Leserunde zu "Ein Traum vom Glück" von Eva Völler

Der Ruhrpott in den 50ern: Leben und Lieben in einer zerrissenen Zeit
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Eva Völler (Autor)

Ein Traum vom Glück

Roman

Essen 1951: Nach der Flucht aus der Kriegshölle Berlin hat die junge Katharina Unterschlupf bei der Familie ihres verschollenen Mannes gefunden. Aber das Zusammenleben mit der barschen, zupackenden Schwiegermutter auf engem Raum fällt der lebenshungrigen Frau schwer. Sie will ein besseres Leben für sich und ihre beiden Töchter. Mit trotziger Entschlossenheit versucht sie, ihrem ärmlichen Umfeld zu entfliehen. Doch dann begegnet sie dem traumatisierten Kriegsheimkehrer Johannes ...

Timing der Leserunde

  1. Bewerben 03.02.2020 - 23.02.2020
  2. Lesen 09.03.2020 - 29.03.2020
  3. Rezensieren 30.03.2020 - 12.04.2020

Bereits beendet

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Wir freuen uns sehr, dass die Autorin die Leserunde begleitet. Unter "Fragen an Eva Völler" könnt ihr euch direkt an sie wenden.

Wenn ihr wissen möchtet, wie eine Leserunde funktioniert und auf welche Kriterien wir bei der Auswahl der Teilnehmer achten, schaut doch mal hier vorbei.

Teilnehmer

Diskussion und Eindrücke zur Leserunde

Veröffentlicht am 30.03.2020

Gelungene, etwas geruhsame Ruhrpottgeschichte

1

Das Ruhrgebiet als Handlungsort für einen Roman – das hat mich gleich angesprochen und deshalb wollte ich diesen ersten Band der „Ruhrpott-Saga“ auch unbedingt lesen. Das Buch spielt im Jahre 1951 und ...

Das Ruhrgebiet als Handlungsort für einen Roman – das hat mich gleich angesprochen und deshalb wollte ich diesen ersten Band der „Ruhrpott-Saga“ auch unbedingt lesen. Das Buch spielt im Jahre 1951 und die Nachkriegszeit finde ich als Thema ebenfalls interessant, also war „Ein Traum vom Glück“ eine gute Kombination.

Das Ruhrpottflair wird ganz hervorragend eingefangen. Man merkt, Eva Völler kennt den Pott, die Lebensart, die Denkweisen, die Leute. Einige Charaktere läßt sie im Ruhrpottdialekt sprechen und das ist nicht nur ausgezeichnet geschrieben (ich konnte es direkt hören), sondern trägt wesentlich zum lokalen Flair bei. Ein Glossar erklärt Dialekt und Bergbaubegriffe.

Die Geschichte beginnt ansprechend, wir sind nämlich gleich mitten drin in der Atmosphäre und dem Geschehen. In wenigen Sätzen merken wir – ja, das sind die 1950er, ja, das ist der Pott. Auch das Erzähltempo ist hier gut, denn wir erfahren nicht nur die Situation der Hauptperson Katharina, sondern lernen auch gleich den zweiten Hauptcharakter Johannes kennen, der aus der russischen Gefangenschaft heimkehrt und vielversprechende Themen mit sich bringt. Wir haben gleich zu Beginn zwei typische Themen der Nachkriegszeit: Katharina schlägt sich mit dem Schneidern durch, hat genug Ausbildung und Talent, um weitergehende Pläne zu verfolgen – ein Modeatelier. Das paßt zum Aufbruchsgeist dieser Zeit. Johannes ist aus gutem Hause, von der Schulbank weg noch am Ende in den Krieg gezerrt worden und hat in russischer Gefangenschaft Furchtbares hinter sich. Die Thematik der Heimkehrer ist noch nicht so oft literarisch behandelt worden und so war ich auf beide Themen gespannt.

Dann wird es allerdings wesentlich geruhsamer. Die Autorin zeichnet sehr liebevoll und sehr detailreich die Atmosphäre, versteht sich darauf auch gut. Man erhält ein wirklich umfassendes Bild jener Region in jener Zeit. Nur geht diese Detailfreude häufiger zu Lasten des Erzähltempos, gerade weil auch einige Dinge öfter wiederholt werden. Die Kochvorgänge von Katharinas Schwiegermutter Mine werden uns mehrfach über Seiten hinweg geschildert und die Kinderspiele und –streiche von Katharinas kleiner Tochter Bärbel nehmen ebenfalls zu viel Raum ein – diese habe ich irgendwann nur noch überflogen, weil sie nur selten für die Geschichte relevant waren. Alltägliche Unternehmungen sind ebenfalls sehr detailreich. Dagegen kommt das (unerwartete) Ende dann sehr rasch, knapp und abrupt. Da hätte ich mir mehr Raum gewünscht, so wirkte es – gerade im Vergleich zum restlichen Buch – überhastet.

Auch thematisch war die Gewichtung nicht vollständig mein Geschmack. Die oben erwähnten beiden Themen finden viel weniger Raum als erwartet, gerade Katharinas berufliche Pläne treten erzählerisch rasch zurück, was ich sehr schade fand. Johannes‘ Thematik bekommt ein wenig mehr Raum, ist kenntnisreich und anschaulich geschildert, geht aber für meinen Geschmack nicht genug ins Detail. Ich hatte immer gehofft, daß dazu noch was kommt, irgendetwas aufbricht, weil es alles so glatt lief. Ein damit zusammenhängender Handlungsstrang beginnt vielversprechend, findet dann aber ein etwas seltsames und zu praktisches Ende. Die Möglichkeit, dieses wichtige Thema zu behandeln, wurde für meinen Geschmack doch eher verschenkt. Hauptfokus ist eine Liebesgeschichte, bzw. eine große und mehrere kleinere Liebesgeschichten. Die sind gut erzählt, erfreulich (fast) frei von Kitsch und werfen mehrere interessante und zu der damaligen Situation passende Aspekte auf. Eva Völler gelingt es ohnehin gut, mit den Haupthandlungssträngen viele kleinere Handlungsstränge und Themen zu verknüpfen und eine Vielzahl von Themen zu behandeln. Lediglich die Gewichtung entsprach nicht meinem persönlichen Geschmack.

Vom Schreibstil her liest sich das Buch durchweg ansprechend, schön ist auch der ab und zu durchblitzende Humor. Ein wenig gestört hat mich, daß uns zu viel erklärt wird – der Leser bekommt die Schlußfolgerungen häufig auf dem Silbertablett serviert, anstatt sie selbst ziehen zu können. Ich ziehe „Zeigen, nicht erzählen“ vor. Hier hatten wir häufig Zeigen + Erzählen, und dies auch bei manchen Dingen wiederholt. Gerade die Tatsache, daß Katharina eine ausgesprochen schöne Frau ist, wird unnötig häufig erwähnt. Schön fand ich dagegen, wie uns die Charaktere nahegebracht werden. So erleben wir Katharinas „Schneiderwissen“ auch richtig, da sie gewohnheitsmäßig mit raschen Blicken Schnitt und Material der Kleidung anderer abschätzt und Fachkenntnis beweist. Ihre ältere Tochter Inge dürstet nach Bildung und es zieht sich angenehm durch das Buch, daß sie eine Schwäche für Fremdwörter oder „kluge“ Wörter hat. Überhaupt sind die Charaktere gut gezeichnet. Johannes, mein absoluter Lieblingscharakter, ist herrlich facettenreich und eine Person, mit der ich als Leser absolut mitfieberte, der mir am Herzen lag. Katharina war mir zu berechnend, zu kühl. Katharinas Schwiegermutter Mine, ein Pott-Urgestein, kommt zwar eher am Rande vor, wird aber herrlich echt und lebendig geschildert. Genau so sollte eine Nebenfigur sein – sie übernimmt nicht, aber man freut sich immer, wenn sie erscheint und die wenigen Sätze, die sie sagt, haben Hand und Fuß und zeigen ihr Wesen herrlich. Auch sonst gibt es vielfältige Charaktere, die anschaulich und echt wirken.

So ist „Ein Traum vom Glück“ ein gut lesbarer Roman mit herausragendem Lokalkolorit und gelungen gezeichneten Charakteren, der viele Themen anspricht. Wer mehr das Geschichtliche in historischen Romanen sucht, wird mit der Gewichtung nicht ganz so glücklich sein. Wer Liebesgeschichten mag und gegen ein geruhsames Erzähltempo mit vielen Alltagsdetails nichts einzuwenden hat, sollte definitiv zugreifen.

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Veröffentlicht am 30.03.2020

Ein Traum vom Glück - sehr emotional

2

Ein Traum vom Glück, von Eva Völler

Cover + Titel:
Schon das Cover weckt Kindheitserinnerungen und zieht mich in seinen Bann.
Auch der Titel ist wunderbar gewählt und passt perfekt.

Inhalt:
Essen 1951.
Katharina ...

Ein Traum vom Glück, von Eva Völler

Cover + Titel:
Schon das Cover weckt Kindheitserinnerungen und zieht mich in seinen Bann.
Auch der Titel ist wunderbar gewählt und passt perfekt.

Inhalt:
Essen 1951.
Katharina ist mit ihren beiden Töchtern aus Berlin geflohen und hat Unterschlupf bei ihrer Schwiegermutter in Essen gefunden. Ihr Mann Karl gilt als vermisst. Für sie ist er tot, doch ihre Schwiegermutter Mine ist fest davon überzeugt, dass er wieder zurückkommt.
Dies und einiges andere erschwert das Zusammenleben ungemein.
Doch Katharina ist entschlossen dem ärmlichen Umfeld zu entfliehen und sich und ihren Töchtern eine neue Zukunft aufzubauen.
Als dann auch noch der junge, traumatisierte Kriegsheimkehrer Johannes auf der Bildfläche erscheint, beginnt eine emotionale Berg und Talfahrt.

Meine Meinung:
Ein toller Roman, eine Mischung aus Historischem Roman und Liebesroman.
Die Mischung ist objektiv gesehen sehr ausgeglichen, für mich hätte es gern mehr in Richtung der Historie gehen dürfen.

Auf jedenfall kommen beim Lesen ganz viele Kindheitserinnerungen wieder hoch, und vor allem am Schluss fahren meine Emotionen in Höchstgeschwindigkeit über eine Achterbahn mit Looping.
Und es gibt eine Wende mit der ich nie und nimmer gerechnet hätte.

Der Einstig ins Buch gelingt mühelos. Die einzelnen Personen und ihre Charaktere werden gut beschrieben und schön nacheinander eingeführt.
Allen voran gefällt mir Mine, quasi die Oma, am besten. Sie hält sich im Hintergrund, hält auf der einen Seite aber das Zepter fest in der Hand, und auf sie ist 100% Verlass wenn es darauf ankommt.

Katharina ist eine vielschichtige und starke Person, sie hat schweres durchgemacht, glaubt aber felsenfest an eine gute Zukunft und tut alles dafür.
Sie hat Ecken und Kanten, scheut sich nicht auch mal anzuecken und will das Leben doch auch genießen, auch wenn sie sich ihre Gefühle nicht immer ehrlich eingestehen kann.

Johannes verkörpert das Schicksal der Spätheimkehrer.
Hier hätte ich gerne mehr darüber gelesen.

Der Schreibstil der Autorin ist, wie ich es nicht anders kenne, sehr flüssig und er holt mich als Leser voll ab und bringt mich mitten hinein in die Geschichte.
Ich war öfters sprachlos, habe mit gelitten und mit gehofft.
Super passend sind auch die Passagen mit dem Dialekt, die das ganze Buch einfach noch authentischer und lebendig machen.

Tja und der letzte Satz ist ja dann ein toller Hinweis auf das Folgebuch:
EIN GEFÜHL VON HOFFNUNG

Mein Fazit:
Ein wunderbarer, sehr bewegender Auftakt einer großen Ruhrpott-Saga, bei dem für mich persönlich der Schwerpunkt mehr auf der Liebes- und Lebensgeschichte von Katharina lag, wobei ich gerne mehr über die Problematik der Kriegsheimkehrer und die historischen Aspekte gelesen hätte.
Deshalb von mir hervorragende 4 Stern.


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Veröffentlicht am 30.03.2020

Berührender, sehr gelungener Auftakt der Ruhrpott-Saga

2

"Ein Traum vom Glück" von Eva Völler ist als Taschenbuch mit 464 Seiten im März 2020 bei Lübbe erschienen. Es handelt sich um den ersten Teil der Ruhrpott-Saga.
Eva Völler legt hier eine berührende und ...

"Ein Traum vom Glück" von Eva Völler ist als Taschenbuch mit 464 Seiten im März 2020 bei Lübbe erschienen. Es handelt sich um den ersten Teil der Ruhrpott-Saga.
Eva Völler legt hier eine berührende und interessante Familiengeschichte vor, die in Essen ab 1951 spielt. Hierhin, genauer zu ihrer Schwiegermutter Mine, war Katharina mit ihren beiden Töchter Inge und Bärbel aus Berlin geflüchtet.
Das Zusammenleben ist nicht einfach, Katharinas Mann Karl ist noch nicht aus dem Krieg bzw. Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt und Mine ist eine sehr verschlossene Frau, die fest daran glaubt, dass ihr Sohn zurückkehrt. Katharina hingegen denkt, dass ihr Mann wohl nicht wiederkommt und sie hat es satt, im ewigen Kohlenstaub, ohne warme Dusche und in beengten Verhältnissen zu leben...sie ändert, entwirft und näht Kleider für die Nachbarschaft, hofft auf weitere Empfehlungen und träumt von einem eigenen Atelier
Eines Tages taucht plötzlich Johannes auf, ein schwer traumatisierter Kriegsheimkehrer und Verwandter von Oma Mine...
Das Cover zum Buch finde ich sehr gelungen und äußerst ansprechend, es passt perfekt zu der Zeit und die Kombination vom schwarz-weißen Hintergrund und den farbigen Figuren ist sehr einprägsam.
Der Schreibstil von Eva Völler ist wirklich toll, prägnant und flüssig, lebendig und amüsant. Besonders der Ruhrpott-Slang von Oma Mine und Nachbarin Elfriede macht Spaß und wird ganz trocken herübergebracht. Da werden nicht viele Worte gemacht, aber das Herz sitzt am rechten Fleck, besonders bei Mine, wie sich einige Male herausstellen wird. Die Autorin hat bestens recherchiert und erzählt absolut authentisch.
Es ist permanent was los, die Spannung reisst eigentlich nie ab und zum Ende hin wird es äußerst aufregend.
Die Charaktere sind detailliert ausgearbeitet, man fühlt definitiv mit und hat eigentlich durchgehend das Gefühl, fast selbst dabeigewesn zu sein.
Für meinen persönlichen Geschmack war es leider über weite Teile zu wenig historischer Roman und zu viel Liebesgeschichte (darum auch nur 4 Sterne), zwar sehr gut geschrieben aber dennoch etwas zu seichte Unterhaltung.
Im letzten Drittel allerdings hat mich Eva Völler dann auch vollends überzeugt, die Charaktere hatte ich ja bereits zuvor ins Herz geschlossen und zum Schluß habe ich dann auch absolut mitgefiebert und mitgelitten.
Mein Fazit: Ein sehr gelungener Auftakt der Ruhrpott-Saga, das Lesen lohnt sich :)

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