Leserunde zu "Die vier Gezeiten" von Anne Prettin

Ein Roman, so kraftvoll und mitreißend wie Ebbe und Flut
Cover-Bild Die vier Gezeiten
Produktdarstellung
(30)
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Story

Klicken Sie hier, um den Weitersagen-Button zu aktivieren. Erst mit Aktivierung werden Daten an Dritte übertragen.

Anne Prettin (Autor)

Die vier Gezeiten

Roman

Die Kießlings gehören zu Juist wie die Gezeiten. Als Patriarch Eduard das Bundesverdienstkreuz erhält, kommen sie alle zusammen: Eduards Frau Adda, die drei Töchter, sowie Großmutter Johanne. Doch in die Generalprobe platzt Helen aus Neuseeland, die behauptet, mit der Sippe verwandt zu sein. Und tatsächlich: Sie ist Adda wie aus dem Gesicht geschnitten. Gemeinsam gehen sie dem Rätsel ihrer Herkunft nach. Denn Adda ahnt: Der Schlüssel zur Wahrheit liegt im familieneigenen Hotel de Tiden, dort, wo vor 75 Jahren alles begann.

Timing der Leserunde

  1. Bewerben 28.12.2020 - 17.01.2021
  2. Lesen 01.02.2021 - 21.02.2021
  3. Rezensieren 22.02.2021 - 07.03.2021

Bereits beendet

Bewerbt euch jetzt für die Leserunde zu "Die vier Gezeiten" und sichert euch die Chance auf eines von 30 kostenlosen Leseexemplaren!

Wenn ihr wissen möchtet, wie eine Leserunde funktioniert und auf welche Kriterien wir bei der Auswahl der Teilnehmer achten, schaut doch mal hier vorbei.

Teilnehmer

Diskussion und Eindrücke zur Leserunde

Veröffentlicht am 22.02.2021

Stürmische Familien-Chronik

6

Die Kießlings sind eine der angesehensten Familien auf der Nordsee-Insel Juist. Eduard Kießling, das Familienoberhaupt, war viele Jahre als Bürgermeister tätig und soll nun für sein Engagement mit dem ...

Die Kießlings sind eine der angesehensten Familien auf der Nordsee-Insel Juist. Eduard Kießling, das Familienoberhaupt, war viele Jahre als Bürgermeister tätig und soll nun für sein Engagement mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt werden. Doch mitten in die Vorbereitungen für die Feierlichkeiten platzt die junge Neuseeländerin Helen, die auf der Suche nach ihrer leiblichen Mutter ist und behauptet, mit den Kießlings verwandt zu sein. Ihre Nachforschungen fördern mehr als nur ein Familien-Geheimnis zutage und bringen die sorgsam gehütete Fassade zum Einsturz.
Anne Prettin erzählt die Geschichte der Kießlings, vor allem von Eduards Ehefrau Adda, deren Mutter Johanne und ihren Töchtern aus verschiedenen Perspektiven und auf verschiedenen Zeitebenen. Der Bogen spannt sich von der Zeit des Nationalsozialismus über die Wirtschaftswunder-Jahre bis zur Gegenwart. Dabei schafft es die Autorin, den Leser durch immer neue unerwartete Wendungen und aufgeworfene Fragen in ihren Bann zu ziehen. Insofern erweist sich der Roman als echter Page-Turner.
Auch das Cover, das auf die ersten Seiten im Buch Bezug nimmt, ist ein gelungener Eye-Catcher.
Trotzdem konnte mich "Die vier Gezeiten" nicht vollkommen überzeugen. Die Auflösung der Geschichte ist übertrieben dramatisch und verlässt sich auf eher unwahrscheinliche Zufälle. Auch das Verhalten der handelnden Personen, insbesondere der Hauptfigur Adda, konnte ich teilweise nur schwer nachvollziehen. Zudem ist die Story mit Themen überfrachtet, bei denen weniger mehr gewesen wäre.
Eine gute und spannende Grund-Idee, die mich in ihrer Ausführung jedoch nicht ganz zufriedenstellen konnte.

  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Story
Veröffentlicht am 22.02.2021

Schicksalsüberladen

5

Dieser Roman handelt von vielen Frauen: Von einer, die in den 1930er Jahren auf Juist aufwächst und miterlebt, wie sich der Nationalsozialismus auf der Nordseeinsel ausbreitet. Von einer, die dort in den ...

Dieser Roman handelt von vielen Frauen: Von einer, die in den 1930er Jahren auf Juist aufwächst und miterlebt, wie sich der Nationalsozialismus auf der Nordseeinsel ausbreitet. Von einer, die dort in den 1960er Jahren vier Töchter an der Seite eines Mannes aufzieht, den sie nicht liebt. Von einer, die Ende der 1970er aus Verzweiflung im Watt verschwindet. Und von einer Neuseeländerin, die 2008 auf der Suche nach ihrer leiblichen Mutter nach Juist kommt.
Aber das ist noch nicht alles: Neben weiteren Frauenfiguren gibt es noch einen narzisstischen Familienpatriarchen, Altnazis und Umweltschützer; es ereignen sich gleich mehrere ungeplante Schwangerschaften und die deutsch-deutsche Geschichte spielt auch noch eine Rolle. Ganz schön viel für 480 Seiten! „Die vier Gezeiten“ sind leider so überladen mit Dramen, dass der Roman längst nicht jedem Handlungsstrang gerecht werden kann. Durch eine Fokussierung auf weniger Figuren hätte die Geschichte vermutlich gewonnen. Irritierend fand ich auch die Häufung der Schicksalsschläge innerhalb einer Familie, die aber kaum darüber spricht. Und das ist dann auch mein zweiter Kritikpunkt: Ich fand es nicht stimmig, wie wenig sich die einzelnen, größtenteils miteinander verwandten Protagonisten untereinander austauschen. Sicher kommt es vor, dass Gespräche zwischen Familienmitgliedern an der Oberfläche bleiben, aber hier nimmt es sehr seltsame Züge an; naheliegende Reaktionen bleiben oft aus. Das Verhalten gleich mehrerer Figuren wirkt dadurch etwas bizarr. Autorin Anne Prettin fügt ihre vielen Handlungsstränge zwar am Ende des Romans zusammen, aber auch im Nachhinein wird so längst nicht jede Reaktion auch nur halbwegs schlüssig erklärt.

Komplett überzeugend sind dagegen die Juist-Beschreibungen. Die Inselatmosphäre schwingt überall mit: Sonne, Strand und Sanddorn, Hammersee und Domäne Bill, Flughafen und Inselbahn – alles kommt vor und man fühlt fast, wie einem die Nordseeluft um die Nase streicht. Und so sind „Die vier Gezeiten“ schon ein gedanklicher Ausflug ans Meer, aber eben ein sehr überladener. Prettin hätte ihren vielen Protagonisten ruhig etwas weniger zumuten dürfen.

  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Story
Veröffentlicht am 22.02.2021

Hier wurde zu viel gewollt und dadurch zu wenig erreicht

5

Das Buch hat mich durch das hinreißende Titelbild und einen originellen Anfang sofort angezogen. Es beginnt mit einem Tagebucheintrag, in der eine geplante Selbsttötung durch Ertrinken mit fast wissenschaftlicher ...

Das Buch hat mich durch das hinreißende Titelbild und einen originellen Anfang sofort angezogen. Es beginnt mit einem Tagebucheintrag, in der eine geplante Selbsttötung durch Ertrinken mit fast wissenschaftlicher Distanz betrachtet wird. Im nächsten Kapitel finden wir uns mitten in einer offensichtlich nicht harmonischen Familie, in die eine junge Frau namens Helen platzt, die offensichtlich mit ihnen verwandt ist – nur wie? Dies ist der Auslöser für die Geschichte der Juister Familie Kießling, die bis ins Jahr 1934 zurückgeht. Diese Geschichte wird, wie in momentan fast jedem Roman dieser Art, durch zahlreiche Rückblenden erzählt. Ich fand das erste Drittel des Buches teilweise etwas verwirrend, denn es taucht eine Vielzahl an Charakteren auf, die oft nicht wirklich vorgestellt werden. Die Rückblenden werden aus der Sicht Johannes und ihrer Tochter Adda erzählt, so dass es teilweise mit Epochen, Perspektiven und Charakteren etwas zu viel wurde. Nach und nach wurde ich aber mit den Charakteren vertraut – allerdings sind es einfach zu viele von ihnen und manche kommen so am Rande vor, dass ich auch am Ende des Buches bei manchen Namen erst mal überlegen mußte, wer denn das nun wieder ist.

Die Geschichte weiß, Spannung zu erzeugen. Aufhänger ist die Frage, wie Helen mit der Familie verwandt ist. Allerdings tritt dies ziemlich in den Hintergrund, Helen kommt über weite Strecken des Buches kaum vor, führt dann ähnliche Unterhaltungen mit diversen Familienmitgliedern. Am Ende wird das Geheimnis um ihre Herkunft ziemlich abrupt und unbefriedigend aufgelöst. Die Umstände ihres Erscheinens und ihrer Suche sind leider sehr konstruiert. Dies ist auch bei anderen Handlungssträngen öfter der Fall, Logik und Plausibilität mußten zu oft in den Hintergrund treten. Viele Entscheidungen und Entwicklungen der Charaktere sind ebenfalls nicht nachvollziehbar – gerade bei Johanne wurde der Zeitabschnitt, in dem sich wohl wichtige charakterliche Entwicklungen abspielten, gar nicht behandelt. Auch fand ich nicht plausibel, dass Helens Erscheinen plötzlich das jahrzehntelange Schweigen in der Familie beendet. Ein Großteil des Buches hat mit Helens Herkunft letztlich auch gar nichts zu tun, wir gehen hier zurück in Johannes Jugend in den 1930ern, später Addas Jugend in den 1950ern. Dieser Teil hat mir am besten gefallen. Zwar sind die Geschehnisse ziemlich konventionell – dies alles hat man schon in zahlreichen Büchern über diese Epochen so gelesen – und dadurch vorhersehbar, aber sie sind gut erzählt und dazu noch wundervoll in die Juister Atmosphäre eingebettet. Dieser Juister Hintergrund war für mich der stärkste Teil des Buches. Die Autorin schafft es, die Insel vor meinen Augen erscheinen zu lassen. Hier wird mit soviel Liebe, Können und Wissen geschildert, dass das Lesen ein Genuß ist. Auf gelungene Weise wird die Geschichte Juists in die Geschichte verwebt, ich habe viel gelernt, auch finden sich hier Charaktere, die liebevoll und sorgfältig konzipiert wurden (anders als z.B. die Töchter Addas, die größtenteils völlig blass bleiben). Auch die Atmosphäre der 1930er und 1950er ist ausgezeichnet geschildert und eingefangen. Wenn sich das Buch auf diese Dinge konzentriert hätte, wäre es für mich ein 5-Sterne-Buch geworden.

Leider aber will die Autorin für meinen Geschmack zu viel. Neben der Vielzahl an Charakteren kommen dann auch zahlreiche Familiengeheimnisse ans Licht. Gerade im letzten Drittel folgt ein neues Thema dem anderen und es wurde zunehmend unglaubwürdig, was alles vorgefallen und verschwiegen wurde und nun auf einmal aufgedeckt wird. Dann werden auch manche Klischees überbenutzt, gerade beim Thema unerwünschter Schwangerschaften kam ich mir als Leser am Ende geradezu verulkt vor. Auch die Zeitgeschichte bis in die 1980er findet Eingang in die Geschichte, dies aber im Schnelldurchlauf, ohne die erzählerische Dichte der vorherigen im Buch behandelten Epochen. Weniger ist mehr, das habe ich beim Lesen oft gedacht.

So war „Die vier Gezeiten“ für mich ein Buch, das einerseits durch wundervolle Atmosphäre, eine gelungene Verwebung von Zeit- und Familiengeschichte und herrlich erzählte Szenen eine wahre Freude war, aber durch zu viele Charaktere, zu viele Handlungsstränge, zu viele Klischees und zu viele dadurch rasch abgehandelte Aspekte enttäuschte.

  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Story
Veröffentlicht am 23.02.2021

Und dann kam Helen...

4

Die Kießlings hatten sich auf der Insel Juist gut etabliert, alles hatte seine Ordnung und seine Richtigkeit. „Und dann kam Helen“, die mitten in die Generalprobe für die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes ...

Die Kießlings hatten sich auf der Insel Juist gut etabliert, alles hatte seine Ordnung und seine Richtigkeit. „Und dann kam Helen“, die mitten in die Generalprobe für die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an den Patriarchen Dr. Eduard Kießling platzte. Helen, die Eduards Frau Adda wie aus dem Gesicht geschnitten ist und auch noch behauptet irgendwie mit den Kießlings verwandt zu sein.

Was so harmlos beginnt, nimmt rasch große Geschwindigkeit auf. Das Rätsel um Helen lässt den Leser durchs Schlüsselloch hinter die Familiengeheimnisse der Kießlings blicken, deren Schicksal in vier Generationen mit ihrem Hotel „de Tiden“ und der Insel Juist verbunden ist. Und plötzlich ist alles nicht mehr so, wie es scheint. Nicht nur Adda, sondern auch ihre Töchter, die jede für sich als Mutter von Helen in Frage kämen, haben alle ihre eigenen Probleme: Die eine Tochter, die alle anderen für ihr Unglück verantwortlich macht, während sich die Andere für die Familie aufopfert und sich dabei beinahe selber vergisst. Dann gibt es noch die ebenso schöne wie rätselhafte Jüngste, die über alles erhaben scheint. Und welches Geheimnis verbirgt sich, um die älteste Tochter Addas? Ist sie diejenige, die auf dem kraftvoll gezeichneten Cover des Buches den Weg ins Meer nimmt? Und wenn ja, warum kommt für sie nur noch der Selbstmord als Ausweg in Frage?

Geschickt spannt die Autorin den Bogen und führt uns in die Vergangenheit: Plötzlich sehen wir die Hitlerfahnen wehen und Addas Mutter Johanne sich zusammen mit ihrem Geliebten in größter Gefahr vor den Nazischergen verbergen.

Alle Geheimnisse in diesem Buch spinnen sich irgendwie um das Hotel „te Tiden“ und um die große Liebe. Nur wer die Geheimnisse löst, weiß: Wer ist Helen…

„Die vier Gezeiten“ ist der erste Roman von der Hamburgerin Anne Prettin, die hauptberuflich Reden für Politik, Wirtschaft und Wissenschaft schreibt. Mit Helen beschreibt sie eine sympathische junge Frau, deren Adoption sie nach Neuseeland verschlagen hat und die nur mit der Hilfe Addas das Geheimnis um ihre Herkunft und ihrer eigenen Zerrissenheit lösen kann.

Adda ist der Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Mal genießt der Leser mit ihr die Unbeschwertheit ihrer ersten großen Liebe, mal hadert er mit ihr ob ihres Schicksals, um das nächste Mal verständnislos den Kopf ob ihrer Entscheidungen zu schütteln. Und doch ist Addas Lebensweg vorherbestimmt, durch die Ereignisse um und das Schicksal ihrer eigenen Mutter Johanne.

Mit Leichtigkeit bindet Anne Prettin die deutsche Geschichte von den Anfängen des Nationalsozialismus mit der Judenverfolgung, über die Bombennacht von Dresden, die deutsch/deutsche Geschichte und die Wirtschaftswunderzeit nach dem Krieg bis in die jetzige Gegenwart in ihrem Roman ein. Viele Wendungen in dem Roman lassen sich erst dadurch wunderbar erklären.

Anne Prettin schreibt so lebendig, dass der Leser sich hautnah auf die Insel Juist versetzt fühlt, die salzige Seeluft auf der Haut spürt und selbst das Kreischen der Möwen in weiter Ferne hört. Und an dieser Stelle muss ich Anne Prettin einmal ein großes Kompliment machen, die Geschichte ist so spannend geschrieben und das Ende nicht vorhersehbar, dass ich das Buch nicht aus der Hand legen mochte, bis endlich - erst auf den letzten Seiten - das Geheimnis um Helen gelöst wurde. Die Charaktere wurden von ihr ein wenig überzeichnet, vielleicht sogar willentlich um die Geschichte etwas besser herauszuarbeiten? Sehr gut haben mir die verschiedenen Handlungsstränge in den unterschiedlichen Zeitepochen gefallen und das Stilmittel einen Teil des Romans nur in Tagebuchform zu erzählen. Allerdings hätte ich mir bei der Vielzahl der Protagonisten ein Personenregister gewünscht.

Fazit: Wer eine spannende Familien-/ Liebesgeschichte lesen möchte und gleichzeitig einiges über die jüngste deutsche Geschichte erfahren möchte, ist bei Anne Prettin und „Die vier Gezeiten“ goldrichtig!

  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Story
Veröffentlicht am 24.02.2021

(Zu)viele Familiengeheimnisse und ein sehr guter Schreibstil

3

Vier Schwestern - vier Gezeiten, so stürmisch wie die Flut und so ruhig wie die Ebbe.

Die junge Helen sucht auf Juist nach ihren leiblichen Eltern. Ihr einziger Anhaltspunkt, ein altes Foto, führt sie ...

Vier Schwestern - vier Gezeiten, so stürmisch wie die Flut und so ruhig wie die Ebbe.

Die junge Helen sucht auf Juist nach ihren leiblichen Eltern. Ihr einziger Anhaltspunkt, ein altes Foto, führt sie zur Familie Kießling. Die Kießlings sind seit Jahren tief mit der Insel verbunden. Auf der Suche nach ihren Wurzeln tritt Helen eine Lawine los, die die Familie in vielerlei Hinsicht erschüttern wird.

Das Buch hat mich auf den ersten Seiten direkt mitgerissen. Anne Prettin schafft es, mit ihren wunderbaren Beschreibungen der Insel Juist einen direkt dorthin zu teleportieren. Die Geschichte beginnt interessant mit Helens Auftauchen und der Reaktionen der einzelnen Mitglieder der Familie Kießlings. Der Leser lernt Adda, ihren Mann, ihre Mutter Johanne und drei ihrer Töchter kennen und bereits hier wird klar, diese Familie ist speziell.

Die Handlung wechselt im weiteren Verlauf zwischen Rückblenden in Johannes und Addas Vergangenheit. Das hält die Spannung, aber ich musste mich als Leser teilweise ordentlich konzentrieren, um den roten Faden nicht zu verlieren. Im zweiten Teil des Buches kommen Tagebucheinträge der vierten Schwester als eine weitere Erzählform dazu.

Die von der Autorin gezeichneten Personen zu bewerten, fällt mir schwer. Ich habe keine Figur gefunden, die mich so sehr angesprochen hätte, dass ich ständig mit ihr mitfiebern oder mitleiden hätte können. Alle Figuren waren für mich als Leser distanziert, ihr Verhalten schwer bis oft gar nicht nachvollziehbar. Am wenigstens konnte ich Johanne einordnen. In Rückblenden wurde sie als junges Mädchen gezeigt und später dann als erwachsene Geschäftsfrau. Aber beide Personen waren so derart unterschiedlich in ihrem Verhalten, dass es für mich nicht deutlich geworden ist, wie jemand sich dermaßen verändern konnte. Es ging für mich auch nicht aus den Umständen der Geschichte hervor.

Adda, die wohl eigentliche Hauptfigur blieb mir bis zum Ende eher fremd. Nicht unbedingt, da ich ihre Handlungen nicht verstehen konnte. Hier hat die Autorin für meine Begriffe ein gutes Bild von einem Menschen geschaffen, der durch andere und deren Handlungen geformt wurde, sich nie gewehrt hat und ein eher passives Dasein führt. Ich persönlich kann mit solchen Personen wenig anfangen und daher blieb zwischen mir als Leser und Adda immer ein Graben.

Die Familie Kießling ist eine Familie voller vertuschter Geheimnisse, alte, wie neue. Es ist eine ganze Ansammlung, die mich am Ende des Buches fast überfordert hat. Es war einfach zu viel und stellenweise für mich zu weit hergeholt. Schade, denn die Geschichte hat dadurch für mich ein wenig verloren, obwohl ich sie sonst sehr spannend fand.

Trotzdem war es interessant zu sehen, wie eine Lüge, zur nächsten führt, dann noch ein Geheimnis und ein weiteres dazukommen, bis es eine komplette Familie total vergiften kann. Von diesem Gesichtspunkt aus, ist für mich die Aussage des Buches gelungen.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass mir das Buch gut gefallen hat. Die Spannung war allgegenwärtig, da ich zu jeder Zeit auf die Auflösung der Geheimnisse und der großen Frage, wer ist Helens Mutter, hingefiebert habe. Leider konnten mich die Personen nicht wirklich abholen.

  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Story