Leserunde zu "Der Gesang der Bienen" von Ralf H. Dorweiler

Als die Bienen noch wild waren
Cover-Bild Der Gesang der Bienen
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Ralf H. Dorweiler (Autor)

Der Gesang der Bienen

Historischer Roman

"Eure Majestät, ich bin ein schlichter Zeidler, ein Mann, der von Bienenvölkern und ihren Königinnen mehr versteht, als er von den Menschenvölkern und ihren Herrschern je gehört hat."

Anno Domini 1152: Als Zeidler streift Seyfried durch die Wälder und erntet Honig und Wachs von wilden Bienen. Sein beschauliches Leben findet ein jähes Ende, als seine Frau Elsbeth zum Tode verurteilt wird. Seyfried bleibt nur ein Ausweg: Er muss die Fürsprache der berühmten Hildegard von Bingen erlangen. Während Elsbeth im dunklen Verlies dem Tod entgegensieht, knüpft die Äbtissin ihre Hilfe an schier unerfüllbare Bedingungen, die Seyfried bis zum neu gekrönten König Friedrich I. führen ...

Ein bewegender Abenteuerroman über Bienen, Nonnen und und einen einfachen Mann, den das Schicksal vom Schwarzwald an den Hof Barbarossas verschlägt

Timing der Leserunde

  1. Bewerben 24.12.2018 - 20.01.2019
  2. Lesen 04.02.2019 - 24.02.2019
  3. Rezensieren 25.02.2019 - 10.03.2019

Bereits beendet

Von einer Lichtung im Schwarzwald an den Hof Barbarossas – ein kleiner Mann wird ins große Weltgeschehen verwickelt.

Bewerbt euch jetzt für die Leserunde zu "Der Gesang der Bienen" und sichert euch die Chance auf eines von 30 kostenlosen Leseexemplaren!

Besonders freuen wir uns darüber, dass der Autor die Leserunde begleiten wird. Unter "Fragen an Ralf H. Dorweiler" könnt ihr euch direkt an ihn wenden.

Hinweis: Bei der Leseprobe handelt es sich um eine noch unkorrigierte Fassung. Sie kann also noch Fehler beinhalten.

Ihr wollt wissen, nach welchen Kriterien wir die Teilnehmer für eine Leserunde auswählen? Dann schaut in unseren FAQs vorbei, hier für euch der direkte Link zum Thema Leserunden. Erfahrt dort auch, was einen guten Leseeindruck ausmacht.

Teilnehmer

Diskussion und Eindrücke zur Leserunde

Veröffentlicht am 28.02.2019

Vom ersten bis zum letzten Satz spannend und mitreißend geschrieben

4

„Der Gesang der Bienen“ zeigt uns Einblicke in das einfache Leben eines Zeidlers um das Jahr 1152. Der Leser erfährt beinahe nebenbei wie damals mit Bienen gearbeitet wurde, wie mühsam die Arbeit war. ...

„Der Gesang der Bienen“ zeigt uns Einblicke in das einfache Leben eines Zeidlers um das Jahr 1152. Der Leser erfährt beinahe nebenbei wie damals mit Bienen gearbeitet wurde, wie mühsam die Arbeit war. Seyfried, der Zeidler hat mit seiner Arbeit seine Frau Elsbeth und seine drei Kinder zu versorgen. Ein sehr beschauliches und bescheidenes Leben.

Elsbeth versteht sich auf einfache Heilkunst. Als sie versucht einem jungen Mädchen das Leben zu retten, nehmen die unglücklichen Zusammenhänge ihren Lauf, an deren Ende sie unschuldig zum Tode verurteilt wird. Seyfried kann einzig einen Aufschub erbeten um in der Zwischenzeit die Meinung der angesehenen Heilerin Hildegard einholen zu können. Doch die Zeit ist mehr als knapp bemessen. Seyfried muss sich sputen. Seine jüngste Tochter kommt bei Bauern in der Umgebung unter. Anna, ungefähr 14 Jahre, und Jasper, 8 Jahre müssen auf die Burg Staufen als Pfand.

Während Elsbeth im Turm bei schmutzigem Wasser und verdorbenen Lebensmittel ums Überleben kämpft, Seyfried sich seinen Weg durch allerlei Mühsal zu Hildegard nach Bingen bannt, um dort erneut auf die Geduldsprobe gestellt zu werden, muss Anna sich in der Burg behaupten und die Stärke einer Löwin entwickeln um für sich und ihren Bruder zu kämpfen.

Wird Hildegard dem Zeidler ein Schreiben für den Abt mitgeben, indem sie die Aufhebung des Todesurteils erbittet, fordert, oder würde dies bei den Männern der damaligen Zeit wenig Eindruck schinden? Wie kann Seyfried seiner Frau helfen? Kann Anna für sich und Jasper genug Kraft aufbringen? Schafft Elsbeth es im Turm zu überleben bis Seyfried zurückkommt? Wird das Urteil vielleicht früher vollstreckt? Egal wie man es wendet. Jede Seite ist dermaßen spannend, dass man das Buch nicht zur Seite legen möchte.

Der Schreibstil ist wunderbar leicht und flüssig lesbar. Die Erklärungen und Beschreibungen lassen beinahe von selbst farbenfrohe Bilder entstehen. Insgesamt ist die Geschichte mit starken Charakteren besetzt, die Handlungen nachvollziehbar, wenn auch nicht immer gutzuheißen. Die Geschichte selbst ist eher düster, wenig bis kein Witz und Humor, doch das passt für mich zu dieser Zeit und zur Rahmenhandlung. Die einzelnen Kapitel sind mir Datum und einem Countdown versehen, wie lange noch Zeit bis zur Hinrichtung von Elsbeth bleibt. Dies erhöht naturgemäß die Spannung noch ein Stück.

Ich kann hier eine Leseempfehlung für alle Freunde des historischen Romans geben, die beim Lesen nicht mit unzähligen Jahreszahlen, geschichtlichen Fakten und Daten gequält werden wollen. Der Leser erfährt einiges aus dem einfachen Leben aber auch einen kleinen Einblick in die Geschicke der großen Politik.

Veröffentlicht am 03.03.2019

Wettlauf gegen die Zeit

2

Der Autor nimmt uns mit auf Zeitreise in das Jahr 1152. Er erzählt die Geschichte des Zeidlers Seyfried und seiner Familie. Nach einem schweren Schicksalsschlag hat Seyfried sein Glück gefunden. Er lebt ...

Der Autor nimmt uns mit auf Zeitreise in das Jahr 1152. Er erzählt die Geschichte des Zeidlers Seyfried und seiner Familie. Nach einem schweren Schicksalsschlag hat Seyfried sein Glück gefunden. Er lebt zusammen mit seiner Frau Elsbeth, einer Apothekertochter und den drei Kindern in bescheidenem Wohlstand. Die Bienen sichern sein Auskommen. Sein Leben ändert sich schlagartig, als Elsbeth einer kranken Adelstochter hilft. Als diese stirbt, wird Elsbeth der Hexerei bezichtigt und zum Tode verurteilt. Seyfried ringt dem Gericht das Zugeständnis ab, dass , wenn die hochgeachtete Hildegard von Bingen sich für Elsbeth verwendet, seine Frau nicht sterben muss. Seyfried macht sich auf den Weg, wohlwissend dass die Zeit gegen ihn arbeitet. In der Zwischenzeit müssen seine Kinder Anna und Jasper in der Burgküche arbeiten. Die Burgbewohner begegnen den beiden mit Wut und Ablehnung, sind sie doch die Kinder der Hexe und Mörderin. Es bleibt nur die Hoffnung, dass Seyfried mit der lebensrettenden Botschaft rechtzeitig zurückkehrt.
Das Buch hat mich von der ersten Seite an gefangen genommen. Ich war fasziniert von den bildhaften Schilderungen der Arbeit eines Zeidlers. Mir war nicht bewusst, dass die Bienen genauso wie heute lebensnotwendig waren. Erschreckend war für mich die Erkenntnis, wie schnell man damals in lebensbedrohende Situationen geraten konnte. Elsbeth wollte nur helfen und sah sich dafür dem Anwurf der Hexerei ausgesetzt. Ihre Unschuldsbeteuerungen blieben ungehört. Dann habe ich mit Seyfried gefiebert, ob er wohl rechtzeitig zurückkommen wird. Interessant war die Darstellung der Hildegard von Bingen, die mir nicht immer sympathisch war. Der Autor zeigt sie als politisch denkende und handelnde Frau, die trotz ihres Rufes auf das Wohlwollen der sie umgebenden Männer angewiesen ist. Am besten gefallen hat mir die Figur der 14jährigen Anna, die einen schweren Stand auf der Burg hat, aber nicht bereit ist, sich aufzugeben.
Alles in allem hat mir das Buch sehr gut gefallen. Es war eine Achterbahn der Gefühle mit überraschenden Wendungen und vielen Informationen über die damaligen Zeit. Und nicht zuletzt bietet die Geschichte sehr gute Unterhaltung.

Veröffentlicht am 28.02.2019

Von Einem, der süßen Honig sammelt und ein bitteres Schicksal meistern muss

3

„Das Sammeln des Honigs wilder Bienen durch den Menschen ist für die Zeit seit 9000 Jahren belegt. Der Begriff des Zeidlers oder Zeitlers bezeichnet einen besonderen Beruf des Honigsammlers, wie er sich ...

„Das Sammeln des Honigs wilder Bienen durch den Menschen ist für die Zeit seit 9000 Jahren belegt. Der Begriff des Zeidlers oder Zeitlers bezeichnet einen besonderen Beruf des Honigsammlers, wie er sich in Europa seit dem Frühmittelalter ausgebildet hat. Der Zeidler hielt, anders als der Imker im heutigen Sinne, die Bienen nicht in gezimmerten Bienenstöcken oder Bienenkörben. Man hieb alten Bäumen künstliche Höhlen (Beuten) in etwa sechs Meter Höhe ein und versah den Eingang mit einem Brett, in das ein Flugloch eingebracht war.“ (Aus Wikipedia)

Wie das genau vor sich ging, und zwar anno 1152, das beschreibt Ralf H. Dorweiler in seinem dritten historischen Roman auf wundervolle Weise. Es gelingt ihm scheinbar mühelos den Leser mit in die Wälder rund um Staufen und Freiburg zu nehmen und mit einer herrlich bildhaften Sprache zu zeigen, wie die Menschen damals gelebt und gelitten haben. Mit zeitgemäßem Sprachstil bringt er uns nahe, was es bedeutete, als einfacher Mann der Obrigkeit ausgeliefert zu sein und wie wenig es gebraucht hat, unschuldig in größte Not zu geraten.

Mit hervorragend ausgearbeiteten Charakteren führt uns der Autor in die Welt des Mittelalters und schickt uns auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle und auf eine Reise vom Münstertal bis nach Bingen am Rhein. Wir erlangen tiefe Einblicke, wie mühselig das Reisen damals war, gefährlich und zeitraubend, wir erfahren viel über das Handwerk des Zeidlers, tauchen ein in den Alltag einer Ritterburg und erahnen wie entbehrungsreich das Klosterleben war.

Die vom Autor entworfenen Personen sind vielschichtig und tiefgründig, durchdachte Persönlichkeiten, die sich entwickeln. Man kann mit ihnen hoffen und bangen (Seyfried, ein Zeidler/Elsbeth, seine Frau/Anna, seine fast erwachsene Tochter), man kann sie hassen und verfluchen (Theobald, ein Ritter/seine Handlanger/Ursel, die Furie aus der Burgküche), man kann mit ihnen leiden (Adelheyd, die ein Geheimnis hütet/Gregor, ein verletzter Bote) und eintauchen in deren Alltag (Nonnen in Hildegards Kloster/Seyfrieds Zeidler-Kollegen/Karl, Küchenjunge auf der Stauferburg). All diese wunderbaren und schrecklichen Menschen erweckt der Autor im Verlauf der Geschichte zum Leben, lässt sie erblühen oder verwelken, macht sie stark oder schwach und hält uns Leser atemlos vor Spannung bei der Stange bis zur letzen Seite. Auch begegnen uns einige historisch belegte Personen wie Gottfried von Staufen (der um seine Tochter trauert), Abt Eberhard im Kloster St. Trudpert (Ankläger von Elsbeth), Hildegard von Bingen (Äbtissin im Kloster auf dem Rupertsberg) sowie Abt Kuno im Kloster Disibodenberg (der nicht gut auf Hildegart zu sprechen ist) und schließlich der frisch gekrönte König Friedrich I., auch bekannt als Barbarossa.

Kern der Geschichte ist der verzweifelte Versuch Seyfrieds, seine Frau Elsbeth vor der Hinrichtung zu retten. Weil sie Gottfrieds Tochter Fronika retten wollte, hat sie die ganze Familie in größte Not gebracht. Als letzter Ausweg seine Frau vor der Hinrichtung zu bewahren, bleiben ihm gerade noch 16 Tage, um von Hildegard von Bingen eine Fürsprache zu erhalten. Während Seyfried die mühselige Reise antritt bleiben seine Kinder zurück. Die kleine Lise bei Nachbarn, Tochter Anna und Sohn Jasper auf der Burg von Gottfried von Staufen. Dort sitzt auch Elsbeth im Verlies und wartet auf Rettung. Anna sorgt sich um Mutter und Bruder und muss sich dem widerlichen Theobald von Molsheim, Ritter von Gottfried, erwehren.
Seyfried bekommt das ersehnte Schreiben von Hildegard wiederum nicht so einfach, wie er sich das vorgestellt hat. Sie stellt Bedingungen - mehrere. Denn anders als Seyfried, glaubt Hildegard nicht daran, dass allein ein Schreiben von ihr die Rettung für Elsbeth ist. Der Autor lässt uns mitleiden, wenn die schon damals weithin bekannte Frau sagt: „An erster Stelle bin ich eine Frau. Äbtissin, Prophetin, Heilkundige, ja, das ist gut, aber in den Augen vieler Männer eben ´nur` eine Frau. Papst Eugen hat mich aufgefordert, mein Schreiben zu intensivieren. Soll das Weib nur schreiben. Aber die Männer regieren die Welt.“ und sie ermahnt Seyfried mit den Worten „Meinst du allen Ernstes, dass ein alter Abt sich von einer Äbtissin aus der Ferne vorschreiben lässt, wie er Recht zu sprechen hat?“

Als Leser hoffen wir auf Rettung und fiebern mit, wenn die Zeit für Elsbeths Rettung immer knapper wird. Das Buch ist ein echter Page-Turner, wir kommen vor Spannung kaum zu Atem. Kann Seyfried seine geliebte Elsbeth retten? Ist Anna stark genug, sich gegen Theobald zur Wehr zu setzen? Und welche Rolle spielt eigentlich Barbarossa in der ganzen Angelegenheit?

Insgesamt ist es ein ausführliches und einfühlsames Werk, zudem spannend von Anfang bis Ende, in dem alle losen Fäden äußerst gekonnt und schlüssig zusammengeführt werden. Sehr gelungen finde ich auch die Gestaltung des Buches, vom schönen Einband über ein ausführliches Personenverzeichnis bis hin zu einer anschaulichen Karte vom Reiseverlauf. Besonders hübsch sind die Kapitelanfänge mit historischen Zitaten und schön gemalten Bienenmotiven. Für mich war es das erste Buch des Autors und von mir gibt es eine uneingeschränkte Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 25.02.2019

In magna necessitate sumus. Wir sind in großer Not.

2

Ralf H. Dorweilers historischer Roman „Der Gesang der Bienen“ ist im Februar 2019 bei Bastei Lübbe erschienen und umfasst 480 Seiten.
Anno Domini 1152: Der Zeidler Seyfried führt mit seiner kleinen Familie ...

Ralf H. Dorweilers historischer Roman „Der Gesang der Bienen“ ist im Februar 2019 bei Bastei Lübbe erschienen und umfasst 480 Seiten.
Anno Domini 1152: Der Zeidler Seyfried führt mit seiner kleinen Familie ein einfaches, aber glückliches Leben im Münstertal. Doch wird diese Beschaulichkeit jäh zerstört, als seine als Heilerin tätige Frau, Elsbeth, als mit dem Teufel im Bunde zum Tode verurteilt wird. Für Seyfried gibt es nur eine Möglichkeit, das Leben seiner Frau zu retten: Er macht sich auf den Weg zum Rupertsberg, um bei Hildegard von Bingen ein Leumundszeugnis zu erbitten. Doch diese ist in Sorge um ihre Klosterneugründung und stellt an den Zeidler fast unlösbare Bedingungen.
Ich selber lese eher selten historische Romane, jedoch hat das Auftreten der Heiligen Hildegard von Bingen mich zum Griff zu dieser Lektüre veranlasst. Und ich wurde nicht enttäuscht: Von Anfang an liest sich der Roman spannend wie ein Krimi, lässt Leserinnen und Leser tief in die Welt des Mittelalters eintauchen und wartet mit interessanter Sachkenntnis auf.
Im Zentrum dieses Romans stehen die 16 Tage, die dem Zeidler verbleiben, seine Frau vor dem Schafott zu bewahren. Diese werden aus verschiedenen Perspektiven erzählt: Neben den Abenteuern des Reisenden gibt es immer wieder Wechsel zum Schicksal seiner Frau im Kerker und seiner Kinder, die er auf der Burg Gottfrieds von Staufen zurücklassen musste. Die Zeit ist für die Familie geprägt von dramatischen Ereignissen, oft zweifelt man beim Lesen an einem guten Ausgang, um dann durch eine unvorhergesehene Wendung wieder Hoffnung zu schöpfen – nur um etwas später doch erneut mit den Charakteren bangen zu müssen. So kommt man beim Lesen kaum zur Ruhe und fliegt förmlich durch die Seiten. Das Ende des Romans ist für meinen Geschmack zwar ein wenig zu „schön“, dieses tat dem Lesegenuss jedoch keinen Abbruch.
Trotz aller Spannung sorgt Ralf H. Dorweiler auch für Wissenszuwachs beim Lesen: Sehr detailliert wird über das Zeidlerhandwerk berichtet, und die Szenen auf der Burg lassen das Ritterleben realistischer erscheinen, als man es von verbreiteter Ritterromantik gewohnt ist. Insbesondere die Darstellung der Heiligen Hildegard und des Rupertsbergs sowie des Disibodenbergs haben mich beeindruckt und zeugen von einer guten Recherche des Autors.
Die Charaktere sind lebensnah und plastisch gestaltet, was zum Mitleiden und –fühlen einlädt. Immer wieder tritt auch eine Vielschichtigkeit zutage, was insbesondere für Hildegard von Bingen gilt, die auf den ersten Blick zwar als schroff und abweisend, also unchristlich, erscheint, sich dann aber als weitschauende, intelligente, ihren Mitmenschen zugewandte Frau entpuppt.
Dorweilers Sprache ist flüssig zu lesen, an manchen Stellen fast schon poetisch und eine gut leserliche und verständliche Mischung aus Alt und Neu. Besonders gut gefallen haben mir die mittelalterlichen Ausdrücke wie z.B. Begine und Refektorium. Auch an der einen oder anderen Stelle eingefügte lateinische Zitate bzw. Wendungen kamen bei mir sehr gut an.
Am Ende des Buches befindet sich unter dem Titel „Dramatis personae“ ein Personenglossar, welches die Orientierung beim Lesen erleichtert. Besonders gefällt, dass historisch belegte Persönlichkeiten markiert sind. Dieses regt die Leser/innen dazu an, sich ggf. mit bestimmten Personen weiter zu beschäftigen.
Das Buchinnere ist aufwändig gestaltet, fast schon angelehnt an mittelalterliche Buchmalerei, und zu jedem Kapitelbeginn tauchen Abbildungen von Bienen auf. Die Bibel-, Hildegard- und antiken Zitate, die die Kapitel einleiten, sind ein Schatz an Wissen, und die Versalien am Beginn haben fast schon etwas von mittelalterlichen Initialen.
Das Buchcover zeigt eine mittelalterliche Szene des Zeidlerhandwerks und passt somit sehr gut zum Buch, bildet mit Gestaltung und Geschichte also eine harmonische Einheit.
Insgesamt präsentiert Ralf H. Dorweiler mit „Der Gesang der Bienen“ einen wirklich spannenden und lehrreichen historischen Roman, der das Mittelalter wieder aufblühen lässt und Leserinnen und Leser in seinen Bann zieht. Von mir gibt es deshalb eine uneingeschränkte Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 10.03.2019

Der Gesang der Bienen

1

"Die Bienen brauchen die Menschen nicht, aber die Menschen brauchen die Bienen." (Seite 90)

Schon im Mittelalter nutzten die Menschen die Bienen. Seyfried ist einer von ihnen. Mit seiner Familie, die ...

"Die Bienen brauchen die Menschen nicht, aber die Menschen brauchen die Bienen." (Seite 90)

Schon im Mittelalter nutzten die Menschen die Bienen. Seyfried ist einer von ihnen. Mit seiner Familie, die er vom Erlös aus dem Verkauf von Honig und Wachs ernährt, lebt der Zeidler im Münstertal im Schwarzwald. Er hat Grund zur Sorge: Einige seiner Bienenvölker sind ohne ersichtlichen Grund eingegangen, und seine Frau Elsbeth, die als Heilerin versucht, die Schmerzen der Menschen zu lindern, hat ein junges Mädchen in ihrem Haus aufgenommen.

Seine Befürchtungen bewahrheiten sich. Das junge Mädchen ist Fronika, die Tochter des Marschalls der Zähringer, Gottfried von Staufen, und wird gesucht. Als sie stirbt, gerät Elsbeth in den Verdacht, Schuld daran zu sein. Darum und wegen eines (vermeintlichen) Bundes mit dem Teufel wird sie zum Tode auf dem Schafott verurteilt. Nur auf Grund der Erwähnung der berühmten Hildegard von Bingen gewährt Abt Eberhard Aufschub von 16 Tagen, damit Seyfried um einen fürsprechenden Brief bei Hildegard von Bingen nachsuchen kann.

Der Weg ist beschwerlich, und Seyfried nimmt ihn aus Liebe zu seiner Frau gerne auf sich. Tatsächlich erreicht er das Kloster auf dem Rupertsberg. Doch Hildegard hat gerade andere Sorgen. Die Bauarbeiten an ihrer neuen Wirkungsstätte beanspruchen sie enorm, und darum knüpft sie an ein Schreiben aus ihrer Hand einige Bedingungen, so dass sich Seyfried vor scheinbar unlösbaren Hürden befindet...


Ralf H. Dorweiler stellt in seinem historischen Roman „Der Gesang der Bienen“ einen Zeidler in den Mittelpunkt, dessen Abenteuer ihn mit historischen Persönlichkeiten wie Hildegard von Bingen und Friedrich I., seines Zeichens König des Heiligen Römischen Reichs, zusammenführen.

Der Autor hat eine einnehmende und packende Erzählweise, die den Leser in den Bann zu ziehen vermag. Dazu passt der Sprachgebrauch sehr gut in die gewählte Zeit.

Während sich die Geschichte zu Beginn noch ruhig entwickelt, kündigen sich bald schon dramatische und lebhafte Ereignisse an. Es sind nicht nur das Auftauchen eines Bären und die damit verbundenen Gefahren, sondern auch die Vorkommnisse, die Seyfried auf seiner Reise zu schaffen machen. Dem Zeidler bleiben lediglich wenige Tage, das Leben seiner Frau zu retten. Obwohl nicht sicher ist, ob ihm das überhaupt gelingt, lässt er sich nicht entmutigen. Ja, er nimmt sich sogar die Zeit, einen verletzten Reiter zu helfen.

Daneben berühren aber ebenso die Begebenheiten, mit denen sich die zurückgebliebenen Familienmitglieder auseinandersetzen müssen. Ob es nun Elsbeth im Kerker oder Anna und Jasper in der Küche der Burg sind.

Dem Autor entfaltet ein realistisches Bild vom Leben in der Mitte des 12. Jahrhunderts. Insbesondere die Schilderung der Hilflosigkeit der Menschen gegen die weltliche und kirchliche Obrigkeit ist bemerkenswert. So wird auch der Druck, dem Seyfried und seine Familie ausgesetzt ist, deutlich und spürbar.

Es ist ein Wechselbad der Gefühle zwischen Bangen und Hoffen, dass das scheinbar Unmögliche von Erfolg gekrönt sein möge, an dem der Leser teilhaben kann. Ralf H. Dorweiler macht es Seyfried nicht leicht. Kaum glaubt dieser sich am Ziel seiner Wünsche, trifft ihn ein Rückschlag.

Für seine Geschichte hat der Autor Figuren mit Vergangenheit gewählt. Elsbeth ist Seyfrieds zweite Frau, der er in aufrichtiger Liebe zugetan ist. Das Familienleben ist einfach und bescheiden, von viel Arbeit geprägt. Jedoch es gibt viele kleine Glücksmomente. Insgesamt beeindrucken die Familienmitglieder durch das ungewöhnliche Bekundung ihrer Gefühle, diese werden offen bekannt, in einer lautlosen Umarmung oder aber auch direkt ausgesprochen.

Hierbei fällt primär die vierzehnjährige Anna mit ihrer außergewöhnlichen Persönlichkeit auf. Sie ist mutig, tritt den Anklägern ihrer Mutter entgegen und weist Behauptungen, diese stehe mit dem Teufel im Bunde oder sei gar Schuld am Tod eines Menschen vehement zurück. Auch im Verlauf der Handlung bewahrt sie sich ihre Kraft, nicht nur für ihren Bruder. Obwohl dies nicht einfach ist. Als Kinder einer Mörderin werden sie drangsaliert, und vor allem Anna sieht sich den Nachstellungen von Theobald, einem Ritter in Diensten Gottfrieds von Staufen, ausgeliefert.

Diese geliebten Menschen zu verlieren, wäre für Seyfried das größte Unglück. Elsbeth und die drei Kinder geben ihm Halt, denn sein innerer Frieden ist gestört. Seyfried betet nicht. Er zweifelt an Gott und seiner Allmacht. Dafür existieren Gründe, die erst im Verlauf der Ereignisse beleuchtet werden.

Seyfrieds Gegenpart ist Hildegard von Bingen, die es mit ihren Schauen bereits zu Lebzeiten zur Berühmtheit gebracht hat. Der Autor versieht die Äbtissin mit einem vielschichtigen Wesen, das zwar von hehren Zielen beseelt ist, sich indes auch mit weltlichen Belangen auseinandersetzen muss, die Charakterstärke verlangen. Dadurch legt sie oft eine harsche Art an den Tag, die die Menschen brüskiert. Wiederum kann sie sehr zugewandt und aufmerksam sein. Ein interessanter Aspekt in der Geschichte.


Durch seine differenzierte, aufschlussreiche Darstellung einer fiktiven Zeidlerfamilie im 12. Jahrhundert und die Einbindung historischer Figuren wird Ralf H. Dorweilers Roman „Der Gesang der Bienen“ zu einer mit Sachverstand erzählten Lektüre.