Roman | Wenn Selbsttäuschung zur Obsession wird: Bissige Satire über Patriarchat, Ehrgeiz und magisches Denken
Nele Junghanns (Übersetzer), Sophie Wölbling (Übersetzer)
Jessamyn St. Germain will auf die große Bühne. Doch statt im Rampenlicht steht sie nur als Platzanweiserin im Theater. Als eine Inszenierung von THE SOUND OF MUSIC angekündigt wird, ist sie sicher: Die Hauptrolle gehört ihr ... auch wenn niemand sie besetzt hat. Das kann doch nur ein Fehler sein. Während sie die launischen Kinderdarsteller betreut und geduldig auf ihren großen Auftritt wartet, verschwimmt ihre Wirklichkeit. Ihr Ehrgeiz wird zur gefährlichen Obsession, magisches Denken zur Selbsttäuschung. Langsam verliert Jessamyn den Halt - gefangen in ihrer eigenen Welt, in der nur eines zählt: endlich zu glänzen.
Was passiert, wenn Eigen- und Fremdwahrnehmung auf drastische Art und Weise auseinander laufen, erzählt uns Meredith Hambrock in dieser bissigen Satire.
Jessamyn hat einen Traum. Und für diesen Traum ...
Was passiert, wenn Eigen- und Fremdwahrnehmung auf drastische Art und Weise auseinander laufen, erzählt uns Meredith Hambrock in dieser bissigen Satire.
Jessamyn hat einen Traum. Und für diesen Traum gibt sie alles. Ihr großes Problem ist jedoch, dass alle in ihrem Umfeld nicht ganz so sehr an sie glauben wie sie selbst. Sie will die Hauptrolle im Musical "Sound of Music" und ist der Meinung, dass sie das nötige Gesamtpaket dafür mitbringt. Nur die Castingdirektoren haben ihr Talent bis jetzt noch nicht gewürdigt. Doch das plant sie zu ändern.
Selten habe ich ein Psychogram gelesen, das so fesselnd und gleichzeitig überzeugend die Abwärtsspirale einer psychisch labilen Frau darstellt. Jessamyn erzählt aus ihrer Sicht und lässt den Leser damit permanent an allem zweifeln: zuerst an den anderen, später dann immer mehr an ihrer eigenen Wahrheit. Was stimmt wirklich und was hat sie sich selbst nur eingeredet?
Das Buch macht anfangs noch Spaß, gleitet aber immer mehr ins Schmerzhafte ab, je öfter man hinter ihre Maske blicken kann. So muss ein gutes Buch sein!
Mich hat die Buchbeschreibung neugierig gemacht, sie versprach eine interessante Geschichte mit einer Hauptfigur, die mich sofort angesprochen hat.
Ich bin froh, dieses Buch gelesen zu haben, da es wirklich ...
Mich hat die Buchbeschreibung neugierig gemacht, sie versprach eine interessante Geschichte mit einer Hauptfigur, die mich sofort angesprochen hat.
Ich bin froh, dieses Buch gelesen zu haben, da es wirklich sehr unterhaltsam, war auf eine ungewöhnliche Art.
Jessamyn St. Germain ist für die große Bühne gemacht! Ein Star im Rampenlicht, dem alle zu Füßen liegen.
So jedenfalls in ihrer Fantasie, in ihrer eigenen Welt.
Das sehen die anderen aber nicht, während sie sich in Selbsttäuschung und Fantasie verliert, nimmt ihr Wahn ungeahnte Wege.
Ein sehr unterhaltsames Buch mit einer Buchfigur, die man skeptisch beäugt und kaum Sympathien entgegenbringen kann. Das macht sie aber so einzigartig und mit jedem Kapitel war ich gespannt, wie es weitergehen und vor allem ausgehen wird.
Das buch hat mich komplett in seinen Bann gezogen. Es ist aufregend, ein bisschen böse, hat Humor und ist absolut mitreißend!
Jessamyn St. Germain will auf die große Bühne und als Musical-Star gefeiert werden.
Allerdings ist die Realität weit entfernt von dem, wie sie selber in sich sieht.
Ein ungewöhnlicher Roman mit einer ...
Jessamyn St. Germain will auf die große Bühne und als Musical-Star gefeiert werden.
Allerdings ist die Realität weit entfernt von dem, wie sie selber in sich sieht.
Ein ungewöhnlicher Roman mit einer Buchfigur, der ich gerne gefolgt bin, aber nicht mit iht befreundet sein möchte. Sie ist exzentrisch, hartnäckig, zielstrebig und auch gefährlich.
Sie verliert sich in Fantasien, in ihrer eigenen Welt und ihr Wunsch wird zur Obsession, der ungeahnte Wege nimmt.
Einen großen Anteil daran trägt auch ihre Musiklehrerin, die falsche Signale sendet und sie in dem Glauben bestärkt, sie wäre ein großes Talent.
Mir hat es großen Spaß bereitet Jessamyn zu begleiten und ihren Gedanken zu lauschen, ihr über die Schulter zu schauen und über manch eine ihrer Handlungen den Kopf zu schütteln.
Sie ist eine Frau, die den Sinn zur Realität verliert und in ihrer eigenen Welt lebt.
Die Geschichte ist tragisch, spannend und auch auf seine Art sehr unterhaltsam!
Jessamyn St. Germain soll polarisieren. Das ist ihr Ziel in ihrem Leben, erfolgreich werden und die Menschen beeinflussen und auch vor den Kopf zu stoßen. Das merkt man schon am allerersten Kapitel.
Dieser ...
Jessamyn St. Germain soll polarisieren. Das ist ihr Ziel in ihrem Leben, erfolgreich werden und die Menschen beeinflussen und auch vor den Kopf zu stoßen. Das merkt man schon am allerersten Kapitel.
Dieser Roman lässt mich ehrlich gesagt etwas zwiegespalten zurück, einerseits fand ich ihn echt genial, wie Jessamyn gezeichnet wird. Sie auf so überzeugt von sich und kämpft für ihr Ziel. Aber gleichzeitig fand ich sie auch ganz furchtbar unangenehm!
Was ihr passiert ist, ist nicht fair, es hat mich sehr an MeToo erinnert. Sie dachte, sie spielt den Regisseur aus, in dem sie ihm gibt was er will, aber trotzdem lässt er sie abblitzen. Leider konnte sie das Spiel nicht umdrehen.
Ihren ganzen Werdegang am Set finde ich toll beschrieben, ich konnte teilweise trotz der Unsympathie kaum aufhören mit ihr mitzufiebern. Ich hätte ihr die Hauptrolle sehr gegönnt. Der Roman zeigt uns, wie hart es in der Schauspiel- und Musicalbranche zugeht und dass sie einen auffrisst wenn man nicht aufpasst. Sehr beeindruckend.
Als ich das Cover von „She’s a Star!“ der kanadischen Autorin Meredith Hambrock gesehen habe, verspürte ich sofort eine kribblige Vorfreude.
Die poppigen Farben versprühen fröhlichen Retrocharme, die schreiende ...
Als ich das Cover von „She’s a Star!“ der kanadischen Autorin Meredith Hambrock gesehen habe, verspürte ich sofort eine kribblige Vorfreude.
Die poppigen Farben versprühen fröhlichen Retrocharme, die schreiende blonde Frau dagegen eine nostalgisch-düstere Atmosphäre, die an alte Hollywoodfilme à la Alfred Hitchcock erinnert. Mein Interesse war geweckt, und ich habe mich freudig auf die Lektüre gestürzt.
Die Protagonistin Jessamyn passt perfekt zu der Frau auf dem Cover. Sie ist eine junge, blonde Theaterschauspielerin, die Großes erreichen will. Als sich ihre Chance auf den Traumjob als Musicaldarstellerin in ihrem Lieblingsstück „The Sound of Music“ bietet, ist sie sofort Feuer und Flamme und stürzt sich voller Elan, Eifer und positiver Affirmationen in die Arbeit. Doch als sie gegen ihre Erzrivalin den Kürzeren zieht und lediglich zur Betreuerin der Kinderdarsteller wird, ist ihr klar: Wenn sie nur hart genug arbeitet und präsent bleibt, wird ihre Chance kommen.
Komme, was wolle – Jessamyn ist bereit, alles zu geben!
Und damit willkommen in der bunten, obsessiven Welt von Jess.
Sie ist keine Protagonistin, der die Herzen der Leser zufliegen. Sie eckt an, ist intensiv, obsessiv und in sich gefangen, nie wirklich sympathisch und trotzdem konnte ich stellenweise immer wieder mit ihr mitfühlen.
Am Ende mündet alles in einem dystopisch anmutenden Chaos, doch der Weg dorthin ist kraftvoll, manchmal fast lustig-schaurig erzählt.
Das Erzähltempo ist flott, ohne zu hetzen und nie langatmig. Da aus Jess’ Ich-Perspektive erzählt wird, sind wir immer mitten im Geschehen. Wir genießen diese irre Fahrt, wollen wegschauen und können es doch nicht.
Gerade weil Hambrock eine Figur erschafft, die so viele negative Eigenschaften trägt und dadurch so real und plastisch wirkt, fand ich das großartig.
Jessamyn ist im besten Sinne eine tragische Antiheldin, die ihrer eigenen Klimax zum Opfer fällt. Im Subtext verwebt die Autorin Themen wie Machtgefälle, MeToo, Diskriminierung und den Wahn nach „immer besser, höher, weiter“. Und gerade, weil uns all das so vertraut ist, weil wir es täglich sehen, lesen oder vielleicht selbst erleben, wirkt der Text stellenweise wie der Bericht einer verrückten Freundin, der das alles gerade wirklich passiert, und man möchte helfen, findet aber keinen Weg.
Ich mochte Hambrocks Stil sehr; er ist erfrischend anders. Sprachlich ist der Text frisch, ironisch und manchmal leicht überdreht, was perfekt zu dem lockeren, direkten Erzählstil passt.
Und ich finde, dieses Buch schreit geradezu nach einer Verfilmung.
Meine Bewertung:
(5 von 5 Sternen)
„She’s a Star!“ ist im besten Sinne Weird Girl Fiction. Beim Lesen hatte ich oft das Gefühl, in einer wilden Achterbahnfahrt zu sitzen, die mich gleichzeitig begeistert und leicht überfordert, und genau das hat für mich den Reiz ausgemacht.
Ich glaube, wer Lust hat, mal etwas anderes zu lesen, etwas Schräges, Unbequemes und stellenweise fast ein bisschen Wahnsinniges, wird hier viel Freude haben.
Für mich ist es kein Buch, das gefallen will, sondern eines, das hängen bleibt.