Leserunde zu "Hazel sagt Nein" von Jessica Berger Gross

Wenn ein Nein alles infrage stellt
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Jessica Berger Gross (Autor)

Hazel sagt Nein

Roman. Wenn ein Nein das Leben aller verändert. Bookclub-Fiction mit Nachhall

Angela Koonen (Übersetzer)

Wenn ein Nein alles infrage stellt - ein kraftvolles Debüt mit Nachhall

In der Hoffnung auf ein ruhigeres Leben ziehen die Blums vom pulsierenden Brooklyn ins beschauliche Riverburg, wo Vater Gus nach herausfordernden Jahren endlich eine Professur ergattert hat. Doch der idyllische Schein trügt. Gleich an ihrem ersten Schultag wird die achtzehnjährige Hazel ins Büro des Direktors zitiert. Er verkündet ihr Unglaubliches: Jedes Jahr sucht er sich eine andere Schülerin aus der Abschlussklasse aus, mit der er eine sexuelle Beziehung eingeht. Dieses Jahr ist sie die Auserwählte. Instinktiv sagt Hazel Nein - und setzt damit eine Kette von Ereignissen in Gang, die das Leben ihrer Familie, aber auch die gesamte Stadtgesellschaft auf den Kopf stellen ...

Mit feinem Humor und Gespür für Zwischentöne erzählt Jessica Berger Gross von Selbstbehauptung, gesellschaftlichen Dynamiken und dem Mut, für sich einzustehen.

Ein Roman, über den man sprechen möchte - und muss.



Timing der Leserunde

  1. Bewerben 10.11.2025 - 30.11.2025
  2. Lesen 29.12.2025 - 18.01.2026
  3. Rezensieren 19.01.2026 - 01.02.2026
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Schlagworte

Female Empowerment Mental Health Schreiben MeToo ADHS Imposter-Syndrom Stadtgesellschaft Kleinstadt Familiendynamik Teilhabe Literaturbetrieb wehrhafte Frauen feministisch Selbstbehauptung New York Brooklyn Genderdebatte schreiben Social Media Literarische Unterhaltung

Teilnehmer

Diskussion und Eindrücke zur Leserunde

Veröffentlicht am 19.01.2026

Das perfekte Opfer?

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Die Kleinstadt Riverburg im US-Bundesstaat Maine: Rund 500 Schülerinnen und Schüler besuchen die Riverburg Senior High School. Hazel Greenberg Blum (18) ist neuerdings eine von ihnen. Seitdem ihr Vater ...

Die Kleinstadt Riverburg im US-Bundesstaat Maine: Rund 500 Schülerinnen und Schüler besuchen die Riverburg Senior High School. Hazel Greenberg Blum (18) ist neuerdings eine von ihnen. Seitdem ihr Vater Gus (49), ein Amerikanistikprofessor, eine neue Stelle angenommen hat und ihre Familie umgezogen ist, soll sie dort ihr letztes Jahr vor dem College absolvieren. Sie ist ehrgeizig und sehr motiviert. Doch schon am ersten Schultag nach den Sommerferien wird sie ins Büro des Direktors Richard White (41), genannt Dick, gerufen. Seine Forderung, mit der er sie unvermittelt konfrontiert, schockt sie: Er hat sie für eine sexuelle Beziehung auserkoren. Hazel antwortet mit „Nein“ und löst damit eine Kette von Ereignissen aus…

„Hazel sagt Nein“ ist der Debütroman von Jessica Berger Gross.

Der Roman umfasst vier Teile mit insgesamt 46 kurzen Kapiteln. Erzählt wird aus wechselnder Perspektive aus der Sicht von Mutter Claire (47), von Vater Gus, von Bruder Wolf (11) und vor allem von Hazel. Die Handlung umspannt etwa ein Jahr und spielt vorwiegend an der Ostküste der USA.

Die Sprache ist ungekünstelt und wenig spektakulär, aber anschaulich. Die Dialoge wirken authentisch. Stilistisch ist der Text durchaus abwechslungsreich, denn es sind Zeitungsartikel, Mails und andere Nachrichten eingefügt. Die Übersetzung von Angela Koonen ist nur an wenigen Stellen etwas holprig.

Sexuelle Belästigung und Übergriffe sind das Hauptthema des Romans. Dabei zeigt die Geschichte einerseits, dass solcher Vorfälle weite Kreise ziehen können. Andererseits ermutigt sie eben dazu, sich gegen die Täter zu wehren. Allerdings hätte das Thema gründlicher ausgearbeitet werden können.

Nach einigen Kapiteln geht der rote Faden stattdessen immer wieder verloren, denn die Geschichte ist mit weiteren Themen und Nebensträngen überfrachtet. Das macht den Roman zwar facettenreich. Zugleich nimmt es aber dem Hauptthema die Intensität und führt dazu, dass sich die Geschichte so verzettelt, dass mehrere offene Enden zurückbleiben.

Nicht nur Hazel, sondern auch die übrigen drei Mitglieder werden mit vielen Details beschrieben und sind mit psychologischer Tiefe ausgestattet. Ihre Gedanken und ihr Verhalten sind nachvollziehbar und lebensnah.

Auf den fast 400 Seiten weist die Handlung keine nennenswerten Längen auf. Die Geschichte hält überraschende Entwicklungen parat. Sie bleibt durchweg kurzweilig und ist größtenteils glaubwürdig. Nur zum Ende hin erscheint manches ein wenig überzogen.

Der deutsche Titel ist wortgetreu aus dem Englischen („Hazel Says No“) übertragen. Er passt sehr gut zum Inhalt. Das Cover, das das Haus der Familie zeigt, wirkt für meinen Geschmack zu harmonisch.

Mein Fazit:
Mit „Hazel sagt Nein“ hat Jessica Berger Gross eine kurzweilige Geschichte geschrieben, die ein wichtiges Thema aufgreift und mich zugleich gut unterhalten hat. Dennoch schöpft der Roman leider nicht sein komplettes Potenzial aus.

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Veröffentlicht am 19.01.2026

Wenn ein Nein alles verändert

3

Hazel zieht mit ihrer Familie von New York nach Riverburg in Maine.
Ihr Vater hat dort einen neuen Job und auch für ihre Zukunft könnte es ganz praktisch sein.
Direkt am ersten Schultag bestellt der Direktor ...

Hazel zieht mit ihrer Familie von New York nach Riverburg in Maine.
Ihr Vater hat dort einen neuen Job und auch für ihre Zukunft könnte es ganz praktisch sein.
Direkt am ersten Schultag bestellt der Direktor Hazel in sein Büro und verkündet ihr, dass er eine sexuelle Beziehung mit ihr will, er sucht sich jedes Jahr eine andere Schülerin aus.
Doch Hazel sagt Nein und das verändert alles.

Sexuelle Belästigung ist ein Thema zu dem leider viele Menschen einen Bezug haben.
Viel zu oft wird den Betroffenen nicht geglaubt oder sie trauen sich gar nicht erst etwas zu sagen, weil sie Angst vor den Reaktionen haben und im Rampenlicht steht dann stattdessen oft der Täter, der natürlich seine Unschuld beteuert.
Doch hier stehen Hazel und ihre Familie im Vordergrund und das was es mit ihnen gemacht hat.
Denn Hazel sagt Nein zu dem Direktor und erzählt es danach ihren Eltern und ihre Eltern leiten weitere Schritte ein.

Hazels Situation verbessert sich dadurch jedoch nicht, im Gegenteil, sie erfährt stattdessen sehr viel Hass, ebenso wie ihre Familie.
Schließlich sind sie neu in der Stadt und der Direktor ist ein angesehenes Mitglied der Gemeinschaft, natürlich glauben sie ihm und nicht ihr.
Was sich anhört wie ein schlechter Film, mag hier zwar Fiktion sein, aber leider ist es auch viel zu oft Realität.
Die Geschehnisse im Buch fand ich daher sehr authentisch und auch wie die Gefühlswelt von Hazel dargestellt wird.
Auch ihre Familie leidet, doch für jeden bedeutet es etwas anderes.
Dadurch das das Buch in vier Perspektiven eingeteilt ist, kann man alle Familienmitglieder in ihren Gedanken begleiten.
Besonders spannend fand ich neben Hazel ihren kleinen Bruder Wolf, der zwar nicht alles versteht, aber doch genug und der selbst mit den Auswirkungen zu kämpfen hat.

Bis zu einem bestimmten Punkt war ich sehr mitgerissen und emotional auch sehr involviert.
Dann kam ein neuer Handlungsstrang hinzu, der mir leider nicht zugesagt hat.
Für mich hat es das Buch auf eine Ebene gehoben, die es überhaupt nicht gebraucht hat und durch die die Geschichte für mich an Authentizität verloren hat.
Das fand ich sehr schade, da es für mich bis dahin wirklich stimmig war, auch wenn die Handlung nicht leicht zu lesen ist.
Am Ende gab es eine gute Lösung, trotzdem war ich insgesamt nicht sehr begeistert von der Situation.
Dadurch kamen für mich andere Themen zu kurz, die ich als wichtiger empfunden hätte und die mehr Aufmerksamkeit verdient hätten.

Dennoch ist dieses Buch sehr wichtig und ich bin froh es gelesen zu haben, auch wenn es Dinge gab die mir nicht gefallen haben.
Es ist die Geschichte einer achtzehnjährigen Schülerin die für sich einsteht und danach mit Konsequenzen konfrontiert wird, die alles andere als gerecht sind.
Gleichzeitig ist es aber auch ein Buch das Mut machen kann.

Fazit: Eine Lektüre mit einem wichtigem Thema über das man mehr reden sollte, damit die Stimmen der Betroffenen lauter und gehört werden.

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Veröffentlicht am 19.01.2026

Wenn ein Wort dein ganzes Leben verändert.

2

Auf den Debütroman der amerikanischen Autorin Jessica Berger Gross, „Hazel sagt Nein“, bin ich eher zufällig gestoßen. Das fröhliche Kleinstadtidyll auf dem Cover – das weiße Haus im nordamerikanischen ...

Auf den Debütroman der amerikanischen Autorin Jessica Berger Gross, „Hazel sagt Nein“, bin ich eher zufällig gestoßen. Das fröhliche Kleinstadtidyll auf dem Cover – das weiße Haus im nordamerikanischen Colonial-Stil, die Wäsche auf der Leine im Vorgarten und der weiße Gartenzaun – hat mich zuerst gar nicht angesprochen. Für mich sah es eher nach einem simplen Feel-Good-Roman aus, der nicht sehr tiefgehend sein würde.

Der ausdrucksstarke Titel hat mich dann aber doch neugierig gemacht. Denn wozu sagt Hazel eigentlich Nein? Und was soll ich sagen: Es war eine echte Überraschung. Stille Wasser sind eben doch tief.

Zum Inhalt:
Im Mittelpunkt steht die achtzehnjährige Hazel, die mit ihrer Familie frisch aus New York ins beschauliche Riverburg im Bundesstaat Maine zieht. Dieser Umzug verändert ihr Leben auf eine Weise, die sie sich nie hätten vorstellen können. Am ersten Schultag eröffnet der Direktor der High School, dass er jedes Jahr eine Schülerin auswählt, um eine intime Beziehung zu führen – und Hazel wurde dafür auserkoren.
Hazel reagiert sofort – kein Zögern, kein Verstummen, keine Flucht. Sie sagt klar und deutlich Nein. Und genau dieses Nein löst eine Reihe von Ereignissen aus, die ihre ganze Familie betreffen.

An dieser Stelle ist mir wichtig zu sagen: Zwar geht es im Roman um Machtmissbrauch und institutionelles Wegsehen, Gewalt oder Missbrauch werden aber nirgends explizit beschrieben. Stattdessen arbeitet die Geschichte mit Andeutungen, Grauzonen und unterschwelliger Spannung. Gerade diese Zurückhaltung ist wirkungsvoll. Sie hinterlässt ein diffuses Gefühl, dass etwas nicht stimmt, und dass man das Schweigen eines Systems hinterfragen sollte.

Das Thema Selbstbehauptung angesichts ungleicher Machtverhältnisse ist für mich besonders spannend. Schön finde ich, dass der Roman Mut macht – Mut, die eigene Meinung zu vertreten, Missstände zu erkennen und anzusprechen.

Der Schreibstil ist angenehm ruhig, das Tempo passt, die Sprache ist klar und gut gewählt. Außerdem kommen nicht nur Hazel, sondern auch ihre Familie – Vater Gus, Mutter Claire und der zwölfjährige Bruder Wolf – zu Wort. So werden die familiären Dynamiken deutlicher.

Allerdings liegt hier auch eine Schwäche des Romans: Es werden zahlreiche Themen wie psychische Probleme, Mobbing, Cancel Culture oder Antisemitismus angerissen, jedoch nicht wirklich ausgearbeitet. Sie bleiben letztlich im luftleeren Raum, sodass die vielversprechenden Ansätze leider versanden.

Ab etwa der Hälfte wandelt sich die Geschichte in eine zu leichte, positivierte Richtung.
Alles scheint sich plötzlich zum Guten für Hazel zu wenden. Auch wenn eine realistischere, emotional belastendere Darstellung schwerer zu lesen gewesen wäre, hätte ich mir gewünscht, dass die Konsequenzen und die Verarbeitung der traumatischen Erfahrungen länger realistisch gezeigt würden.
Hazels Erfahrungen mit Mobbing, Ausgrenzung und Verleumdung wirken abgeschwächt, und angesichts des Täters als beliebtes Mitglied der Kleinstadt wirken die Reaktionen unrealistisch zurückhaltend.

Abschließend lässt sich sagen: „Hazel sagt Nein“ hat meine Erwartungen nur teilweise erfüllt, das Grundkonzept ist aber stark. Der Roman zwingt die Lesenden, sich mit Unbehagen auseinanderzusetzen, und zeigt, dass es möglich ist, sich zu behaupten und füreinander einzustehen. Auch in der Gemeinschaft liegt Kraft.
Schade ist nur, dass die Autorin ihre eigenen Themen teilweise abschwächt – gerade diese hätten dem Buch noch mehr Tiefe und Wirkung verliehen.

Ich würde den Roman besonders denen empfehlen, die stark triggernde Inhalte nur schwer vertragen, sich aber trotzdem mit Themen wie Machtmissbrauch, Grauzonen und Gewalt auseinandersetzen möchten.

Am besten eignet er sich für eine Leserunde: Der Austausch mit anderen hat mir sehr geholfen, die Wirkung des Romans noch intensiver zu erleben.

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Veröffentlicht am 19.01.2026

Starkes Thema mit tollen Introspektiven, aber verblassendem Fokus

1

Starkes Thema, intensive Innenansichten, inkonsequente Handlungsverfolgung

Familie Blum zieht aus New York ins beschauliche Main und hier in die Kleinstadt Riverburg. Vater Gus bekommt eine lukrative ...

Starkes Thema, intensive Innenansichten, inkonsequente Handlungsverfolgung

Familie Blum zieht aus New York ins beschauliche Main und hier in die Kleinstadt Riverburg. Vater Gus bekommt eine lukrative Anstellung als Professor am College, Mutter Clair will sich in einer eigenen Modelinie verwirklichen, der liebenswert-besondere Sohn Wolf mit versucht in der neuen Junior High zurecht zu kommen und Tochter Hazel soll hier Abschlussjahr an der Highschool verbringen. Doch schon am ersten Schultag wird sie zum Schulleiter White ins Büro gerufen. Und der eröffnet ihr unglaubliches: Jedes Jahr hat er Sex mit einer Schülerin und dieses Mal soll es Hazel sein! Doch die sagt Nein.
Jessica Berger Gross schildert in ihrem Roman die Innensicht der Familie nach diesem Ereignis. Jedes Familienmitglied kämpft mit eigenen Problemen und mit dem sexuellen Machtmissbrauch des Schulleiters an Hazel. Wie ihr Nein das gesamte Familienleben, aber auch das Leben in der Kleinstadt beeinflusst, in der White ein sehr angesehener Mann ist, möchte das Buch dem Leser erzählen.

Das Buch behandelt ein so wichtiges Thema und darüber muss geschrieben, nachgedacht und diskutiert werden.
Gerade weil es hier nicht zu der sexuellen Handlung kommt, da Hazel sich widersetzt, ist das Thema Machtmissbrauch und sexueller Missbrauch hier so gelungen erzählt. Es muss nicht zum Akt kommen, um dennoch ein Trauma auszulösen und um dennoch Missbrauch zu sein!
Meiner Meinung nach beschreibt Berger Gross mit einer starken Empathie für die verschiedenen Familienmitglieder genau dieses Trauma. Die Selbstzweifel, die unglaublichen Reaktionen in der kleinstädtischen Gemeinschaft, die Ängste und Sorgen werden gut herausgearbeitet. Dabei ist der Erzählstil durchgehend leicht zu lesen und nehmen aufgrund des feinen Witzes der Sprache dem Lesenden die Last, zu sehr von der Düsternis des Themas erdrückt zu werden.
Achtung: Spoiler!
Aber: viele der dann erzählten Handlungsstränge werden danach nicht auserzählt. Der Direktor und seine Handlungen bleiben bis auf kurze, geradezu plötzliche Momente komplett außen vor. Die schweren Angriffe auf die Familie werden nicht weiter behandelt und bleiben sogar diffus. Die Familie des Direktors bekommt kurz Raum, wird aber wieder aus der Erzählung genommen.
Hazel wird nun sehr gehypt und erlangt aufgrund ihrer Geschichte viel positive Aufmerksamkeit, soll ein Buch schreiben, wird interviewt, erscheint in Podcasts und Zeitungsartikeln. Und das in so rasender Geschwindigkeit, dass man beim Lesen die vielen Möglichkeiten und Namen kaum mehr verfolgen kann.
Schlussendlich wird sich Hazel auch dessen bewusst und setzt dem erneut ein klares Nein entgegen. Sie sagt dafür Ja zu einer unbeschwerten, weniger populistischen Zukunft. Ein starkes Stück Selbstfindung!
Leider findet auch der Rest der Familie völlig zufällig oder einfach zu schnell ein persönliches Happyend – das ist fast überfordernd romantisiert.

Ein Roman zu einem wichtigen Thema, der einfühlsam und doch humorgespickt die Geschichte erzählt, wie ein Missbrauch und ein starkes Nein dazu ein Leben aus der Bahn wirft. Berger Gross gelingt es, die starke Hauptfigur nachempfinden zu lassen und zu einer noch stärkeren gereiften jungen Erwachsenen werden zu lassen.
Für mich fehlt dem Buch in der zweiten Hälfte jedoch eindeutig der rote Faden oder er wird eben vielfach einfach gekappt.
Das hat mich traurig hinterlassen, denn ich mochte den ersten Buchteil so sehr! Manchmal wären ein paar angerissene Ideen oder gleich ein paar Seiten zu demselben Thema weniger einfach mehr. So verliert die Geschichte das eigentliche Thema aus dem Blick.
Es mag die amerikanische Art sein, aber viele Details sind einfach sehr unrealistisch und die vielen Happyendings fliegen der Familie nur so zu. Mich hat das enttäuscht, gerade nach der so gelungenen und starken ersten Buchhälfte. Gleichsam hallt das Buch noch lange in mir nach – aber leider nicht in erster Linie wegen des starken Themas.
Hier wurde der verlorene rote Faden leider kurzerhand zu einem rosa-roten verwaschen.

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Veröffentlicht am 19.01.2026

Ein Nein und seine Folgen: Spannender Plot, Umsetzung nur teils gelungen

3

Hazel sagt nein von Jessica Berger Gross kommt vom Cover her sehr unauffällig daher, doch der Plot hat es wirklich in sich.

Die 18-Jährige Hazel Blum freut sich auf eine großartige Zukunft. Ihre Familie ...

Hazel sagt nein von Jessica Berger Gross kommt vom Cover her sehr unauffällig daher, doch der Plot hat es wirklich in sich.

Die 18-Jährige Hazel Blum freut sich auf eine großartige Zukunft. Ihre Familie ist gerade von New York ins beschauliche Riverburg gezogen, auch um ihren Traum von einer Zukunft an einem Liberal Arts College und einer Karriere als Schriftstellerin zu ermöglichen. Ihr Vater hat eine Professur dort angenommen, die einige finanzielle Annehmlichkeiten bietet.
Doch gleich an ihrem ersten Tag an der neuen Highschool ändert sich Hazels Leben auf völlig unerwartete Art und Weise:

"Manche Leute [....] behaupten, dass sich innerhalb eines Augenblicks alles ändern kann. Nach Hazels (zugegeben begrenzter) Erfahrung stimmte das nicht. Veränderung, ob politische oder private, dauerte ewig, und allgemein kam nicht viel dabei herum. Wir schleppen uns voran wie Raupen, bis wir unter dem Stiefel des Patriarchats und der Hausarbeit zermalmt werden. Erst an einem Morgen in Maine, am ersten Tag ihres letzten Schuljahres an der Highschool von Riverburg, erkannte Hazel, wie naiv sie gewesen war. Selbstverständlich konnte sich von einem auf den anderen Moment alles ändern. Nur bei ihr das bis dahin noch nicht passiert."

Hazel kann es nicht fassen, als der Schuldirektor sie in sein Büro rufen lässt und ihr eröffnet, dass er sich jedes Jahr eine Schülerin der Abschlussklasse für eine s*xuelle Beziehung aussucht - und dieses Jahr ist sie seine Auserwählte. Doch womit der Direktor nicht gerechnet hat: Hazel sagt Nein!

Doch damit ist es leider nicht getan:
"Als Hazel zum Direktor Nein sagte, hatte sie geglaubt, die Demütigung wäre damit vorbei. Doch jetzt wurde ihr klar, dass diese womöglich erst begann."

Hazels Reaktion setzt eine Reihe von Ereignissen in Gang, die nicht nur ihr Leben und das ihrer Familie, sonder auch der ganzen Stadt auf den Kopf stellen.


Der Schreibstil ist ein recht gelungener Mix aus ernsthaft und unterhaltsam; dennoch fehlte es mir stellenweise etwas an Tiefe.

Hazels Entwicklung gefiel mir insgesamt recht gut, vor allem gegen Ende hin:
"Dad [...] trank auf ihre 'erstaunliche Leistung'.
Nur, dass nicht sie das geschafft hatte. Überhaupt nicht. Sondern er, Dick White. Denn Hazel wusste, und ihren Eltern musste das auch klar sein, außer sie machten sich etwas vor - und wahrscheinlich war es der ganzen Welt klar -, dass Hazel ein paar (absolut beschissene) schreckliche Minuten ihres Lebens genommen und ausgepresst hatte wie ihre Mutter ihre morgendliche Grapefruit. Bis auf die Schale. Sie hatte es nicht aus eigener Kraft ans Vassar geschafft. Sie hatte die Hilfe des Schuldirektors gebraucht.
Denn wer hätte sie gewollt, wenn White sie nicht gewollt hätte?"

Dass Hazel am Ende so klarsichtig und stark ist, ihr Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen, fand ich einen gelungenden Abschluss.

"Aber ich verstehe das nicht. Warum willst du dein Buch nicht mehr schreiben?"
" ich sage nicht, dass ich nie eins schreibe. Vielleicht später mal einen Roman ich weiß es nicht!
[...]
Ich schätze, ich ... ich fühle mich dafür noch zu jung. So was passiert immer noch ständig, wisst ihr? Und ich will nicht darüber definiert werden. Über White. Ich denke, ich kann so viel anderes sagen, aber ich weiß eigentlich noch nicht, wie ich es sagen soll."

Mit dem (mangelnden) Handeln ihrer Eltern konnte ich mich dagegen (selbst Mutter) nicht so ganz anfreunden; den kleinen Bruder Wolf fand ich dagegen sehr sympathisch.

Insgesamt wurden meine (zugegebenermaßen sehr hohen!) Erwartungen an die Ausarbeitung der spannend klingenden Ausgangssituation leider nicht ganz erfüllt. Ich hätte mir etwas mehr „Schlagkraft“ gewünscht; vieles verlief mir insgesamt zu glatt.
Ich vergebe final 3,5 von 5 Sternen.

Vielen Dank an den Lübbe Verlag und an www.lesejury.de für dieses Rezensionsexemplar!

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