Roman. Wenn ein Nein das Leben aller verändert. Bookclub-Fiction mit Nachhall
Angela Koonen (Übersetzer)
Wenn ein Nein alles infrage stellt - ein kraftvolles Debüt mit Nachhall
In der Hoffnung auf ein ruhigeres Leben ziehen die Blums vom pulsierenden Brooklyn ins beschauliche Riverburg, wo Vater Gus nach herausfordernden Jahren endlich eine Professur ergattert hat. Doch der idyllische Schein trügt. Gleich an ihrem ersten Schultag wird die achtzehnjährige Hazel ins Büro des Direktors zitiert. Er verkündet ihr Unglaubliches: Jedes Jahr sucht er sich eine andere Schülerin aus der Abschlussklasse aus, mit der er eine sexuelle Beziehung eingeht. Dieses Jahr ist sie die Auserwählte. Instinktiv sagt Hazel Nein - und setzt damit eine Kette von Ereignissen in Gang, die das Leben ihrer Familie, aber auch die gesamte Stadtgesellschaft auf den Kopf stellen ...
Mit feinem Humor und Gespür für Zwischentöne erzählt Jessica Berger Gross von Selbstbehauptung, gesellschaftlichen Dynamiken und dem Mut, für sich einzustehen.
Ein Roman, über den man sprechen möchte - und muss.
Ich habe mich auf „Hazel sagt nein“ gefreut, aber beim Lesen gemerkt, dass es mich nicht so erreicht hat, wie ich gehofft hatte.
Kurz zum Inhalt: Hazel zieht mit ihrer Familie von Brooklyn in eine kleine ...
Ich habe mich auf „Hazel sagt nein“ gefreut, aber beim Lesen gemerkt, dass es mich nicht so erreicht hat, wie ich gehofft hatte.
Kurz zum Inhalt: Hazel zieht mit ihrer Familie von Brooklyn in eine kleine Universitätsstadt. Am ersten Schultag wird sie vom Direktor bedrängt. Sie sagt nein, und dieses Nein setzt eine Kettenreaktion in Gang, die nicht nur ihr eigenes Leben, sondern auch ihre Familie und das Umfeld durcheinanderbringt.
To be fair: Am Anfang hat das richtig gut funktioniert. Starkes Topic (Machtmissbrauch, ein klares Nein und die Folgen davon), gutes Tempo durch die kurzen Kapitel und sprachlich angenehm zu lesen. Jetzt kommt aber mein Aber: Die Geschichte fühlte sich erstaunlich oberflächlich an. Zu Beginn zeigt das Buch noch ganz gut, wie unfair und zäh Machtmissbrauch nachwirken kann, und dann kippt alles. Plötzlich gibt es absurde Wendungen, die für mich extrem unrealistisch waren und dem eigentlich schweren Thema nicht gerecht werden.
Nichts ging wirklich in die Tiefe, vieles wirkte sehr konstruiert. So wurden viele weitere Themen gestartet, zum Beispiel Antisemitismus, aber nicht weitergeführt. Als Leserin fand ich das sehr unbefriedigend, weil einige Stränge einfach im Nichts verliefen und andere so schnell und irgendwie lustlos beendet wurden, dass es sich anfühlte, als müsse jetzt ganz zackig ein Ende her.
Das hätte ein richtig guter, unbequemer #MeToo-Roman sein können. So richtig aufgegangen ist das für mich am Ende nicht.
In Jessica Berger Gross Debütroman lernen wir Hazel und ihre Familie kennen, die gerade frisch von New York nach Riverburg gezogen sind. Was wie ein Neuanfang für die Familie beginnt entpuppt sich jedoch ...
In Jessica Berger Gross Debütroman lernen wir Hazel und ihre Familie kennen, die gerade frisch von New York nach Riverburg gezogen sind. Was wie ein Neuanfang für die Familie beginnt entpuppt sich jedoch schnell als Albtraum. Alle vier Familienmitglieder haben mit ihren ganz eigenen Sorgen und Problemen zu kämpfen, vor allem jedoch Hazel.
Leider hatte der Roman für mich zu viele kleinere Nebenthemen, die vom eigentlichen Hauptthema zu sehr abgelenkt haben. Anhand des Klappentextes war zu erwarten das dieses Buch das Thema Sexuellen Missbrauch behandelt. Dem wird, in meinen Augen, jedoch leider zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Gerade auch da Hazel, als eigentliche Hauptprotagonistin, sehr sympathisch dargestellt wird finde ich es wirklich schade das, dass Augenmerk nicht viel mehr auf Sie gelegt wird. Viele Situationen wirken auf mich zu sehr inszeniert und unrealistisch.
Wäre dieses wirklich schwerwiegende Thema des Missbrauchs kein Bestandteil der Geschichte, wäre es eine nette Kleinstadt Geschichte, aller Gilmore Girls.
Alles in allem hat das Ende mich zum Glück jedoch ein wenig versöhnlich gestimmt, so dass ich dem Buch 3 von 5 Sternen gebe.
Der Roman ist gut zu lesen, wird seinem Thema jedoch nicht immer gerecht. Um zunächst irreführende Vermutungen zu entkräften, die durch Cover und Klappentext entstehen könnten: Hazel sagt Nein behandelt ...
Der Roman ist gut zu lesen, wird seinem Thema jedoch nicht immer gerecht. Um zunächst irreführende Vermutungen zu entkräften, die durch Cover und Klappentext entstehen könnten: Hazel sagt Nein behandelt sexuellen Missbrauch oder Gewalt nicht explizit. Auch der Machtmissbrauch des Schulleiters wird nicht bis ins Detail ausgearbeitet.
Worum geht es also stattdessen? Am ehesten lässt sich der Roman als eine ernstere, reifere Version von Gilmore Girls beschreiben. Im Mittelpunkt steht der Umzug der Familie Bloom aus der schillernden Großstadt in eine amerikanische Kleinstadt. Erzählt wird abwechselnd aus der Perspektive aller Familienmitglieder: der 18-jährigen Hazel, ihres 11-jährigen Bruders Wolf sowie der Eltern Claire und Gus. Letztere bleiben jedoch in Charakterzeichnung und Handlung auffallend blass. Ihre Passivität wirkt stellenweise überzeichnet, sodass man sie eher als Nebenfiguren hätte einsetzen können, um den Kindern mehr Raum zu geben.
Der Roman beginnt sehr stark, verliert jedoch in der Mitte an Spannung und kippt beinahe in eine märchenhafte Fügung. Hazel kommt insgesamt zu gut davon. Das kann Leser*innen Mut machen, selbst den Mund aufzumachen, blendet jedoch die Realität vieler Betroffener aus. Häufig fügt sich das Leben nach einem solchen „Nein“ eben nicht zum Guten, sondern entwickelt eine zerstörerische Dynamik. Diese Realität bleibt im Roman weitgehend unberührt.
Zwar überzeugt das Buch mit einigen gelungenen Dialogen und einer kritischen Auseinandersetzung mit Image, Wahrheit und öffentlicher Wahrnehmung. Der Schulleiter selbst verkommt jedoch zur Randfigur. Das kann man als bewusste Entscheidung verstehen, Tätern keine Bühne zu geben. Literarisch funktioniert dieser Ansatz jedoch nur bedingt, denn für Betroffene bleibt der Täter meist lange alles andere als eine Nebenfigur.
Ein weiterer Punkt, der das Lesen stellenweise schwierig machen kann, betrifft die Darstellung von Neurodivergenz. Wolf wird als Kind mit ADHS eingeführt, jedoch häufig lediglich als nervig oder anstrengend beschrieben, ohne dass dies im Text wirklich eingeordnet oder erklärt wird. Gerade für neurodivergente Leser/innen kann das schmerzhaft sein, da es ein sehr reales Erleben widerspiegelt: als störend oder seltsam wahrgenommen zu werden, ohne dass jemand die Hintergründe benennt oder vermittelt. Diese Perspektive bleibt im Roman leider unreflektiert und reproduziert damit genau jene Sprachlosigkeit, die viele ND-Menschen aus ihrem Alltag kennen.
Als Roman über sexuellen Missbrauch überzeugt Hazel sagt Nein daher nur eingeschränkt. Als Kleinstadtgeschichte über eine junge Frau, die trotz Zweifel und Verletzlichkeit für sich und ihren Standpunkt einsteht, funktioniert das Buch deutlich besser. Mit einem anderen Ausgangspunkt wäre die Geschichte für mich runder gewesen: kein Schulleiter, sondern etwa dessen Sohn, der glaubt, aufgrund von Beliebtheit und sozialer Stellung jedes „Nein“ übergehen zu können. Auch hier hätte Hazels Ablehnung Gewicht gehabt, ohne sexuellen Missbrauch zum zentralen Thema zu machen. Machtmissbrauch, Gerüchte, Image und Feminismus hätten ebenso verhandelt werden können, und der restliche Roman hätte mit kleinen Anpassungen hervorragend gepasst.
Denn letztlich erzählt das Buch von einer jungen Frau mit dem Wunsch, Schriftstellerin zu werden, die lernt, zu ihrem „Nein“ zu stehen und trotz Widrigkeiten ihren eigenen Weg zu gehen. Die Perspektiven der übrigen Familienmitglieder ergänzen dies durch kleinere und größere Alltagskonflikte. Insgesamt ist Hazel sagt Nein ein Roman der leisen Töne, der sich ein zu schweres Thema gewählt hat, dem er nicht vollständig gerecht wird. Wer darüber hinwegsehen kann, erhält eine gesellschaftskritische Kleinstadtgeschichte, die jedoch stellenweise zu sehr auf amerikanisierte, glückliche Fügungen setzt.
"Hazel sagt nein" zielt auf eine wesentliche thematische Brisanz ("MeToo") und eine emotionale Stärke, landet schlussendlich aber bei einer überinszenierten Geschichte, die konstruiert und unglaubwürdig ...
"Hazel sagt nein" zielt auf eine wesentliche thematische Brisanz ("MeToo") und eine emotionale Stärke, landet schlussendlich aber bei einer überinszenierten Geschichte, die konstruiert und unglaubwürdig erscheint.
Kernthema des Romans ist die sexuelle Belästigung des Schulleiters gegenüber der 18-jährigen Schülerin Hazel. Ihr "Nein" ihm gegenüber stellt ihr Leben und das ihrer Familie auf den Kopf. Was privat beginnt, wird plötzlich öffentlich verhandelt.
Der Roman will Haltung zeigen, Mut feiern und eine klare Botschaft vermitteln, schafft es aber durch die hollywoodreife Inszenierung nicht. Die Geschichte setzt auf Empörung und klare Schuldzuweisungen. Das gelingt der Autorin mit der Handlung auch gut, dabei bleibt aber alles nur oberflächlich.
Generell finde ich problematisch, wie mit wichtigen Themen umgegangen wird. Auch die Cancel Culture gegenüber Hazels Vater, der nach einem größeren Faux-Pax um seinen Job fürchten muss, wird einfach nur emotional hochgekocht. Seine öffentliche Ächtung wird als schnelle, fast mechanische Reaktion gezeigt. Die Autorin nutzt das Thema vor allem für Spannung, nicht für eine echte Auseinandersetzung. Es gibt hier klare Rollen. Grauzonen fehlen völlig.
Die Handlung des Romans beginnt eigentlich mit einer Wucht. Als Leser ist man erst einmal sprachlos von der direkt und ohne Umschweife erzählten sexuellen Belästigung des Schulleiters. Man ist gespannt und will unbedingt wissen, wie es weitergeht. Dann rückt das Kernthema aber immer mehr in den Hintergrund. Plötzlich verschiebt sich der Fokus und Hazel steht als gefragte angehende Schriftstellerin mit eigener Lektorin und Agentin im Vordergrund.
"Hazel konnte kaum glauben, dass sie da war, im The Edge Hotel in Koreatown (...). In letzter Zeit war viel passiert, mit dem sie nicht gerechnet hatte. Der Artikel in der "New York Times", das "Talk of the Town"-Porträt im "New Yorker". Und jetzt das? L.A. war eine ziemliche Steigerung. Denn Hazel musste zu Meetings. Hollywood-Meetings." (S.313)
Die plötzliche Wendung wirkt einfach nur unrealistisch und übertrieben inszeniert.
Um auch etwas Positives zu sagen: Hazel gefällt mir als Figur. Sie hat meine volle Sympathie. Ich mag, dass sie ehrgeizig ist, Ziele hat und sich dem widerlichen Direktor widersetzt. Außerdem ist der Roman leicht zugänglich und flüssig zu lesen.
Als Fazit ist zu sagen, dass der Roman wie ein Hollywoodfilm wirkt: emotional, zugespitzt, an vielen Stellen unglaubwürdig und nicht wirklich durchdacht.
Familie Blum -das sind Vater Gus, Mutter Claire sowie die beiden Kinder Hazel und Wolf- zieht von New York nach Riverburg in Maine. Gus hat dort eine Professur bekommen. Hazel befindet sich in ihrem letzten ...
Familie Blum -das sind Vater Gus, Mutter Claire sowie die beiden Kinder Hazel und Wolf- zieht von New York nach Riverburg in Maine. Gus hat dort eine Professur bekommen. Hazel befindet sich in ihrem letzten Jahr vor dem College.
Die Familie hofft auf ein ruhiges und schönes Leben am neuen Wohnort, doch daraus soll nichts werden: Direkt am ersten Schultag lässt der Direktor Hazel in sein Büro rufen. Sie kann sich das nicht erklären, da sie sich nichts hat zu Schulden kommen lassen - und ist noch viel fassungsloser, als sie dann im Büro ist und der Direktor ihr sagt, warum er sie zu sich rufen ließ: Jedes Schuljahr sucht er sich eine Schülerin aus, mit der er Sex haben will - und dieses Jahr hat er sich Hazel ausgesucht. Für den Fall, dass sie sich weigert, droht er ihr Konsequenzen für ihre Zukunft an.
Bisher hat noch keine Schülerin Nein gesagt, alle haben aus Angst um ihre Zukunft mitgemacht und es über sich ergehen lassen - doch Hazel ist anders. Hazel will es nicht. Hazel tut es nicht. Hazel sagt sofort Nein. Und vertraut sich ihren Eltern an. Und natürlich ist fortan nichts mehr so, wie es mal war für Hazel, für ihre Familie, an ihrer Schule und in Riverburg ...
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Der Klappentext klang interessant und gut, die Leseprobe gefiel mir; und so wollte ich diesen Roman unbedingt lesen. Die Erwartungen waren hoch.
Positiv ist Jessica Berger Gross´ Schreib- und Erzählstil. Er hat mir gut gefallen, die Geschichte lässt sich sehr angenehm und flüssig lesen, und Angela Koonen hat das Ganze (wie übrigens bspw. auch schon Colleen Cambridge´s Phyllida-Bright-Krimireihe) sehr gut übersetzt.
Absoluter Mittelpunkt der Geschichte ist natürlich Hazel, doch auch die übrigen Familienmitglieder stehen im Mittelpunkt. Am liebsten mochte ich ihren kleinen Bruder Wolf; er ist wirklich wundervoll.
Die Geschichte fing stark an, ließ dann aber leider auch stark nach. Und damit sind wir leider auch bei einer Reihe von Kritikpunkten.
Die Geschichte wirkte auf mich immer wieder sehr konstruiert und unglaubwürdig. So kann ich mir bspw. beim besten Willen nicht vorstellen, dass der Direktor sich vor Hazel schon mehrere Opfer gesucht und gefunden haben soll, dass alle das mitgemacht haben sollen, dass kein Mädchen etwas gesagt und sich gewehrt haben soll, dass es nicht mal ernsthafte Gerüchte gegeben haben soll, dass es noch keine Konsequenzen für ihn gegeben haben soll.
Claire und Gus haben mich als Figuren an sich und auch als Eltern nicht überzeugt (Stichwort Gras, um eine Sache von vielen zu nennen). Sie bleiben auch sehr blass und distanziert - ganz im Gegensatz zu Wolf, den man sofort ins Herz schließt.
Der Roman entwickelte sich ganz anders als gedacht und erwartet. Die Sache, um die es eigentlich gehen sollte, stand für mich irgendwann nicht mehr genug im Mittelpunkt. So lag der Fokus bspw. viel zu wenig auf dem Direktor und seinem Leben, nachdem sein Verhalten öffentlich wurde, und den anderen Opfern. Darüber liest man fast nichts. Die Autorin schien irgendwie den roten Faden verloren zu haben. Plötzlich ging es um ein Buch, Interviews, sogar ein VOGUE-Fotoshooting ... es wurde alles zu märchenhaft, rosarot, happy. Nicht nur für Hazel, sondern auch für die übrigen Familienmitglieder lief in der Folge einfach alles viel zu glatt. Das wirkte sehr konstruiert, unglaubwürdig - und es passte für mich einfach hinten und vorne nicht zum Rest, zum Thema, zum eigentlichen und vermeintlichen Schwerpunkt der Geschichte. So viele Probleme, so ein schweres, ernstes Thema - und plötzlich führen alle ein Traumleben?
Es scheint, als wollte die Autorin allzu viele Themen in diesen Roman packen. Dadurch konnten nicht alle in der nötigen und wünschenswerten Tiefe behandelt werden, werden oft nur oberflächlichlich angekratzt und verlaufen dann im Sande - was für den Leser unbefriedigend ist. Weniger wäre hier also mehr gewesen.
Auch das Verhalten der Frau des Direktors war für mich schwer nachvollziehbar und unglaubwürdig. Ebenso die Sache mit Hazel und Noah - irgendwie konstruiert, wenig nachvollziehbar, wenig glaubwürdig.
Die Geschichte entwickelte sich wie gesagt ganz anders als erwartet, und das leider im negativen Sinne.
Gut fand ich hingegen bspw. die Tatsache, dass Hazel zu Erkenntnissen kommt, dass sie lernt, wächst, reift, erwachsener wird - wenngleich ich noch nicht weiß, inwieweit das zu der Hazel zu Beginn passt, inwieweit das glaubwürdig oder auch unglaubwürdig ist. Und obwohl das den allzu rosaroten Eindruck etwas ausgleicht, bleibt es doch am Ende ein allzu konstruiertes happy end, ist alles zu schnell zu einfach, zu schön, geraten das eigentliche Thema und die eigentlichen Probleme viel zu sehr in den Hintergrund.
Schließlich haben mir auch die Botschaften, die dieses Buch vermittelt, sehr gut gefallen.
Insgesamt konnte mich Jessica Berger Gross´ Debüt leider nicht ganz überzeugen - dennoch ist es eine Autorin, auf deren weitere Romane ich gespannt bin.