eigentlichen Inhalt vorweg zu nehmen.

Es ist ein düsteres Buch. Da Melmoth Zeugin vieler von uns Menschen begangenen Verbrechen ist, werden auch uns Lesern viele grausame Dinge präsentiert.

Sarah Perry kreiert eine dunkle, etwas gruselige Stimmung. Melmoth ist allgegenwärtig, im ganzen Buch. Sie ist der Dreh- und Angelpunkt, die Angst der handelnden Personen vor Melmoth wird sehr gut rübergebracht und überträgt sich teilweise auch auf den Leser.
Es ist lange her, dass ich mich von einem Buch so direkt angesprochen gefühlt habe. Auch die Schreibweise trägt dazu bei, denn wir Leser werden im Laufe des Textes immer wieder direkt angesprochen und sozusagen gedanklich zum Handeln aufgefordert.
Das wird am Ende dann auch noch einmal besonders wichtig und ohne zu verraten warum, aber die letzen beiden Seiten des Buches sind noch einmal ein Knaller.

Ich möchte keinen der Charaktere besonders hervorheben oder näher auf seine Eigenschaften eingehen, da jeder Charakter und seine Besonderheiten ein wichtiger Puzzlestein der Geschichte sind. Doch allgemein fand ich alle Personen in diesem Buch sehr interessant dargestellt. Wirklich sympathische Menschen gab es nicht, sondern jeder war auf seine Weise speziell, doch damit passen sie perfekt zu dieser düsteren Geschichte.

"Melmoth" vermittelt eine ganz wichtige Botschaft, die jeder Leser am Ende für sich selbst interpretieren kann und auch für sich selbst beherzigen kann. Hier liegt für mich ein sehr großer Wert dieses Buches, denn es regt zum Nachdenken an.
Für mich hat "Melmoth" eine Moral, so wie sie am Ende einer Fabel dem Leser ersichtlich wird. Und manchmal hat mich das Buch auch an das Erzählen von Fabeln oder Gleichnissen erinnert, um uns, die Leser, auf etwas ganz Bestimmtes aufmerksam zu machen.

Ich könnte mir vorstellen, dass das Buch es nicht ganz leicht haben wird, da es nicht einfach zu lesen ist. Aber für mich lohnt es sich auf jeden Fall "Melmoth" zu lesen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Geschichte
  • Figuren
Veröffentlicht am 12.10.2019

Mystisch, gruselig und mit viel schriftstellerischer Eleganz

1

Helen Franklin lebt in Prag und fristet dort ihr Leben als Übersetzerin von Gebrauchsanweisungen. Sie selbst empfindet ihr selbstgewähltes Dasein als armselig, aber gleichzeitig genießt sie es, sich auf ...

Helen Franklin lebt in Prag und fristet dort ihr Leben als Übersetzerin von Gebrauchsanweisungen. Sie selbst empfindet ihr selbstgewähltes Dasein als armselig, aber gleichzeitig genießt sie es, sich auf diese Weise zu bestrafen, für etwas, dass sie einmal getan hat, aber erst einmal ein Geheimnis bleibt. Einer ihrer wenigen Freunde, Karel, der an der hiesigen Universität unterrichtet, übergibt ihr eines Tages ein Manuskript, mit der Bitte, sich damit zu beschäftigen. Ihn selbst hat das Schriftstück und die Umstände drum herum schon völlig aus der Fassung gebracht. Helen nimmt sich der Sache an, teils aus Pflichtbewusstsein dem Freund gegenüber, teils auch aus eigener Neugier. Und von diesem Zeitpunkt an wird alles anders. Denn Melmoth, die Zeugin, von der das Manuskript handelt, und die Legende, die sich um diese rankt, schleichen sich langsam ein, in Helens Leben. So voller Geheimnisse, gruselig, auch durchaus grausig und von Mystik durchzogen, greift diese Frau nach ihr, und zieht sie und auch den Leser ganz tief hinein in eine tiefe Düsternis, die die ganze Geschichte durchtränkt. Aber man hält sie aus, diese schaurige Dunkelheit, denn im Gegenzug erlebt man darin einen komplexen, kunstvoll verschachtelten und von großem schriftstellerischem Können getragenen Handlungsbogen, in seiner Gesamtheit wirklich nahezu perfekt. So habe ich es zumindest empfunden
Ein nicht einfacher, so ganz anderer Roman, Genreübergreifend und alle Erwartungen übertreffend, mit einer oder mehreren eleganten Wendungen nach Irgendwo. Sie werden es erleben.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Geschichte
  • Figuren
Veröffentlicht am 05.10.2019

Sie sieht alles...

1

In dem Roman "Melmoth" von Sarah Perry, welches im Eichborn- Verlag erschienen ist, geht es um eine Sagengestalt, die für Helen Franklin immer mehr zur Realität wird. Die Rede ist von Melmoth, die Zeugin, ...

In dem Roman "Melmoth" von Sarah Perry, welches im Eichborn- Verlag erschienen ist, geht es um eine Sagengestalt, die für Helen Franklin immer mehr zur Realität wird. Die Rede ist von Melmoth, die Zeugin, die dazu verdammt ist, ewig auf der Welt zu wandeln und die Sünden der Menschen zu bezeugen.
Ein Schatten, ein Windhauch, Dohlen und Lilienduft - alles deutet auf die Anwesenheit von Melmoth hin. Helen und ihre Freundin Thea informieren sich in alten Schriften, Geschichten und Manuskripten über Melmoth. Dabei wird Helen immer bewusster, dass Melmoth auch ihre Sünde kennt und auf der Suche nach ihr sein könnte...

"Melmoth" ist kein unbekannter Name. Beispielsweise in dem Buch "Der Club Dumas" von Arturo Pérez-Reverte wird auf ein Buch verwiesen, dass "Melmoth, der Wanderer" heißt und von C.R. Maturin geschrieben wurde. In dem Buch von Sarah Perry werden mehrere Quellen angegeben. Daher liegt es nahe, dass es in anderen Kulturen eine Sage oder einen Mythos mit dem Namen Melmoth gibt. Diese Information finde ich sehr gut - das macht das Buch sehr lebendig für mich.

Die Spannung im Buch wird relativ konstant gehalten. Da es zwischendurch immer wieder Erzählungen aus der Vergangenheit bzw. aus den alten Manuskripten zu lesen gilt, und diese recht lang sind, entsteht bei manchen Menschen eventuell schnell der Eindruck von Langweiligkeit. Ich finde es gut und wichtig, dass diese Passagen nicht zu kurz geraten sind. Es soll uns Lesern schließlich mitnehmen und zeigen, wie Melmoth sich zeigt und wie sie agiert. Ebenso sollen wir natürlich auch Gefühle für die Figuren entwickeln. Das geht nun mal nicht auf 3 Seiten, da gehört schon mehr dazu. Sarah Perry hat die Balance zwischen "zu langen" und "zu kurzen" Erzählungen meines Erachtens nach gut gemeistert.

Die Geschichte hat mich voll mitgenommen. Ich bin sehr gut in die Erzählung eingestiegen und konnte dem Geschehen ebenso gut folgen. Wie schon oben erwähnt, es scheint einen reellen Hintergrund zu geben und das fasziniert mich wahnsinnig. Die Story, die Sarah Perry um die bestehenden Geschichten gesponnen hat, ist ihr toll gelungen.

Die Figuren wirken teilweise etwas unfertig. Zum Beispiel hätte ich mir bei Albína ein paar mehr Infos gewünscht. Aber im großen und ganzen war ich zufrieden mit den Figuren, die ich hier kennen lernen durfte.

Das Thema des Buches ist meiner Meinung nach, dass uns bewusst sein sollte, dass wir ein Gewissen haben und dass dieses nicht unendlich viel Kapazität hat. Bereinigt eure Seelen, seid euch darüber im Klaren, dass jede Tat auch seine Folgen hat. Melmoth ist mit ihren wachsamen Augen überall. Ich habe es so verstanden, dass Melmoth unser Gewissen darstellen soll. Sündigen wir oder machen einen Fehler, so wiegt es schwer in uns. Doch gestehen wir, tun Buße oder erleichtern unser Gewissen in sonstiger Weise, so verschwindet Melmoth, hat jedoch immer noch ein Auge auf uns.

Der Schreibstil hat mir ebenfalls sehr gut gefallen. Es wirt hauptsächlich in einer Erzähler-Perspektive geschrieben. Aber zwischendurch wird der Leser persönlich angesprochen - "Sehen Sie, schauen Sie". Das gab mir das Gefühl, dass dieses Buch mir wirklich etwas vermitteln soll und ich fühlte mich direkt mit eingebunden. Es war nicht aufdringlich oder der gleichen. Diese Anreden wurden gekonnt platziert und auch nicht zu sehr ausgereizt.

Ich werde das Buch definitiv weiter empfehlen und auch nochmals lesen. Es hat mir sehr gut gefallen. Alleine schon das Cover ist ein wahrer Hingucker, aber die Geschichte unter dem Cover ist auch nicht ohne! ;) An dieser Stelle ein großes Lob an die Person, die das Cover gestaltet hat. Wenn du dich für etwas tiefgründigere Geschichten interessiert, die auch gelegentlich Fakten aufzählen, so ist dieses Buch nach deinem Geschmack. :)

  • Cover
  • Erzählstil
  • Geschichte
  • Figuren